Das KHM 50, Dornröschen, ist ein Märchen aus der Sammlung ʺKinder- und Hausmärchenʺ der Brüder Grimm, das auf eine alte französische Fassung zurückzuführen ist. „Zugrunde liegt eine Erzählung von Marie Hassenpflug, in die Anregungen von Perraults La belle au bois dormant (1697) eingegangen sind.“ Es gibt viele Parallelen, die das im Jahr 1812 veröffentlichte Zaubermärchen und die alte Perrault-Geschichte in Verbindung bringen: „(1) die Ursache der Verzauberung, (2) der Vorfall, der den magischen Schlaf ausmacht, (3) die Ankunft des Königssohnes, (4) das Erwachen der Verzauberten“ .
Die Brüder Grimm haben aber die Geschichte von Dornröschen nicht genau so aufgeschrieben, wie sie sie von der Erzählerin gehört haben. Unter dem Einfluss der künstlerischen Bewegung der Epoche der Romantik haben die Märchensammler das Märchen stilistisch überarbeitet und ausgeschmückt. „Romantische Wald- und Blumenpoesie, romantisch spielende Ironie verbinden sich mit der gemütvollen Innigkeit des biedermeierlichen Lebensgefühls.“
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Inhaltsanalyse
2 Interpretation des KHM 50, Dornröschen
3 Analyse der Frauenfiguren
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht das Märchen „Dornröschen“ (KHM 50) der Brüder Grimm hinsichtlich seiner inhaltlichen Struktur, seiner symbolischen Interpretation und der Darstellung sowie Rolle der vorkommenden Frauenfiguren im Kontext der Entstehungszeit.
- Inhaltsanalyse der Märchenhandlung
- Tiefenpsychologische und symbolische Interpretation
- Analyse des traditionellen Frauenbildes
- Untersuchung der Passivität als zentrales Motiv
- Einordnung in den historischen Kontext von Romantik und Biedermeier
Auszug aus dem Buch
2 Interpretation des KHM 50, Dornröschen
Die Periode der Passivität und des langen Wartens ist ein zentrales Thema in dem Märchen von der Prinzessin, die in einen hundertjährigen Zauberschlaf verfällt. Schon am Anfang der Geschichte wird der Leser mit dem unerfüllten Wunsch der Königsfamilie nach einem Kind konfrontiert. „Doch das Unglück, dem wir zu Beginn des Dornröschen-Märchens begegnen, ist von anderer Art – ungewöhnlich und seltsam, so daß es offensichtlich nur durch den Auftritt eines sprechenden Frosches gelöst werden kann…“ Die Prophezeiung des Tieres geht in Erfüllung. Sowohl das passive Warten der Eltern auf eine Tochter, als auch das jahrelange Schlafen der Prinzessin werden glücklich gelöst. „›Dornröschen‹ zeigt uns, daß eine lange Periode der Ruhe, der Kontemplation und Konzentration auf sich selbst oft zu höchsten Leistungen führt.“
Bei der Untersuchung dieser Geschichte darf man nicht vergessen, dass Märchen vor allem phantastische Erzählungen sind, die wunderbare und reale Elemente miteinander verweben. Ein gutes Beispiel dafür ist die wunderschöne Königstochter, die von Geburt an etwas Besonderes ist und ein außergewöhnliches Leben führt. Es ist ein typisches Märchenmotiv, […]daß die Hauptgestalt der Erzählung nicht auf gewöhnliche Weise in die Wirklichkeit gekommen ist, sondern daß ein Geheimnis oder ein Wunder diese Geburt umgibt.
In dem Märchen spiegeln sich Lebenswirklichkeit und Volksglaube der Menschen vergangener Epochen wider, die in symbolischer Sprache bildhaft verkündet werden. Das Tier, das die Schwangerschaft der Königin verkündet, repräsentiert die Entstehung eines neuen Lebens. „Wie das Wasser der Ursprung aller Dinge und Lebewesen ist, so gilt der Frosch wegen seiner großen Fruchtbarkeit als elementarer Lebensträger.“
Die Zahl der weisen Frauen, die auf dem Geburtsfest von dem König eingeladen werden, spielt auch eine sehr wichtige Rolle. „Zwölf gilt als Zahl der Vollkommenheit.“ Im Gegensatz dazu ist die Zahl 13 im Volksglauben Unheilbringer. Deswegen ist die dreizehnte Frau in dem KHM 50, Dornröschen, diejenige, die unerwünscht und unerwartet erscheint, um die Todesprophezeiung auszusprechen. Der Fluch ist Ausdruck ihrer Unzufriedenheit und zugleich ihre Rache an der Königsfamilie für ihre Zurückweisung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Märchen Dornröschen ein, beleuchtet seine historischen Wurzeln und die Einflüsse der Romantik auf die Gestaltung durch die Brüder Grimm.
1 Inhaltsanalyse: Hier wird der Handlungsverlauf des Märchens von der Geburt der Prinzessin über den Fluch bis hin zur Erlösung durch den Prinzen detailliert nachgezeichnet.
2 Interpretation des KHM 50, Dornröschen: Dieses Kapitel widmet sich der symbolischen Deutung, insbesondere dem Thema der Passivität, dem Zauberschlaf als Reifephase und den religiösen sowie volksglaubensbezogenen Elementen.
3 Analyse der Frauenfiguren: Die Autorin untersucht hier die Rollenbilder der weiblichen Charaktere, die Einteilung in Gut und Böse sowie die Bedeutung von Schönheit und Passivität im gesellschaftlichen Kontext der Entstehungszeit.
Schlüsselwörter
Dornröschen, Brüder Grimm, Märchenanalyse, Frauenfiguren, Passivität, Zauberschlaf, Romantik, Biedermeier, Symbolik, Reifeprozess, Kinder- und Hausmärchen, Volksglaube, Rollenbild, Weiblichkeit, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einer umfassenden Analyse des Grimms Märchens „Dornröschen“ (KHM 50) hinsichtlich seines Inhalts, seiner tiefgründigen Bedeutung und der Darstellung von Frauenfiguren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die Märchenhandlung, die symbolische Interpretation von Motiven wie dem Schlaf, die Rolle des Schicksals und das tradierte Frauenbild der Entstehungszeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Märchen Dornröschen als Spiegelbild sozialer und moralischer Vorstellungen der Epoche der Romantik und des Biedermeiers zu analysieren, insbesondere unter dem Aspekt der dargestellten Weiblichkeit.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch tiefenpsychologische Deutungsansätze und kulturhistorische Vergleiche ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Inhaltsdarstellung, eine Interpretation der zentralen Symbole (Zahlen, Natur, Schlaf) und eine Untersuchung der weiblichen Charaktere hinsichtlich ihrer Aktivität bzw. Passivität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Dornröschen, Passivität, Frauenbild, Romantik, symbolische Deutung und die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Warum wird Dornröschens Passivität im Märchen als positiv bewertet?
Die Arbeit erläutert, dass Passivität im Kontext des Märchens nicht als Schwäche, sondern als Zeit des ruhigen Wachstums, der Reifung und der Vorbereitung auf die kommende Lebensphase verstanden wird.
Welche Rolle spielt die dreizehnte Fee in der Interpretation?
Sie fungiert als Repräsentantin der dunklen, rachsüchtigen Seite, deren Fluch letztlich jedoch durch das Eingreifen der zwölften guten Fee in einen lebensbewahrenden Reifeschlaf umgewandelt wird.
- Citar trabajo
- Michaela Dimova (Autor), 2008, Grimms "Dornröschen". Inhalts-, Text- und Figurenanalyse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281570