Response Paper zu "Polyarchy - Participation and Opposition"


Essay, 2014
7 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Polyarchy

3. Does Polyarchy matter?

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dieses Response Paper behandelt die Kapitel 1-2 des Buches ‚Polyarchy - Participation and Opposition‘, das von dem amerikanischen Politikwissenschaftler Robert Dahl verfasst wurde und 1971 erschien. Dahl, der die moderne Demokratietheorie entschieden prägte und gleichzeitig als einer der wichtigsten Vertreter des empirisch-analytischen Ansatzes gilt, entwickelt darin das Konzept der Polyarchie, das der Typologisierung und Messung von Staatsformen dienen soll. Die Einführung dieses Konzeptes soll die Abgrenzung zu dem normativen Begriff der Demokratie ermöglichen und somit eine deskriptive Herangehensweise erlauben.

2. Polyarchy

Dahl formuliert zu Beginn, dass die Verantwortungsübernahme durch Regierende die elementare Voraussetzung für ein langfristiges Bestehen einer demokratischen Ordnung sei. Daraus leitet er drei „unerschütterliche“ (Dahl 1971: 2) notwendige opportunities ab. Diese political equals, die jedem/jeder Bürger_in garantiert werden müssen lauten: Die Möglichkeit Präferenzen formulieren (1) und offen aussprechen und diskutieren zu können (2), sowie die Gleichberechtigung jener Präferenzen im politischen Diskurs (3).

Da diese Aufzählung in Systemen mit einer hohen Anzahl an Personen nicht ausreichend sei, führt Dahl insgesamt acht guarantees an, die darüber hinaus erfüllt werden müssten. Diese Garantien, die von einem Staat gewährleistet werden müssten, subsumiert er unter den zuvor genannten opportunities. Exemplarisch sei an dieser Stelle die Unabhängigkeit der Medien von der Regierung und die Organisationsfreiheit (1 zugeordnet) sowie die Sicherung elementarer Wahlgrundsätze wie der Gleichheit der Stimmen (2 unterstellt) genannt.

Daraus resultieren insgesamt vier idealtypische Systemformen, die Dahl anhand der Dimensionen p articipation und puplic contestation einordnet. Die closed hegemonies (a) sind durch minimalen politischen Wettbewerb und Partizipation gekennzeichnet während sich die competetive oligarchies (b) durch minimale Partizipation und hohen Wettbewerb - vice versa bei den inclusive hegemonies (c) - auszeichnen. Die Staatsform, in der beide Dimensionen ausreichend berücksichtigt werden, nennt Dahl Polyarchy (d), die für ihn ein Synonym für die modernen Repräsentativdemokratien ist.

Die Polyarchie ist dabei terminologisch bewusst weiter gefasst als der Begriff der Demokratie und soll ferner hervorheben, „dass die verfassungsstaatlichen Demokratien in Amerika und Europa dem Ideal einer vollständigen Demokratie nicht genügen“ (Schmidt 2010: 213).

3. Does Polyarchy matter?

In den Kapitel „Does Polyarchy matter?“ begründet Dahl, warum er die Polyarchie für eine erstrebenswerte Staatsform hält, in dem er sich mit den Vorwürfen anderer Theoretiker_innen auseinandersetzt und gleichzeitig seine eigene Konzeption unter anderem mit historischen Beispielen zu belegen versucht.

So entgegnet er dem Vorwurf, dass die Unterschiede zwischen einer Polyarchie und einer inklusiven Hegemonie geringfügig seien mit der klar formulierten und nachvollziehbaren Entgegnung, dass dieses Argument nur von Intellektuellen geäußert werde, die nicht selbst in einem repressiv-hegemonischen System lebten. Er verweist an dieser Stelle auf die Demokratisierung Italiens (zwischen der Einheit 1870 und dem Faschismus), die unter anderem durch Intellektuelle wie Gaetano Mosca oder Benedetto Croce einer massiven Kritik ausgesetzt worden sei. Nach Ende des zweiten Weltkriegs sei, angesichts der mangelhaften Unterstützung des Parlamentarismus zu der die Kritik mit beitrug, Widerruf und Relativierung durch jene Autor_innen festzustellen. Bereits an diesem kurzen Absatz lässt sich das methodisch überzeugende Vorgehen Dahls sehr gut erklären: Er greift einen möglichen Einwand gegen seine These auf und entkräftet diesen unter der Zuhilfenahme eines konkreten, messbaren und unbestrittenen Beispiels. Darüber hinaus bedient sich Dahl in seinen Ausführungen einer luziden und unverblümten Sprache, die es dem/der Leser_in einfach macht, die Positionen nachzuvollziehen.

Wie bereits im ersten Teil dieser Arbeit ausgeführt wurde, spielt die Partizipation (neben dem politischen Wettbewerb) die entscheidende Rolle in Dahls Konzept. Er ist sich dabei bewusst, dass selbst ein maximal partizipatives System nicht ein vollständig repräsentatives Abbild aller gesellschaftlicher Strömungen wäre, argumentiert aber, dass die Ausweitung des Wahlrechts (also eine Erweiterung der Partizipationsmöglichkeiten) zumindest eine (rein statistische) Verminderung von Unterrepräsentation auslöse (Vgl. Dahl 1971: 22 ff).

Dahl nutzt hier einen argumentativen Trick. Er greift den Vorwurf, dass eine Fixierung auf Partizipation nicht das Problem der Repräsentation löse, auf und erwidert, dass wenigstens die Unterrepräsentation dezimiert werde. Dem positiven Effekt, der aus dieser inhaltlichen Entgegnung resultiert, werden wohl auch Kritiker_innen Dahls zustimmen müssen. Somit entkräftet er durch Umformulierung ein Argument, ohne sich der eigentlichen Kritik aussetzen zu müssen.

Eine möglichst niedrige Schwelle für politischen Diskurs und ein grosser Anteil der Bevölkerung eines Landes, der in die Entscheidungsprozesse eines politischen Systems eingebunden ist, stellt für Dahl eine Art Sicherungsmechanismus gegen autoritäre Bestrebungen der Regierenden dar. Besonders dieser Punkt scheint für ihn ein gewichtiges Argument für eine Polyarchie zu sein, da er gleich drei Beispiele anführt.

Er nennt sowohl die Ausbeutung und Ermordung von Bürger_innen in den Arbeitslagern der UdSSR zu Beginn der 1930er Jahre, als auch die Ermordung Menschen jüdischen Glaubens durch die deutschen Faschist_innen und die brutale Tötung von Kommunist_innen im Zuge des Systemwechsels 1965 in Indonesien als Beispiel für „extreme sanctions against more than a small percentage of the population“ (Dahl 1971: 27) durch eine Regierung. Hier gelingt es Dahl besonders eindrücklich seine Position deutlich zu machen.

Die Aufzählung ist mitnichten vollständig, sondern lässt sich um dutzend weitere Beispiele, allein aus den autoritären Regimen des 20. Jahrhunderts, beliebig erweitern. Leider sind die Ausführungen an dieser Stelle relativ ungenau. Es wird nicht klar, welche konkreten Mechanismen oder Institutionen der Verhinderung der zuvor genannten Ereignisse dienen sollen. Eine naheliegende Möglichkeit wäre beispielsweise die Zuhilfenahme eines der Konzepte der Gewaltenteilung, das eine anschauliche und verständliche Einsicht erlauben würde. Auch die Beschreibung einer konstitutionellen Ordnung, die elementar für die Vergleichbarkeit zwischen polyarchen Systemen sein kann, findet sich an dieser Stelle des Buches nicht. Dahl stellt hier also nur einen allgemeinen Zusammenhang zwischen der Anfälligkeit von Regierungen für autoritäre Sanktionen und der Partizipation bzw. Möglichkeit des politischen Diskurses innerhalb eines Systems fest. Er konstatiert deshalb folgerichtig ein erhöhtes Risiko für ein Auftreten dieser Methoden des massiven Zwangs (Vgl. Dahl 1971: 28) in Nicht-Polyarchien.

Dahl stellt gegen Ende des zweiten Kapitels klar, dass dieses Buch als ein klares Plädoyer für polyarche Systeme zu verstehen sei und spricht sich gleichzeitig für eine weitere Demokratisierung jener aus. Er nimmt somit einen explizit normativ-begründeten Standpunkt ein. Die Voraussetzungen für eine fundierte empirisch-analytische Arbeit bleiben durchweg unberührt. Vielmehr lässt sich feststellen, dass hier eine methodische Kombination des empirischen und des normativen Ansatzes vorliegt.

Dahl betont außerdem, dass für ihn der Übergang von einem hegemonischen System zu einer Polyarchie in keinem deterministischen Zusammenhang stehe. Er lehnt also die Annahme, dass eine bestimmte historische Gesetzmäßigkeit (Vgl. Dahl 1971: 32) den Wechsel zu einer Polyarchie bzw. Nicht-Polyarchie vorherbestimmen würde ab und stellt gleichzeitig heraus, dass die Bedingungen, die die Wende zu einer Polyarchie begünstigen, vergleichsweise selten aufträten (Vgl. Dahl 1971: 32).

Der Konzentration auf Partizipation und politischen Wettbewerb bei Dahl liegt ein liberales Menschenbild zugrunde. Individuen handeln in Gemeinschaft demnach überwiegend rational und von eigenen Interesse geleitet. Auf Basis dieser idealisierten Annahme von menschlichem Verhalten lassen sich in der politischen Wirklichkeit aber durchaus auch Probleme diskutieren. So könnte beispielsweise das Interesse an ökologischer Nachhaltigkeit, das durchaus einen (rational erkennbaren) Nutzen für jedes Mitglied der Gemeinschaft stiftet, mit der Schwierigkeit der mangelnden Artikulation bzw. Durchsetzung konfrontiert sein. Eventuelle Lösungen für Probleme dieser Art sind eher durch mittel- und langfristige Resultate gekennzeichnet und bringen nur äußerst selten einen kurzfristig feststellbaren Profit für die/den Einzelne_n.

4. Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Dahls ‚Polyarchy - Participation and Opposition‘ durch sein reflektierendes und abwägendes Vorgehen und durch seine Methodenkombination aus empirisch-analytisch und der normativen Herangehensweise eine fundierte Abhandlung über das Wesen demokratischer oder polyarcher Systeme bietet.

Mit der radikalen Vereinfachung auf die beiden Dimensionen Partizipation und politischen Wettbewerb gelingt ihm ein einfaches und verständliches Vergleichsmodell zur Messung von Demokratie(n).

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Response Paper zu "Polyarchy - Participation and Opposition"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Proseminar: Grundlagen der Politischen Theorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
7
Katalognummer
V281360
ISBN (eBook)
9783656757757
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dahl, Polyarchy, Response Paper, empirisch-analytisch, Participation and Opposition, Polyarchie, 1971, Demokratietheorie, Partizipation, Wettbewerb
Arbeit zitieren
Frederic Arning (Autor), 2014, Response Paper zu "Polyarchy - Participation and Opposition", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281360

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