Kleidung und Mode im Mittelalter


Facharbeit (Schule), 2013
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Heutige Darstellungen von mittelalterlicher Mode und Kleidung

2 Kleidung und Mode im Mittelalter
2.1 Textilien und ihre Bearbeitung
2.2 Kleidung im Mittelalter
2.2.1 Unterkleidung
2.2.1.1 Bruche und Hemd bei Männern
2.2.1.2 Hemd und Mieder bei Frauen
2.2.2 Oberkleidung
2.2.2.1 Beinkleider
2.2.2.2 Schichtenkleidung
2.2.2.2.1 Tunika und Cotte
2.2.2.2.2 Bliaud, Surcot und Corset
2.2.2.2.3 Garde-Corps, Hérigaud und Garnatsch
2.2.3 Überkleidung
2.2.3.1 Mäntel und Umhänge
2.2.3.1.1 alltägliche Umhänge und Mäntel
2.2.3.1.2 repräsentative Umhänge und Mäntel
2.2.3.2 Kopfbedeckungen und Frisuren

3 Allgemeine Entwicklung der Mode im Mittelalter

4 Anhang
4.1 Literaturverzeichnis
4.2 Abbildungsverzeichnis

1 Heutige Darstellung mittelalterlicher Mode

Ein König mit goldener Krone und rotem Umhang, der edle Ritter mitsamt Rüstung und Pferd und Frauen in langen, prächtigen Gewändern – diese Bilder wecken Assoziationen mit dem Begriff Mittelalter, wie er uns beispielsweise in Büchern und Filmen vermittelt wird. Dennoch lassen sich solche Darstellungen oftmals als Klischees entlarven: Sie verallgemeinern und vereinfachen die Wirklichkeit stark. Trotzdem ist ihnen eines gemeinsam: Die Vorstellung vom Mittelalter wird über die Kleidung und das Aussehen der Menschen vermittelt: Der König trägt eine Krone, der Ritter eine Rüstung. Wie aber sah die Kleidung von Rittern, Königen und der durchschnittlichen mittelalterlichen Menschen tatsächlich aus? Was drückte sie aus? Welche lesbaren Zeichen steckten in ihr, welche Hinweise zum Beispiel auf Religion, Herkunft, gesellschaftlichen Stand, Vermögenslage und Ehestand gaben sie? Welche praktischen Aufgaben erfüllte sie? Das wird im Folgenden analysiert und erörtert. Dennoch muss das Thema auf die wichtigsten Oberbereiche eingegrenzt werden, die anhand einiger Beispielen erklärt und belegt werden. Dies ist mit der Abhängigkeit der mittelalterlichen Kleidung und Mode von politischen, sozialen, religiösen, wirtschaftlichen, klimatischen und geografischen Parametern zu begründen, durch die eine schier unendlich große Variationsbreite an Kleidungen und Moden entsteht, die den Rahmen einer Seminararbeit sprengen würden. Weiterhin ist, um die mittelalterliche Kleidung und ihre Funktionen zu verstehen, zunächst eine Betrachtung der Textilien und ihrer Bearbeitung erforderlich.

2 Kleidung und Mode im Mittelalter

2.1 Textilien und ihre Bearbeitung

Die grundlegenden Ausgangsmaterialien mittelalterlicher Textilien lassen sich zunächst in tierische und pflanzliche Rohstoffe unterteilen. Als pflanzliche Rohstoffe sind die Fasern des Flachses, der Nessel, des Hanfes und der Baumwolle zu nennen. Als tierische Rohstoffe werden die Haare verschiedener Nutztiere sowie Leder, Felle und Pelze aufgeführt, welche die älteste Form der Textilien darstellen.[1] Dennoch sind für die mittelalterliche Textilherstellung vor allem Schafwolle und Flachs relevant. Diese werden zunächst in verschiedenen Arbeitsschritten für die Textilbindung vorbearbeitet. Diese wären bei der Wolle das Scheren, Streichen Kämmen und Spannen, beim Flachs hingegen das Rösten, Waschen und Brechen.[2] Im nächsten Produktionsschritt werden die fertigen Fasern durch Textilbindung zu Stoffen weiterverarbeitet. Als erste Möglichkeit ist hierfür das Filzen zu nennen. Es beruht auf der Verdichtung der feuchten Wolle durch Stampfen. Das Produkt ist ein grober Filzstoff, der für Schuhe, Decken und Mäntel verwendet wird, sowie für Hüte, Mützen und Kappen. Filzstoff wurde im Mittelalter hauptsächlich wegen seiner wasserundurch-lässigen und wärmenden Eigenschaften geschätzt.

Eine andere Möglichkeit der Textilbindung ist das Spinnen. Hierfür werden die Fasern zunächst ausgezogen und gedreht, weiterhin werden Woll- sowie Hanf- und Flachsfasern zugeführt. Gesponnen wird im frühen Mittelalter mit einer Handspindel, ab Mitte des 13. Jahrhunderts entstehen Handspinnräder, mit denen eine Produktion mit doppelter Effektivität möglich ist. Das Produkt ist ein Garn, das jetzt verwoben werden kann. Beim Weben entsteht der Stoff durch das Überkreuzen senkrechter und waagrechter Fäden. Besondere Musterungen werden durch Schlingungen und das Auslassen einzelner oder mehrerer Fadenreihen hervorgerufen. Der fertige Leinen- oder Wollstoff wird danach gewalkt und gemangelt. Da rohes Leinen noch eine grau-gelbe Färbung besitzt, wird es im nächsten Schritt geblichen, um seine typisch creme-weiße Färbung zu erhalten. Durch Aufrauen mit der Bürste und mit Scheren wird das Tuch weiter veredelt. Weiterhin stehen das Färben und Beizen an. Das Beizen mit einem Beizmittel aus Aschelauge oder Alaun ist insofern notwendig, als es zur besseren Haltbarkeit der Farbe beiträgt. [3] Im nächsten Schritt wird das Tuch gefärbt. Je nach späterem Verwendungszweck werden dafür Farben verschiedener Qualität ausgewählt. Als billige Farben gelten dabei solche, die sich leicht aus regionalen Pflanzen herstellen lassen. Dazu zählen die Farben blau, gelb und grün. Blau wird hauptsächlich aus Färberwaid und in geringen Mengen auch aus Blaubeeren gewonnen, die Farbe Gelb wird aus den Pflanzen Wau, Wegdorn und Rainfarn hergestellt. Zur Herstellung grüner Farbe werden verschiedene Pflanzen abgekocht oder ausgepresst, wie zum Beispiel die Gartenmelde oder das Geißblatt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Pflanzen Gartenmelde, Rainfarn und Krapp

Als besonders bedeutsam ist die Farbe Rot zu nennen, da sie ausschließlich den oberen Schichten vorbehalten ist. Sie lässt sich einerseits aus regionalen Pflanzen herstellen, wie beispielsweise dem Krapp, doch genauso auch aus Kermesläusen. Dies war die teurere und deshalb umso begehrtere Variante, da zur Produktion von 5kg Karminrot 50kg Kermesläuse benötigt waren. Dennoch zeigt kein Beispiel besser die Verschwendungslust der mittelalterlichen Fürstenhöfe als der Farbton Purpur: aus 12000 Purpurschnecken wurde 1,5 kg Purpur hergestellt.[4] Wiebke Koch-Mertens zitiert in ihrem Werk als Beleg für einige dieser Farbtöne die „Capitulare de Villis“ Karls des Großen: „Für unsere Frauenhäuser wird vorgeschrieben[ … ] Färberwaid, Würmchenrot (Kermes), Färberröte (Krapp) […] und das übrige dort nötige Gerät“.[5]

Für die Produktion der mittelalterlichen Kleidung sind, wie schon im Zitat erwähnt, im wesentlichen Frauen zuständig. Sie produzieren zunächst nur für den Eigenbedarf und in grundherrschaftlichen Werkstätten, doch im Zuge der Etablierung des Verlagssystems im Spätmittelalter auch als Zuverdienst.[6] Weiterhin zählen Tuche auch als Abgabe an den Gutsherren. Doch auch an den Adelshöfen werden Textilien produziert: adlige Frauen spinnen, weben und sticken zum Zeitvertreib, da es sie als „ehrbare Frau“ auszeichnet. [7]

Weiterhin finden auch Leder, Pelze und Felle ihre Verwendung in der Textilproduktion. Die breiten Bevölkerungskreise der ländlichen Bewohner kleideten sich in Leder von alltäglichen Nutztieren, wie Schwein, Schaf, Ziege, Rind und Kalb, denn Wildleder ist als Privileg der Oberschicht[8] vorbehalten. Das Leder wird folgendermaßen bearbeitet: Zunächst werden Haaren und Borsten entfernt, danach erfolgt die Gerbung. Anschließend werden teurere Leder durch Spalten und Färben veredelt. Erst jetzt werden aus dem nun verarbeitungs-fähigen Leder Produkte wie Riemen, Gürtel, Beutel und Taschen, sowie Handschuhe und Schuhe hergestellt.

Weiterhin verwendet die Oberschicht, vom Landadel bis hin zum Fürsten, gerne Felle und Pelze, um ihre Kleidung zu verzieren. Dies lässt sich am Ritter Siegfried aus dem „Nibelungenlied“ belegen. Er wird folgendermaßen beschrieben: „ […] er [trug] einen Hut aus Zobelpelz, der sehr kostbar war. […]“[9]

Die Reichen und Mächtigen kleideten sich in Pelze von Biber, Luchs, und, um den weitaus kostbareren Hermelinpelz nachzumachen, Schneewiesel, außerdem verwendeten sie Fischotter-, Marder- und Eichhörnchenpelz. Die Pelze von Hermelin und Zobel hingegen waren ausschließlich den Fürsten vorbehalten. Ihre Felle werden vom deutlich angeseheneren Kürschner zugerichtet, haltbar gemacht, veredelt und anschließend vom Pelzer weiterverkauft. Mit den Pelzen und Fellen wurden dann Mäntel, Krägen und Hüte besetzt. Im Gegensatz dazu verwendet die ländliche Bevölkerung weitaus einfachere Methoden, um ihre Pelze zu bearbeiten, die sie in Heimarbeit für den Eigenbedarf herstellen. Sie verwenden die Felle von Schafen, Bären, Wölfen und Iltissen, um ihre Mäntel zum Schutz vor Kälte zu füttern.[10] Zuletzt ist noch die Seide als wichtiges Textil im Mittelalter zu nennen. Sie wurde in den Seidenspinnereien des byzantinischen Reichs, sowie in Südspanien und später auch Sizilien hergestellt und konnte auf italienischen Märkten erworben werden. Sie spielte insofern eine wichtige Rolle, als sie bei geistlichen und weltlichen Würdenträgern sehr beliebt war.[11] Dies zeigt beispielsweise Abt Anglibert, der für St. Riquier „[…] 24 seidene Dalmatiken, […], 15 [Messgewänder] aus Purpurseide und 5 aus leichten Seidengewebe“ erwarb.[12]

2.2 Kleidung im Mittelalter

Die mittelalterliche Kleidung ist eine „Schichtenkleidung“, das heißt, dass sie in unterschiedliche, übereinander getragene Schichten gegliedert ist, die je nach gesellschaftlichem Stand, Wetterlage und Geschlecht unterschiedlich ausgeführt werden. Im Folgenden werden sie einzeln betrachtet.

2.2.1 Unterkleidung

2.2.1.1 Hemd und Bruche bei Männern

Die Bruche und das Hemd sind bei Männern als grundlegende Schicht der Kleidung zu bezeichnen. Dies liegt darin begründet, dass beide Kleidungsstücke während der gesamten Zeitspanne des Mittelalters in allen gesellschaftlichen Schichten verbreitet waren. Weiterhin stellen sie die wärmende Unterschicht der Kleidung dar. Die Bruche (mittelhochdeutsch: bruchen), eine mittelalterliche Art Unterhose, ist ein rechteckiges und in der Mitte der Unterseite verlängertes Stück Stoff, das um Hüfte und Oberschenkel gebunden wird. Dabei wird die Verlängerung zwischen den Beinen durchgeführt und vorne in den Bund gesteckt. Aufgrund der im frühen Mittelalter lose drapierten und weit fallenden Kleidung wird auch die Bruche zunächst sehr weit und locker getragen. Doch aufgrund des mit der Weite einhergehenden hohen Stoffverbrauchs entwickelt sich im Laufe des Mittelalters eine Seitennaht, die den Stoff für Knotungen einspart. Außerdem wird die Bruche mit den in Mode kommenden Beinlingen um einen Gürtel erweitert, an dem diese befestigt sind. Schließlich wird mit der körperbetonten Mode des 12. und 13. Jahrhunderts auch die Bruche enger. Als Material werden ausschließlich strapazierfähige Tuche, wie zum Beispiel Leinen-, Hanf- und Nesselstoff verwendet. Dies liegt darin begründet, dass teurere Tuche aufgrund der langen Oberkleidung nicht zu sehen sind und besonders bearbeitete Tuche, wie beispielsweise golddurchwirkte Stoffe, scheuern würden.[13] Das zweite Kleidungsstück der Unterkleidung stellt das Hemd (mittelhochdeutsch: lînîn / lînwât) dar. Es ist oberschenkel- bis knielang geschnitten und besitzt sowohl Ärmel als auch einen rechteckigen Ausschnitt. Bei der ländlichen Bevölkerung war es stets gerade geschnitten und an der Seite geschlitzt, um die bei der Feldarbeit nötige Bewegungsfreiheit zu gewähren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Zwei Bauern bearbeiten ein Feld Sie tragen Hemden, weiterhin ist beim Bauern im weißen Hemd die Bruche durch den Seitenschlitz zu sehen.

Im Gegensatz dazu wird das Hemd in der Oberschicht in einer anderen Ausführung getragen: Es wird an der Seite eng geschnürt und an Hüfte und Achseln mit keilförmigen Stoffeinsätzen, sogenannten Geren erweitert, sowie am Ausschnitt mit Stickereien und Borten verziert. Im Laufe der Zeit entwickelt sich das Hemd weiter, bis es schließlich im 12. und 13. Jahrhundert knöchellang mit langen Armen ist. Dies geht einher mit der Kürzung der Oberkleidung bis zum 14. Jahrhundert, was dazu führt, dass das Hemd unter dem kurzen Saum der Oberkleidung sichtbar wird und damit mehr in den Vordergrund tritt. Der untere Saum des Hemdes wird somit zu einer neuen Gestaltungsfläche. Außerdem zeichnet sich eine Weiterentwicklung der Ärmel mit der Einführung der Schlitztracht im 15. Jahrhundert ab: Die Ärmel werden extrem geweitet und zusätzlich gefaltet, gepufft und gebauscht, um unter der stark geschlitzten Oberkleidung sichtbar zu sein.[14]

[...]


[1] vgl. Gabrielle Praschl-Bichler: Affenhaube, Schellentracht und Wendeschuh; S. 182f

[2] vgl. Wiebke Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Teil 1: Die Kulturgeschichte der Mode bis 1900; S. 129

[3] vgl. Praschl-Bichler: siehe oben; S.183-185

[4] vgl. Praschl-Bichler: siehe oben S.185

[5] Koch-Mertens: siehe oben; S. 129

[6] vgl. Praschl-Bichler: siehe oben, S.184

[7] vgl. Koch-Mertens: siehe oben, S. 129

[8] „Oberschicht“ wird bei Praschl-Bichler als soziologischer Begriff verwendet und bezieht sich auf die Verteilung von Reichtum und Macht.

[9] Koch-Mertens: siehe oben; S. 147

[10] vgl. Praschl-Bichler: siehe oben; S.188f

[11] vgl. Margaret Scott : „Kleidung für die Reichen und Berühmten“; S. 14

[12] Koch-Mertens: siehe oben; S. 130

[13] vgl. Praschl-Bichler: siehe oben; S.35-38

[14] vgl. Praschl-Bichler: siehe oben“; S.44f

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kleidung und Mode im Mittelalter
Veranstaltung
Seminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V282030
ISBN (eBook)
9783656769682
ISBN (Buch)
9783656769767
Dateigröße
1872 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
Mittelalter, Kleidung im Mittelalter, Mode im Mittelalter
Arbeit zitieren
Sonja Rehrl (Autor), 2013, Kleidung und Mode im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282030

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