Brontornis

Riesenvögel in Argentinien


Fachbuch, 2014
68 Seiten

Leseprobe

Vorwort

Riesenvögel in Argentinien

Sehr große und schwere Vögel stehen im Mittelpunkt des Taschenbu- ches „Brontornis - Riesenvögel in Argentinien“. Der flugunfähige Brontornis burmeisteri aus der Zeit vor 27 bis 17 Millionen Jahren gehörte mit einer Scheitelhöhe bis zu 2,80 Metern und einem Lebend- gewicht von maximal 400 Kilogram zu den größten und schwersten Vögeln der Erdgeschichte. Ähnlich eindrucksvoll war der vor 15,9 bis 11,6 Millionen Jahren lebende Terrorvogel Phorusrhacos longissimus mit einer Höhe bis zu 2,50 Metern und sogar noch etwas größer der mehr als 3 Meter hohe Räuber Kelenken guillermoi. Auch diese beiden Räuber konnten nicht mehr fliegen. Dagegen gilt der vor 8 bis 5 Milli- onen Jahren existierende Greifvogel Argentavis magnificens mit einer Flügelspannweite bis zu 8 Metern als der größte fliegende Vogel aller Zeiten. Nur die allergrößten Flugsaurier übertrafen seine Flügel- spannweite noch um einige Meter. Allein manche Flugfedern von Argentavis maßen ungefähr 1,50 Meter Länge und 20 Zentimeter Brei- te. Verfasser des Taschenbuches „Brontornis - Riesenvögel in Argentinien“ ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der zahlreiche Werke über urzeitliche Tiere geschrieben hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Argentinischer Geograph, Anthropologe und Entdecker Perito Moreno (1852 - 1919)

Ein schwerer Vogel aus Südamerika Brontornis

Mit einer Scheitelhöhe bis zu 2,80 Metern und einem Lebendgewicht von schätzungsweise maximal 400 Kilogramm gehört der flugunfähige Brontornis burmeisteri zu den größten und schwersten Vögeln der Erdgeschichte. Nach den bisherigen Fossilfunden zu schließen, existierte Brontornis vom Oberoligozän vor etwa 27 Millionen Jahren bis zum Untermiozän vor 17 Millionen Jahren in Südamerika.

Die Kenntnisse über Brontornis burmeisteri stützen sich lediglich auf einige Dutzend Knochenfragmente aus der argentinischen Provinz Santa Cruz in Patagonien. Zum größten Teil stammen diese Funde aus der Santa-Cruz-Formation, die man in die Übergangszeit vom Untermiozän zum Mittelmiozän vor etwa 18 bis 16 Millionen Jahren datiert. In der damaligen Landschaft mit Galeriewäldern und offenen Lebensräumen lebten große Lauf- und Wasservögel sowie große pflanzenfressende Säugetiere. Fossilienreiche Fundstätten befinden sich vor allem an der Atlantikküste von Argentinien, aber auch im Landesinneren.

Wichtige Fundstellen von Brontornis burmeisteri sind der Lago Argentino, ein See von der dreifachen Größe des Bodensees im Landesinneren sowie Monte Léon (Löwenberg) und Monte Observacíon (heute Cerro Observatorio). Zu den Brontornis -Fossilien gehören Teile des Unterkiefers, einzelne Brustwirbel, Teile der Laufbeine sowie einige Finger- und Zehenknochen.

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Brontornis burmeisteri erfolgte 1891 durch den argentinischen Geographen, Anthropologen und Entdecker Perito Moreno (1852-1919) und den französischen Geologen Alcides Mercerat. Letzterer wird manchmal auch als schweizerischer Geologe namens Alcide Mercerat bezeichnet. Mit dem

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Deutscher Naturwissenschaftler

Carlos Germ á n Burmeister (1807-1892),

Direktor des „ Museo Argentino de Ciencas Naturales Bernardino Rivadavia “ in Buenos Aires

Artnamen burmeisteri ehrten Moreno und Mercerat den deutschen Naturwissenschaftler Carlos Germán Burmeister (1807-1892), der ab 1862 als Direktor des „Museo Argentino de Ciencas Naturales Bernardino Rivadavia“ in Buenos Aires wirkte. Der in Stralsund geborene Burmeister arbeitete als Geograph, Geologe, Botaniker, Ornithologe, Meeresbiologe, Entomologe, Zoologe, Paläontologe und Meteorologe und veröffentlichte mehr als 300 wissenschaftliche Arbeiten. In Argentinien erwarb er sich große Anerkennung und einen ähnlich guten Ruf wie der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859), mit dem er befreundet war.

Auch die Familie der Brontornithidae wurde 1891 von Moreno und Mercerat beschrieben.

Perito Moreno hieß eigentlich Francisco Pascasio Moreno. 1872 war er einer der Mitbegründer der „Sociedad Cientifica Argentina“. In der 1882 neugegründeten Hauptstadt La Plata der Provinz Buenos Aires avancierte er 1885 zum ersten Direktor des „La-Plata-Museums“. Perito ist im Spanischen eine Amtsbezeichnung für „Sachverständiger“, die er 1902 mit dem Titel „Perito de la Comisón de Limites“ während der Grenzvermessung von Argentinien und Chile erhielt. Nach Perito Moreno, der sich auch politisch betätigte, sind eine Kleinstadt, ein Nationalpark und ein Gletscher benannt.

Bisher ungeklärt ist die Ernährungsweise von Brontornis burmeisteri. Wegen des im Vergleich zum Unterschenkelknochen (Tibiotarsus) kurzen Laufbeins (Tarsometatarsus) vermuten einige Experten, Brontornis könne ein Aasfresser gewesen sein, der an niedrige Laufgeschwindigkeiten angepasst war. Andere Fachleute dagegen glauben an eine eher pflanzenfressende Lebensweise. Neuere Untersuchungen am Unterkiefer deuten darauf hin, dass dieser wahrscheinlich nicht zum Zerfleischen tierischer Nahrung geeignet war. Wegen der beachtlichen Körpergröße nimmt man an, Brontornis habe sich eher in offenen Landschaften aufgehalten.

Obwohl sie nicht näher verwandt waren, ähnelte der Körperbau von Brontornis burmeisteri demjenigen des bis zu 3 Meter großen

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Rekonstruktionszeichnung von Brontornis von „ Sablegsd “ bei „ Wikipedia “

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Rekonstruktionszeichnung von Brontornis von Stanton F. Fink bei „ Wikipedia “

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Brontornis attackiert einen Entenschnabel-Dinosaurier.

Ü berholte Darstellung von zwei Urzeittieren,

die in Wirklichkeit zu unterschiedlichen Zeiten existierte.

Zwischen 1902 und 1906 geschaffenes Lebensbild von F. John

Foto auf Seite 13:

Büste von Perito Moreno (1852 - 1919) im „ Parque Nacional Los Glaciares “ in El Calafate (Argentinien)

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Unterschenkelknochen (Tibiotarsus)

von Brontornis burmeisteri im „ Museum Histoire Naturelle “ in Paris

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Elefantenvogels Aepyornis maximus und des maximal 2,80 Meter hohen Donnervogels Dromornis stirtoni. Brontornis besaß einen mächtigen Schnabel, einen schweren Körperbau, stark zurückgebildete Flügel und kurze Beine. Das Laufbein erreichte eine Länge bis zu 40 Zentimetern, der Unterschenkelknochen mit bis zu 75 Zentimetern fast die doppelte Länge. Die Krallen von Brontornis entsprachen denjenigen des maximal 2 Meter hohen Laufvogels Gastornis, der vom Mittelpaläozän vor 62 Millionen Jahren bis zum Mitteleozän vor 41 Millionen Jahren in Europa und Nordamerika existierte. Gastornis wurde früher als räuberischer Fleischfresser betrachtet, heute gilt er eher als Pflanzenfresser.

Einige der Brontornis zugeschriebenen Funde weisen deutliche Größenunterschiede auf. Beim Laufbein beispielsweise betragen diese bis zu einem Drittel. Wegen des spärlichen Fundmaterials ist unklar, ob es sich Größenunterschiede zwischen Männchen und Weibchen oder um zwei verschiedene Arten handelt.

Als ein Synonym von Brontornis burmeisteri gilt die 1895 von Florentino Ameghino aufgestellt Art Brontornis platyonyx. Ein weiteres Synonym ist Rostroornis floweri.

Die Ansicht über die systematische Stellung von Brontornis hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Man ordnete ihn zunächst den räuberischen Terrorvögeln (Phorusrhacidae) und später nahe der Basis der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Gänsevögel (Anseriformes) zu. Die Ordnung der Anseriformes wurde 1881 erstmals durch den deutschen Zoologen und Herpetologen Johann Georg Wagler (1800- 1832) wissenschaftlich beschrieben. Sie umfasst unter anderem die als Gänse, Enten und Schwäne bezeichneten Vögel. Gänsevögel gelten als eine der bedeutendsten Vogelgruppen in den Feuchtgebieten der Erde. Noch etwas größer als Brontornis burmeisteri dürfte ein Vogel gewesen, von dem ein etwa 14 Millionen Jahre alter riesiger Schädel nahe der Stadt Comalle in Argentinien entdeckt wurde. Die amerikanischen Paläontologen Luis Chiappe und Sara Bertelli berichteten 2006 in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nature“, dieser Schädelfund sei knapp

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Deutscher Zoologe und Herpetologe Johann Georg Wagler (1800 - 1832)

72 Zentimeter lang und damit etwa so groß wie der Kopf eines heutigen Pferdes. Damit sei der Neufund der größte jemals geborgene Vogelschädel. Besonders auffällig war der langgezogene, gebogene Schnabel, der mehr als die Hälfte der Länge des gesamten Schädels erreichte. Chiappe und Bertelli schätzten, der Riesenvogel mit diesem Rekordschädel sei etwa um 10 Prozent größer als Brontornis burmeisteri gewesen.

Der Schädel des Neufundes unterschied sich merklich von demjenigen kleiner Terrorvögel. Denn der Schnabel ist im Verhältnis zum Schädels sehr viel länger und flacher als bei kleinen Gattungen der Terrorvögel in Südamerika. Eigentümlicherweise sind die Augenhöhlen nicht rund, sondern viereckig. Die schmale Form des neuentdeckten Schädels und ein auffällig schlanker Mittelfußknochen deuten nach Ansicht von Chiappe und Bertelli darauf hin, dass solche Riesenvögel viel agiler und wendiger waren, als man bisher dachte. Deswegen müsse man die traditionelle Sichtweise, ein größerer Körperbau sei automatisch mit verminderter Wendigkeit verbunden, noch einmal überdenken.

Literatur

AGNOLIN, Frederico L.: Brontornis burmeisteri Moreno & Mercerat, un Anseriformes (Aves) gigante del Mioceno Medio de Patagonia, Argentina. Revista del Museo Argentino de Ciencias Naturales, Nueva Serie 9, S. 15-25, Buenos Aires 2007

ALVARENGA, Herculano M. F. / HÖFLING, Elizabeth: Systematic revision of the Phorusrhacidae (Aves: Ralliformes). Papéis Avulsos de Zoologia, 43(4): S. 55-91, Sao Paulo 2003

LEHNEN-BEYEL, Ilka: Neuer Rekord für die Terrorvögel, Bild der Wissenschaft, 26. Oktober 2006

MORENO, Perito / MERCERAT, Alcides: Catalogue des Oiseaux Fossiles de la Republique Argentine conserves au Musee de la Plata. Anales del Museo de la Plata 1: S. 1-71, La Plata 1891

Brontornis - Riesenvögel in Argentinien 18

WIKIPEDIA (Ondine-Lexikon) Brontornis http://de.wikipedia.org/wiki/Brontornis

WIKIPEDIA (Online-Lexikon) Johann Georg Wagler http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Georg_Wagler

Bildquellen

Ausschnitt aus einer Zeichnung von Apokryltaros at en.wikipedia /

Stanton F. Fink / CC-BY3.0: 1 (via Wikimedia Commons), lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz by-sa-3.0-de,

http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode

Sablegsd / CC-BY-SA3.0: 4 (via Wikimedia Commons), lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz by-sa-3.0-en, http:// creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode Reproduktion eines Fotos des „Museum Juan B. Ambrosetti“ in Buenos Aires vor 1919: 6

Reproduktion eines Fotos eines unbekannten Fotografen vor 1892: 8 (via Wikimedia Commons), Lizenz: gemeinfrei (Public domain) Sablegsd / CC-BY-SA3.0: 10 (via Wikimedia Commons), lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz by-sa-3.0-en,

http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Apokryltaros at en.wikipedia / Stanton F. Fink / CC-BY3.0: 11 (via Wikimedia Commons), lizensiert unter CreativeCommons- Lizenz by-3.0-de, http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/ legalcode

Reproduktion eines Lebensbildes aus der Serie „Tiere der Urwelt“ (1902) von F. John / http://www.copyrightexpired.com/earlyimage/ fjohn/series1/F_John_Series_1_Brontornis_card_16.html: 12 (via Wikimedia Commons), Lizenz: gemeinfrei (Public domain) Mr. Tickle / CC-BY-SA3.0: 13 (via Wikimedia Commons), lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz by-sa-3.0-en,

19 Brontornis - Riesenvögel in Argentinien

http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Ghedoghedo / CC-BY-SA3.0: 14 (via Wikimedia Commons),

lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz by-sa-3.0-en,

http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Reproduktion eines Porträts eines unbekannen Künstlers vor 1831: 16 (via Wikimedia Commons), Lizenz: gemeinfrei (Public domain)

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Details

Titel
Brontornis
Untertitel
Riesenvögel in Argentinien
Autor
Jahr
2014
Seiten
68
Katalognummer
V281524
ISBN (eBook)
9783656755319
ISBN (Buch)
9783656755302
Dateigröße
5261 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brontornis, Vögel
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2014, Brontornis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281524

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