In dieser Arbeit wird der Zusammenhang von Differenzeinkommen und Lebenszufriedenheit im Querschnitt untersucht. Mittels einer Onlinebefragung von Studierenden der Euro FH Hamburg wurden Daten zur Lebenszufriedenheit, Einkommen, gerecht empfundenes Einkommen und der Persönlichkeitsdimension Neurotizismus erhoben. Basierend auf den Erkenntnissen von Easterlin (1974) wird die Bedeutung relativer Einkommensvergleiche untersucht. Im Fokus steht dabei der intraindividuelle Vergleich von Individuen bezüglich des Nettoeinkommens und der subjektiven Empfindung über eine gerechte Entlohnung (Differenzeinkommen) und dessen Zusammenhang mit der individuellen Lebenszufriedenheit. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob ein niedriges Differenzeinkommen zu einer höheren Lebenszufriedenheit führt. Zusätzlich werden geschlechterspezifische Unterschiede betrachtet und die Auswirkung der Persönlichkeitsdimension Neurotizismus auf diesen Zusammenhang analysiert. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen Differenzeinkommen und Lebenszufriedenheit konnte nicht beobachtet werden. Jedoch konnten geschlechterspezifische Diskrepanzen bezüglich der Persönlichkeitsdimension Neurotizismus beobachtet werden.
In this study the relation between differential income and satisfaction with life is examined in cross section. By means of an online survey of students of the Euro FH Hamburg data to satisfaction with life, income, equitable wage and the personality dimension neuroticism was collected. Based on the findings of Easterlin (1974), the role of relative income comparison is analysed. The focus of this study is on the intraindividual comparison of individuals with regard to the net income and the subjective perception of a fair wage (differential income) and its correlation with the individual satisfaction with life. It examines the question of whether a low differential income leads to a higher satisfaction with life. In addition gender differences are analyzed and the impact of the personality dimension neuroticism on this correlation. A significant correlation between differential income and satisfaction with life could not be observed. However, significant gender gaps with regard to the personality dimension neuroticism could be observed.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinitionen
2.1 Lebenszufriedenheit
2.2 Differenzeinkommen
2.3 Neurotizismus
3 Theoretischer Hintergrund, Forschungsstand, Fragestellungen und Hypothesen
3.1 Theoretischer Hintergrund
3.1.1 Easterlin Paradox
3.1.2 Lohngerechtigkeit
3.1.3 Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit
3.2 Forschungsstand
3.2.1 Differenzeinkommen und Lebenszufriedenheit
3.2.2 Neurotizismus
3.3 Hypothesen
4 Methoden
4.1 Konstruktoperationalisierung
4.1.1 Lebenszufriedenheit
4.1.2 Differenzeinkommen
4.1.3 Neurotizismus
4.1.4 Geschlecht, Familienstand, Bildung und Alter
4.2 Verwendete statistische Verfahren
4.3 Stichprobengewinnung und Datenerhebung
5 Ergebnisse
5.1 Ergebnisse H1
5.2 Ergebnisse H2
5.3 Ergebnisse H3
5.4 Ergebnisse H4
6 Diskussion
6.1 Hypothese 1
6.2 Hypothese 2
6.3 Hypothese 3
6.4 Hypothese 4
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem sogenannten Differenzeinkommen – der Differenz zwischen tatsächlichem Nettoeinkommen und der persönlichen Erwartung an einen gerechten Lohn – und der individuellen Lebenszufriedenheit. Dabei wird analysiert, inwieweit intraindividuelle Vergleichsprozesse und die Persönlichkeitsdimension Neurotizismus die Zufriedenheit beeinflussen.
- Analyse des Easterlin-Paradoxons und relativer Einkommensvergleiche
- Untersuchung der empfundenen Lohngerechtigkeit als Differenzeinkommen
- Einfluss der Persönlichkeitseigenschaft Neurotizismus auf die Einkommens-Zufriedenheits-Relation
- Betrachtung geschlechterspezifischer Unterschiede bezüglich des Einkommensanspruchs
- Empirische Überprüfung mittels Onlinebefragung von Studierenden
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Easterlin Paradox
Wie bereits in der Einleitung aufgeführt, erfuhr die Glücksforschung in der Ökonomie bereits seit den 1970er Jahren eine wachsende Bedeutung (van Suntum, 2010). Ursächlich dafür waren die Erkenntnisse von Easterlin (1974, 1995, 2001), welche auch seitdem als „Easterlin Paradox“ in der wissenschaftlichen Literatur bekannt sind und folgendes beinhalten:
(1) Zu einem bestimmten Zeitpunkt ist die Zufriedenheit der Menschen in einem Land tendenziell höher, je mehr Einkommen sie erzielen.
(2) Die durchschnittliche Zufriedenheit der Menschen in einem Land nimmt jedoch nicht mit steigendem Pro-Kopf-Einkommen zu, wenn man dies über einen längeren Zeitraum betrachtet.
(3) Es gibt nur einen geringen Unterschied in der durchschnittlichen Zufriedenheit von Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen und Ländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen.
Einen ersten Hinweis zur Erklärung dieses Paradoxons gibt Duesenberry 1949 mit der Formulierung der relativen Einkommenshypothese. Demnach ist für den Konsum von Individuen nicht das absolute Einkommen entscheidend, sondern die Relation zwischen dem Einkommen der laufenden Periode und dem höchsten Einkommen der Vergangenheit (Cezanne, 2005).
Aufbauend auf dieser Erkenntnis unterstreicht Easterlin (1995, S. 36) die Bedeutung des relativen Einkommens und gibt somit eine Erklärung für seine Erkenntnisse: „[...] subjective well-being, varies directly with one`s own income and inversely with the income of others“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik des subjektiven Wohlbefindens und Definition des Fokus auf den Zusammenhang zwischen Differenzeinkommen und Lebenszufriedenheit.
2 Begriffsdefinitionen: Theoretische Abgrenzung der zentralen Konzepte Lebenszufriedenheit, Differenzeinkommen und Neurotizismus.
3 Theoretischer Hintergrund, Forschungsstand, Fragestellungen und Hypothesen: Darstellung der ökonomischen Theorien zum Einkommensvergleich, der Persönlichkeitspsychologie und Ableitung der vier forschungsleitenden Hypothesen.
4 Methoden: Beschreibung der Operationalisierung der Variablen, der eingesetzten Messinstrumente (SWLS, BFI-10) sowie der Durchführung der Onlinebefragung.
5 Ergebnisse: Präsentation der statistischen Datenanalysen und Auswertung der Hypothesentests basierend auf der Stichprobe von 134 Teilnehmern.
6 Diskussion: Interpretation der Untersuchungsergebnisse im Kontext bestehender Literatur sowie kritische Reflexion der Stichprobenbeschaffenheit und Ausblick auf zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Lebenszufriedenheit, Differenzeinkommen, Lohngerechtigkeit, Neurotizismus, Easterlin-Paradox, Glücksforschung, Einkommenserwartung, Nettoeinkommen, Persönlichkeitspsychologie, soziale Vergleichsprozesse, Big-Five-Modell, quantitative Onlinebefragung, Gender-Wage-Gap.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der subjektiv empfundenen Lohngerechtigkeit, definiert als Differenzeinkommen, und der allgemeinen Lebenszufriedenheit von Individuen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der ökonomischen Glücksforschung, dem Konzept des relativen Einkommensvergleichs sowie der Rolle von Persönlichkeitseigenschaften, insbesondere des Neurotizismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob ein geringeres Differenzeinkommen zu einer höheren Lebenszufriedenheit führt und ob dieser Effekt durch geschlechterspezifische Faktoren oder die Persönlichkeitsstruktur moderiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quantitative Querschnittsstudie in Form einer Onlinebefragung unter Verwendung standardisierter psychologischer Skalen wie der SWLS und des BFI-10.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Operationalisierung der Variablen und eine detaillierte statistische Auswertung der vier aufgestellten Hypothesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Lebenszufriedenheit, Differenzeinkommen, Lohngerechtigkeit und Neurotizismus.
Warum wurde das Differenzeinkommen als Variable gewählt?
Das Differenzeinkommen spiegelt den intraindividuellen Vergleich zwischen dem tatsächlichen Einkommen und der eigenen Einkommenserwartung wider, was eine präzisere Messung subjektiver Lohngerechtigkeit ermöglicht als reine absolute Einkommenswerte.
Welche Rolle spielt der Neurotizismus in der Analyse?
Neurotizismus wird als Persönlichkeitsdimension untersucht, um zu prüfen, ob Individuen mit höherer emotionaler Labilität stärker auf Diskrepanzen zwischen Einkommen und Anspruch reagieren.
Was ist das wesentliche Ergebnis bezüglich der geschlechterspezifischen Unterschiede?
Die Studie konnte bestätigen, dass bei neurotischen Männern ein stärkerer Zusammenhang zwischen Differenzeinkommen und Lebenszufriedenheit besteht als bei neurotischen Frauen.
- Arbeit zitieren
- Georg Haß (Autor:in), 2014, Der Zusammenhang von Differenzeinkommen und Lebenszufriedenheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281745