Ein König mit goldener Krone und rotem Umhang, der edle Ritter mitsamt Rüstung und Pferd und Frauen in langen, prächtigen Gewändern – diese Bilder wecken Assoziationen mit dem Begriff Mittelalter, wie er uns beispielsweise in Büchern und Filmen vermittelt wird. Dennoch lassen sich solche Darstellungen oftmals als Klischees entlarven: Sie verallgemeinern und vereinfachen die Wirklichkeit stark. Trotzdem ist ihnen eines gemeinsam: Die Vorstellung vom Mittelalter wird über die Kleidung und das Aussehen der Menschen vermittelt: Der König trägt eine Krone, der Ritter eine Rüstung. Wie aber sah die Kleidung von Rittern, Königen und der durchschnittlichen mittelalterlichen Menschen tatsächlich aus? Was drückte sie aus? Welche lesbaren Zeichen steckten in ihr, welche Hinweise zum Beispiel auf Religion, Herkunft, gesellschaftlichen Stand, Vermögenslage und Ehestand gaben sie? Welche praktischen Aufgaben erfüllte sie? Das wird im Folgenden analysiert und erörtert. Dennoch muss das Thema auf die wichtigsten Oberbereiche eingegrenzt werden, die anhand einiger Beispielen erklärt und belegt werden. Dies ist mit der Abhängigkeit der mittelalterlichen Kleidung und Mode von politischen, sozialen, religiösen, wirtschaftlichen, klimatischen und geografischen Parametern zu begründen, durch die eine schier unendlich große Variationsbreite an Kleidungen und Moden entsteht. Weiterhin werden, um die mittelalterliche Kleidung und ihre Funktionen zu verstehen, zunächst Textilien und ihrer Bearbeitung betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Heutige Darstellungen von mittelalterlicher Mode und Kleidung
2 Kleidung und Mode im Mittelalter
2.1 Textilien und ihre Bearbeitung
2.2 Kleidung im Mittelalter
2.2.1 Unterkleidung
2.2.1.1 Bruche und Hemd bei Männern
2.2.1.2 Hemd und Mieder bei Frauen
2.2.2 Oberkleidung
2.2.2.1 Beinkleider
2.2.2.2 Schichtenkleidung
2.2.2.2.1 Tunika und Cotte
2.2.2.2.2 Bliaud, Surcot und Corset
2.2.2.2.3 Garde-Corps, Hérigaud und Garnatsch
2.2.3 Überkleidung
2.2.3.1 Mäntel und Umhänge
2.2.3.1.1 alltägliche Umhänge und Mäntel
2.2.3.1.2 repräsentative Umhänge und Mäntel
2.2.3.2 Kopfbedeckungen und Frisuren
3 Allgemeine Entwicklung der Mode im Mittelalter
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit analysiert die mittelalterliche Kleidung, um hinter populäre Klischees zu blicken und die soziologischen sowie funktionalen Aspekte von Mode als Ausdrucksmittel des Standes und der Zeitumstände zu ergründen.
- Herstellungsprozesse von Textilien und deren Rohstoffquellen
- Differenzierung der Kleidung nach Stand, Geschlecht und sozialem Status
- Bedeutung der Schichtenkleidung im Mittelalter
- Einfluss von Politik, Wirtschaft und Religion auf die Modeentwicklung
- Funktion der Selbstdarstellung durch Kleidung und Accessoires
Auszug aus dem Buch
2.1 Textilien und ihre Bearbeitung
Die grundlegenden Ausgangsmaterialien mittelalterlicher Textilien lassen sich zunächst in tierische und pflanzliche Rohstoffe unterteilen. Als pflanzliche Rohstoffe sind die Fasern des Flachses, der Nessel, des Hanfes und der Baumwolle zu nennen. Als tierische Rohstoffe werden die Haare verschiedener Nutztiere sowie Leder, Felle und Pelze aufgeführt, welche die älteste Form der Textilien darstellen. Dennoch sind für die mittelalterliche Textilherstellung vor allem Schafwolle und Flachs relevant. Diese werden zunächst in verschiedenen Arbeitsschritten für die Textilbindung vorbearbeitet. Diese wären bei der Wolle das Scheren, Streichen Kämmen und Spannen, beim Flachs hingegen das Rösten, Waschen und Brechen. Im nächsten Produktionsschritt werden die fertigen Fasern durch Textilbindung zu Stoffen weiterverarbeitet. Als erste Möglichkeit ist hierfür das Filzen zu nennen. Es beruht auf der Verdichtung der feuchten Wolle durch Stampfen. Das Produkt ist ein grober Filzstoff, der für Schuhe, Decken und Mäntel verwendet wird, sowie für Hüte, Mützen und Kappen. Filzstoff wurde im Mittelalter hauptsächlich wegen seiner wasserundurchlässigen und wärmenden Eigenschaften geschätzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Heutige Darstellungen von mittelalterlicher Mode und Kleidung: Das Kapitel kritisiert gängige mediale Klischees und führt in die Notwendigkeit ein, Kleidung als Indikator für gesellschaftliche und politische Zusammenhänge des Mittelalters zu verstehen.
2 Kleidung und Mode im Mittelalter: Dieser Hauptteil bietet eine detaillierte technische und soziale Untersuchung der Textilherstellung, Unter-, Ober- und Überkleidung sowie der Bedeutung von Kopfbedeckungen und Frisuren.
3 Allgemeine Entwicklung der Mode im Mittelalter: Das Kapitel schließt mit einer Synthese über die Dynamik mittelalterlicher Mode, die sich als Spiegelbild der Zeitumstände und der individuellen Identität stetig wandelte.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Kleidung, Mode, Textilien, Schichtenkleidung, Ständegesellschaft, Tunika, Cotte, Surcot, Materialkunde, Selbstdarstellung, Handwerk, Modeentwicklung, Stoffherstellung, Mittelalterliche Mode
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der mittelalterlichen Kleidung und Mode, hinterfragt populäre mediale Bilder und analysiert die Hintergründe von Materialbeschaffenheit und modischen Trends.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Textilherstellung, der Differenzierung der Kleidung nach sozialen Schichten sowie der symbolischen Bedeutung von Mode im Mittelalter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Funktionen und die Variationsbreite mittelalterlicher Mode aufzuzeigen und zu belegen, wie politisch-soziale Parameter das Aussehen der Menschen beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Aufarbeitung der historischen Fakten anhand von einschlägiger Fachliteratur und historischen Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Materialkunde (Textilien), die Unterkleidung, die verschiedenen Formen der Ober- und Überkleidung sowie die Rolle von Kopfschmuck und Frisuren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Schichtenkleidung, Ständegesellschaft, Materialkunde und die historische Entwicklung der Mode.
Welche Rolle spielte die Farbe Rot im Mittelalter?
Rot war eine exklusive Farbe, die fast ausschließlich den oberen Schichten vorbehalten war, da die Produktion des Farbstoffs sehr kostenintensiv war.
Warum war das „Gebende“ für Frauen so wichtig?
Das Gebende war ein obligatorisches Kopfaccessoire für verheiratete Frauen, das zur Verhüllung der Haare diente und als Zeichen der Ehre galt.
- Quote paper
- Sonja Rehrl (Author), 2013, Kleidung und Mode im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282030