Von der tätigen Nächstenliebe zum Helfen als Beruf. Was hat es auf sich mit der langen Geschichte der moralischen Profession? Im ersten Teil meiner Einleitung werden wir knapp 2000 Jahre in die Vergangenheit reisen und uns anschauen was ein harmloses Gleichnis uns heute noch oft in Erinnerung kommt wenn wir an soziales Verhalten denken.
Soziale Arbeit ist ein Kunstwort. Es fasst vielerlei Tätigkeiten im Spannungsfeld zwischen moralischem Anspruch und ökonomischer Nützlichkeit zusammen. Soziale Arbeit verdankt sich in einem langen historischen Prozess von mehr als 2000 Jahren einer Fülle von sozialen Bewegungen, die in vielen Ländern und Erdteilen dieser Welt darauf ausgerichtet ist, das Über- und das Zusammenleben von Menschen zu ordnen und zu kultivieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick der Sozialen Einzelfallhilfe
2.1 Definition und Begrifflichkeit
2.2 Wichtige Personen der Anfangszeit
3. Die Zeit vor der industriellen Revolution
3.1 Armut und Armenfürsorge im Mittelalter um 12./13. Jhd.
3.2 Armut und Armenfürsorge zu Beginn der Neuzeit 14.-16. Jhd.
3.3 Theoretisches Modell der Armenfürsorge: Juan Luis Vives (1492-1540)
3.4 Armut und Armenfürsorge zur Zeit des Absolutismus und der Aufklärung (17.-18 Jhd.)
3.5 Armut und Armenfürsorge im Zeitalter der Industrialisierung (18.-19. Jhd.)
3.5.1 Elberfelder System (1867)
3.5.2 Straßburger System (1905)
3.5.3 Theoretisches Modell der Fürsorge: Otto vom Bismarck (1815–1890)
4. Geschichte der Sozialen Einzelfallhilfe
5. Soziale Einzelfallhilfe kommt nach Deutschland
5.1 Weimarer Republik (1918- 1933)
5.2 Paradigmenwechsel, humaner Fürsorge im Nationalismus 1933- 1945
5.3 Nachkriegszeit 1945-1950
5.4 Rezeptionsphase 1951- 1959
5.5 Konsolidierung und Aufruhr 1960- 1970
6. Der Paradigmenwechsel in der Neuzeit
7. Kritische Reflektion der Theorie
8. Mein Fall aus dem Jahr 1928
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den Wandel der Sozialen Einzelfallhilfe, wobei ein besonderer Fokus auf der Transformation von der traditionellen Armenfürsorge hin zu einem professionellen methodischen Konzept in Deutschland liegt, illustriert durch ein fiktives Fallbeispiel aus den 1920er Jahren.
- Historische Genese der Sozialen Arbeit seit dem Mittelalter
- Einfluss bedeutender Wegbereiterinnen wie Mary Richmond und Alice Salomon
- Rezeptionsprozesse amerikanischer Methodenkonzepte in Deutschland
- Strukturelle Veränderungen der Fürsorge in unterschiedlichen politischen Epochen
- Die Bedeutung der Einzelfallhilfe als therapeutische Intervention zur Persönlichkeitsentwicklung
Auszug aus dem Buch
3.3 THEORETISCHES MODELL DER ARMENFÜRSORGE: JUAN LUIS VIVES (1492-1540)
Die Almosenlehre von Tomas von Aquin wurde vom Humanismus und Calvinismus überarbeitet. Arbeit ist eine Gottespflicht. Betteln ist verboten. Nach Juan Luis Vives soll den arbeitsfähigen Armen Arbeit vermittelt werden. Jeder Arbeitslose wird als Einzelfall behandelt, um ihm eine gerechte Hilfe zukommen zu lassen. Durch die Hilfeleistung wollte man die Armen zu guten Bürgern erziehen. Unter einem „guten Bürger“ verstand man einen Menschen, der sich auch für die Belange des Gemeinwohls engagiert. (Schilling, Johannes; Zeller, Susanne 2007: S.28f)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Sozialen Arbeit ein und erläutert die Bedeutung moralischer Werte sowie die Entstehung der Einzelfallhilfe als professionelle Tätigkeit.
2. Überblick der Sozialen Einzelfallhilfe: Hier werden grundlegende Definitionen der Einzelfallhilfe erarbeitet und bedeutende Akteurinnen wie Mary Richmond und Alice Salomon vorgestellt, die den Grundstein für die heutige Soziale Arbeit legten.
3. Die Zeit vor der industriellen Revolution: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung der Armenfürsorge vom Mittelalter bis zur Industrialisierung nach und beleuchtet verschiedene organisatorische Systeme und theoretische Modelle.
4. Geschichte der Sozialen Einzelfallhilfe: Das Kapitel fokussiert auf den Ursprung der Einzelfallhilfe in den USA und die Verbreitung des Konzepts der "Friendly Visitors" als methodischer Ansatz.
5. Soziale Einzelfallhilfe kommt nach Deutschland: Es wird der Transfer der Einzelfallhilfe nach Deutschland dargestellt, wobei die Auswirkungen politischer Epochen von der Weimarer Republik bis zur Nachkriegszeit analysiert werden.
6. Der Paradigmenwechsel in der Neuzeit: Dieses Kapitel behandelt zeitgemäße ethische Rahmenbedingungen und Leitlinien für die heutige Soziale Arbeit, basierend auf dem aktuellen Verständnis von Klientenbedürfnissen.
7. Kritische Reflektion der Theorie: Eine kritische Auseinandersetzung mit der historischen Rezeptionsphase und der Methodenübernahme, welche eine Reflexion über den wissenschaftlichen Diskurs der Autorin darstellt.
8. Mein Fall aus dem Jahr 1928: Dieses Kapitel präsentiert ein fiktives Fallbeispiel einer Familie in den 1920er Jahren, um die Anwendung der Methoden der damaligen Zeit praxisnah zu veranschaulichen.
Schlüsselwörter
Soziale Einzelfallhilfe, Casework, Sozialpädagogik, Geschichte der Sozialen Arbeit, Armenfürsorge, Mary Richmond, Alice Salomon, Industrialisierung, Wohlfahrtspflege, Methodenkonzepte, Reformbewegungen, Hilfe zur Selbsthilfe, Familienmanagement, SGB VIII, Sozialpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung und der methodischen Fundierung der Sozialen Einzelfallhilfe, insbesondere im Kontext ihrer Entstehung und Verbreitung in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Armenfürsorge, der Einfluss amerikanischer Konzepte auf die deutsche Praxis sowie die Professionalisierung der Sozialarbeit über verschiedene Epochen hinweg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, den geschichtlichen Wandel der Sozialen Einzelfallhilfe darzustellen und aufzuzeigen, wie sich der theoretische und methodische Ansatz von der frühen christlichen Fürsorge bis hin zu modernen Konzepten entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse zur Theoriegeschichte und ergänzt diese durch eine fiktive Fallstudie, um die praktische Anwendung historischer Ansätze zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische historische Aufarbeitung, die Analyse methodischer Einflüsse (insbesondere aus den USA) und die Darstellung der Entwicklung der Sozialen Arbeit in verschiedenen deutschen politischen Systemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Soziale Einzelfallhilfe", "Professionalisierung", "Methodik", "Mary Richmond", "Alice Salomon" und "Historische Entwicklung" charakterisiert.
Wie ist das Fallbeispiel aus den 1920er Jahren strukturiert?
Das Fallbeispiel stellt eine spezifische Familie in einer wirtschaftlichen Notlage des Jahres 1928 dar und illustriert, wie mithilfe zeitgenössischer Methoden (angelehnt an das Modell der "Friendly Visitors") ein Hilfskonzept erstellt und umgesetzt wurde.
Welche Bedeutung hat das SGB VIII für die heutige Arbeit laut Autorin?
Laut der Autorin dient das SGB VIII als wesentliche Basis, um Sozialarbeitern ein solides und strukturiertes Fundament für Entscheidungen bezüglich der Notwendigkeit und Eignung von Hilfsmaßnahmen zu bieten, anstatt auf subjektive Eindrücke angewiesen zu sein.
- Arbeit zitieren
- Manuel Lemke (Autor:in), 2014, Geschichte der Sozialen Einzelfallhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281834