Soziale Arbeit und Ökonomie. Sozialwirtschaftliche Dienstleistungen und Managementansätze für Non-Profit-Organisationen


Akademische Arbeit, 2006
62 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Wirtschaftliches Denken und Soziale Arbeit
1.1 Soziale Arbeit als personenbezogene professionelle Dienstleistung
1.2 Sozialökonomie
1.3 Sozialmanagement
1.4 Sozialwirtschaft
1.5 Profit-Organisationen versus Non-Profit-Organisationen
1.5.1 Profit-Organisationen
1.5.2 Non-Profit-Organisationen
1.6 Non-Profit-Organisationen aus ökonomischer Perspektive
1.6.1 Non-Profit-Organisationen – eine Reaktion auf Marktversagen Exkurs: Principal-Agent-Theorie
1.6.2 Non-Profit-Organisationen – eine Reaktion auf Staatsversagen
1.6.3 Non-Profit-Organisationen und Stakteholder-Ansatz
1.6.4 Non-Profit-Organisationen und sozio-ökonomische Rationalität
1.7 Besonderheiten sozialwirtschaftlicher Dienstleistungsunternehmen im Non-Profit-Bereich

2 Ausgewählte Managementansätze für Non-Profit-Organisationen
2.1 Das Freiburger Management-Modell
2.2 Lean Management
2.3 Kosten-, Leistungsrechnung und Controlling
2.4 Organisations- und Personalentwicklung
2.5 Qualitätsmanagement
2.6 Kontraktmanagement
2.7 Risikomanagement
2.8 Balanced Scorecard

Literaturverzeichnis (inkl. weiterführender Literatur)

1 Wirtschaftliches Denken und Soziale Arbeit

Wirtschaftlichkeit spielte im öffentlichen Sektor lange Zeit eine untergeordnete Rolle, wie die Praxis der Selbstkostenerstattung zeigt. Dem Anbieter wurden die bei der Leistungserstellung angefallenen Kosten erstattet, ohne einen Wirtschaftlichkeitsnachweis über die Verwendung der eingesetzten Mittel liefern zu müssen. Selbstkostendeckungsprinzip und prospektive Budgetierung begünstigen die Entstehung von Unwirtschaftlichkeiten, da sie keinen Bezug zur erbrachten Leistung herstellen.

Um allerdings unter den sich gewandelten Rahmenbedingungen und der vorhandenen Ressourcenknappheit die Zukunftsfähigkeit bedarfswirtschaftlicher Unternehmen zu sichern, ist der adäquate Einsatz moderner betriebswirtschaftlicher Ansätze und Methoden notwendig.

Im Folgenden werden daher verschiedene Aspekte und Teilbereiche dargestellt.

1.1 Soziale Arbeit als personenbezogene professionelle Dienstleistung

Soziale Arbeit stellt aus ökonomischer Perspektive eine personenbezogene professionelle Dienstleistung dar, die zu 70 % im Dritten Sektor bzw. intermediären Bereich geleistet wird (vgl. BAG 1994; FINIS SIEGLER 1997, S. 102) und deren Bedarf nicht genau vorherseh- und bestimmbar ist. Weitere Besonderheiten im Vergleich zu anderen Dienstleistungen sowie zur Güterproduktion bestehen darin, dass kein fertiges Produkt als Ergebnis eines Herstellungsprozesses entsteht. Das heißt es existiert keine Leistung im herkömmlichen Sinne. Zwar sind auch Sachleistungen (z. B. Räumlichkeiten) innerhalb der Leistungserstellung von Bedeutung, die Kernleistung stellt allerdings der Prozess innerhalb der Dienstleistung dar. Die soziale Dienstleistung ist somit weder sichtbar noch greifbar, ist also durch Immaterialität bzw. Intangibilität (keine Gütertransformation) gekennzeichnet. Dem Empfänger ist es daher nur begrenzt möglich, die angebotene Leistung und deren Nutzen einzuschätzen. Des weiteren zeichnen sich soziale Dienstleistungen Unteilbarkeit und Nicht-Speicherbarkeit aus, weshalb eine Herstellung auf Vorrat nicht möglich ist. Produktion und Verbrach bzw. Konsumption erfolgen zeitgleich, in diesem Zusammenhang wird auch vom Uno-actu-Prinzip gesprochen (vgl. ARNOLD 2000, S. 70 f.).

Wesentlich ist, dass die soziale Dienstleistung immer erst im Zusammenwirken mit der hilfesuchenden Person (externer Faktor ) entsteht. Der Klient nimmt somit die Rolle des Koproduzenten ein, wobei gewährleistet sein muss, dass dieser für die Dauer der Leistungserbringung zur Verfügung steht. Dies setzt ein Mindestmaß an Kooperationsfähigkeit und –willigkeit voraus (vgl. FINIS SIEGLER 1997, S. 30). Eine wesentliche Konsequenz hieraus ist, dass der Erfolg bzw. Misserfolg einer sozialen Leistung nicht direkt zurechenbar ist. Die Effizienz des Produktionsprozesses kann nicht exakt vorhergesehen werden, noch ist sie alleinige Verantwortung des Anbieters. „Der Konsument wird zum ´Prosument´ und der Produzent zum ´Koduzent´.“ (TRUBE 2001, S. 192) Die Zurechnungsproblematik hinsichtlich der Ergebnisverantwortung ist infolge dieser Intransparenz nur schwer bzw. nicht lösbar. Häufig stellen sich die angestrebten bzw. erhofften Ergebnisse auch erst zeitverzögert ein.

Soziale Dienstleistungen sind in ihrer Erstellung standortgebunden, da sie an einer Person erbracht werden. Die räumliche Distanz zwischen Anbieter und Nachfrager sollte daher nicht zu groß sein bzw. durch bestimmte Maßnahmen überwindbar sein (vgl. MERCHEL 2001, S. 34).

Durch die hohe Individualität im Prozess der Leistungserstellung lassen sich soziale Dienstleistungen nur sehr begrenzt standardisieren. Sie müssen variabel auf die divergierenden Bedürfnisse der Nachfrager reagieren können, sind also in der Konsequenz kaum rationalisierungsfähig oder industrialisierbar. Sie stellen Erfahrungsgüter dar, das heißt ihre Qualität kann nicht vor ihrer Erbringung beurteilt werden (vgl. BÄCKER et al 2000, S. 334). Der Hilfesuchende bzw. Nachfrager muss darauf vertrauen, dass er die richtige Leistung erhält. Diese Konstellation macht soziale Dienstleistungen in einem hohen Maße zu Vertrauensgütern (vgl. ARNOLD 2000, S. 71). Dieses Abhängigkeits- bzw. Vertrauensverhältnis ist dann besonders ausgeprägt, wenn der Klient „wegen fehlender Sachkenntnis und/oder wegen eingeschränkter Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit den Profi [den Dienstleister] als „Agenten“ zur Spezifizierung der erforderlichen Einzelleistungen einsetzt“ (BÄCKER et al 2000, S. 334). Unter Berücksichtigung der staatlichen Vorgaben bestimmt der Dienstleister zugleich über Angebot und Nachfrage.

Eine Gegenüberstellung der Besonderheiten wirtschaftlicher Güter und personenbezogener sozialer Dienstleistungen gibt Abbildung 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Signifikante Unterscheidungsmerkmale von Wirtschaftsgütern und personenbezogenen sozialen Dienstleistungen (eigene Darstellung)

Besonderheiten, die bei der Qualitätssicherung in sozialen Diensten zu beachten sind (Abbildung 2):

- Es handelt sich um personenbezogene Dienstleistungen. Die 'Produkte' haben keinen materiellen Gehalt, Herstellung und Verbrauch findet zeit- und ortsgleich statt.
- Das 'Produkt' wird stets in unmittelbarer 'Ko-Produktion' zwischen den Mitarbeitern der Dienste und den Nutzern hergestellt.
- Die Nutzer sind durch fehlende Wahlmöglichkeiten häufig von der Unterstützung des Dienstes einseitig abhängig.
- Es besteht ein 'Dreiecksverhältnis' zwischen Anbietern, Nutzern und Kostenträgern sozialer Dienstleistungen (indirektes Refinanzierungsmodell).
- Freie Träger erfüllen einen besonderen gesellschaftlichen Auftrag. Sie übernehmen anwaltschaftliche Funktion für ihre Nutzer.

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Abbildung 2: Soziale Arbeit als personenbezogene soziale Dienstleistung (Quelle: FINIS SIEGLER 1997, S. 107)

1.2 Sozialökonomie

„Sozialökonomie“ wurde um die Jahrhundertwende im allgemeinen als Synonym für Volkswirtschaftslehre verwendet. Während ihr in neuerer Zeit ein beachtlicher Stellenwert als „Wohlfahrts-Ökonomie (welfare economics) innerhalb der volkswirtschaftlichen Theorien zukommt.

„Sozialökonomie“ oder „Sozioökonomie“ begreift sich als die Anwendung ökonomischer Erkenntnisse auf das menschliche Miteinander (vgl. Abbildung 3).

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Abbildung 3: Gegenstand der Sozialökonomie (Quelle: Scheibe-Jaeger 2002, S. 27)

Der Mensch als „soziales Wesen“ in der Gesellschaft und hiermit zusammenhängend, wie eine bestimmte Gesellschaft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten umgeht und diese löst, ist Gegenstand der Volkswirtschaftslehre (vgl. SCHEIBE-JAEGER 2002, S. 12).

Das Wort „sozial“ oder als Wortteil „sozio“ kann verschiedene Bedeutungsinhalte haben, wobei sich grob vier Kategorien bilden lassen.

- Gesellschaftlich-zwischenmenschliches Handeln: Der Mensch wird als ein soziales (gesellschaftliches) Wesen gesehen im Unterschied zum Menschen als Individuum, als Einzelwesen.
- Gesellschaftlich-konformes Handeln: Das akzeptierte, nicht „asoziale“, „dissoziale“ oder gemeinschaftsfeindliche Verhalten.
- Wohltätiges, karitatives Handeln: Sozial als ethisch wertvoll handelnd, gemeinnützig, wohltätig helfend und beistehend verstanden. Im Gegensatz zu egoistisch und unsozial.
- Verteilungsgerechtes Handeln: Hat seine Ursprünge im Kontext der Sozialen Marktwirtschaft und zielt auf Verteilungsgerechtigkeit (im Gegensatz zu Chancengerechtigkeit) ab.

Im Kontext von Sozialökonomie ist „sozial“ im Sinne von gesellschaftlich-zwischenmenschlich zu verstehen. „Sozial“ oder „sozio“ wird in diesem Sinne als das Handeln als „Wirtschaftssubjekt“ verwendet, das die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit betrifft.

„Sozialökonomie als Sozialwirtschaftslehre ... bringt zum Ausdruck, dass die Wirtschaft immer soziale Bezüge hat“ (BARTLING/LUZIUS 2000, S. 10)

Wirtschaften heißt demnach Entscheidungen zu treffen und sie (sozial) auf unterschiedlichen gesellschaftlich-organisatorischen Ebenen verantworten zu können (vgl. Abbildung 4).

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Abbildung 4: Organisationssoziologische Handlungsebenen (vgl. WENDT 2000, S. 34)

Gemäß WENDT muss Soziale Arbeit auf allen Ebenen, das heißt im Versorgungssystem, bei der Leistungserbringung und zentral in der Lebensführung der Klientel wirtschaftliche Kompetenz im Blickfeld haben (vgl. WENDT 2000, S. 34). Das heißt, soziale Dienstleistungsorganisationen sind aufgrund tief greifender Wandlungsprozesse und dem steigenden Effizienzdruck dazu gezwungen, ein neues unternehmerisches Selbstverständnis zu entwickeln (vgl. GOLL 1991, S. 10).

1.3 Sozialmanagement

Die Soziale Arbeit im allgemeinen und die Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege im besonderen stehen aktuell unter einem erheblichen Legitimationsdruck hinsichtlich des Verhältnisses von Ressourceneinsatz zu Qualität der erbrachten Leistung. Gleichzeitig sind sie einem ernormen Veränderungsdruck bezogen auf Fragen der Organisationsgestaltung und des Managements ausgesetzt. Dementsprechend richtet sich das Interesse zunehmend auf die Möglichkeit einer Gestaltung dieses erforderlich gewordenen organisationalen Wandels durch den Einsatz spezifischer Managementkonzepte. In diesem Zusammenhang werden unterschiedlichste Ansätze u. a. aus der betriebswirtschaftlichen Managementlehre in ihrer Bedeutung für die Soziale Arbeit thematisiert.

Sozialmanagement hat seine historische Wurzel in der Managementlehre, die Management in einem ganzheitlichen und praxisbezogenen Sinn auf Personen, Sachen, Informationen bezogene Planung, Lenkung, Koordination und Controlling begreift. Management ist ein Prinzip aus dem Profit-Bereich in dem es um erwerbswirtschaftliche Zwecke geht. Management, als eine Form der angewandten Betriebswirtschaftslehre, will dazu beitragen, dass soziale Institutionen ihre Aufgaben mittels sozio – ökonomisch – rationaler Lösungen bewältigen.

Sozialmanagement stellt einen Sammelbegriff dar, bei dem allerdings Einsatz und Gebrauch in der wissenschaftlichen Diskussion differieren (vgl. BADER 2000, S. 50). „Eine allgemein anerkannte Begriffsbestimmung oder gar eine systematisch ausgewertete Praxis des Sozialmanagements gibt es (noch) nicht.“ (DEUTSCHER VEREIN 1993, S. 886)

So versteht STOFFER Sozialmanagement vornehmlich als Förderung der Mitarbeiter: „Sozialmanagement in sozialen Einrichtungen kann daher nur ´soziales Management´ sein – das ist die Kunst, Prozesse anzuregen und zu begleiten, zu moderieren, Mitarbeiter bei ihrer Arbeit zu fördern und zu unterstützen.“ (STOFFER 1995, S. 66)

MERCHEL betont dagegen den ökonomisch-betriebswirtschaftlichen Aspekt und die Problematik der Modifikation: „ Sozialmanagement meint eine stärkere Verankerung zielorientierten und ökonomischen Denkens in der sozialen Arbeit und sucht nach einer Übertragbarkeit bzw. nach einer arbeitsfeldangemessenen Übersetzung von in Wirtschaftsbetrieben erprobten Management-Methoden.“ (MERCHEL 1992, S. 77)

SCHWARZ definiert Sozialmanagement zusammenfassend als „eine Verfahrensweise zur Optimierung der Wirkungen professionellen Handelns durch problemangemessene Organisationsstrukturen. Zu den Grundelementen, Bausteinen oder Modulen eines Sozialmanagement-Konzepts gehören nach übereinstimmender Auffassung ... in Wissenschaft und Praxis:

- Die Situationsanalyse, vorläufige Problembeschreibung
- Bedarfserhebung und Ermittlung von Diskrepanzen
- Ermittlung der Interessen u. Bedürfnisse von Betroffenen u. Beteiligten
- Differenzierte Problembeschreibung
- Der Zielfindungsprozess, die Zielbestimmung (Soll-Analyse)
- Die Problemanalyse der Arbeit (Ist-Analyse)
- Die Entwicklung der (alternativen) Lösungen
- Die Planungsbeteiligung
- Die Bewertung der Lösungsmodelle und Entscheidung
- Erstellung des Maßnahmenprogramms
- Übersetzung in sinnvolle Arbeitseinheiten
- Die Planung der ökonomischen und effektiven Umsetzung
- Die Umsetzung u. Ausführung in Bezug auf Personal und Organisation
- Die Erfolgskontrolle
- Die Evaluation, Bewertung in Bezug auf das Ziel“ (SCHWARZ 2001, S. 64 f.).

„Insgesamt – so zeigt sich – hat die Bedeutung des gesamten Themenbereichs `Management und Organisationsentwicklung in der Sozialen Arbeit` seit Mitte der achtziger Jahre eklatant zugenommen.“ (GRUNWALD 2001, S. 9) Einerseits geht es um den Modernisierungsbedarf Sozialer Arbeit andererseits werden die sich ändernden Kompetenzanforderungen an die Mitarbeiter sozialer Einrichtungen angesprochen (vgl. EFFINGER/LUTHE 1993, S. 43 ff.). Dementsprechend kommt der Organisationsentwicklung gekoppelt mit der Personalentwicklung in allen Konzepten des Sozialmanagements eine zentrale Bedeutung zu.

1.4 Sozialwirtschaft

Die Sozialwirtschaft behandelt die Frage, was eigentlich eine effiziente und effektive Soziale Arbeit ist und ob ökonomischem Denken und Handeln, im Sinne des ökonomischen Gewinnmaximierungsprinzips, Grenzen gesetzt sind bzw. wo diese liegen. Dabei beschäftigt sie sich einerseits mit dem sozialen Dienstleistungsunternehmen, seinen innerbetrieblichen Abläufen und Strukturen (Organisation, Personal, Finanzierung, Rechnungswesen, Controlling etc.), welche die Rahmenbedingungen für die Soziale Arbeit bestimmen als auch mit den Umweltbeziehungen des Unternehmens (z. B. Marketing). Andererseits bezieht sie die Unternehmensziele bzw. Unternehmenspolitik1 mit in ihre Betrachtungen ein. Das heißt, sie beschäftigt sich daraus abgeleitet mit dem eigentlichen sozialarbeiterischen oder pflegerischen Prozess zwischen Sozialarbeiter und Klient (Abbildung 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Ebenen und Instrumente der Sozialwirtschaft (Quelle: eigene Darstellung)

1.5 Profit-Organisationen versus Non-Profit-Organisationen

Soziale Arbeit wird überwiegend in Non-Profit-Organisationen erbracht, die einen eigenen Wirtschaftssektor mit Milliardenumsätzen und hohen Beschäftigungszahlen bilden. Während NPO´s dem Dritten Sektor bzw. intermediären Bereich zuzurechnen sind, gehören erwerbswirtschaftlich-private Organisationen dem Ersten Sektor, das heißt dem Markt an. Zum Zweiten Sektor oder auch Staat zählen alle öffentlichen Institutionen sowie Bund, Länder und kommunale Gebietskörperschaften (vgl. VOMBERG et al 2004, S. 68 ff.).

1.5.1 Profit-Organisationen

Wie sich aus dem Namen bereits ableiten lässt, verfolgen „Profit-Unternehmen“ bei der Herstellung von Gütern und Dienstleistungen das primäre Ziel Gewinne zu erzielen, indem sie nach dem erwerbswirtschaftlichen Prinzip arbeiten (vgl. PUCH/WESTERMEYER 1999, S. 24). Profit-Organisationen konkurrieren untereinander um die Gunst der Nachfrager. Das heißt um ihre Absatzchancen am Markt zu steigern, muss es ihnen gelingen, ihre Güter und Dienstleistungen so zu gestalten, dass diese von den Konsumenten als geeignet zur Bedürfnisbefriedigung angesehen und ausgewählt werden. Möglichkeiten der Gestaltung liegen u. a. im Preis, der Qualität oder zusätzlich angebotenen Garantie- und Serviceleistungen. . Um allerdings Gewinne erzielen zu können, sind privatwirtschaftliche Unternehmen dazu gezwungen, ihre Produkte zu einem Preis anzubieten, der zumindest langfristig über den Herstellkosten liegt. Darüber hinaus ist eine Behauptung am Markt dauerhaft nur möglich, wenn es ihnen gelingt, ihre Kosten der Produktion zu minimieren und möglichst hohe Produktpreise am Markt zu erzielen. Profit-Organisationen sind in unzähligen Branchen, die lukrative Gewinne versprechen (z. B. in der Automobilindustrie, im Pharmazie-, Gesundheits- und Sozialbereich) anzutreffen. Mit welchen Produkten letztendlich dieses Rentabilitätsziel erreicht wird ist nur von untergeordneter Bedeutung, vielmehr geht es um die günstige Relation von eingesetztem Kapital zu Gewinn (vgl. FINIS SIEGLER 1997, S. 39).

1.5.2 Non-Profit-Organisationen

Bei „Non-Profit-Organisationen“ (SCHWARZ 1992) hingegen ist die Gewinnerzielung nicht das primäre Ziel des Unternehmens, sondern vielmehr ein (notwendiges) Mittel zum Zweck, nämlich zur Realisierung der Sachziele. In diesem Sinne wird häufig von Sachzieldominanz gesprochen, da diese die Seele bedarfswirtschaftlicher Organisationen darstellt und sich deren Existenz durch sie und mit ihnen rechtfertigt. Die bedarfswirtschaftliche Orientierung schließt also die Erzielung von Gewinnen in diesen Unternehmen nicht prinzipiell aus, vielmehr ist die Gewinnverwendung entscheidend. Sie unterliegen dem „nonprofit constraint“, das heißt sie müssen ihre Gewinne in die Organisation reinvestieren. Entsprechend dieses Hinweises schlägt STRACHWITZ alternativ den Begriff „Not-for-Profit-Organisationen“ vor (vgl. STRACHWITZ 1996, S. 20). Sozialwirtschaftliche Dienstleistungsunternehmen lassen sich durch ihre Ausrichtung auf inhaltliche, soziale Ziele, wie z. B. die Versorgung alter, pflegebedürftiger Menschen, die Gewährleistung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung usw. charakterisieren. Sie definieren sich somit vordergründig über die von ihnen angebotenen Leistungen, wobei deren Abnehmer Personen mit einem Bedarf an Hilfe sind, die sowohl Mitglieder als auch Nichtmitglieder des Unternehmens sein können. Während bei Genossenschaften oder Selbsthilfeorganisationen das Identitätsprinzip erfüllt ist, das heißt Mitglieder und Kunden identisch sind, erstellen gemeinwirtschaftliche Unternehmen, wie z. B. gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften, im öffentlichen Interesse liegende Leistungen für Nichtmitglieder. Zu den Non-Profit-Organisationen zählen außerdem u. a. die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege, Vereine, Gewerkschaften, Stiftungen, Bürgerinitiativen, Schulen und öffentliche Verwaltungen. Sie finanzieren sich durch öffentliche Mittel, Spenden, Gebühren oder Mitgliedsbeiträge (vgl. FINIS SIEGLER 1997, S. 39 f.; PUCH/WESTERMEYER 1999, S. 24).

Eine eindeutige Begriffseingrenzung gestaltet sich aufgrund der bestehenden Heterogenität von Organisationen im Non-Profit-Bereich als außerordentlich schwierig. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass „Nonprofit-Organisationen (in) einem kollektiven, arbeitsteiligen Prozess Leistungen für Dritte (erbringen) und dafür Ressourcen (verwenden), welche ihnen im Austausch für die Befriedigung von Bedürfnissen von Ressourcenlieferanten zur Verfügung gestellt werden“ (BURLA 1989, S. 71). Ihr primärer Zweck ist „auf Veränderung von Menschen beziehungsweise menschlichen Verhältnissen und Bedingungen“ (GIESEKE 1989, S. 18) gerichtet.

Organisationen des Dritten Sektors lassen sich im Wesentlichen durch folgende Kriterien charakterisieren:

- Verfolgung nicht-erwerbswirtschaftlicher Ziele, das heißt Fehlen der klassischen Gewinnorientierung im ökonomischen Sinn („nonprofit constraint“)
- Zu einem gewissen Grad von freiwilligen Leistungen, Beiträgen, Zuwendungen (Ehrenamt, freiwillige Mitarbeit) getragen (vgl. HAUSER/NEUBARTH/OBERMAIER 1997, S. 65)
- Leistungserbringung, Partizipationsmöglichkeiten von Mitgliedern und Mitarbeitern (keine Zwangsverbände)
- Kein Handel der Leistungen auf Märkten, daher keine Marktpreisbildung
- Nicht-schlüssige Tauschbeziehungen, das heißt Leistungsnutzer und Zahler sind in der Regel nicht identisch (vgl. VOMBERG / REINHARTZ / MAASSEN-PYRITZ 2004, S. 68)
- Organisatorisch unabhängig vom Staat, formell strukturiert (Eigenständigkeit ihrer Verwaltung, Unabhängigkeit ihrer Leitungsgremien)
- Eigenständige Rechtsform

Die Verbände der freien Wohlfahrtspflege nehmen beispielsweise staatliche Aufgaben wahr und sorgen „einerseits für eine Entlastung staatlicher Institutionen, andererseits bewahren sie den Bürger vor allzu intensiver staatlicher Einflussnahme auf seinen privaten Lebensbereich“ (ARNOLD 2003, S. 197). Durch jahrelange Erfahrung verfügen sie über eine hohe Fachkompetenz und Vielfalt an Angeboten in bestimmten sozialen Arbeitsfeldern. Sie nehmen eine starke Marktposition ein, wurden bisher bei entsprechenden politischen Entscheidungen herangezogen, so dass der im Subsidiaritätsprinzip gesetzlich zugebilligte Vorrang die Möglichkeit sicherte, in enger Zusammenarbeit mit dem Staat soziale Arbeit anzubieten, zu gestalten und umzusetzen. Gleichzeitig ist eine zunehmende Entwicklung festzustellen nach der leitende Mitarbeiter von Non-Profit-Organisationen von ihren Verbänden zu politischer Mandatsträgerschaft motiviert werden, um durch Lobbytätigkeit politischen Einfluss im Sinne ihrer Arbeitgeber zu nehmen. (vgl. BOBZIEN/STARK/STRAUS 1996, S. 108).

Non-Profit-Unternehmen sind dem so genannten intermediären bzw. informellen Sektor zuzurechnen, da sie weder zum öffentlichen noch zum erwerbswirtschaftlich-privaten Sektor gehören (vgl. ARNOLD 2003, S. 193; VOMBERG/REINHARTZ/MAASSEN-PYRITZ 2004, S. 69).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Unterschiede in wichtigen Strukturmerkmalen von Unternehmung und NPO (Quelle: FINIS SIEGLER 1997, S. 45 f.)

Mit der sich tendenziell verstärkenden Dominanz neoliberaler Wirtschaftspolitik und mit der Freigabe zahlreicher Regulierungen zugunsten des so genannten „freien Wettbewerbs“ gerät der intermediäre Sektor zunehmend unter Druck.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen den Strukturmerkmalen von erwerbswirtschaftlichen Unternehmen und Non-Profit-Organisationen sind in Abbildung 6 dargestellt.

1.6 Non-Profit-Organisationen aus ökonomischer Perspektive

Für die Erklärung der Existenz des Nonprofit-Sektors liegen unterschiedliche Theorien vor, wobei die wirtschaftswissenschaftlichen Theorien vom Markt- und Staatsversagen zu den Einflussreichsten zählen. Sie werden auch als Verdrängungstheorien bezeichnet, da sie das Zustandekommen von Verbänden, Vereinen und anderen intermediären Institutionen darauf zurückführen, dass staatliche bzw. marktliche Organisationen versagen, was zu ihrer Substitution bzw. Verdrängung durch NPO´s führt (vgl. FREY 1998, S. 83; VOMBERG et al 2004, S. 69).

1.6.1 Non-Profit-Organisationen – eine Reaktion auf Marktversagen

Die Theorie vom Marktversagen versucht zu erklären, warum der Markt nicht den relevanten Koordinations- und Allokationsmechanismus für alle Güter und Dienstleistungen darstellt, weshalb erwerbswirtschaftliche Unternehmen keine öffentlichen Güter (Kollektivgüter) anbieten und warum sie scheinbar nicht in der Lage sind, die Nachfrage nach diesen bestimmten Dienstleistungen zu befriedigen. Die Theorie führt hierzu die Kollektivgüterproblematik und das so genannte Kontraktversagen als Gründe an.

Marktversagen wird auf die Kollektivgüterproblematik zurückgeführt. Demnach ist es bei Gütern, deren Konsum nicht rivalisierend ist und von deren Konsum auch niemand ausgeschlossen werden kann, für den einzelnen Konsumenten rational, sich als Trittbrettfahrer zu verhalten, das heißt seine Präferenzstruktur für das betreffende Gut nicht in Form von Nachfrage zu offenbaren. Für erwerbswirtschaftliche Unternehmen besteht daraus resultierend kein

[...]


1 Die Unternehmenspolitik verkörpert die „innere Einstellung“ einer Organisation zu sämtlichen unternehmerischen Tätigkeiten und ist damit „weltanschauliche Grundlage“ der strategischen Führung (vgl. HINTERHUBER 1992, S. 56).

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Soziale Arbeit und Ökonomie. Sozialwirtschaftliche Dienstleistungen und Managementansätze für Non-Profit-Organisationen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
62
Katalognummer
V282265
ISBN (eBook)
9783656765967
ISBN (Buch)
9783668139411
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft, Soziale Arbeit, Management, Sozialmanagement
Arbeit zitieren
Klaus Bäcker (Autor), 2006, Soziale Arbeit und Ökonomie. Sozialwirtschaftliche Dienstleistungen und Managementansätze für Non-Profit-Organisationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282265

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