Mitarbeiterkommunikation am Beispiel "Responsible Care" der Bayer AG


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

29 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe


Inhalt

1. Einleitung
1.1. Erkenntnisinteresse
1.2. Darstellung der Untersuchung
1.3. Art der Untersuchung
1.3.1. Bestimmung des Kommunikationsbegriffes
1.3.2. Das Essener Fachverständnis von Kommunikationswissenschaft

2. Mitarbeiterkommunikation: Bestimmung des Problemfeldes
2.1. Aufgaben und Ziele der Mitarbeiterkommunikation
2.2. Grundsätze der Mitarbeiterkommunikation
2.3. Instrumente und Maßnahmen

3. Mitarbeiterkommunikation am Beispiel „Responsible Care“ der Bayer Ag
3.1. Kurzer Überblick über das Unternehmen Bayer AG
3.2. Das Programm „Responsible Care – Verantwortliches Handeln“
3.3. Integration des Programms in die Mitarbeiterschaft

4. Zusammenfassung und Evaluation

5. Zusammenfassung

6. Literatur

7. Materialien

1. Einleitung

„Der gelungene Dialog zwischen Führungskräften und Mitarbeitern garantiert ... die menschengerechte Leistungsfähigkeit aller Organisationsmitglieder“[1]. Legitimiert man dieses Zitat von Gutmark, erkennt man, dass die Kommunikation mit den Mitarbeitern einen wichtigen Bestandteil der Mitarbeiterführung darstellt, denn „Führen geschieht über Kommunizieren“[2]. Der Lauf der Dinge oder spezieller die Ent­wicklung eines Unternehmens wird wesentlich durch das Verhalten der Führungskräfte und der Mitarbeiter geprägt. Verhalten ist in der Soziologie jedes Tun oder Unterlassen und damit unbewusst und ohne Intention. Als Beispiel lassen sich Tätigkeiten wie Schlafen oder Atmen nennen. Von diesem vegetativen Verhalten unterscheidet sich das menschliche Handeln. Handlungen sind ganz bestimmte Verhaltensweisen mit einer Intention. Sie laufen bewusst ab und müssen von der handelnden Person verantwortet werden. Menschliche Akteure sind in der Lage mit Handlungen willentlich in den Lauf der Dinge einzugreifen.

1.1. Erkenntnisinteresse der Arbeit

In dieser Hausarbeit, die thematisch auf der Grundlage des Seminarthemas „Interne Kommunikation und Inner Management“ basiert, möchte ich folgende Frage näher be­leuchten: inwieweit kann die Unternehmensführung durch symbolisches Handeln seine Mitarbeiter dahingehend sensibilisieren, dass ihre Ziele und Wünsche verstanden, ak­zeptiert und in die Mitarbeiterschaft integriert werden, um dadurch die gesamte Leistungs­fähigkeit des Unternehmens zu steigern? Symbolisches Handeln definiere ich in Anlehnung an Zerfaß als ein Eingreifen eines Akteurs in die soziale Welt eines ande­ren Akteurs, um so Einfluss auf seine Einstellung, Absicht oder Handlungsweise zu nehmen.[3] Wenn diese These zutrifft, finden Kommunikationsprozesse nicht zufällig statt, sondern sämtliche symbolische Handlungen werden strategisch geplant und umge­setzt, um zielgerichtete Botschaften an die Mitarbeiter zu streuen und sie so zu beein­flussen.

1.2. Darstellung der Untersuchung

Um sich sinnvoll mit den Phänomenen der Mitarbeiterkommunikation und dem Beispiel aus der Chemischen Industrie auseinansetzen zu können, soll zunächst das zugrunde liegende Kommunikationsmodell dargestellt werden. Es befasst sich mit dem symbolisch-kommunikativen Charakter und stellt somit ein wirkungsvolles Instrument zum Verständnis der zu verifizierenden These dar. Danach gebe ich kurz das Fachverständnis der Essener Kommunikationswissenschaft wieder.

Auf dem ersten Kapitel aufbauend bestimme ich in Kapitel 2 das Problemfeld der Mitarbeiterkommunikation, auf das sich die weiteren Ausführungen beziehen werden. Im weiteren beschreibe ich die Aufgaben, Ziele, Grundsätze und Maßnahmen der Mitarbeiterkommunikation.

In Kapitel 3 werde ich die vorher theoretisch beschriebenen Untersuchungsinhalte praktisch anhand des Programms „Responsible Care“ (RC) der Bayer AG veranschaulichen. Zunächst gebe ich einen kurzen Überblick über die Bayer AG allgemein und erkläre, was sich hinter Responsible Care verbirgt. Anschließend schildere ich, wie das Programm in die Mitarbeiterschaft integriert wurde. Dabei widme ich mich insbesondere dem Werk Brunsbüttel, dem nördlichsten Standort der Bayer AG in Deutschland.

Anschließend fasse ich die Ergebnisse meiner Untersuchung zusammen und prüfe die Richtigkeit meiner einleitenden Fragestellung.

1.3. Art der Untersuchung

Die in dieser Arbeit durchgeführte Analyse der Wirkung von symbolischen Handlungen bei der Mitarbeiterkommunikation bezieht sich auf einen Phänomenbereich, der durch eine Vielzahl verschiedener Aspekte als Kommunikation gekennzeichnet werden kann. Unabhängig davon, ob es sich um eine konkrete face-to-face Kommunikation oder um eine medialvermittelte Information handelt, geht es immer um die grundlegende Tat­sache, dass Menschen sich etwas mitzuteilen haben und sich verständigen wollen – sie kommunizieren.

1.3.1. Bestimmung des Kommunikationsbegriffes

Zunächst ist eine genaue begriffliche Annäherung an den Begriff Kommunikation von grundlegender Bedeutung, da dieser in unterschiedlichster Weise definiert werden kann und das weitere Verständnis der auf diesem Begriff aufbauende Theorie ohne eine ein­deutige Einordnung nicht gewährleistet ist.

Im landläufigen Sprachgebrauch des Alltags werden die Worte Information und Kom­munikation oft synonym verwendet. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht müs­sen diese beiden Begriffe sorgfältig voneinander abgegrenzt werden. Die Übertragung von Information ist nach kommunikationswissenschaftlicher Sichtweise die erste Phase der Kommunikation, die allerdings nie alleine für sich stehen kann. Sie ist lediglich die Grundlage oder als Initialzündung zur Kommunikation zu verstehen und einsetzbar[4]. Die Information hat dabei die Aufgabe, die Aufmerksamkeit des Adressaten zu erregen und somit den Wissensvermittlungsprozess in Gang zu setzen. Das Mitteilen von In­formation ist der zentrale Punkt der Kommunikation.

Kommunikation ist jedoch viel mehr als nur Informationsübermittlung. Kommunikation möchte beim Rezipienten eine Wirkung erzielen und auf dessen Einstellung und Absicht Einfluss ausüben; Mitarbeiterkommunikation im speziellen eine positive, betrieblich relevante Wir­kung.[5]

Der Kommunikationsbegriff in diesem Zusammenhang soll als Handlung gesehen wer­den, bei der „die beteiligten Akteure Symbolkomplexe mit sozialintegrativer Kraft in Anspruch nehmen, um ihre Absichten oder Situationen zu verändern“[6]. Dabei gibt es ein primäres und ein sekundäres Ziel, die komplementär aufeinander wirken. Nur durch eine gelungene Bedeutungsvermittlung (sekundäres Ziel) kann ein Eingreifen in die so­ziale Welt (primäres Ziel) gelingen.

Das Verstehen der Mitteilung durch den Rezipienten wird damit zur Grundvoraussetzung für die Beeinflussung der Situation und der Ein­stellung desjenigen. Aktuell vorkommende Handlungen sind dabei Exemplare von er­lernten Handlungsschemata. Handlungsschemata sind wiederum wiederkehrende, erlernte Muster von Handlungsabläufen, die der Mensch für jegliche Aktivitäten besitzt. Sie sind im menschlichen Zusammenleben dafür verantwortlich, dass Handlungen und Ereignisse überhaupt verständlich sind. Das Verstehen einer Handlung enthält das Einordnen in ein Schema durch den Rezipienten bzw. das er diese von anderen Schemata unterscheiden kann, d.h. die aktuell vorkommende Handlung wird aktualisiert.

Das wesent­liche Ziel von Handlungen ist, das Verstehen des Anderen hervorzurufen.

Charakteristisch für Handlungen ist die Ausrichtung, also Kooperation an anderen Menschen. Darüber hinaus wollen Handlungen etwas anzeigen bzw. mitteilen, auf­grund dessen sie semantisch sind. Bedingung für das Verstehen von Handlungen ist allerdings, dass gesellschaftlich verbindlich vereinbarte Bedeutungen (Signifikate) mit den materiellen Handlungen verbunden sein müssen. Es muss einen gemeinsamen Be­sitz von Signifikaten geben – wie im einfachsten Beispiel die Sprache der deutschen Sprachgemeinschaft. Anderenfalls sind Handlungen für den Rezipienten nicht deutbar und damit nichtig.[7]

Als Verdeutlichung sei ein paradigmatischer Fall eines Gesprächs rekonstruiert. Aus­gangspunkt ist, dass Ego in Verfolgung eines primären Handlungszwecks ein kommuni­katives Handlungsschema (z.B. eine Frage oder eine Aufforderung) aktualisiert, um Al­ter etwas zu verstehen zu geben. Ego nimmt die Rolle des Kommunikators und Alter die des Rezipienten ein. Die aktuelle Handlung mit dem situativ verfolgten Handlungs­zweck von Ego soll als Mitteilungshandlung bezeichnet werden.[8] „Bei einer Mitteilungs­handlung aktualisiert der Kommunikator [...] konventionell geregelte oder kooperativ vereinbarte Zeichen“.[9] Diese sind kommunikativ vereinbarte Handlungschemata, die uns für wiederholte Aktualisierungen zur Verfügung stehen, wie z.B. Wörter oder Gesten. Die Zuordnung von Zeichen ist arbiträr, d.h., sie sind austauschbar.

Die Bedeutung eines Zeichens existiert ohne dasselbige nicht. Erst in der konkreten Anwendung, also in der aktuellen kommunikativen Mitteilungshandlung entwickeln sich Erkenntnisse über ihren richtigen Gebrauch und damit ihre Bedeutung. So lernt die Sprachgemeinschaft, sie gegen andere gleichbedeutende Zeichen auszutauschen und die zugrunde liegende Mitteilungshandlung zu verstehen.

Sobald Alter die ihm entgegen gebrachte Mitteilungshandlung wahrnimmt, liegt eine weitere Kommunikationshandlung vor: Die Verstehenshandlung. Der Rezipient ist willens, den symbolischen Gehalt der Mitteilungshandlung zu erschließen. Die Auf­merksamkeit des Rezipienten muss gewonnen werden, um ihn selbst aktiv werden zu lassen, damit er die Verstehenshandlung einleiten kann:

„Weil die Zuwendung des Rezi­pienten auf Gründen beruht und keineswegs Ausfluss eines natürlichen Wirkungszu­sammenhangs ist, ist das Vorliegen einer Mitteilungshandlung eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für das Zustandekommen einer Kommunikation“.[10]

Wird die Mitteilungshandlung falsch oder unzureichend interpretiert, scheitert die Kommuni­kation. Bei korrekter Interpretation der symbolischen Intention des Kommunikators hat der Rezipient die Mitteilung verstanden, die Bedeutungsvermittlung ist vollzogen und der reziproke Kommunikationsprozess ist zustande gekommen.

Zusammenfassend zeigt sich der Kommunikationsbegriff als ein mehrstufiger Vermitt­lungsprozess auf der symbolischen Handlungsebene mit zwei Zielen. Mit einer Mittei­lungshandlung will der Kommunikator in den Lauf der Welt eingreifen und so bei je­mandem das Verstehen der Mitteilung hervorzurufen (sekundäres Ziel). Das Ziel des Verstehens soll sein, die Einstellung des Rezipienten zu beeinflussen (primäres Ziel). Die Reziprozität der Kommunikation kommt in dem Moment zustande, indem sich dem Re­zipienten die Mitteilungshandlung durch eine Verstehenshandlung mit ihren symbolischen Gehalt erschließt.

Diese Darstellungen ähneln dem Prinzip des Symbolischen Interaktionismus von George Herbert Mead, wobei die o.g. Ausführungen zum Kommunikationsbegriff über das Verständnis von Mead hinausgehen bzw. einiges der Mead`schen Theorie nicht mit­berücksichtigen. Der Symbolische Interaktionismus ist ein Konzept des menschlichen Handelns, welches davon ausgeht, dass der Mensch nicht nur in einer natürlichen, son­dern aus in einer symbolischen Umwelt lebt. Der Mensch ist demnach ein Wesen, das den Dingen in seiner Umgebung Bedeutungen zuschreibt. Die Dinge und deren Bezie­hungen repräsentieren das jeweilige Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt. Sie sym­bolisieren für den jeweiligen Menschen die subjektive Wirklichkeit seiner gemachten Erfahrungen. Der Symbolische Interaktionismus basiert nach Herbert Blumer das auf den folgenden drei Prämissen:

1. Menschen handeln „Dingen“ gegenüber auf der Grundlage von Bedeutungen, die diese Dinge für sie besitzen.
2. Die Bedeutung dieser Dinge entsteht in bzw. wird abgeleitet aus den sozialen Inter­aktionen, die man mit seinen Mitmenschen eingeht.
3. Diese Bedeutungen werden im Rahmen der Auseinandersetzung mit ebendiesen Dingen in einem interpretativen Prozess benützt und auch abgeändert.[11]

Nach Mead ist Kommunikation ein Prozess, in dem Menschen mit Hilfe von Symbolen einander wechselseitig Bedeutungen ins Bewusstsein rufen. Dabei aktualisieren wir Be­deutungen nicht nur in unserem eigenen Bewusstsein, sondern darüber hinaus nehmen wir zugleich die Haltung des anderen uns selbst gegenüber ein. Kommunikation bein­haltet also eine Rollenübernahme. Der Vollständigkeit wegen habe ich dieses mit aufge­führt. Für meinen Zusammenhang möchte ich die These der Rollenübernahme aber gerne ausklammern. Gemein mit meiner Auffassung über Kommunikation ist aber die Tatsache, dass nur über signifikante Symbole, d.h. solche Zeichen für die beide Kommunika­tionspartner eine gemeinsame Erfahrungsgrundlage besitzen und sie dadurch sehr ähnli­che Bedeutungen aktualisieren, ein wechselseitiges Verstehen zustande kommen kann.

[...]


[1] Klöfer, S. 54

[2] Vgl. Klöfer, S. 21

[3] Vgl. Klöfer, S. 145

[4] vgl. Klöfer; S. 21

[5] Vgl. Klöfer, S. 29

[6] Zerfaß, S. 150

[7] Vgl. Trabant ab S. 86ff.

[8] Vgl. Zerfaß 1996, S. 152, Esser 1994, S. 174 ff., Burkart 1995c, S. 57ff.., ähnl. Kamlah/Lorenzen 1973, S. 59

[9] Zerfaß, S. 152

[10] Zerfaß, S. 154

[11] Blumer 1973, S.81 f.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Mitarbeiterkommunikation am Beispiel "Responsible Care" der Bayer AG
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Interne Kommunikation und Inner Management
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
29
Katalognummer
V28159
ISBN (eBook)
9783638300261
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mitarbeiterkommunikation, Beispiel, Responsible, Care, Bayer, Interne, Kommunikation, Inner, Management
Arbeit zitieren
Jennifer Werner (Autor:in), 2004, Mitarbeiterkommunikation am Beispiel "Responsible Care" der Bayer AG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28159

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