Open Source Software in der öffentlichen Verwaltung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition von der OSS

3. Vor- und Nachteile des Einsatzes von der OSS
3.1 Vorteile
3.2 Nachteile

4. OSS-Einsatz in der Verwaltung in Deutschland
4.1 Das Großprojekt „LiMux“ in München
4.2 Einsatz vom OTRS in Schwäbisch Hall
4.2.1 Was ist das OTRS?
4.2.2 OTRS in der Schwäbisch Haller Verwaltung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Deutschland stehen viele Bundes- und Kommunalverwaltungen vor der Entscheidung, ob und in welchem Maße sie Open Source Software (OSS) einsetzen wollen. Während sich die Städte wie München, Schwäbisch-Hall, Wolfsburg und Leonberg dafür entschieden haben, OSS einzusetzen, haben sich die Städte wie z.B. Frankfurt/M., Worms, Böblingen, Weingarten, Ravensburg und das Landratsamt Heidenheim dagegen entschieden. Über den Einsatz von OSS gibt es derzeit auch im Ausland, von Brasilien über Kanada und Großbritannien bis hin nach Asien Diskussionen, ob man im öffentlichen Sektor auf OSS wechseln soll. Die Stadt Wien hat eine Migrationsstudie durchgeführt und diese Studie online zur Verfügung gestellt. In der Schweiz hat man unter den Mitarbeitern des Bundesverwaltungsamtes eine Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, ob die Mitarbeiter überhaupt dafür sind und für den möglichen Einsatz ausreichendes Know-how besitzen.

Bei der Gesamtbetrachtung der kontroversen Diskussionen in der Fachliteratur und der Praxis kommt man zu dem Schluss, dass die Vor- und Nachteile des Einsatzes der OSS dabei eine große Rolle spielen. Hiermit ergibt sich natürlich die Frage, welche Vor- und Nachteile der Einsatz der OSS hat und wie diese zu bewerten sind. Auf diese Frage wird in dieser Hausarbeit genau eingegangen. Um diese Frage konkret zu beantworten, werde ich zunächst auf die Vor- und Nachteile, die in der Literatur diskutiert werden, eingehen und anschließend anhand der zwei OSS-Großprojekte „LiMux“ in München und „OTRS-Einsatz“ in Schwäbisch Hall das Thema konkretisieren.

Im ersten Kapitel der Arbeit möchte ich den Begriff OSS definieren und von den anderen ähnlichen Begriffen abgrenzen. Danach werde ich ihre wichtigen Kriterien erklären. Im nächsten Kapitel werden die Pro- und Contra- Argumente des Einsatzes von OSS diskutiert. Um diese Diskussionen noch konkreter zu machen, möchte ich auf die zwei Beispiele eingehen, um zu zeigen, wie diese OSS eingesetzt haben und ob sie dadurch einen Erfolg erreicht haben.

2. Begriffsdefinition von der OSS

Es wird in der aktuellen Diskussion der Begriff der Open Source Software (OSS) meistens unzutreffend gebraucht oder mit den anderen Softwares verwechselt. In diesem Abschnitt möchte ich deshalb zunächst den Begriff der Open Source Software klären und von den anderen Softwarearten abgrenzen.

Begriff der Open Source Software

Die Geschichte der OSS ist noch jung. Erst im Jahre 1985 entstand die Idee eines freien Betriebssystems auf UNIX Basis. Richard Stallman gründete auch die Free Software Foundation (FSF). Open Source Software hat die folgenden wichtigen Kriterien.

Freier Zugang zum Quellcode

Man legt den gesamten Quellcode der Applikationen offen. Einer Distribution von ausführbaren Binärdateien soll regelmäßig der Quellcode beiliegen. Wenn das nicht der Fall, muss man den Quellcode wie z.B. über die Webseite öffentlich für jeden zugänglich machen.

Freie Weitergabe der Software

Man darf OSS an beliebige Dritte weitergeben. Die Autoren können die Weitergabe nicht einschränken. Die Erhebung von Lizenzgebühren ist nicht verboten, aber deren Durchsetzung wäre aufgrund der freien Weitergabemöglichkeit fast unmöglich.

Beliebige Modifikationen der Software

Es ist gestattet, dass die Entwickler freier Software beliebige Änderungen an ihren Produkten vornehmen. Allerdings muss die modifizierte Software unter den gleichen Voraussetzungen, wie die originale Version, weiterverbreitet werden können.[1]

Keine Einschränkungen der Nutzung

OSS kann für diverse Ziele von jedem genutzt werden. Man darf nicht bestimmten Gruppen die Nutzung verbieten der OSS bzw. einschränken. Das Ziel ist dabei, dass man dadurch die kommerzielle Nutzung der OSS verhindert. Wenn alle diese Kriterien erfüllt sind, kann man das Produkt als OSS bezeichnen (im Sinne der Open Source Initiative (OSI) Definition).[2]

So definiert OSI die OSS: „The basic idea behind open source is very simple: When programmers can read, redistribute, and modify the source code for a piece of software, the software evolves. People improve it, people adapt it, people fix bugs. And this can happen at a speed that, if one is used to the slow pace of conventional software development, seems astonishing.”[3]

Der Begriff OSS wird oft auch als Synonym für „Freie Software“ gebraucht. Allerdings bedeutet dies nicht immer gleiche. Das Wort „frei“ in „Freie Software“ bedeutet weniger die Kostenfrage: Damit wird die Freiheit der Nutzung wie z.B. „freies Reden“ gemeint. Man spricht von vier Freiheiten bei der Freien Software:

- Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck zu verwenden.
- Die Freiheit, das Programm zu untersuchen und an seine Bedürfnisse anzupassen. Die Offenlegung des Quellcodes ist dafür unabdingbar.
- Die Freiheit, Kopien des Programms weiterzugeben.
- Die Freiheit, das Programm zu verändern und diese veränderten Versionen zu veröffentlichen.[4]

Nach einer strengen Interpretation darf eine „freie Software“ einem Nutzer oder Weiter-entwickler keine Beschränkungen vorschreiben. Außerdem muss man die offene Software von den offenen Standards unterscheiden. Offene Standards werden auch von Microsoft und anderen Anbietern proprietärer Software genutzt.[5]

3. Vor- und Nachteile des Einsatzes von der OSS

Die Argumente, die für oder gegen Einsatz von der OSS genannt werden, sind in der Fachliteratur weitgehend bekannt. Wenn man diese genau betrachtet und zusammenfasst, ergeben sich die folgenden wichtigsten Vor- und Nachteile.

3.1 Vorteile

Die Bundesstelle für Informationstechnik (BIT)-Abteilung des Bundesverwaltungsamtes beschreibt die Vorteile der OSS wie folgt:

- „Of­fen­heit und In­te­r­ope­ra­bi­li­tät: Die Ver­füg­bar­keit des Quell­co­des geht ein­her mit der De­fi­ni­ti­on von of­fe­nen und voll­stän­dig do­ku­men­tier­ten Schnitt­stel­len und Da­ten­for­ma­ten. Da­mit ist OSS ein wich­ti­ger Bau­stein ei­ner um­fas­sen­den Open-Go­ver­n­ment-Stra­te­gie.
- Stra­te­gi­sche Po­si­ti­on: OSS-Pro­duk­te ge­wäh­ren um­fang­rei­che Rech­te zur Nut­zung und Ver­än­de­rung der Pro­gram­me. Dar­über hin­aus ist es mög­lich, durch ei­ge­ne Bei­trä­ge die Aus­rich­tung ei­nes OSS-Pro­dukts selbst zu be­ein­flus­sen.
- Wirt­schaft­lich­keit: Li­zenz­ge­büh­ren für die rei­ne Nut­zung von OSS ent­ste­hen nicht (für Be­ra­tung, Schu­lun­gen, Sup­port, War­tung oder Ge­währ­leis­tung kön­nen aber Kos­ten ent­ste­hen). Da­mit kön­nen Soft­ware-Ent­wick­lungs­pro­jek­te klein star­ten und spä­ter auf vie­le Nut­zer ska­lie­ren, oh­ne dass zu­sätz­li­che Li­zenz­kos­ten an­fal­len.
- Qua­li­tät und Si­cher­heit: Durch die Of­fen­le­gung des Quell­co­de für je­der­mann sind Ent­wick­ler da­zu an­ge­hal­ten, sau­be­ren und feh­ler­ar­men Code zu pro­du­zie­ren. Soll­ten doch Feh­ler oder Si­cher­heits­lücken auf­tau­chen, so wer­den die­se meist schnell ge­fun­den und ab­ge­stellt bzw. ge­schlos­sen.
- Pro­duk­ti­vi­tät und In­no­va­ti­vi­tät: Schnitt­stel­len sind ge­ra­de in großen OSS-Pro­jek­ten sehr sau­ber de­fi­niert, weil an­sons­ten das Open-Sour­ce-Ent­wick­lungs­mo­dell nicht funk­tio­nie­ren könn­te. Die­se sau­be­ren Schnitt­stel­len er­lau­ben es, be­ste­hen­de OSS-Kom­po­nen­ten re­la­tiv schnell zu neu­en, um­fang­rei­chen Pro­gram­men zu kom­bi­nie­ren.
- Markt und Wett­be­werb: OSS stärkt den Wett­be­werb. Of­fe­ne Stan­dards und frei­er Quell­co­de-Zu­gang re­du­zie­ren Her­stel­ler­ab­hän­gig­kei­ten. Sie er­mög­li­chen es Wett­be­wer­bern, in die Fort­ent­wick­lung, Ver­bes­se­rung oder Spe­zia­li­sie­rung von OSS ein­zu­stei­gen und da­bei auf frei ver­füg­ba­rem Wis­sen und Tech­nik auf­zu­bau­en.
- Au­ßen­wir­kung: OSS ist im pri­va­ten und pro­fes­sio­nel­len Ein­satz eta­bliert und ak­zep­tiert. Durch of­fe­ne Stan­dards und platt­for­mu­n­ab­hän­gi­ge OSS wird bei der di­gi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on mit be­hörd­li­chen Ein­rich­tun­gen nie­mand aus­ge­schlos­sen.“[6]

Wenn man die Diskussionen über die Vorteile der OSS in der Fachliteratur[7] genau betrachtet und zusammenfasst, ergeben sich die wichtigsten Vorteile für einen OSS-Einsatz wie folgt:

- die geringen Beschaffungskosten
- die schnelle und kompetente Unterstützung der OSS-Gemeinde
- die hohe Qualität und Sicherheit der Software.

3.2 Nachteile

Wie bei den Vorteilen gibt es auch bei den Nachteilen einen Konsens über den Einsatz der OSS. Die gängigen und meist bekannten Nachteile, die sowohl in der Fachliteratur als auch in der Praxis erwähnt werden, sind:

- Eingeschränkte Haftung (rechtliche Aspekte): Es besteht keine Möglichkeit, dass man Gewährleistungs- oder Haftungsansprüche gegen die Entwickler der Software geltend macht. In der Regel übernehmen die OSS-Lizenzen keine Garantie für die Funktionstüchtigkeit der Software. Deswegen hat der Nutzer bzw. Anwender das Risiko beim Einsatz zu tragen. Aus diesem Grund spielen Gewährleistungsansprüche bei OSS kaum eine Rolle.[8]
- Kom­pa­ti­bi­li­tät: Da die Fachan­wen­dun­gen überwiegend über pro­prie­tä­re Schnitt­stel­len an eben­sol­che Soft­ware-Sys­te­me verbunden sind, wird der Ein­satz von OSS über of­fe­ne Stan­dards schwierig. Außerdem verfügt man für Ge­rä­te wie z.B. Scan­ner nicht im­mer über op­ti­ma­le OSS-Trei­ber.[9]

[...]


[1] Thomas Renner/Michael Vetter/Sascha Rex/Holger Kett: Open Source Software: Einsatzpotenziale und Wirtschaftlichkeit, Eine Studie der Fraunhofer-Gesellschaft 2005, S. 12f.

[2] http://opensource.org/osd, Zugriff: 21.05.2014.

[3] http://opensource.org/, Zugriff: 21.05.2014.

[4] DEUTSCHER BUNDESTAG: Bericht Projektgruppe Interoperabilität, Standards, Freie Software, 09.01.2013., S. 44f.

[5] Arbeitskreis Informationstechnologie des StGB NRW, Einsatz von OpenSource Software (OSS) in Kommunen Mai 2005, S.5f.

[6] Bundesverwaltungsamt: http://www.bva.bund.de/DE/Organisation/Abteilungen/Abteilung_BIT/Leistungen/IT_Beratungsleistungen/CCOSS/02_OSS/01_Vorteile/node.html, Zugriff: 24.05.2014.

[7] Thomas Renner/Michael Vetter/Sascha Rex/Holger Kett: Open Source Software: Einsatzpotenziale und Wirtschaftlichkeit, Eine Studie der Fraunhofer-Gesellschaft 2005, S. 16ff.; Friedrich-L. Holl (Hrsg.): MetastudieOpen-Source-Software und ihre Bedeutung für Innovatives Handeln, Band 1, Berlin 2006, S. 20-24.; DEUTSCHER BUNDESTAG: Bericht Projektgruppe Interoperabilität, Standards, Freie Software, 09.01.2013., S. 52ff.

[8] Ebd. S. 55.

[9] Bundesverwaltungsamt: http://www.bva.bund.de/DE/Organisation/Abteilungen/Abteilung_BIT/Leistungen/IT_Beratungsleistungen/CCOSS/02_OSS/01_Vorteile/node.html, Zugriff: 24.05.2014.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Open Source Software in der öffentlichen Verwaltung
Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V281301
ISBN (eBook)
9783656820895
ISBN (Buch)
9783656820925
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
open, source, software, verwaltung
Arbeit zitieren
Yulia Demyanenko (Autor), 2014, Open Source Software in der öffentlichen Verwaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281301

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