Die Frage nach der Ordnung ist ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Anliegen eines Gemeinwesens. Als normative Vorstellung über die Art, wie ein Gemeinwesen intern strukturiert ist, spiegeln Ordnung und Stabilität dessen Stärke sowohl nach innen als auch nach außen wider. Auf dieselbe Weise lassen sich die Beziehungen zwischen Staaten gestalten, die unter dem Begriff der „Weltordnung“ gefasst werden können. Vier Arten der Weltordnung sind uns bekannt. Während Anarchie und Weltstaat bisher nur theoretische Modelle blieben, haben Hegemonie und Multipluralität praktische Bedeutung erlangt. Aus der Antike kennen wir die Balance of Power zwischen Athen und Sparta. Aber die Realität der letzten Jahrhunderte kann ein dauerhaft auf Machtausgleich zielendes internationales politisches System nicht bestätigen. Stattdessen gingen die USA zu Beginn des 21. Jahrhunderts als Sieger des Kalten Krieges gegen die Sowjetunion hervor und galten seitdem als einzig gebliebene Supermacht. Diesem Konzept der unipolaren Weltordnung widersetzten sich jedoch bald einige Regionalmächte. So sprach der amerikanische Politikwissenschaftler Peter Katzenstein 2005 von einer „Welt von Regionen“. In enger Anlehnung stellt uns sein britischer Kollege Bary Buzan „eine [friedliche] Weltordnung ohne Supermächte“ (Buzan, 2013) vor.
Wie wird sich die Welt des 21. Jahrhunderts ordnen? Und wie sind die beiden Gegenmodelle Hegemonie und Multipolarität in diesem Kontext einzuordnen, wenn es um die zentrale Frage der internationalen Politik geht, der Frage nach Krieg und Frieden?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Bary Buzan: Der „dezentrierte Globalismus“
Ein Blick in die Welt des 21. Jahrhunderts: Von alten und neuen Mächten
Welche Weltordnung schafft tatsächlich Ordnung und Frieden?
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der internationalen Weltordnung im 21. Jahrhundert und hinterfragt, inwieweit das Modell der US-amerikanischen Hegemonie durch ein multipolares System ersetzt wird, das als „dezentrierter Globalismus“ bezeichnet werden kann.
- Analyse des Modells der unipolaren Ordnung unter US-Führung.
- Diskussion der Theorie des „dezentrierten Globalismus“ nach Barry Buzan.
- Untersuchung des Aufstiegs regionaler Machtzentren und der Rolle der BRICS-Staaten.
- Auseinandersetzung mit der zentralen Frage der internationalen Politik nach Krieg und Frieden.
- Reflexion über Stabilitätsprozesse und die Bedeutung der „Balance of Power“.
Auszug aus dem Buch
Bary Buzan: Der „dezentrierte Globalismus“
Barry Buzan stellt uns „eine Weltordnung ohne Supermächte“ vor. In seiner Theorie negiert der britische Politikwissenschaftler die weit verbreitete Ansicht, dass die USA die einzige Supermacht bleiben werden. Als Supermacht definiert er ein Staatswesen, dessen politische, wirtschaftliche, militärische und kulturelle Reichweite sich über das gesamte internationale System erstreckt. Seine Definition von einer Führungsmacht bzw. einem Hegemon möchte ich um zwei Komponenten ergänzen: Ein Hegemon stellt öffentliche Güter für die anderen Staaten bereit, wie z.B. Sicherheit oder eine internationale Finanzstabilität und -liquidität (Rittberger/A. Kruck/A. Romund, 2010). Zudem zeichnet sich ein Hegemon durch eine Gefolgschaft und Akzeptanz aus (Menzel, 2006), indem er sogenannte „follower“ hat.
In seinem Text malt Buzan aber das Bild vom Ende der Weltherrschaft durch die USA, deren interne Bereitschaft und externe Legitimität als Führungsmacht langsam schwindet. Ein großer Kritikpunkt sieht er vor allem im „american exceptionalism“, wonach Amerika internationale Verhaltensregeln aufstellt, sich an diesen aber selbst nicht halten möchte. Beispielhaft ist hierfür das amerikanische Vorgehen im Mittleren Osten und Nordafrika (MENA) zu nennen, das im Widerspruch zwischen Demokratieförderung und eigenen Wirtschaftsinteressen steht. Die USA, so Buzan, würden ihren Supermachtstatus, den sie seit dem zweiten Weltkrieg haben, verlieren. Gleichzeitig glaubt er aber nicht daran, dass ein anderer staatlicher Akteur an die Stelle der USA treten könne.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen der Weltordnung ein, kontrastiert die Modelle Hegemonie und Multipolarität und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Stabilität der internationalen Politik.
Bary Buzan: Der „dezentrierte Globalismus“: Das Kapitel erläutert die These Buzans, wonach die USA ihre Rolle als Supermacht verlieren, ohne dass ein einzelner neuer Akteur diese Position einnehmen kann, was in ein System regionaler Machtzentren mündet.
Ein Blick in die Welt des 21. Jahrhunderts: Von alten und neuen Mächten: Hier wird der reale Wandel von der Unipolarität hin zu multipolaren Strukturen analysiert, wobei insbesondere der wirtschaftliche Aufstieg der BRICS-Staaten und die geostrategische Rolle der USA beleuchtet werden.
Welche Weltordnung schafft tatsächlich Ordnung und Frieden?: Das Kapitel diskutiert die theoretische Debatte, ob Multipolarität oder Hegemonie eher zur Friedenssicherung beitragen können, und thematisiert neue Bedrohungen durch innerstaatliche Instabilitäten.
Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Entwicklung von der bipolaren zur Übergangsordnung zusammen und betont die Notwendigkeit von Einsicht und Vernunft in der internationalen Politik.
Schlüsselwörter
Weltordnung, Hegemonie, Multipolarität, Supermacht, dezentrierter Globalismus, Internationale Beziehungen, US-amerikanische Außenpolitik, BRICS-Staaten, Krieg und Frieden, Balance of Power, Regionale Mächte, Neoliberalismus, Geopolitik, Internationale Stabilität, Machtgleichgewicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert den Übergang von einer unipolaren Weltordnung, die durch US-amerikanische Hegemonie geprägt ist, hin zu einem komplexeren, multipolaren System mit verschiedenen regionalen Machtzentren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Hegemonie, die Kritik am „american exceptionalism“, den Aufstieg der BRICS-Staaten sowie die theoretische Debatte über das friedensstiftende Potenzial verschiedener Weltordnungsmodelle.
Welche Forschungsfrage verfolgt der Autor?
Das primäre Ziel ist es, Barry Buzans These eines „dezentrierten Globalismus“ zu diskutieren und sie in den Kontext der grundlegenden Frage nach Krieg und Frieden in der internationalen Politik zu setzen.
Welcher wissenschaftliche Ansatz wird verwendet?
Die Arbeit nutzt politikwissenschaftliche Theorien, insbesondere Ansätze der Internationalen Beziehungen, um historische Zyklen von Hegemonie und deren Transformation in der aktuellen Ära zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die theoretischen Konzepte von Buzan und anderen Wissenschaftlern vorgestellt als auch die praktische geopolitische Realität, etwa im Mittleren Osten oder in Asien, kritisch reflektiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Multipolarität, Hegemonialer Wandel, Globalismus und das Konzept der „Balance of Power“ charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle der USA im 21. Jahrhundert?
Der Autor stellt fest, dass die USA zwar weiterhin eine bedeutende Macht sind, ihre interne Bereitschaft und externe Legitimität als Führungsmacht jedoch stetig abnehmen, was zu einer Fragmentierung ihrer Vormachtstellung führt.
Inwiefern beeinflussen BRICS-Staaten die globale Ordnung?
Die BRICS-Staaten tragen laut der Untersuchung maßgeblich dazu bei, das internationale System in Richtung Multipolarität zu verschieben, indem sie als neue regionale Machtzentren ökonomisches und politisches Potenzial von West nach Ost verlagern.
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- F. El. (Author), 2014, Die Herausbildung neuer Weltordnungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281906