Die Zukunftsfähigkeit des deutschen gesetzlichen Rentensystems hinsichtlich des demografischen Wandels


Seminararbeit, 2014
34 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Die gesetzliche Rentenversicherung Deutschlands
2.1 Das umlagefinanzierte System der gesetzlichen Rentenversicherung der Bundesrepublik Deutschland
2.2 Vor- und Nachteile der Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren
2.2.1 Umlagefinanzierung
2.2.2 Kapitaldeckungsverfahren

3 Der Demografische Wandel
3.1 Definition
3.2 Situation in Deutschland

4 Rentensysteme und Reformerfahrungen anderer Länder
4.1 Das 3-Säulen Konzept der Schweiz
4.1.1 Vor- und Nachteile
4.2 Das Rentensystem Schwedens
4.2.1 Vor- und Nachteile
4.3 Das Rentensystem der USA
4.3.1 Vor- und Nachteile

5 Reformvorschläge für das bestehende System zur Absicherung
5.1 Erhöhung der Lebensarbeitszeit
5.2 Setzen von Anreizen zur Erhöhung der Eigenverantwortung durch private Altersvorsorge
5.3 Übergang zu einer kapitalgedeckten Finanzierung der Rente

6 Bewertung der Zukunftsfähigkeit des bestehenden Systems in Deutschland

7 Literaturverzeichnis
7.1 Internetquellen

8 Anhang

1 Einleitung

Angesichts des demografischen Wandels und seinen Auswirkungen bietet sich ein enormer Bedarf zur Diskussion der Festigkeit bestehender Sozialversicherungssysteme in Deutschland. Die Zukunftsfähigkeit des bestehenden, umlagefinanzierten Rentensystems1 steht oftmals im Zentrum dieser Debatten und wird, im Zuge dessen, von Bevölkerung, Experten und Politik, vermehrt kritisiert und als überholungsbedürftig bewertet. Eine Umlagefinanzierung gilt als besonders anfällig für Faktoren der Demografie und wird daher zunehmend unattraktiv. Ziel dieser Arbeit ist es diese Zukunftsfähigkeit hinsichtlich der Demografie zu analysieren und zu bewerten, um die Tragsäulen eines effizienten Finanzierungsverfahrens herauszuarbeiten. Im Mittelpunkt der Untersuchung werden dabei die Rentenreformen der Schweiz, Schwedens und der USA stehen, und inwiefern diese Systeme, in vollem Umfang oder auch fragmentarisch, einen Ansatz zur Reform für die Deutsche Rentenversicherung2 bieten. Nach einer allgemeinen Erklärung der Funktionsweise und der Finanzierung des bestehenden Systems in Kapitel 2, folgen in Kapitel 3 einige Definitionen grundlegender Begrifflichkeiten und Kennzahlen des demografischen Wandels, sowie eine Einschätzung der Situation in Deutschland - heute und in der Zukunft. Im Hauptteil dieser Arbeit, den Kapiteln 4 und 5, werden die Besonderheiten der Alterssicherungssysteme an den Beispielen Schweiz, Schweden und USA erklärt, sowie deren Vor- und Nachteile herausgearbeitet. Diese Analyse bildet das Fundament der Überlegung von Reformvorschlägen für das bestehende deutsche System, welche unter 5. Genauer behandelt werden. Anhand der vorweg erklärten Beispiel- Reformen wird erörtert inwiefern sich die Besagten für eine Implementierung, zur Verbesserung der Zukunftssicherheit der Rente in Deutschland, eignen und welche weiteren Herausforderungen bei einer Reform berücksichtigt werden müssen. Abschließend folgt eine allgemeine Bewertung des bisher umlagefinanzierten Systems, die meiner persönlichen Einschätzung unterliegt. Dabei gilt es zu beachten, dass diese Einschätzung auf meiner individuellen Untersuchung der vorhergegangenen Aspekte fußt, und kein verfassungs- oder verwaltungsrechtlich gültiger Reform-Entwurf ist. Die Problematik der Übergangsphase wird im Folgenden, aus Kapazitätsgründen, vernachlässigt.

2 Die gesetzliche Rentenversicherung Deutschlands

2.1 Das umlagefinanzierte System der gesetzlichen Rentenversicherung der Bundesrepublik Deutschland

Die gesetzliche Rentenversicherung ist die erste von drei staatlich organisierten Säulen zur Absicherung gegen finanzielle Einbußen, welche durch den Wegfall oder das nur noch eingeschränkte Vorhandensein der Erwerbsfähigkeit der Versicherten entstehen. In der Bundesrepublik Deutschland3 regelt diese Versicherung die Renten aller Angestellten und Arbeitern sowie die knappschaftlichen Renten der Landwirte. Als Teil der Sozialversicherung zählt sie damit zu den Pflichtversicherungen. Beamte und Selbstständige sind hiervon ausgenommen. Für letztere besteht jedoch die Möglichkeit sich zusätzlich freiwillig gesetzlich zu versichern. Bei den Pflichtversicherten werden die Beiträge bis hin zu einer Beitragsbemessungsgrenze von aktuell 5950 € in West- und 5000 € in Ostdeutschland4 zu einem Beitragssatz von 18,9 %5 des monatlichen Bruttoeinkommens paritätisch von Arbeitnehmer und Arbeitgeber abgeführt. Als Zweig der Sozialversicherung ist die gesetzliche Rentenversicherung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem nach § 153 SGB VI6 organisierten Umlageverfahren finanziert. Beim Umlageverfahren werden die aktuell zu zahlenden Renten durch die laufenden Einnahmen aus den Beitragszahlungen der Träger der Rentenversicherung getätigt. Das bedeutet, dass die Beiträge, die in einem Kalenderjahr von den Versicherten und deren Arbeitgeber eingezahlt werden, auch im selben Kalenderjahr an die Bezugspersonen als Renten ausgeschüttet werden. Reichen die eingezahlten Beiträge nicht zur vollständigen Deckung der Ausgaben aus so wird diese Finanzierungslücke durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt ausbalanciert. Im Gegenzug werden entstehende Überschüsse zur Bildung einer Nachhaltigkeitslücke verwendet, die zum Ausgleich konjunktureller Schwankungen dienen soll. Zur Absicherung der aktuellen Beitragszahler besteht der sogenannte Generationenvertrag7, welcher einen verfassungsrechtlich geschützten Anspruch auf Leistungen aus der Rentenversicherung darstellt. Die momentan erwerbstätige Generation finanziert also jeweils die Renten der sich bereits im Ruhestand befindlichen Generation, und nicht die eigenen künftigen. Durch Bestehen des Generationenvertrages kann sie dennoch drauf vertrauen, dass, wenn sie später selbst rentenbezugsberechtigt ist, die dann erwerbstätige Generation für ihre Renten finanziell aufkommt. Die gesetzliche Rentenversicherung wird von Bundes- und Regionalträgern wahrgenommen, welche seit dem 1.Oktober 2005 unter dem gemeinsamen Namen „Deutsche Rentenversicherung“8 firmieren. Die Höhe der individuell ausgezahlten Rente liegt dem Äquivalenzprinzip zugrunde. So basiert die individuelle Brutto-Rente auf Höhe und Dauer der Beitragszahlungen des Versicherten. Da die Einzahlungen durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber schon lange nicht mehr ausreichen, um anfallende Ausgaben zu decken wird das System in bedeutendem Umfang durch Bundeszuschüsse getragen, also aus Steuermitteln. Betrugen diese Zuschüsse in 2002 noch etwa 49 Milliarden €, so stiegen sie bis 2012 auf über 60 Mrd. € an9. Sie dienen einerseits der Finanzierung versicherungsfremder Leistungen, also Leistungen, die durch die Rentenversicherung gänzlich unabhängig von Beitragszahlungen des Versicherten gewährt werden10. Auf der anderen Seite zielen diese Zuschüsse darauf ab Zusatzbelastungen der Versicherten durch Rentenkürzungen und Beitragserhöhungen zu vermeiden. Voraussetzung für einen Anspruch auf eine gesetzliche Rente ist die Erfüllung von Mindestversicherungszeiten und das Erreichen bestimmter Altersgrenzen. Die Mindestversicherungszeit, auch Wartezeit genannt, bemisst sich auf 5 Jahre im Falle einer Regelaltersrente. Eine Altersrente wird erst nach Erreichen des Regeleintrittalters ausgezahlt. Momentan beträgt dies noch 65 Jahre, wobei dieses Alter schrittweise auf 67 Jahre11 angehoben werden soll12. Zudem besteht seit dem 1. Juli 2014 für langjährig Versicherte die Möglichkeit auf eine vorzeitige Inanspruchnahme einer abschlagsfreien Altersrente mit 63 Jahren, wenn eine Wartezeit von mindestens 45 Jahren vorliegt. Diese sogenannte Rente mit 63 gilt für Personen, die bis einschließlich 1952 geboren sind13. Ausgezahlt wird eine Brutto-Rente, die sich momentan bei einem Eckrentner14 auf 1.266,30 €15 beläuft. Das hat zur Folge, dass durch den Leistungsbeziehenden Beiträge zur Kranken- und zur Pflegeversicherung verpflichtend bezahlt werden müssen. Grundlage der Umlagefinanzierung ist also ein Transfer finanzieller Mittel zwischen zwei Generationen: den noch erwerbstätigen Beitragszahlern und den nicht mehr erwerbsfähigen Leistungsbeziehern. Weil sich die gesetzliche Rentenversicherung immer wieder neuen Herausforderungen stellen muss, besonders hinsichtlich Demografie, Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit, kann davon ausgegangen werden, dass auch in den kommenden Jahren weitere Reformen zu ihrer Optimierung abgeschlossen werden, und es zu dynamischen Anpassungen kommen muss, um sie zukunftsfähig zu machen.

Die Untersuchung aller einflussnehmenden Faktoren würde den Umfang dieser Arbeit weit überschreiten, Im Weiteren wird deshalb der Fokus auf den Faktor Demografie, insbesondere den demografischen Wandel, gelegt. Selbstverständlich liegen die Bewertungen der Auswirkungen und die Reformvorschläge, die getroffen werden, einer persistent stabilen Entwicklung der Wirtschaft zugrunde, daher werden unvorhersehbare Schocks und Entwicklungen an Finanz-, Kapital- und Arbeitsmärkten, im weiteren Verlauf dieser Arbeit vernachlässigt.

2.2 Vor- und Nachteile der Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren

2.2.1 Umlagefinanzierung

Nachdem in 2.1 die grundsätzliche Funktionsweise einer Umlagefinanzierung geklärt wurde, werden hier Vorzüge und Nachteile selbiger mit denen eines - oftmals als Alternative vorgeschlagenem - Kapitaldeckungsverfahrens verglichen. Besonders in der sozialpolitischen Diskussion und hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit des bestehenden Rentensystems wird kontinuierlich über eine Kapitaldeckung als zukunftssichere Alternative debattiert. Die Umlagefinanzierung ermöglicht einen sozialen Ausgleich über Umverteilungen, da beispielsweise Beiträge auch während der Arbeitslosigkeit eines Versicherten durch dessen Arbeitslosenversicherung an die gesetzliche Rentenversicherung abgeführt werden16. Außerdem werden Erziehungszeiten und Zeiten für die Pflege von Angehörigen mitberücksichtigt. Weiterer Vorteil eines Umlageverfahrens ist, dass es ab dem Tag seiner Einführung funktioniert, da keine

Notwendigkeit besteht zuerst eine Kapitalsumme ansparen zu müssen. Sobald eingezahlt wird kann auch ohne Verzögerung ausgezahlt werden. Noch ein Vorteil ist die vollständige Unabhängigkeit von Finanzmarktentwicklungen. So bleibt die Umlagefinanzierung von Renditen- und Zinsentwicklungen unbeeinflusst. Gerade hinsichtlich unvorhersehbarer Schwankungen oder Schocks auf den Finanzmärkten sowie vorhergegangener Krisen gilt diesem Punkt besonderer Zuspruch.17 Desweiteren ist dieses System besonders flexibel, da es beliebig ausgedehnt werden kann. Voraussetzung hierfür ist allerdings ein konstantes Wachstum der erwerbstätigen Bevölkerung, sowie ein bestimmtes Verhältnis von Erwerbstätigen Versicherten zu Leistungsbeziehern. Wenn die Einzahlungen die Ausgaben exakt ausgleichen wäre der Fall eines finanziellen Gleichgewichts gegeben. Optimal wären jedoch Einnahmen die die Ausgaben noch mindestens marginal übersteigen. Dann nämlich müssten keine zweckunabhängigen Bundeszuschüsse beigesteuert werden, welche zur Förderung von Investitionen an anderer Stelle verwendet werden könnten. Das Umlageverfahren ist außerdem an laufende Einnahmen gekoppelt, was es weitestgehend resistent gegen inflationäre Schwankungen macht. Auch besteht - abgesehen von einer kleinen Reserve zur Überbrückung konjunktureller Schwankungen - kein Kapitalbestand, was das Risiko einer Zweckentfremdung minimiert. Der entscheidende Nachteil der Umlagefinanzierung ist die Abhängigkeit von der demografischen Entwicklung. Entwickelt sich die Zahl der Erwerbsfähigen rückläufig, so müssen immer weniger Beitragszahler für eine zunehmende Anzahl Leistungsbezieher aufkommen. Während vor 50 Jahren das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentenbeziehern in Deutschland noch 6:1 betrug, liegt es gegenwärtig nur noch bei etwa 2:118 mit weiter abnehmender Tendenz. So lässt sich langfristig ein Absinken der Renten oder eine Erhöhung der Beiträge ohne eine passende Reform nicht vermeiden. Auch ist die Umlagefinanzierung zwar unabhängig von Finanzmärkten, sie ist jedoch stark durch konjunkturelle Schwankungen beeinflussbar. Nimmt die Zahl der Erwerbstätigen aufgrund einer Rezession ab, entwickelt sich das Verhältnis von Beitragszahlern zu Leistungsbeziehern ebenfalls ungünstig und es kommt als Konsequenz wieder zu sinkenden Renten und / oder höheren Beitragszahlungen, die ein geringerer Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung schultern muss. Essenzielle Voraussetzung eines funktionierenden Umlagesystems ist also ein stabiles Verhältnis von Beitragszahlern zu Leistungsempfängern. Angesichts des demografischen Wandels in Deutschland ist dieses nicht mehr gegeben und damit Hauptursache für die abnehmende Zukunftsfähigkeit der bestehenden Umlagefinanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung.

2.2.2 Kapitaldeckungsverfahren

Beim Kapitaldeckungsverfahren handelt es sich um ein Finanzierungsverfahren der individuellen Altersvorsorge. Hierbei werden für jeden Versicherten Anteile seiner Ersparnisse am Kapitalmarkt angelegt und ein Deckungskapital gebildet, welches die späteren Ausgaben nach Eintritt in das Rentenalter decken soll. Nach dem Äquivalenzprinzip werden die eingegangenen Zahlungen, nach der Fälligkeit, als monatliche Renten ausbezahlt. Somit finanziert sich am Ende jeder künftige Leistungsbezieher selbst durch seinen Kapitalstamm. Die Auswirkungen auf einen Sozialstaat, im Falle einer Umstellung von Umlagefinanzierung auf Kapitaldeckungsverfahren bleiben in dieser Betrachtung aus Kapazitätsgründen unberücksichtigt, obwohl diese nicht minder beeinflussend sind. Ein Vorteil der Kapitaldeckung ist aber, dass jeder Beitragszahler für sich selbst aufkommt, was die Eigeninitiative zur Bildung von Rücklagen und Konsumverzicht in der Gegenwart, zugunsten der eigenen Altersvorsorge steigert. Mit der Rentenreform von 2001, der sogenannten Riester-Rente19, wurde ergänzend zur Pflichtversicherung eine freiwillige kapitalgedeckte Möglichkeit zur Altersvorsorge eingeführt. Es kam dadurch zu einem ungewollten Paradigmenwechsel, da die gesetzliche Rentenversicherung von nun an nicht mehr als eine alleinige Absicherung zur Erhaltung des Lebensstandards im Alter verstanden wurde. Dadurch wurde die Problematik der Systemfinanzierung nicht gelöst, sondern lediglich verschoben. Aufgrund dessen, dass die Sparanteile am Kapitalmarkt angelegt werden, besteht beim Kapitaldeckungsverfahren eine erhöhte Gefahr von Kapitalverlusten. Das System ist extrem anfällig für Schwankungen an den Märkten und daraus resultierende Wirtschaftskrisen, ebenso wie für Inflation. Für die großen Kapitalreserven müssen an den Märkten entsprechend langfristige Anlagemöglichkeiten gefunden werden, die situationsabhängig rar sein können. So entsteht ein Anlagerisiko, das im Umlageverfahren unberücksichtigt bleiben konnte. Aber auch das Kapitaldeckungsverfahren ist vor ungünstigen demografischen Entwicklungen nicht vollständig sicher. So werden hier bei einer sinkenden Zahl an erwerbstätigen Beitragszahlern die Renten langfristig sinken. Im Solow-Modell20 wird dieser Effekt durch den Zusammenhang von Rendite des Kapitaldeckungsverfahrens und Rendite des Umlageverfahrens, die in einer geschlossenen Volkswirtschaft mit optimalem Wachstum, äquivalent sind, begründet. In einer realen offenen Volkswirtschaft besteht jedoch die Möglichkeit von Kapitaltransfers ins Ausland. Das eröffnet einerseits die Möglichkeit zur Erwirtschaftung höherer Renditen durch Wechselkursgewinne, diese können durch selbige Faktoren aber auch fallen. Zudem bestehen bei Investitionen im Ausland Risiken durch Kursschwankungen und negative politische Entwicklungen. Ein weiterer Punkt ist die Tendenz der Industrienationen hin zum demografischen Wandel. Damit bliebe langfristig nur die Alternative der Investition in risikobehaftete Emerging-Markets.21 Desweiteren sind Kapitalabflüsse in diesem Ausmaß durchaus schädigend für die heimische Volkswirtschaft, was Rückkopplungseffekte auf Kapitalmärkte bewirkt, welche dann wiederum negative Einflüsse auf Kapitalanlagen zur Alterssicherung nehmen. Aufgrund der Tatsache, dass die gesetzliche Rentenversicherung momentan einem Umlageverfahren zugrunde liegt, käme es im Falle einer Umstellung zu weitgreifenden Umstellungseffekten, die von finanziellen bis zu sozialgerechtigkeitsbezogenen Auswirkungen reichen. So würde in diesem spezifischen Fall eine Generation doppelt belastet werden. Die Effizienz einer Umstellung hinsichtlich der von Investitions- und Sparquote abhängigen22 gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt steht und fällt zudem mit der Reaktion der Bevölkerung. So sind die makroökonomischen Auswirkungen eines Umstellungsprozesses ungewiss und von Anpassungsreaktionen abhängig.

3 Der Demografische Wandel

3.1 Definition

Zur vereinfachten Darstellung in den kommenden Kapiteln ist es relevant zuvor einige Begrifflichkeiten in Zusammenhang mit dem demografischen Wandel zu erläutern. Der Begriff des demografischen Wandels beschreibt den Rückgang der Bevölkerungszahl eines Landes bei gleichzeitig zunehmender Lebenserwartung der Bevölkerung. Dabei werden Einflussfaktoren betrachtet, welche die Bevölkerungsstruktur nachhaltig verändern. Ein grundlegender Begriff ist der der Bevölkerung. Dieser wird durch das statistische Bundesamt wie folgt definiert: ,,Zur Bevölkerung Deutschlands zählen alle Einwohner, die mit ihrer Hauptwohnung in der Bundesrepublik Deutschland gemeldet sind, also auch alle hier gemeldeten Ausländer und Ausländerinnen." (Statistisches Bundesamt (2014), Wiesbaden.)23 Desweiteren gilt es die Geburtenrate genau abzugrenzen, da sie die am häufigsten verwendete Kennzahl zur Beschreibung des Geburtenniveaus ist, und angibt wie viele Kinder pro Frau geboren wurden. Die Geburtenrate bezieht sich jeweils auf ein Kalenderjahr und alle Frauen, die in diesem Jahr zwischen 15 und 49 Jahre alt waren und Kinder zur Welt gebracht haben. Bei der Berechnung wird angenommen, dass all diese Frauen eine Kohorte bilden24. Analog hierzu gibt die allgemeine Sterbeziffer an, wie viele Menschen aus 1000 Einwohnern der mittleren Bevölkerung in einer Periode gestorben sind.25 Als letzter essenzieller Begriff ist die Lebenserwartung zu definieren. Sie gibt an, wie viele Jahre ein Mensch noch unter den gegebenen Sterblichkeitsverhältnissen des betreffenden Kalenderjahres voraussichtlich zu leben hat. Mit fortschreitender Verbesserung der Lebensumstände in den Industrieländern steigt auch die Lebenserwartung der Menschen kontinuierlich. Momentan liegt sie in der BRD für Frauen bei 82,7 und für Männer bei 77,7 Jahren26. An dieser Stelle wird deutlich, warum der demografische Wandel ein besonderes Risiko für die Beständigkeit des gesetzlichen Rentensystems darstellt. Durch die steigende Lebenserwartung steigt auch die Dauer des Rentenbezugsanspruchs. Da aber nicht mehr ausreichend Beitragszahler nachkommen, resultiert dieser Zustand zwangsläufig in sinkenden Renten oder erhöhten Beiträgen und bedarf einer Reform, um diese Problematik nachhaltig erfolgreich zu meistern.

3.2 Situation in Deutschland

Die Zahl der Menschen, die in einem Land leben hängt maßgeblich von den Faktoren, Geburtenrate, Sterberate und Zu-/Abwanderung ab.

[...]


1 Seit der Reform von 1957 ist das Rentensystem umlagefinanziert. Vgl. Roth (1989), S.15-18, Marburg.

2 DRV

3 BRD

4 Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund (2014a), S.83, Berlin.

5 Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund (2014a), S.53, Berlin.

6 Vgl. Sozialgesetzbuch (SGB VI), sechstes Buch, Gesetzliche Rentenversicherung.

7 Vgl. Bundesfinanzministerium (2011), S.1, Berlin.

8 DRV

9 Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund (2013), S. 249, Berlin.

10 etwa für Kindererziehungszeiten oder für die Rentenanteile aus Anrechnungs- und Ersatzzeiten.

11 Bis zum Jahr 2029

12 Vgl. Bundesregierung (2014):

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/ThemenAZ/Altersvorsorge/altersvorsorge- 2007-07-13-rente-mit-67-alterssicherung-generationengerecht-gestalten.html , abgerufen am 22.08.2014.

13 Vgl. Deutsche Rentenversicherung (2014b), S.7, Speyer.

14 Ein Eckrentner ist eine fiktive Person, die eine Regelaltersrente bezieht. Zuvor hat er 45 Jahre lang Beiträge entsprechend der Höhe eines Durchschnittsgehalts entrichtet.

15 Vgl. Arbeitnehmerkammer Bremen (2013), S.1, Bremen.

16 Vgl. Deutsche Sozialversicherung (2014):

http://www.deutsche-sozialversicherung.de/de/rentenversicherung/leistungen.html , abgerufen am 22.08.2014.

17 Vgl. Börsch-Supan (2000a), Mannheim.

18 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2014), S.1, Wiesbaden.

19 Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund (2014): http://www.deutsche- rentenversicherung.de/Bund/de/Inhalt/2_Rente_Reha/01_rente/01_altersvorsorge/riester_rente/01_sie_moech ten_vorsorgen/10_voraussetzungen_riesterrente/voraussetzungen_index.html , abgerufen am 22.08.2014.

20 Vgl. Solow, R. (1956), S.65ff., MIT press.

21 = aufstrebende Märkte, wie beispielsweise die Chinas oder Indiens.

22 Vgl. Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (2012), S.4 ff., Mannheim.

23 Vgl. Statistisches Bundesamt (2014): https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Aktuell.html , abgerufen am 22.08.2014.

24 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2014), Altersspezifische Geburtenziffer, Wiesbaden.

25 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2014), Rohe Sterbeziffer, Wiesbaden.

26 Vgl. Statistisches Bundesamt (2014): https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Sterbefaelle/Tabellen/Lebenserwa rtungDeutschland.html , abgerufen am 22.08.2014.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die Zukunftsfähigkeit des deutschen gesetzlichen Rentensystems hinsichtlich des demografischen Wandels
Hochschule
Universität Hohenheim  (Wirtschaftstheorie)
Veranstaltung
Humboldt reloaded
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
34
Katalognummer
V281974
ISBN (eBook)
9783656768685
ISBN (Buch)
9783656768753
Dateigröße
834 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zukunftsfähigkeit, rentensystems, wandels
Arbeit zitieren
Ines Herzeg (Autor), 2014, Die Zukunftsfähigkeit des deutschen gesetzlichen Rentensystems hinsichtlich des demografischen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281974

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