Prokrastination, verstanden als Tendenz Aufgaben aufzuschieben, wird in der wissenschaftlichen Diskussion mit negativen Folgen und Attributionen in Verbindung gebracht. Diese Arbeit untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen dem Führungsverhalten von Vorgesetzten und dem Prokrastinationsverhalten der Mitarbeiter besteht. Anhand einer Online-Befragung wurden von 125 Teilnehmern Daten zum Prokrastinationsverhalten, dem Führungsverhalten der Vorgesetzten und zu ausgewählten arbeitsbezogenen Variablen erhoben. Es wurden der Multifactor Leadership Questionnaire in deutscher Fassung (Felfe & Goihl, 2002), der allgemeine Prokrastinationsfragebogen (Höcker, Engberding, & Rist, 2013) und die Kurzskala Prokrastination am Arbeitsplatz (Eckert, Scheel, Prem, Gerdenitsch, & Korunka, 2014) eingesetzt. Die Studie ergab, dass positiv assoziiertes Führungsverhalten nicht negativ mit Prokrastination im Zusammenhang steht und negativ assoziiertes Führungsverhalten keinen positiven Bezug zu Prokrastination aufweist. Die Ergebnisse legen nahe, dass Prokrastination nicht zwingend als negatives Verhalten eingestuft werden muss und eröffnen neue Perspektiven für die Prokrastinations-Forschung.
Abstract. Procrastination, described as the tendency to postpone an intended course of action, is a behavior that is associated with negative outcomes. This work is to explore if there is a relationship between the leadership behavior of supervisors and the procrastination of their employees. Using the German version of the multifactor leadership questionnaire (Felfe & Goihl, 2002), the general procrastination questionnaire (Höcker, Engberding, & Rist, 2013) and the short scale of procrastination in the workplace (Eckert, Scheel, Prem, Gerdenitsch, & Korunka, 2014), 125 participants answered an online-questionnaire about their procrastination behavior, their supervisor’s’ leadership behavior and other work-oriented information. The study shows no negative relation between positive associated leadership behavior and procrastination, and in reference to negative associated leadership behavior no positive relation to procrastination. Thus, the results suggest that there might be a self-regulating or information-processing form of procrastination, and open up some new avenues for future investigations.
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung
2. Prokrastination
2.1 Was ist Prokrastination?
2.2 Definition von Prokrastination
2.3 Theoretische Erklärungen prokrastinierenden Verhaltens
2.4 Messung von Prokrastination
2.5 Aktueller Forschungsstand zu Prokrastination
2.5.1 Demographische und Individuelle Faktoren im Bezug zu Prokrastination
2.5.2 Faktoren von Aufgabe und Arbeitssituation im Zusammenhang mit Prokrastination
2.5.3 Mögliche Folgen prokrastinierenden Verhaltens
3. Führung im organisationalen Kontext
3.1 Definition von Führung
3.2 Die Theorie des Full Range of Leadership
3.2.1 Tranformationale Führung
3.2.2 Transaktionale Führung
3.2.3 Passives/Non-Leadership
3.2.4 Zentrale Annahmen der Theorie zum Full Range Leadership
3.3 Messung und Befunde zu Führungsverhaltensweisen
4. Prokrastination am Arbeitsplatz – Integration und Hypothesenbildung
4.1 Hypothesen zu demographischen Merkmalen und Prokrastination
4.2 Hypothesen zu Führungsverhalten und Prokrastination
4.3 Arbeitsplatzbezogene Hypothesen
5. Methode
5.1 Untersuchungsdesign und Stichprobenrekrutierung
5.2 Erhebungsinstrumente zu Prokrastination und Führungsverhalten
5.3 Auswertungsmethoden
6. Ergebnisse
6.1 Stichprobenbeschreibung
6.2 Kennwerte der einzelnen Skalen
6.3 Hypothesenprüfung
7. Diskussion
7.1 Darstellung der Ergebnisse
7.2 Limitationen
7.3 Zusammenfassung und Ausblick
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den bisher wenig erforschten Zusammenhang zwischen dem Führungsverhalten von Vorgesetzten und dem Prokrastinationsverhalten von Mitarbeitern. Ziel ist es, zu analysieren, ob bestimmte Führungsstile (transformationale, transaktionale oder passive Führung) das Aufschieben von Aufgaben am Arbeitsplatz beeinflussen können.
- Analyse des aktuellen Forschungsstandes zu Prokrastination und Führung.
- Empirische Untersuchung mittels Online-Befragung (N=125).
- Anwendung des "Full Range of Leadership"-Konzepts zur Erfassung des Führungsverhaltens.
- Überprüfung von Hypothesen zu demographischen Merkmalen und Arbeitsplatzfaktoren.
- Diskussion der Auswirkungen von Prokrastination im beruflichen Kontext.
Auszug aus dem Buch
2.2 Definition von Prokrastination
Eine umfassende, wissenschaftlich anerkannte Definition von Prokrastination ist Gegenstand einer Diskussion in der Forschung (siehe z.B. Klingsieck & B., 2013; Lay, 1986; Steel, 2007; Schouwenburg & Lay, 1995). Der Wortlaut an sich, ursprünglich aus dem lateinischen stammend, lässt schon vermuten, um was es sich handelt; pro bedeutet „vor, vorwärts, für“ oder auch „anstelle von“ und crastinus steht für „morgig“. Auch gibt es im lateinischen das Verb procrastinare, was soviel heißt wie „aufschieben“ oder „vertagen“. Höcker, Engberding und Rist (2013) schreiben hierzu, dass dies allerdings ohne negative Konnotation zu übersetzen sei und procrastinare ursprünglich die Verhaltensweise des reflektierten Aufschiebens schwerwiegenderer Entscheidungen bezeichnet hätte, also sehr wohl eher ein als positiv zu wertendes Verhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung: Einleitung in die Thematik der Prokrastination, Begründung der Relevanz am Arbeitsplatz und Vorstellung der Forschungsfrage.
2. Prokrastination: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Prokrastination, Definition, Erklärungsmodelle (z.B. Rubikonmodell) und aktueller Forschungsstand.
3. Führung im organisationalen Kontext: Definition von Führung und Erläuterung der "Full Range of Leadership"-Theorie nach Bass und Avolio (1993).
4. Prokrastination am Arbeitsplatz – Integration und Hypothesenbildung: Zusammenführung der Konzepte und Aufstellung spezifischer Hypothesen für die empirische Untersuchung.
5. Methode: Beschreibung des Untersuchungsdesigns, der Stichprobe, der Erhebungsinstrumente (MLQ, APROF, Kurzskala) und der statistischen Auswertungsmethoden.
6. Ergebnisse: Deskriptive Darstellung der Stichprobe, Kennwerte der eingesetzten Skalen und detaillierte Hypothesenprüfung mittels inferenzstatistischer Tests.
7. Diskussion: Interpretation der statistischen Ergebnisse, Reflexion der Limitationen und Einordnung in den theoretischen Rahmen sowie Ausblick.
8. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Ergebnisse und Ausblick auf die Bedeutung von Prokrastination in der Arbeitswelt.
Schlüsselwörter
Prokrastination, Führungsverhalten, Full Range of Leadership, Transformationale Führung, Transaktionale Führung, Arbeitsplatz, Mitarbeiter, Aufgabenaversivität, Selbstregulation, Arbeitsleistung, Commitment, Online-Befragung, SPSS, Psychologie, Führungsstil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob das Führungsverhalten von Vorgesetzten einen Einfluss auf das Prokrastinationsverhalten ihrer Mitarbeiter hat.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Studie ab?
Die Arbeit verknüpft die psychologische Forschung zu Prokrastination (Aufschieben von Aufgaben) mit Theorien zur Mitarbeiterführung im organisationellen Umfeld.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, ob ein positiver oder negativer Zusammenhang zwischen verschiedenen Führungsstilen (nach der Full Range of Leadership Theorie) und dem Prokrastinationsverhalten am Arbeitsplatz besteht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzte ein quantitatives Design mit einer anonymen Online-Befragung von 125 berufstätigen Teilnehmern, wobei standardisierte Fragebögen (MLQ, APROF, Kurzskala) eingesetzt wurden.
Was sind die wichtigsten Inhalte im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Block (Definitionen, Modelle), eine Hypothesenbildung sowie einen empirischen Teil mit Auswertung und Interpretation der Daten.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Prokrastination, Führungsverhalten, Full Range of Leadership, Arbeitsplatz, Arbeitsleistung, Selbstregulation und organisationale Führung.
Welche Rolle spielt das Alter der Teilnehmer bei der Prokrastination?
Die Studie konnte bestätigen, dass die Tendenz zur Prokrastination mit zunehmendem Alter abnimmt, was mit einer besseren Selbstkontrolle und erlernten Strategien erklärt wird.
Wie unterscheidet sich die Prokrastination in Teams von der Einzelarbeit?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Art der Zusammenarbeit einen Einfluss darauf hat, wie Führungsverhalten und Prokrastination korrelieren, wenngleich die Unterschiede komplex sind und weiterer Forschung bedürfen.
Warum konnte eine Hypothese über Branchen nicht bestätigt werden?
Die Anzahl der Teilnehmer pro Branche war zu gering, um statistisch signifikante Aussagen über branchenspezifische Prokrastination treffen zu können.
- Arbeit zitieren
- Tai Indira Kleinbruckner (Autor:in), 2014, Prokrastination am Arbeitsplatz. Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Führungsverhalten von Vorgesetzten und dem "Erledigungsverhalten" der Mitarbeiter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282258