„Strom ist definierbar als der sich in einer Leitung vollziehende Elektronenfluss mit der Fähigkeit zur Verrichtung elektrischer Arbeit.“ Die erzeugte elektrische Energie kann in Form von Licht, Antrieb oder Wärme genutzt werden. Strom kennzeichnet sich durch völlige Homogenität, denn der Verbraucher kann bei seiner Verwendung weder Art des produzierenden Kraftwerks noch den verwendeten Energieträger feststellen.
Die Elektrizitätswirtschaft zählt zu den Schlüsselindustrien einer jeden Volkswirtschaft. Aufgrund seiner vielfältigen Anwendbarkeit zählt Strom zu den gängigsten Sekundärenergieträgern. Obwohl bereits eine weitgehende Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch stattgefunden hat , ist die sichere Bereitstellung von Strom eine wesentliche Vorraussetzung für den Wohlstand eines Landes. Elektrische Energie lässt sich in der industriellen Produktion und im privaten Konsumbereich fast nur unter Inkaufnahme ökonomischer Nachteile ersetzen.
Zum allgemeinen Verständnis erscheint es sinnvoll, sich die Branchenbesonderheiten, den traditionellen Ordnungsrahmen und die rechtliche Neugestaltung der Strombranche zu vergegenwärtigen. Daneben soll eine konkretisierende Analyse der Positionierung deutscher Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) innerhalb der stromwirtschaftlichen Wertschöpfungskette im Vorfeld der Liberalisierung vorgenommen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Charakteristika der Stromwirtschaft
2. Traditioneller Ordnungsrahmen und Marktstruktur
2.1. Rechtliche Ausgestaltung der Monopolstellung
2.2. Marktstruktur vor der Liberalisierung
2.2.1. Aufgaben und Tätigkeitsfelder
2.2.2. Konzentration und Organisation in der Elektrizitätswirtschaft
3. Grundzüge der Liberalisierung
3.1. Gründe für die Neuordnung
3.2. EU-Binnenmarktrichtlinie für Elektrizität
3.3. Energierechtsreform in der Bundesrepublik
3.4. Auswirkungen der Liberalisierung und neue Reformen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die grundlegenden Merkmale der deutschen Elektrizitätswirtschaft und untersucht den Transformationsprozess vom traditionellen, staatlich regulierten Monopolmarkt hin zu einem liberalisierten, wettbewerbsorientierten Strommarkt unter Berücksichtigung europäischer Richtlinien.
- Charakteristika und ökonomische Besonderheiten der Strombranche
- Traditioneller Ordnungsrahmen und historische Marktstruktur
- Triebkräfte und Verlauf des Liberalisierungsprozesses
- Einfluss der EU-Binnenmarktrichtlinie und nationale Umsetzung
- Herausforderungen der Wettbewerbsregulierung und Entflechtung
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Aufgaben und Tätigkeitsfelder
Die traditionellen Hauptaufgaben der öffentlichen Stromversorgung waren die Erzeugung, Übertragung und Verteilung von Strom. Sie wurden in unterschiedlicher Gewichtung den drei Versorgungsstufen, bestehend aus überregionalem Verbund, Regionalversorgern und Lokalversorgern, zugeordnet (s. Abb. 2). Auffällig ist dabei die dominierende Marktmacht der Verbundunternehmen, die durch ihre großen Erzeugerkapazitäten und ihre weitreichende Kapitalverflechtung mit kommunalen und regionalen Unternehmen entstanden ist.
Auf der Erzeuger- und Übertragungsstufe waren die acht großen Verbundunternehmen überregional tätig. Sie besaßen vor der Liberalisierung ca. 80 % der Kraftwerkskapazitäten und das gesamte Höchstspannungsnetz für den überregionalen Stromtransport. Ihre Aufgabe bestand in der Stromproduktion, in der Bereitstellung von Verbundnetzen, der Systemsteuerung, der Koordination und Bereitstellung von Reservekapazitäten für Spitzenlastzeiten und der Stromübertragung an industrielle Großkunden und an die regionale und kommunale Versorgungsstufe. Wegen der Freistellung von wettbewerblichen Vorschriftschriften gemäß § 103 GWB konnten die acht großen Verbundunternehmen den Strommarkt in Deutschland untereinander aufteilen und waren vor potentiellen neuen Konkurrenten geschützt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Charakteristika der Stromwirtschaft: Dieses Kapitel definiert Strom als technisches Gut und erläutert dessen ökonomische Besonderheiten wie Netzgebundenheit, Nichtlagerfähigkeit und hohe Kapitalintensität.
2. Traditioneller Ordnungsrahmen und Marktstruktur: Hier werden die historische rechtliche Ausgestaltung der Monopolstellung und die durch Konzentration sowie vertikale Integration geprägte Marktstruktur vor der Liberalisierung beschrieben.
3. Grundzüge der Liberalisierung: Dieses Kapitel analysiert die Motive für die Marktöffnung, die Rolle der EU-Richtlinien sowie die nationale Umsetzung durch das Energiewirtschaftsgesetz und die damit verbundenen strukturellen Veränderungen.
Schlüsselwörter
Stromwirtschaft, Elektrizitätsmarkt, Liberalisierung, natürliches Monopol, Netzzugang, Verbundunternehmen, Energieversorgung, Marktstruktur, Stromerzeugung, Regulierungsbehörde, Entflechtung, Wettbewerb, Energierechtsreform, Stromhandel, Versorgungssicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der deutschen Stromwirtschaft, ihrer historischen Entwicklung unter monopolistischen Strukturen und dem anschließenden Wandel hin zu einem wettbewerbsorientierten Markt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die ökonomischen Eigenschaften der Elektrizitätsbranche, das System der geschlossenen Versorgungsgebiete, die regulatorischen Reformen durch die EU und Deutschland sowie die Herausforderungen der Entflechtung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Verständnis für die strukturelle Transformation der deutschen Elektrizitätswirtschaft zu vertiefen und die Notwendigkeit sowie die Auswirkungen der Marktliberalisierung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine strukturierte Branchenanalyse, die ökonomische Prinzipien (wie das natürliche Monopol) mit rechtlichen Rahmenbedingungen und historischen Entwicklungsdaten verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der traditionellen Marktstruktur, die Analyse der Liberalisierungsgründe und die detaillierte Betrachtung der europäischen und deutschen Reformprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Liberalisierung, Netzzugang, natürliche Monopole, vertikale Integration und Energierecht.
Warum galt der Stromsektor lange als natürliches Monopol?
Aufgrund der hohen Kapitalintensität und Skaleneffekte (economies of scale) sowie technischer Besonderheiten bei der Netzführung wurde angenommen, dass Wettbewerb ineffizient sei und zu Marktversagen führen würde.
Welche Rolle spielten die "Verbändevereinbarungen" in Deutschland?
Sie dienten als vertragliche Grundlage für den Netzzugang und die Entgeltermittlung, bevor die staatliche Regulierung durch die Bundesnetzagentur zur Korrektur von Wettbewerbshemmnissen verstärkt wurde.
- Arbeit zitieren
- Ute Melzer (Autor:in), 2006, Grundlagen der Stromwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281406