Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Kunst - Malerei

Natur und Landschaft als ungleiche Begriffe im historischen Wandel der Landschaftsmalerei

Titel: Natur und Landschaft als ungleiche Begriffe im historischen Wandel der Landschaftsmalerei

Diplomarbeit , 2012 , 56 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Carolin Piontek (Autor:in)

Kunst - Malerei
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Viele Jahrhunderte wurde die Landschaftsmalerei als kulturhistorisch immanente Malerei unterbewertet. Dabei ist sie die Äußerung einer Weltsicht der jeweiligen Epoche und offenbart die Gefühlswelt des in ihr lebenden Individuums so eindringlich wie ein Portrait. Aufgebrochen als eine Sehnsucht des Menschen nach der Ursprünglichkeit der Natur, die durch die Zivilisation und ihrer Kultivierung, der zunehmenden Verstädterung und dem Verlust seiner inneren Harmonie erwuchs, wird die Landschaftsmalerei zum Ausdruck seines Innenlebens und zu einer Möglichkeit der Selbstfindung, indem der Mensch versucht seine Stellung in der Welt zu definieren.

Die Landschaftsmalerei hat sich stets gewandelt und neue Sichtweisen aufgezeigt. Anfangs als Hintergrundkulisse hat sie nun den Platz als unabhängiges Bildthema neben der Portraitmalerei und dem Stillleben eingenommen. Immer geht die Landschaftsmalerei mit einem ästhetischen und kulturellen Bewusstsein und dem Aufbegehren der Wissenschaften nach Welterschließung einher. Sie bietet einen unaufdringlichen Einblick in politische, kulturelle, gesellschaftliche oder religiöse Ansichten des Künstlers und der Menschen seines Zeitalters. Wir leiten aus der Natur Gesetzmäßigkeiten her, die unsere Erfindungen vorantreiben, um uns ein besseres Leben zu ermöglichen und sogar die Menschenrechte als naturgegeben zu untermauern, wie Rousseau dies tat. Wenn auch diese Theorie einige Lücken hatte, wie später Voltaire ironisch spöttelte, besaß sie auch einige Relationen zu unserem Dasein.

Die Landschaft wird zum Spiegelbild des Lebens wie der Frühromantiker Phillip Otto Runge bemerkt. Die Natur ist in ewigem Wandel begriffen zwischen Wachstum und Zerstörung, Leben und Tod. In der Natur finden wir Zuflucht, Trost, Gewissheit und Geborgenheit vor den Erschütterungen menschlicher Werte durch Krieg, Politik, gesellschaftliche Missstände und persönliche Schicksalsschläge. Der Mensch erfährt Selbstachtung, indem sie ihn Achtung seiner Umwelt lehrt, unabhängig von Nation, Hautfarbe, Ideologie, Religion, gesellschaftlicher Stellung oder Philosophie.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff der Natur

3. Historische Begriffsbildung und Definition der Landschaft

4. Philosophische Betrachtungsweisen

5. Landschaftsmalerei vom Mittelalter bis zur klassischen Moderne

6. Schlussteil

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die kulturhistorische Entwicklung des Landschaftsbegriffs sowie die Wandlung der Landschaftsmalerei vom Mittelalter bis zur klassischen Moderne. Dabei liegt der Fokus auf der sich stetig ändernden Beziehung zwischen Mensch und Natur, die durch zunehmende Zivilisierung und Verstädterung geprägt ist.

  • Die begriffliche Herleitung und Definition von Natur und Landschaft.
  • Philosophische Konzepte zur Wahrnehmung der Landschaft als Gegenüber.
  • Die Entwicklung der Landschaftsmalerei als eigenständiges künstlerisches Sujet.
  • Die Rolle der Landschaft als Medium der Selbsterfahrung und ästhetischen Entfremdung.
  • Der Einfluss von Technik und Moderne auf die Darstellung von Landschaft.

Auszug aus dem Buch

Landschaftsmalerei vom Mittelalter bis zur klassischen Moderne

Im Mittelalter war die Landschaftsmalerei noch kein eigenständiges Sujet. Zudem war diese bis ins 19. Jh. hinein generell verpönt. So spöttelt Leon Battista Alberti „Landschaften, Bäume, Wasser, Fischer und Häfen, die den Handel vorstellen, erheitern die Menschen, weil sie niedrig sind und weil sie sich außerhalb des Ernstes öffentlichen Lebens befinden...“67 Selbst italienische Schriftsteller wandten sich von Landschafts-darstellungen ab, welche die niederländischen Maler für sich entdeckten und beanspruchten. „Die Nordländer („oltramontani“) sind sehr begabt in der Art und Weise, weite Entfernungen sichtbar zu machen, und das dank der Tatsache, dass sie die Länder, die sie bewohnen, und deren eigene wilde und waldreiche Natur darstellen. Aber wir, die Italiener, leben in einem kultivierten Garten, dessen Anmut sich mehr beim Anblick mitteilt als in der Nachbildung“, so Paolo Pino in seinem 1548 erschienenen Dialogo della pittura.68 In anderen Zeugnissen bezeichnete man die niederländische Landschaftsmalerei als „unreflektierten Augentrug“, dem nur Frauen verfielen insbesondere die „sehr alten“ und die „sehr jungen“, des weiteren Geistliche und Edelleute „denen es an Empfindung für wahre Harmonie gebricht“, denn es sei keine „rechte Kunst“, weil es am „rechte(n) Maß“ und dem „rechte(n) Verhältnis“ sowie (der) „Auswahl und (der) klare(n) Verteilung im Raume...“ fehle.69 Der Mensch galt als Maß aller Dinge, weshalb die Landschaft nur eine zweitrangige Rolle spielte und in der antiken Kunsttheorie nur als Beiwerk („parergon“) abgeschrieben wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kulturhistorische Bedeutung der Landschaftsmalerei als Ausdruck einer Weltsicht und Spiegelbild des menschlichen Innenlebens im Kontext fortschreitender Zivilisation.

2. Zum Begriff der Natur: Dieses Kapitel definiert Natur sowohl als biologische Grundlage als auch als philosophisches Konzept, das im Gegensatz zu Kultur und Technik steht und den menschlichen Ursprung sowie rechtliche Systeme beeinflusst.

3. Historische Begriffsbildung und Definition der Landschaft: Es wird die etymologische Entwicklung des Begriffs Landschaft aufgezeigt, der ursprünglich die Beschaffenheit eines Landes und die soziale Ordnung der dort lebenden Gemeinschaft beschrieb, bevor er eine ästhetische Konnotation annahm.

4. Philosophische Betrachtungsweisen: Hier werden kunstphilosophische Ansätze wie die von Joachim Ritter und Georg Simmel analysiert, die Landschaft als Resultat einer kulturellen Distanz zur Natur und als Vermittler zwischen Mensch und Umwelt deuten.

5. Landschaftsmalerei vom Mittelalter bis zur klassischen Moderne: Das Kapitel zeichnet die Entwicklung der Malerei nach, von der Landschaft als bloßem Hintergrund über die Weltlandschaften der Renaissance bis hin zur Abstraktion und der individuellen psychologischen Aufladung in der Moderne.

6. Schlussteil: Das Fazit fasst zusammen, wie Landschaft zunehmend abstrakt begriffen wurde und heute als ästhetischer Fluchtort dient, um der Entfremdung in einer zunehmend funktionalisierten und technisch geprägten Welt entgegenzuwirken.

Schlüsselwörter

Landschaftsmalerei, Natur, Ästhetik, Kunstgeschichte, Mensch-Natur-Beziehung, Moderne, Stimmung, Raumwahrnehmung, Kultur, Abstraktion, Weltlandschaft, Romantik, Subjektivität, Philosophie, Landschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Landschaftsbegriffs und dessen künstlerische Umsetzung in der Landschaftsmalerei vom Mittelalter bis zur klassischen Moderne.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Philosophie der Natur, die kulturgeschichtliche Entstehung des Begriffs Landschaft, die Rolle der Malerei als eigenständiges Sujet sowie der Einfluss der Moderne und Technik auf die ästhetische Wahrnehmung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, darzulegen, wie sich das Verhältnis zwischen Mensch und Natur über Jahrhunderte gewandelt hat und welche ästhetischen sowie philosophischen Konsequenzen dies für die Landschaftsmalerei hatte.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt kunsthistorische Analysen von Gemälden sowie eine kulturphilosophische Auswertung literarischer und theoretischer Texte bekannter Philosophen und Theoretiker.

Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, eine philosophische Einordnung durch Denker wie Simmel und Ritter sowie eine detaillierte kunstgeschichtliche Untersuchung der Malerei von der Renaissance bis zur Moderne.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Naturverständnis, ästhetische Distanz, Abstraktion, Stimmung und die Mensch-Natur-Entfremdung charakterisiert.

Welche Rolle spielt die Industrialisierung für das Landschaftsverständnis?

Die Industrialisierung wird als Faktor gesehen, der die Distanz zur Natur vergrößerte, was einerseits zur Sehnsucht nach ursprünglicher Natur und andererseits zur technischen Integration in die Landschaftsdarstellung führte.

Warum wird die Stadt als "goldener Käfig" bezeichnet?

In der Arbeit wird argumentiert, dass das Stadtleben mit seinen künstlichen Strukturen und Gesetzen eine Unterdrückung darstellt, die den Menschen dazu zwingt, in der Landschaft einen Fluchtort für echte menschliche Sinnfindung zu suchen.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Natur und Landschaft als ungleiche Begriffe im historischen Wandel der Landschaftsmalerei
Hochschule
Kunsthochschule Berlin-Weissensee Hochschule für Gestaltung
Note
1,0
Autor
Carolin Piontek (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
56
Katalognummer
V282168
ISBN (eBook)
9783668282322
ISBN (Buch)
9783668282339
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst Malerei Landschaftsmalerei Natur Landschaft Joachim Ritter Georg Simmel Niederländische Maler Brüder Limburg Leonardi da Vinci Felsengrottenmadonna Konrad Witz Überschaulandschaft Albrecht Altdorfer Tizian Idyllische Landschaft Ideale Landschaft Claes Dircksz van der Heck David Vinckboons Adam Willaerts Joos de Momper Jacob van Ruisdael David Tenier Rembrandt Jan van Os Claude Lorrain Nicolas Poussin Caspar David Friedrich William John Constable Iwan Iwanowitsch Schischkin Iwan Nikolajewitsch Kramskoi Gustav Courbet Ilja Repin Isaak Iljitsch Lewitan Adolph Menzel Wilhelm Leibl Hans Thoma Fritz von Uhde Freilichtmalerei Barbizonisten Jean-Baptiste Charles Francois Daubigny Camille Corot Jean Francois Millet Rousseau Dupré Diaz Troyon Plein-Air-Malerei Impressionismus Claude Monet Georges Seurat Pointilisten Divisionsverfahren Vincent van Gogh Paul Gauguin Paul Cézanne Vlaminck George Braque Derain Kandinsky Jawlensky Emil Nolde
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Carolin Piontek (Autor:in), 2012, Natur und Landschaft als ungleiche Begriffe im historischen Wandel der Landschaftsmalerei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282168
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  56  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum