Die olympische Idee und die hier implizierte Vorstellung von Sport versinnbildlichen die gesellschaftsrelevanten Potenziale, die mit sportlichem Miteinander in Zusammenhang stehen und gebracht werden. Sport gilt dabei auch über den Rahmen der olympischen Bewegung hinaus gemeinhin als verbindendes Moment, dadurch, dass er als Raum begriffen wird, in dem Begegnungen möglich sind und Brücken zwischen Menschen gebaut werden können, ohne dass individuelle sprachliche, kulturelle und soziale Hintergründe auf den ersten Blick eine Rolle spielen. Ausgehend von dieser Erwartungshaltung wird Sport mit einer besonderen integrativen Wirkung verbunden, die es ermöglicht, ein gleichberechtigtes gesellschaftliches Zusammenleben zu fördern.
Allerdings kommt es im sportpolitischen Diskurs um Vorteile, die Sport für Integrationsprozesse mit sich bringen kann, nicht selten zu einer Verklärung (vgl. Braun/Nobis, 2011, 13). Die in diesem Zusammenhang zum Teil kommunizierte These einer uneingeschränkten, integrativen Wirkung des Vereinssports ist undifferenziert und idealisierend. Auf Einschränkungen solcher integrativer Möglichkeiten wird auch im wissenschaftlichen Diskurs in den letzten Jahren mit zunehmender Deutlichkeit hingewiesen (vgl. Braun/Finke, 2010, 7).
Im Zuge dieser Erkenntnis will die vorliegende Arbeit sich mit der Fragestellung auseinandersetzen, unter welchen Bedingungen der Sport in Vereinen Potenziale der Integration eröffnen kann.Es soll untersucht werden, unter welchen Voraussetzungen in Sportvereinen eine gleichberechtigte integrative Teilhabe stattfinden kann, wodurch wiederum Möglichkeiten einer weiterführenden Integration über den Vereinssport hinaus initiiert werden können.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
1 Einleitung und Formulierung der Fragestellung
2 Integration und Sport - Theoretische Hinführung
2.1 Integration – Begriffsklärung
2.1.1 Der Integrationsbegriff nach Hartmut Esser
2.1.1.1 Allgemeine Definition
2.1.1.2 Sozialintegration
2.1.2 Diskussion des Integrationsbegriffs
2.1.2.1 Kritik am Integrationsbegriff verstanden als Integrationsimperativ im Bezugsrahmen des Nationalstaats
2.1.2.2 Kritische Auseinandersetzung im Zusammenhang mit der sportbezogenen Integrationsforschung
2.2 Der vereinsorganisierte Sport als mögliche Plattform der Integration
2.2.1 Analytische Ausdifferenzierung integrativer Potenziale des Vereinssports
2.2.1.1 Binnen- und außenintegrative Wirkungsweisen des Vereinssports
2.2.1.2 Betrachtung entlang der Formen der Sozialintegration nach Esser
2.2.2 Der Vereinssport als Möglichkeit, nicht als Garantie, der Integration
2.2.2.1 Kulturelle Unterschiede im Umgang mit Körperlichkeit
2.2.2.2 Fehlende Vertrautheit mit dem deutschen Vereinswesen
3 Forschungsstand der sportbezogenen Integrationsforschung
3.1 Überblick
3.2 Forschungsstand hinsichtlich der interkulturellen Öffnung von Sportvereinen
4 Interviewauswertung
4.1 Darstellung des Hintergrunds und Rahmens der geführten Interviews
4.2 Methodischer Teil
4.3 Ergebnisdarstellung und –analyse
4.4 Zusammenfassung
4.5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht unter welchen Bedingungen Sportvereine Potenziale für integrative Prozesse eröffnen können, um eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen, die über den Sport hinausreicht.
- Theoretische Fundierung des Integrationsbegriffs nach Hartmut Esser
- Analyse des vereinsorganisierten Sports als Integrationsplattform
- Kritische Auseinandersetzung mit Barrieren und Voraussetzungen der Teilhabe
- Empirische Auswertung von Experteninterviews mit Akteuren der Sport-Integrationsarbeit
Auszug aus dem Buch
Der vereinsorganisierte Sport als mögliche Plattform der Integration
Es ist darauf hinzuweisen, dass im Folgenden in Vereinen organisierter Sport als solcher zu verstehen ist, der im Breitensport angesiedelt ist. Klassisch wird der Vereinssport innerhalb des sog. Pyramidenmodells in Breiten-, Leistungs- und Hochleistungssport unterteilt. Der Breitensport bildet hierbei die Basis, der Leistungs- und Hochleistungssport die leistungsbezogenen Spitze dieser „Pyramide“ (daher auch die Bezeichnung Spitzensport).
Während im Spitzensport vor allem leistungsmäßiger Erfolg entscheidend ist, so sind im Breitensport zwar auch sportliche Ambitionen zum Teil wichtig, diese schlagen sich aber nicht in einem solch hohen Leistungsniveau nieder, wie dies im Leistungs- und Hochleistungssport der Fall ist. Darüber hinaus sind im Breitensport auch Aspekte wie z.B. Geselligkeit, die Förderung der Gesundheit oder die Ablenkung vom Alltag als dem Leistungsprinzip übergeordnet zu betrachten. Strukturell liegen zum Teil große Unterschiede vor zwischen Vereinen, in denen vor allem Breitensport und solchen in denen vor allem Leistungssport betrieben wird, was eine Differenzierung an dieser Stelle notwendig macht (vgl. Wippert, 2003, 43-52).
Auch der organisierte Sport, von dem der Vereinssport einen Bestandteil ausmacht, lässt sich in unterschiedliche Organisationsformen ausdifferenzieren: So gibt es beispielsweise an Hochschulen organisierten Sport, kommerzielle Sportanbieter, wie Fitnessstudios oder Sporthotels und eben Sport in Vereinen. Den Bezugspunkt dieser Arbeit stellt der vereinsorganisierte Breitensport dar, da die im Kapitel 4 folgenden Ausführungen eine Auswertung von Interviews darstellt, die mit zwei Befragten geführt wurden, die im Bereich des vereinsorganisierten Breitensports tätig sind. Eine ausführlichere Begründung der Auswahl dieser beiden Befragten für die geführten Interviews wird eingangs des Kapitels 4 noch folgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Formulierung der Fragestellung: Diese Einleitung führt in die olympische Idee ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach den Bedingungen, unter denen Sportvereine integrative Potenziale entfalten können.
2 Integration und Sport - Theoretische Hinführung: Hier wird der Integrationsbegriff nach Hartmut Esser theoretisch hergeleitet und kritisch diskutiert, um als analytischer Rahmen für die Untersuchung von Sportvereinen zu dienen.
3 Forschungsstand der sportbezogenen Integrationsforschung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Unterrepräsentation von Personen mit Migrationshintergrund im Sport und thematisiert die interkulturelle Öffnung von Vereinen.
4 Interviewauswertung: Der Hauptteil analysiert die geführten Interviews mit Experten aus dem Programm "Integration durch Sport" und der Boxakademie Hamburg hinsichtlich der praktischen Umsetzung integrativer Arbeit.
Schlüsselwörter
Integration, Sportverein, Breitensport, Sozialintegration, Hartmut Esser, Kulturation, Platzierung, Interaktion, Identifikation, interkulturelle Öffnung, Migrationshintergrund, Partizipation, Ehrenamt, Vereinsstruktur, Integrationsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit befasst sich mit den integrativen Potenzialen des vereinsorganisierten Sports und den spezifischen Bedingungen, unter denen Sportvereine zur Integration von Personen mit Migrationshintergrund beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft sozialwissenschaftliche Integrationstheorien mit der sportwissenschaftlichen Praxis, wobei besonders die Rollen von Ehrenamt, Vereinsstrukturen und Kommunikation im Zentrum stehen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation der Voraussetzungen, die in Sportvereinen geschaffen werden müssen, damit gleichberechtigte Teilhabe stattfinden kann und positive Effekte auf die Integration entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Hinführung sowie eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, basierend auf zwei Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Konzepte (nach Hartmut Esser) als auch die Ergebnisse der Interviewauswertung detailliert dargelegt, insbesondere unter den Kategorien Kulturation, Platzierung, Interaktion und Identifikation.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die "doppelte Integrationsannahme", "interkulturelle Öffnung", "lebensweltliche Fremdheit" und die Unterscheidung in "binnenintegrative" und "außenintegrative" Wirkungsweisen.
Warum ist das "Container-Modell" für diese Arbeit wichtig?
Das "Container-Modell" dient als Gegenentwurf zur theoretischen Ausrichtung der Arbeit; sie lehnt die Vorstellung eines homogenen Nationalstaats ab und bevorzugt transnationale Ansätze.
Welche Rolle spielt die Boxakademie Hamburg in der Analyse?
Die Boxakademie dient als exemplarisches Fallbeispiel für eine bewusst integrationsorientierte Vereinsarbeit, die spezifische pädagogische Ziele verfolgt und stark auf die Lebenswelt der Zielgruppe eingeht.
Wie bewerten die Autoren die Rolle von Sportvereinen bei der Integration?
Sportvereine werden als wichtige, aber nicht als automatisch wirkende Integrationsorte verstanden; ihr Erfolg hängt stark von einer bewussten Gestaltung der Angebote und der aktiven Einbindung der Akteure ab.
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- Marc Gärtner (Author), 2014, Integration und Sport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281797