Edward Sapirs "Sprache" - Kapitel 5


Rezension / Literaturbericht, 2004

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Edward Sapir und die Sprache
1.1 Leben und Werk
1.2 Das Kapitel „Form und Sprache: Grammatische Begriffe“
1.4 Die grammatischen Formenkategorien

2. Was braucht die Sprache?
2.1 Die unentbehrlichen Sprachbegriffe
2.2 Entbehrliche Sprachbegriffe

3. Zu Form und Funktion
3.1 Drei Gründe für den Vorrang der Form vor der Funktion

4. Sapirs neue Begriffstafel
4.1 Die vier neuen Kategorien
4.2 Die Abstufung der Anschaulichkeit

5. Literaturangaben

1. Edward Sapir und die Sprache

1.1 Leben und Werk

Die Theorie vom sprachlichen Drift, die Sapir´sche Sprachtypologie – und natürlich die Sapir-Whorf-Hypothese über das Verhältnis von Sprache und Denken: das sind die Schlagworte, die man aus heutiger Sicht mit dem Sprachwissenschaftler Edward Sapir in Verbindung bringt. Sie haben ihm einen festen Platz in der Riege jener Linguisten eingebracht, die durch neuartige Hypothesen und ungewohnte Denkansätze die Geschichte ihrer Wissenschaft wesentlich mit bestimmt haben.

Geboren wurde Sapir am 26. Januar 1884 in Lauenburg, Pommern. Nachdem er 1889 zusammen mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten emigriert war, studierte er ab 1901 an der Columbia University in New York zunächst Deutsche Philologie und Indogermanistik. 1905 schloss er sein Germanistikstudium mit einer Arbeit über Herders „Theorie des Ursprungs der Sprache“ ab. Anschließend studierte er Anthropologie. Im Jahre 1909 folgte nach verschiedenen Forschungstätigkeiten in Washington, Berkeley, Philadelphia und Oregon die Promotion über die Grammatik einer Indianersprache namens Takelma. Ein Jahr später wurde Sapir als Leiter der Division of Anthropology ans National Museum nach Ottawa berufen. Hier beschäftigte er sich neben dem Nootka und der Na-Dene-Sprachen auch mit der Poesie. Insgesamt zeichnete Sapir 39 Indianersprachen auf, schlug 1921 die erste Gesamtgliederung der nordamerikanischen Indianersprachen vor. Bei seiner stets interdisziplinären Arbeit verband er Feldforschung mit theoretischer Linguistik, Anthropologie mit Sprachwissenschaft.

Im Jahre 1925 folgte Sapir einem Ruf aus Chicago, wo er eine Professorenstelle am Department of Sociology and Anthropology annahm. Hier gründete er zusammen mit anderen Sprachwissenschaftlern die Language - das Organ der Linguistic Society of America. 1931 schließlich wechselte Sapir zur Yale University, New Haven, wo er als Professor für Anthropologie und Linguistik die erste dortige School of Linguistic gründete. Am 4. Februar 1939 erlag Sapir seinem zweiten Herzanfall.

Sapirs linguistisches Hauptwerk Sprache - Eine Einführung in das Wesen der Sprache - zugleich sein einziges abgeschlossenes Buch - stellt noch heute einen geschätzten und viel zitierten Fundus einflussreicher Theorien und Hypothesen innerhalb der Sprachwissenschaft sowie des amerikanischen Strukturalismus dar. Sapirs Theorie der sprachlichen Relativität sieht jede Sprache in engem Zusammenhang mit Geisteswelt und Kultur der betreffenden Sprachgemeinschaft.

Große Wirkung entfalten bis heute Sapirs Sprachtypologie und insbesondere seine Lehre von den grammatischen Begriffen, die er im fünften Kapitel seines Hauptwerks präsentiert.

1.2 Das Kapitel „Form und Sprache: Grammatische Begriffe“

Sapir stellt im fünften Kapitel seines Hauptwerks Sprache die - wie er es nennt - „Welt der Begriffe“ dar, „[…] insoweit sie in der Struktur der Sprache zum Ausdruck kommt […]“. Zur Verdeutlichung der verschiedenen Arten von Begriffen betrachtet er zunächst einen recht einfachen Satz in englischer Sprache: the farmer kills the duckling („Der Farmer tötet das Entlein“). Aus diesem Satz ragen drei Grundbegriffe heraus: der des Farmers als Subjekt bzw. Satzgegenstand, der des Tötens als Erklärung der Art der Tätigkeit, über die der Satz Aufschluss gibt und der des Entleins (duckling) als eines Gegenstandes im Satz, „[…] der bei dieser Tätigkeit eine wichtige, wenn auch passive Rolle spielt […].“ Unter genauerer Betrachtung dieser einzelnen Grundbegriffe arbeitet Sapir heraus, dass „keine Sprache jede einzelne anschauliche Vorstellung durch ein selbständiges Wort oder ein Wurzelelement ausdrücken“ könne. „Die Möglichkeiten der anschaulichen Erfahrungswelt sind unerschöpflich, die Mittel aber selbst der reichsten Sprache sind eng begrenzt“.

Zu dieser Hypothese gelangt Sapir über die Feststellung, dass der Begriff beispielsweise des Farmers im eigentlichen Sinne keineswegs der einer Einzelperson ist, die sich der Hörer vorstellt, sondern vielmehr der einer gewerblichen Tätigkeit (to farm). Diese geht dann laut Sapir als solche wiederum auf den Begriff eines „ganz spezifischen Gegenstandes (a farm)“ zurück. Alleine das Suffix –er sagt schließlich aus, dass es hier um eine Person geht, die eine bestimmt Tätigkeit ausübt. Das Etikett bleibt dieser Person allerdings ständig erhalten, auch wenn sie sich gerade in der Stadt aufhält oder gerade eine ganz andere Tätigkeit ausübt, die womöglich mit der Landwirtschaft wenig zu tun hat. Sapir sieht darin eine „gewisse Hilflosigkeit der Sprache“, „eine hartnäckige Tendenz dahin, den Ausdruck des Nächstliegenden zu vernachlässigen und es dafür der Phantasie und dem Sprachgebrauch zu überlassen, die Gedankenlücken auszufüllen und die fehlenden Einzelheiten zu ergänzen, ohne die uns nicht möglich ist, eine anschauliche Vorstellung (to farm) von einer anderen (d.h. farmer), zu unterscheiden“.

Die anschauliche Bedeutung des so genannten Wurzelelements (also des Wortstammes farm-) wird in unserem Bewusstsein durch eine neue Anschaulichkeit ersetzt (farmer). Laut Sapir ist diese Anschaulichkeit „nur der Form nach synthetisch“. Gedanklich stelle sie eine Einheit dar. Der Begriff farm (analog dazu der Begriff des Entleins) spielt in dem zitierten Satz also keine eigentliche Rolle. Sapir nennt ihn daher ein „Formelement des sprachlichen Ausdrucks“. Als solches geben Wörter wie diese auch bei genauster Untersuchung keinen Aufschluss über den Inhalt eines Satzes. Auch zu dessen Verständnis tragen sie so gut wie nichts bei.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Edward Sapirs "Sprache" - Kapitel 5
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Philosophisches Institut RF 3.1)
Veranstaltung
Grundvorlesung: Sprachphilosophie
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V28182
ISBN (eBook)
9783638300360
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit behandelt den grundlegenden Ausschnitt aus Edward Sapirs Hauptwerk "Sprache". Hier stellt er unter anderem seine bekannte Begriffstypologie vor und ordnet die grammatischen Begriffe ihrer Anschaulichkeit nach neu.
Schlagworte
Edward, Sapirs, Sprache, Kapitel, Grundvorlesung, Sprachphilosophie
Arbeit zitieren
Benjamin Baum (Autor), 2004, Edward Sapirs "Sprache" - Kapitel 5, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28182

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