Unternehmenskommunikation von Modeunternehmen im Wandel

Integration von Nachhaltigkeitsstrategien als Reaktion auf ein geändertes Konsumentenbedürfnis (dargestellt am Fallbeispiel C&A)


Seminararbeit, 2013
31 Seiten, Note: 1,3
Ai Lean (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nachhaltigkeitskommunikation im Kontext der
Unternehmenskommunikation
2.1 Wandel der Unternehmenskommunikation
2.2 Einordnung der Nachhaltigkeitskommunikation in die
Unternehmenskommunikation
2.3 Die kommunikationspolitischen Instrumente als Mittel der
unternehmerischen Nachhaltigkeitskommunikation

3. Relevanz von Nachhaltigkeitsstrategien bei Modeunternehmen: Nachhaltiger Konsum und LOHAS

4. Fallstudie: Integration von Nachhaltigkeitsstrategien
am Praxisbeispiel C&A
4.1 Ausgangssituation
4.2 Informationskampagne „We Love Cotton“
4.3 Nachhaltigkeitsbericht

5. Fazit und Ausblick

6. Anhang 20-

7. Quellenverzeichnis
7.1 Literaturverzeichnis
7.2 Internetquellen-Verzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Nachhaltigkeitskommunikation in der Unternehmenskommunikation

Abb. 2: Formen der Nachhaltigkeitskommunikation

Abb. 3: Absatzentwicklung Textilien aus Fairtrade-Baumwolle 2008-

Anhang 1: Konsumausgaben der privaten Haushalte in Deutschland für Bekleidung und Schuhe in den Jahren 1970 bis 2012 (in Milliarden Euro)

Anhang 2: Startseite der Informationskampagne „www.welovebio.com

Anhang 3: Folgeseite der Informationskampagne „www.welovebio.com

Anhang 4: Verstöße gegen den C&A „Code of Conduct“

1. Einleitung

„Nachhaltigkeit ist im Mainstream angekommen (). Unternehmen aller Größen und Branchen beschäftigen sich intensiv mit dem Thema.“ 1, so lautete das Ergebnis des Corpo- rate Sustainability Barometers aus dem Jahr 2010. Das IHK Unternehmensbarometer ermit- telte zwei Jahre später, dass 98 Prozent der Betriebe mit mindestens 20 Mitarbeitern mit ihrem wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Handeln bewusst gesellschaftliche Ver- antwortung übernehmen.2 Die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit wächst unbestritten und gilt als Megatrend des 21. Jahrhunderts. Dass Nachhaltigkeit zunehmend in der Mode- branche Einzug erhält beweist eine aktuelle Untersuchung der Universität Mainz aus dem Jahr 2012: Mittlerweile wünschen sich 83 Prozent der Konsumenten Labels, die über die Nachhaltigkeit des Produkts und des Unternehmens informieren.3 Wenn früher das Mode- bewusstsein der entscheidende Kauffaktor war, rückt heute der gesamte Wertschöpfungs- prozess eines Unternehmens in den Mittelpunkt des Verbraucherinteresses - vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Die mediale Veröffentlichung von katastrophalen Zuständen in asiati- schen Produktionsstätten, Kinderarbeit und die Verschwendung von Rohstoffen zwingen Unternehmen, auf diese Missstände zu reagieren: Mittlerweile bringen selbst bekannte Mo- dehäuser wie H&M, C&A oder United Colors of Benetton ihre eigenen „grünen Kollektio- nen“ heraus. Und dennoch: Beim Wissen um die Nachhaltigkeit von Modeanbietern besteht nach wie vor eine erhebliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Dies gilt insbe- sondere für die Bemühungen der Unternehmen, sich als nachhaltig agierende Organisatio- nen zu positionieren. Laut einer 2012 erschienenen Ausgabe der WirtschaftsWoche gaben 82 Prozent der Befragten an, spontan kein einziges Unternehmen nennen zu können, das für Nachhaltigkeit steht.4

Wie andere Branchen auch, ist die Modeindustrie einem wachsenden Druck ausgesetzt, die Nachhaltigkeitsprinzipien in ihrem Handeln umzusetzen und adäquat zu kommunizieren. Die zunehmende Sensibilisierung der Gesellschaft und damit der Verbraucher für nachhal- tige Themen einerseits und Unternehmensskandale sowie Greenwashing-Vorwürfe anderer- seits fordern nach einer systematischen Integration von Nachhaltigkeitsstrategien in die jeweilige Unternehmenskommunikation. Unternehmen tragen mit ihrer Corporate Social Responsibility (kurz: CSR) dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung. „Auf Verbrauchersei- te ergibt sich daraus die Herausforderung, zwischen Sein und Schein von CSR-Initiativen zu differenzieren. Um Verunsicherungen der Verbraucher vorzubeugen und Verbraucher zu CSR-Belangen wirksam zu informieren und zu erreichen, ist daher eine zielgerichtete und transparente CSR-Kommunikation der Unternehmen unabdingbar.“5 Vor dem Hintergrund eines geänderten Konsumentenbedürfnisses soll aufgezeigt werden, wo die kommunikati- ven Handlungsfelder und Herausforderungen nachhaltigen Wirtschaftens für Unternehmen der Modeindustrie liegen und inwieweit die Integration konkreter Nachhaltigkeitsstrategien in die jeweilige Unternehmenskommunikation als strategisch nützlich und erfolgsverspre- chend eingestuft werden kann.

Die nachstehende Arbeit ist in einen theoretischen und in einen praktischen Teil gegliedert. Der theoretische Teil in Kapitel 2 bildet zunächst die Grundlage für das nähere Verständnis der Nachhaltigkeitskommunikation im Kontext der Unternehmenskommunikation sowie deren Anwendungsmöglichkeiten. Vor dem Hintergrund eines geänderten Konsumentenbe- dürfnisses - insbesondere durch den gesellschaftlichen Wertewandel hin zu einem nachhal- tigen Konsum- und Lebensstil - wird die Relevanz von Nachhaltigkeitsstrategien bei Mo- deunternehmen näher erläutert. Im vierten Kapitel wird die Integration dieses Konzepts am Praxisbeispiel des Modeunternehmens C&A untersucht und entsprechend einer adäquaten und transparenten Kommunikation kritisch betrachtet. Eine Zusammenfassung der Ergeb- nisse, bei der ein Bezug zu denen im theoretischen Teil gewonnenen Erkenntnissen herge- stellt wird, schließt die Arbeit ab.

2. Nachhaltigkeitskommunikation im Kontext der Unternehmens- kommunikation

2.1 Wandel der Unternehmenskommunikation

Die Grundlage dieses Kapitels bildet zunächst eine historische Übersicht über die Entwicklung der Unternehmenskommunikation der letzten Jahrzehnte um zu verdeutlichen, warum bestimmte Anforderungen an diese und damit verbunden auch an die Nachhaltigkeitskommunikation gestellt wurden und nach wie vor werden.

Nicht erst die Debatte um die Relevanz des Phänomens der Nachhaltigkeit, die ersten deut- schen Studien zum Thema LOHAS im Jahre 2008 oder die zunehmende Entwicklung eines kritischen Konsumenten haben den Aufwand von Unternehmen im Allgemeinen und die Anforderungen an die Unternehmenskommunikation im Speziellen in allen Branchen er- höht. Bereits seit den 1950er Jahren nehmen die Komplexität innerhalb der Unternehmens- kommunikation sowie deren Konzeption enorm zu. Bis dato wurde eine solche Kommuni- kation als „ein bloßes Mittel für das Informieren potenzieller Kunden“6 verstanden. Kenn- zeichnend dafür war eine relativ unsystematische Kommunikation, die ohne organisiertes Management seitens der Unternehmen geführt wurde. Eine Differenzierung von Marken und Produkten fand zunächst nicht statt, da die Bedeutsamkeit der Kommunikation allge- mein für den damaligen Markt noch sehr gering war. Im Laufe der Zeit wurde das Bild ei- nes reinen Informationstransports immer weiter abgebaut, sodass sich ein Jahrzehnt später zunehmend der Stellenwert der Handelskommunikation erhöhte. Es wurden Konzepte ent- wickelt, um die Unternehmenskommunikation zu professionalisieren und effektiver zu ge- stalten.7 Ausgehend von einer unsystematischen Unternehmenskommunikation im Zuge eines nicht-reflektierten Kommunikationsverständnisses folgten „Konzepte der „Produkt- kommunikation“, der „Zielgruppenkommunikation und schließlich der „Wettbewerbskom- munikation“, welche das Ziel verfolgten, ein Unternehmen im Wettbewerb zu positionie- ren.“8 Kennzeichnend für diese Konzepte war die Intention, Unternehmenskommunikation erstmals anders als reine Werbung zu verstehen und ihr durch das Hinzufügen verschiede- ner Komponenten wie Mediawerbung, persönliche Kommunikation oder Veranstaltungen einen dynamischen Charakter zu verleihen. Der dadurch möglich gewordene Aufbau eines Markenimages bildete das Fundament für das bis heute bestehende Konzept der integrierten Kommunikation, welches für eine Dialogorientierung wesentlich ist.9

Die Entwicklung hin zu einer integriert konzipierten Unternehmenskommunikation ermög- licht es, auf veränderte gesellschaftliche Ansprüche systematisch zu reagieren. Während insbesondere noch in den 1960er Jahren unternehmerische Kommunikationsangebote als zuverlässige und nützliche Quellen von Produktinformationen galten, führt der zunehmende Einfluss der Medien und die Verflechtung von Markt und Öffentlichkeit zu gesellschaftspo- litischen Situationen, die Unternehmen vor neue Herausforderungen stellen.10 Grund hierfür sind soziale und ökonomische Probleme, die in gesteigertem Maße in den Fokus des allge- meinen Bewusstseins rücken. Umweltskandale und die soziale Frage sind nur zwei Aspek- te, mit denen sich zunehmend sensibilisierte Kunden aktuell beschäftigen, die ihren gestie- genen Wissensgrad in ökologischen und sozialen Belangen vermehrt als Kaufkriterium einsetzen. Nach und nach kristallisiert sich die Verfolgung sozialer und ökologischer Ziele zu einem Imperativ erfolgreichen Wirtschaftens heraus.

Inzwischen sind es aber nicht mehr nur die Konsumenten, die mehr Transparenz von Unter- nehmen bezüglich der ökologischen und sozialen Aspekte ihrer Unternehmenstätigkeit for- dern. Das Nachhaltigkeitsprofil von Unternehmen gerät verstärkt in den Fokus weiterer Anspruchsgruppen (Stakeholder) wie Aktionäre, Kunden oder Mitarbeiter, die verschiedene gesellschaftliche Rollen einnehmen, miteinander interagieren und individuelle Ansprüche stellen. Nachhaltigkeit ist zu einem bedeutenden Erfolgsfaktor geworden und Unternehmen erkennen, dass sie sich für einen langfristigen Erfolg ihrer Verantwortung gegenüber Um- welt und Gesellschaft stellen und diesen Umstand transparent dokumentieren und kommu- nizieren müssen.11 Eine nachhaltige Unternehmensführung kann nur dann positive Auswir- kungen haben, wenn sie zielgerichtet und adäquat kommuniziert, und von den relevanten Stakeholdern als positiv und glaubhaft wahrgenommen wird. Eine zentrale Stellung bei der Lösung dieser Aufgabe nimmt die Integration von Nachhaltigkeitsstrategien in die eigene Unternehmenskommunikation ein.12

2.2 Einordnung der Nachhaltigkeitskommunikation in die Unternehmenskommunikation

Wie bereits in der Einleitung thematisiert, stehen Unternehmen heute mehr denn je vor der Herausforderung, die gesellschaftlichen Ansprüche an eine nachhaltige Entwicklung in konkretes, glaubwürdiges Handeln umzusetzen. „Tue Gutes und rede darüber“ - dieser Satz wird im Zusammenhang mit dem Konzept der Corporate Social Responsibility häufig erwähnt. Sich als Unternehmen ökologisch, sozial und wirtschaftlich zu engagieren und dies durch eine konsistente Nachhaltigkeitskommunikation publik zu machen, ist ein integraler Bestandteil der Unternehmenskommunikation.

Viele Unternehmen setzen den Begriff Nachhaltigkeit mit dem Terminus CSR gleich. „Hiermit wird unternehmerisches Handeln bezeichnet, welches sich nicht nur auf die ei- gentliche Geschäftstätigkeit eines Unternehmens konzentriert, sondern darüber hinaus auch integrativ Verantwortung innerhalb der Gesellschaft übernimmt, kurz: die soziale Verant- wortung von Unternehmen.“13 In der Literatur wird dieses Konzept um einen entscheiden- den Faktor ergänzt: Nach Meffert/Münstermann umfasst CSR „alle sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge eines Unternehmens zur freiwilligen Übernahme gesellschaftli- cher Verantwortung, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen (…) hinausge- hen.“14 Hieraus wird deutlich, dass das Konzept auf freiwilliger Basis soziale, ökologische und ökonomische Belange in die Unternehmenstätigkeit mit aufnimmt und keinen gesetzli- chen Regularien oder Auflagen unterliegt. Die Außendarstellung bzw. die Vermittlung der Nachhaltigkeitsstrategie eines Unternehmens obliegt der Verantwortung der Nachhaltig- keitskommunikation, die einen ganzheitlichen Ansatz zur Kommunikation sozialer, ökolo- gischer und ökonomischer Aktivitäten eines Unternehmens verfolgt.15 Das Ziel dabei ist der langfristige Aufbau von Beziehungen zu den relevanten Anspruchsgruppen, um ein positi- ves Image durch ein beständiges Verantwortungsbewusstsein zu erlangen. Im Zentrum der Nachhaltigkeitskommunikation stehen insbesondere die Schaffung von Akzeptanz und Glaubwürdigkeit gegenüber dem Unternehmen sowie von Vertrauen in die sozial- ökologische Vorteilhaftigkeit des Produkt- und Leistungsangebots.16 Ausgehend von diesen Leitgedanken kommt mit der Nachhaltigkeitskommunikation im Kontext des CSR- Berichterstattung eine weitere Dimension der Unternehmenskommunikation hinzu: die Public Relations (kurz: PR). Nach Röttger bestehe die zentrale Funktion der Public Relati- ons in der Legitimation der Organisationsinteressen und des Organisationshandelns gegen- über allen - also auch nicht-marktverbundenen - Stakeholdern.17 Demnach kann die Strate- gie der Nachhaltigkeitskommunikation - gleichermaßen Transparenz sowie Reputation aufzubauen - sowohl der CSR als auch der PR zugeordnet werden, wie die nachfolgende Grafik veranschaulicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Nachhaltigkeitskommunikation in der Unternehmenskommunikation Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an 360report (2012), Online.

Hierbei muss allerdings eine Unterscheidung auf strategischer und inhaltlicher Ebene statt- finden: Grundsätzlich ist die Nachhaltigkeitskommunikation im Gebiet der Corporate Soci- al Responsibility angesiedelt und gilt als strategisch wichtig für die Erreichung der Organi- sations- bzw. Nachhaltigkeitsziele eines Unternehmens. Um das unternehmerische Handeln bzw. die Verantwortung für nachhaltige Entwicklung transparent und glaubwürdig darzu- stellen, ist die Nachhaltigkeitskommunikation inhaltlich betrachtet als integratives Thema der Public Relations zu verstehen und meint die Integration von Nachhaltigkeitsthemen in die Gesamtkommunikation.18 Über gezielte PR-Instrumente werden somit die Ansprüche einer immer kritischeren Öffentlichkeit nach einer korrekten, nachvollziehbaren und ziel- gruppenadäquaten Vermittlung der CSR-Strategien eines Unternehmens erfüllt. Zusammen- fassend kann Nachhaltigkeitskommunikation also übergeordnet als Aufgabe der Unterneh- menskommunikation verstanden werden, innerhalb dieser bildet sie jedoch eine Schnittstel- le und eröffnet zwei unterschiedliche Handlungsfelder: So kann der Begriff der Nachhaltig- keitskommunikation zum einen als Kommunikation über Nachhaltigkeit begriffen werden, „indem ökologische und soziale Themen und deren Bezug zur Wirtschaftlichkeit inhaltlich in die Public Relations-Aktivitäten integriert werden. Sie kann aber auch Kommunikation für Nachhaltigkeit sein, im Sinne einer Kommunikation für eine nachhaltigere Unterneh- mens- und auch Gesellschaftsentwicklung.“19

2.3 Die kommunikationspolitischen Instrumente als Mittel der unternehmerischen Nachhaltigkeitskommunikation

Wie bereits in Kapitel 2.2 erwähnt, steht im Fokus der Nachhaltigkeitskommunikation die Optimierung des Dialogs mit den relevanten Anspruchsgruppen eines Unternehmens, wie beispielsweise Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten oder Vertragspartner. Diese haben unter- schiedliche Bedürfnisse und müssen dementsprechend individuell angesprochen werden. Die Hauptaufgabe der Kommunikation liegt demnach darin, „die zielgruppenspezifische Ausrichtung der Kommunikationsbotschaft mit dem entsprechenden Instrument zu ver- knüpfen, um so zur Glaubwürdigkeit des CSR-Engagements beitragen zu können.“20 Die Herausforderung für Unternehmen, eine effektive Nachhaltigkeitskommunikation zu reali- sieren, besteht vordergründig in der Identifizierung und Analyse der geeignetsten Kommu- nikationsinstrumente, sowie die Abstimmung aufeinander und die entsprechende Ausrich- tung.21

Grundsätzlich stehen Unternehmen eine Vielzahl an Instrumenten zur Verfügung, um ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten adäquat zu kommunizieren und Informationen mit ihren Stake- holdern auszutauschen. Unterschieden wird hierbei zwischen interner und externer Kom- munikation, wobei erstere als Grundlage für ein darauffolgendes Herantreten an externe Stakeholder gilt. Werden mittels interner Kommunikationsinstrumente wie beispielsweise Mitarbeiterzeitungen, firmeneigenes Intranet oder Newsletter die Mitarbeiter aktiv in die Entwicklung der CSR-Aktivitäten eines Unternehmens eingebunden, so erhöht sich deren Motivation, diesen Werten zu folgen und das Leitbild authentisch nach außen zu vertreten.22 Gemäß dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (kurz: IöW) seien aus Unterneh- menssicht die bedeutendsten Instru- mente der externen Kommunikation der Nachhaltigkeitsbericht sowie der eigene Internetauftritt (vgl. Abb. 2). Durch die vielfältigen Gestaltungs- möglichkeiten im Rahmen des Inter- nets können nachhaltigkeitsorientierte Themen insbesondere zielgruppen- und dialogorientiert kommuniziert

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Formen der Nachhaltigkeitskommunikation werden und so in besonderem Maße Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an IöW

(2011a), S. 5. die Glaubwürdigkeit der Berichter- stattung erhöhen.23 Neben der Präsentation des Engagements auf der firmeneigenen Website tragen vor allem Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter dazu bei, Erkenntnisse über den Informationsbedarf der Nutzer zu gewinnen, die zur Verbesserung der StakeholderOrientierung genutzt werden können.24 Eine internetbasierte Nachhaltigkeitskommunikation ermöglicht somit eine integrierte Darstellung der CSR-Aktivitäten eines Unternehmens und stellt ein einflussreiches Kommunikationsinstrument der unternehmerischen Nachhaltigkeitskommunikation dar. Die Möglichkeit zur Dialogführung und kritischen Diskussionen der Nutzer setzt dabei eine kontinuierliche und transparente bzw. ehrliche Kommunikation über die Auswirkungen der jeweiligen Unternehmenstätigkeiten voraus, um eine vollständige Glaubwürdigkeit bei den Stakeholdern zu erzeugen.

Der Nachhaltigkeitsbericht stellt das zweite zentrale Instrument der Nachhaltigkeitskom- munikation dar und erweitert den klassisch ökonomischen Geschäftsbericht um die ökologi- sche und soziale Dimension eines Unternehmens.25 Wie Abbildung 2 verdeutlicht, nutzten 2011 von 53 befragten Unternehmen bereits 50 einen Nachhaltigkeitsbericht zur Kommuni- kation der jeweiligen CSR-Aktivitäten. Laut einer aktuellen KPMG-Studie vom Dezember 2013 sei der Anteil der über Nachhaltigkeit berichterstattenden Unternehmen durch einen entsprechenden Report weltweit um sieben Prozentpunkte und damit auf insgesamt 93 Pro- zent gestiegen.26 Der Anstieg verdeutlicht, dass diese Form der Kommunikation bereits für eine Vielzahl von Unternehmen zum Standard geworden ist, jedoch bislang keine gesetzli- che Verpflichtung zur Veröffentlichung eines solchen Berichtes besteht. Die Mehrzahl der Berichte orientiert sich an den international anerkannten Richtlinien der Global Reporting Initiative (kurz: GRI), eine gemeinnützige Multi-Stakeholder Stiftung, die die Nachhaltig- keitskommunikation aller Organisationen unterstützt.27 Die aus dem Leitfaden folgende Standardisierung lässt die Berichte auditierbar und somit vergleichbar werden. „Die GRI- Leitlinien verlangen unter anderem genau definierte Kennzahlen zu wirtschaftlichen, öko- logischen und gesellschaftlichen Aspekten der Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen des berichtenden Unternehmens.“28 Dadurch ergibt sich nicht nur die Möglichkeit, die Be- ziehungen und Wechselwirkungen der drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales zu veranschaulichen, sondern auch Synergien und Konflikte zu vermitteln, die maßgeblich zur Transparenz und Glaubwürdig beitragen können. „Beim Nachhaltigkeitsbericht handelt es sich somit nicht um eine rein additive Zusammenführung der drei Dimensionen, sondern um deren ganzheitliche und integrative Darstellung, die auch Zusammenhänge berücksich- tigt.“29 Darüber hinaus sollte ein Nachhaltigkeitsbericht langfristig angelegt sein und ein klares Bild der Unternehmenswerte vermitteln, um den relevanten Stakeholdern einen ef- fektiven Nutzen zu bieten. Dazu zählen ebenfalls, die Interessen und Ansprüche der Stake- holder, die sich aus den dialogorientierten Instrumenten ergeben, darzulegen und Stellung zu beziehen. „Nur so lässt sich ein transparentes und glaubhaftes Bild der Unternehmensak- tivitäten vermitteln.“30

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die internetbasierte Nachhaltigkeitskommuni- kation printbasierte Versionen in Form von Nachhaltigkeitsberichten sinnvoll ergänzen und unterstützen kann. Der Vorteil einer Vermittlung der jeweiligen CSR-Aktivitäten im Inter- net liegt primär in der direkten Erfüllung zielgruppenspezifischer Informationsbedürfnisse sowie in der Möglichkeit zur Implementierung einer dialogorientierten Kommunikation, deren Ergebnisse im Anschluss kommunikativ im Nachhaltigkeitsbericht aufgenommen werden sollten. Die kommunikationspolitischen Instrumente der Nachhaltigkeitskommuni- kation sind somit nicht einzeln zu betrachten bzw. zu gestalten, sondern müssen aufeinander abgestimmt und ausgerichtet sein.

[...]


1 Schaltegger et al. (2010), S. 3.

2 Vgl. Dercks; Hüls (2012), S. 4.

3 Vgl. Absatzwirtschaft (2012), Online.

4 Vgl. Willmroth (2012), Online.

5 Pratt et al. (2012), S. 5.

6 Brugger (2010), S. 56 ff.

7 Vgl. Bruhn (2005), S. 94.

8 Brugger (2010), S. 57.

9 Vgl. Bruhn (2006), S. 106.

10 Vgl. Hopfenbeck; Roth (1994), S. 82 ff.

11 Vgl. Kahlenborn; Berger (2007), S. 8 ff.

12 Vgl. Bruhn (2005), S. 71 ff.

13 Mayer (2009), S. 7.

14 Meffert; Münstermann (2005), S. 20 ff.

15 Vgl. CSR-Germany (ohne Datum), Online.

16 Vgl. Roth (2007), S. 46 f.

17 Vgl. Röttger (2004), S. 9.

18 Vgl. Prexl (2010), S. 21.

19 Ebd., S. 22.

20 Hardtke; Kleinfeld (2010), S. 343.

21 Vgl. Brugger (2010), S. 190.

22 Mayer-Lockhoff (2012), S. 7 ff.

23 Vgl. Brugger (2010), S. 190 f.

24 Vgl. ebd., S. 192.

25 Vgl. Mayer-Lockhoff (2012), S. 8.

26 Vgl. Reuter; Blees (2013), Online.

27 Vgl. Mayer-Lockhoff (2012), S. 8.

28 Institute for Sustainability (2012), Online.

29 Fiedler (2007), S. 35 f.

30 Mayer-Lockhoff (2012), S. 9.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Unternehmenskommunikation von Modeunternehmen im Wandel
Untertitel
Integration von Nachhaltigkeitsstrategien als Reaktion auf ein geändertes Konsumentenbedürfnis (dargestellt am Fallbeispiel C&A)
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Veranstaltung
Kommunikationsforschung
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
31
Katalognummer
V282169
ISBN (eBook)
9783668654044
ISBN (Buch)
9783668654051
Dateigröße
1315 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unternehmenskommunikation, modeunternehmen, wandel, integration, nachhaltigkeitsstrategien, reaktion, konsumentenbedürfnis, fallbeispiel
Arbeit zitieren
Ai Lean (Autor), 2013, Unternehmenskommunikation von Modeunternehmen im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282169

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