Effizienz, Effektivität und Qualität in der Sozialen Arbeit. Indikatoren und Kennziffern zur Erfolgsmessung


Akademische Arbeit, 2006
51 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Indikatoren und Kennziffern zur Erfolgsmessung

3 Effizienz und Effektivität in der Sozialen Arbeit
3.1 Effizienz
3.2 Effektivität
3.3 Zusammenhang zwischen Effizienz, Effektivität, Input, Output und Outcome

4 Probleme bei der Beurteilung von Effizienz, Effektivität und Qualität der Sozialen Arbeit
4.1 Outputdefinition und -messung
4.2 Qualitätsdimensionierung und -sicherung

5 Soziale Arbeit und Wohlfahrtsproduktion
5.1 Volkswirtschaftliche Erfassung der Güter- und Dienstleistungsproduktion
5.1.1 Modell des Wirtschaftskreislaufes
5.1.2 Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
5.2 Sozialprodukt und Volkseinkommen
5.2.1 Sozialprodukt
5.2.2 Volkseinkommen
5.2.3 Sozialprodukt bzw. Volkseinkommen als Indikator für Wohlstand und Verteilung?
5.3 Aktueller Forschungsstand: das Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector Projekt
5.4 Allokative Effizienz Sozialer Arbeit

6 Wirtschaftlichkeit versus Qualität

7 Messkonzepte in der Sozialen Arbeit – ökonomische Legitimation des Ressourceneinsatzes
7.1 Kosten-Nutzen-Analyse
7.2 Kosten-Effektivitäts-Analyse
7.3 Praxisbeispiel zur Kosten-Nutzen- und Kosten-Effektivitäts-Analyse im Bereich der kommunalen Beschäftigungsförderung der Stadt Düsseldorf
7.4 Nutzwert-Analyse
7.5 Soziale Rechenschaftslegung

Literaturverzeichnis (inkl. weiterführender Literatur)

1 Einführung

In dieser Arbeit werden Indikatoren und Kennziffern zur Erfolgsmessung in der Sozialen Arbeit dargestellt und die mit der Beurteilung von Effizienz, Effektivität und Qualität Sozialer Arbeit verbundenen Schwierigkeiten näher betrachtet. Des weiteren wird die Soziale Arbeit hinsichtlich ihres Beitrags zur gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrtsproduktion betrachtet. Dazu wird ein Überblick über die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung gegeben und auf die Mängel dieser hochaggregierten Daten aufmerksam gemacht.

2 Indikatoren und Kennziffern zur Erfolgsmessung

Die Praxis privatwirtschaftlicher Unternehmen ist seit jeher durch die Verwendung von Kennzahlen1 gekennzeichnet. In der Regel werden überwiegend finanzielle Größen eingesetzt, bei denen auf vergangene Entwicklungen Bezug genommen wird. Diese finanziellen Messgrößen spiegeln die wahrgenommene Verantwortung gegenüber den Eigentümern (Shareholder) wider. Das wohl bekannteste Kennzahlensystem ist das bereits 1919 entwickelte DuPont-Schema (vgl. Abbildung 1), bei dem vom Ziel der Gewinnmaximierung ausgehend die Rentabilität des eingesetzten Kapitals2 die Leitkennzahl bildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das DuPont-Schema (Quelle: nach SCHIERENBECK 2000, S. 68)

Die derzeit aktuellen Entwicklungen in der Sozialgesetzgebung stellen Organisationen im Sozialbereich vor die Notwendigkeit, nicht nur Daten, die sich auf wirtschaftliche Effizienz und Ertrag beziehen, zu verarbeiten, sondern auch Daten zu berücksichtigen und aufzubereiten, die Auskunft über Konzeptionen, Klientenverläufe, Diagnose, Anamnese, sozialpädagogische Interventionen, Pflege oder Outcome geben. Die Schwierigkeit besteht dabei insbesondere in der Verdichtung dieser Daten zu Informationen, so dass betriebswirtschaftliche Daten, Qualitätsdaten, klientenspezifische Daten sowie Prozessdaten integriert werden. Die Organisation muss demnach Komplexität aufbauen, um ausreichend über sich und betriebsinterne Vorgänge informiert zu sein. Dies hat Auswirkungen auf die Informationsdichte und -geschwindigkeit, und somit auf die Entscheidungsqualität als auch Entscheidungsgeschwindigkeit.

Kennzahlen sind Zahlen, die sich auf bestimmte betriebliche Sachverhalte beziehen und eine besondere Aussagekraft haben. Im Allgemeinen ist der Begriff der Kennzahl mit der betriebswirtschaftlichen Steuerung eines Unternehmens im Allgemeinen verbunden, wobei in vielen anderen Bereichen des unternehmerischen Handelns Kennzahlen für die Planungs-, Steuerungs- und Überwachungstätigkeiten genutzt werden.

In sozialen Organisationen sind Kennzahlen in die Managementaufgaben von Führungskräften noch nicht durchgehend eingebettet, häufig wird gerade erst damit begonnen. In Ansätzen werden die Kennzahlen der Gewinn- und Verlustrechnung als auch der Liquiditätssteuerung genutzt. Prospektive Kennzahlen zur Abbildung quantitativer Leistungserbringung werden nur selten eingesetzt, während die Verwendung qualitativer Kennzahlen noch in den Anfängen steckt. Dies verdeutlicht, dass Kennzahlen in präziser und komprimierter Form über die Situation einer Organisation, eines Unternehmensteils und über deren Prozesse informieren, allerdings bedeutet dies nicht, dass sie einen umfassenden Controllingprozess oder Qualitätsmanagement ersetzen können. Vielmehr stellen sie eine gemeinsame Sprache aller am Management einer Organisation beteiligten Mitarbeiter dar. Insofern besteht die Herausforderung darin, Kennzahlen zu erarbeiten, die von allen Beteiligten verstanden werden, so dass sie die Grundlage für eine erfolgreiche Steuerung der Organisation darstellen. Unterschieden werden dabei folgende Kennzahlenarten (vgl. Abbildung 2):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Systematisierung nach „harten“ und „weichen“ Kennzahlen (Quelle: in Anlehnung an EISENREICH 2005, S. 26)

3 Effizienz und Effektivität in der Sozialen Arbeit

3.1 Effizienz

Effizienz im Sinne wirtschaftlicher Rationalität ist ressourcenorientiert zu verstehen. Effizienz stellt den Zusammenhang zwischen input (Ausgaben in Form von Personal-, Sach-, Finanzmitteln) und output (Dienstleistung in Menge und Qualität) bzw. das Verhältnis von Aufwand und erzielter Leistung dar. Der Begriff setzt somit den Ressourceneinsatz und das gewählte Leistungsangebot in Beziehung zur Leistung. In Verwaltungen ist in diesem Zusammenhang üblicherweise von Wirtschaftlichkeit die Rede (vgl. TIPPELT 1998, S. 109). Hinter ihr steht die operative Frage: Haben wir es „richtig“ getan? Oder anders ausgedrückt: „A manager does all things right“. Es zeigt, dass damit nicht selten eine defensive strategische Grundhaltung verknüpft ist. Wenn nämlich die Dinge bereits feststehen, die getan werden, dann geht es nur noch darum, das gegebene Ziel „richtig“ und aus ökonomischer Sicht mit minimalem Mitteleinsatz zu erreichen (Minimalprinzip), bzw. einen maximalen Erfolg mit vorgegebenen Mitteln (Maximalprinzip) zu erzielen (vgl. PRUSS 2001, S. 113; ROSENBAUM/NAGY 2002, S. 24).

Dem Begriff der Effizienz liegt das Vernunftprinzip bzw. das „Ökonomische Prinzip zugrunde. In diesem Zusammenhang wird auch vom Prinzip der Wirtschaftlichkeit oder Rationalprinzip gesprochen.

Die Anwendung des Ökonomischen Prinzips setzt allerdings eine verbindliche Definition und Operationalisierung der Ziele sowie der relevanten Messgrößen bzw. Indikatoren voraus. Eine Effizienzsteigerung ist nur dann gegeben, wenn mit reduziertem Mitteleinsatz noch dasselbe Ziel: ein qualitativ gleich hoher Output, bzw. umgekehrt: mit demselben Input ein größerer Output identischer Qualität erreicht wird.

3.2 Effektivität

Effektivität hingegen meint den Grad der Zielerreichung, das heißt das Verhältnis zwischen input und outcome (Wirkungen). Sie behandelt die strategische Ausrichtung nach der Nützlichkeit bzw. der Wirksamkeit des Handelns im Sinne von: Haben wir „das Richtige“ getan? (vgl. PRUSS 2001, S. 112; ROSENBAUM/NAGY 2002, S. 24). Effektivität kann somit als technische Rationalität definiert werden, um eine qualitativ bessere Lösung zu erreichen. In der Verwaltung wird in diesem Zusammenhang der Begriff der Erfolgskontrolle verwendet (vgl. TIPPELT 1998, S. 109). Sie ist mit einer offensiven, richtungsweisenden strategischen Grundhaltung verbunden. Dies entspricht eher dem Maximumprinzip, bei dem es darum geht, unter Berücksichtigung der Mittelausstattung die richtigen Ziele anzuvisieren im Sinne von „A leader does the right things“. Während es bei der Effektivität von Unternehmen um die Allokationsproblematik der einzelnen Produktionsfaktoren auf die „richtige Verwendungsschiene“ geht, stellen sich bei privaten Haushalten Fragen nach dem Einsatz und der Verwendung des knappen zur Verfügung stehenden Haushaltsgeldes oder der Nutzung knapper Zeit. Aus Perspektive des Staates bezieht sich die Frage der Effektivität auf die Problematik: „Wofür und in welchem Umfang sollen staatliche Gelder eingesetzt werden?“ Ist die Förderung des beruflichen Bildungswesens der Förderung der Landwirtschaft vorzuziehen oder sollen mehr finanzielle Mittel für Dienstleistungen im Sozialbereich oder aber eher für Subventionierungen der Industrie ausgegeben werden (vgl. SCHEIBE-JAEGER 2002, S. 21)?

3.3 Zusammenhang zwischen Effizienz, Effektivität, Input, Output und Outcome

Um im späteren Verlauf der Arbeit ein Verständnis für die Schwierigkeiten bei der Beurteilung von Effizienz und Effektivität der Sozialen Arbeit entwickeln zu können, soll an dieser Stelle noch einmal erläuternd auf die bereits erwähnten Begrifflichkeiten Input, Output und Outcome eingegangen werden.

Der Input bezeichnet den geld- oder mengenmäßigen Einsatz von Mitteln (Ressourceneinsatz), um Güter und Dienstleistungen zu produzieren.

Unter Output wird ein (messbares) Ergebnis verstanden, dass aus einer Produktion von Gütern und Dienstleistungen entsteht.

Vom Outcome ist die Rede, wenn es sich um ein Leistungsergebnis handelt, dass heißt wenn die Wirkung bzw. Zielerreichung von Gütern oder Dienstleistungen gemeint ist.

Unter Verwendung dieser Bezeichnungen, drückt Effizienz das Verhältnis des Inputs zum Output aus, während Effektivität das Verhältnis des Inputs zum Outcome darstellt. Effizienz und Effektivität weisen demnach sowohl qualitative als auch quantitative Aspekte auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Gegenüberstellung von Effizienz und Effektivität (eigene Darstellung)

Eine Gegenüberstellung der wirtschaftlichen und technischen Rationalität kann der obigen Abbildung 3 entnommen werden, während Abbildung 4 im Anschluss sowohl die Begriffe Effizienz und Effektivität als auch Input, Output und Outcome überblicksartig zusammenführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Zusammenhang zwischen input, output, outcome, Effizienz und Effektivität (Quelle: in Anlehnung an TIPPELT 1998, S. 110)

4 Probleme bei der Beurteilung von Effizienz, Effektivität und Qualität der Sozialen Arbeit

Soziale Dienste wenden sich an Menschen in unterschiedlichen Problemlagen und mit verschiedensten Bedürfnissen. Dienstleistungen müssen daher, um qualitativ hochwertig zu sein, persönliche Begegnungen, Miteinander, solidarischen Beistand und Lebensbedürfnisse außerhalb von Leistungskatalogen mit berücksichtigen. Dies erschwert die Effizienz- und Effektivitätsbeurteilung der Sozialen Arbeit sowie anderer personenbezogener Dienstleistungen. Wie wird der relevante Output definiert, gemessen und qualitativ dimensioniert?

Schwierigkeiten der Effizienz- und Effektivitätskontrolle :

Die Effektivität nicht-öffentlicher Wohlfahrtsorganisationen lässt sich nicht allein unternehmensbezogen beurteilen und am Gewinn festmachen. Vielmehr ist diese hinsichtlich ihrer Wirkung bei den Abnehmern und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen in die Betrachtungen einzubeziehen. Eine Effizienz- und Effektivitätskontrolle gestaltet sich deshalb als schwierig, weil keine eindeutig messbaren Größen, sondern nur unscharfe Kriterien zur Verfügung stehen. Diese beschränken sich in der gegenwärtigen Praxis auf fiskalische und politische Aspekte, die zudem miteinander konkurrieren und sich zum Teil widersprechen (vgl. GRAF/SPENGLER 2000, S. 17 f.).

Fiskalische Kriterien sind dabei der sparsame und rechtmäßige Einsatz öffentlicher Mittel, wobei häufig Wirkungen oder Erfolge der mit diesen Mitteln erbrachten Leistungen unberücksichtigt bleiben.

Politische Aspekte beziehen sich vordergründig auf die Interessen der öffentlichen Mittelvergabe (z. B. an der Reduzierung sozialer Konflikte, an der Verbesserung der Wahlchancen von Parteien oder an der Rechtmäßigkeit bzw. Legitimität des politischen Gesamtsystems). Bei freien Trägern spielen verbandspolitische Interessen, das heißt die Steigerung des öffentlichen Ansehens, des politischen Einflusses und der Mitgliederzahlen eine wesentliche Rolle, Gesichtspunkte, die sich nicht genau überprüfen lassen.

Dementsprechend stellt der tatsächliche Kundennutzen in NPO´s analog zu Organisationen im Profit-Bereich kein eigenständiges Erfolgskriterium dar. Während dieser Nutzen in einem Wirtschaftsunternehmen zwangsläufig von dessen Wesen und Zweck her eine abhängige Variable der Gewinnmaximierung ist, müsste dieser Nutzen in sozialen Unternehmen – dem Anspruch nach - ein wesentliches Ziel und entscheidendes Gütekriterium darstellen (vgl. GRAF/SPENGLER 2000, S. 18).

4.1 Outputdefinition und -messung

Die Frage des effizienten Mitteleinsatzes ist im Zusammenhang fachlicher Gesichtspunkte einer effektiven Zielerreichung zu betrachten. Ein output, der zwar unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten erstellt wurde, nicht aber die mit dieser Leistung angestrebten Ziele erreichen lässt bzw. nur unvollständig erreicht, kann keine vernünftige Kosten-Leistungsrelation darstellen. Dies bedeutet, dass die anfallenden Kosten und der Ressourceneinsatz in Beziehung zum outcome gesetzt werden müssen (vgl. MEYER 1998, S. 169).

Es geht also um zwei analytisch zu trennende Fragestellungen:

(1) Werden die Leistungen effizient erbracht? Die hier angesprochene Steuerungsebene ist der „output“, das heißt es geht hier um die Optimierung der Wirtschaftlichkeit der eingesetzten (personellen, finanziellen und sächlichen) Ressourcen bei der Dienstleistungserstellung (Ressourcencontrolling ).

(2) Werden überhaupt die richtigen Leistungen produziert? Hier geht es um die Wirksamkeit (Effektivität) der Leistungen hinsichtlich der Zielsetzungen, die erreicht werden sollen (Fachcontrolling ). Die hier angesprochene Steuerungsdimension ist also der „outcome“, das heißt das zielbezogene Ergebnis einer erbrachten Maßnahme (vgl. MEYER 1998, S. 168 f.).

Die besondere Schwierigkeit bei der Effizienz- und Effektivitätsbeurteilung Sozialer Arbeit liegt darin, dass keine scharfen Kriterien existieren, die den relevanten Output definieren, messen und qualitativ dimensionieren.

(a) Zum einen kann versucht werden, den Output Sozialer Arbeit quantitativ in Kennzahlen zu fassen, wie z. B. Besucherzahlen, Übernachtungen, Fallzahlen. Es stellt sich allerdings die Frage, was die Zahl der Leistungskontakte darüber aussagt, wie viel Leistung als Beratung tatsächlich produziert wurde.

Aufgrund dieser Schwierigkeit, dass exakte Methoden zur quantitativen Outputerfassung fehlen, wird im Dienstleistungsbereich häufig statt des Outputs der Input gemessen: Zeitaufwand für eine Dienstleistung, z. B. die Beratungsdauer.

(b) Noch problematischer gestaltet sich die qualitative Outputerfassung. So sagt die „durchschnittliche Verweildauer“ in einer Therapieeinrichtung nichts über die Güte der Therapie und der sozialpädagogischen Begleitung aus. Daher wird auch bei der Qualitätserfassung häufig nicht der Output sondern der Input gemessen. Dies bedeutet, dass die Ausstattungsmerkmale einer Therapieeinrichtung häufig als Gütekriterium herangezogen werden. Eine Qualitätsprüfung in Form einer Fertigungsendkontrolle wie sie in der Produktion von Sachgütern durchgeführt wird, muss bei Dienstleistungen zwangsläufig entfallen, da keine Güter produziert werden, sondern lediglich ein Leistungsversprechen gegeben wird. Da insbesondere im Bereich der Sozialen Arbeit der Nutzer der Dienstleistung häufig wenig Informationen über die Qualität hat und er dem Experten vertrauen muss, dass dieser eine für den Konsumenten nützliche und qualitativ geeignete Dienstleistung erstellt, sind auch den subjektiven Qualitätsbeurteilungen durch den Konsumenten Grenzen gesetzt. Die physische Erfassung der im Dienstleistungsprozess eingesetzten Produktionsfaktoren erlaubt weder einen direkten Rückschluss auf den innerbetrieblichen Kombinationsprozess noch auf die Outputqualität.

4.2 Qualitätsdimensionierung und -sicherung

Dienstleistungen können sowohl potential- als auch prozess- und ergebnisorientiert definiert werden, so dass sich die Frage stellt, woran die Qualität gemessen werden soll und wessen Qualitätsbeurteilungen als relevant gelten sollen. Aus produktionstheoretischer Sicht lässt sich der Zusammenhang zwischen Dienstleistungen und Qualitätsdimensionen wie in Abbildung 5 darstellen.

(a) Das Dienstleistungspotential ist die vorgehaltene Dienstleistungsbereitschaft des Anbieters, die dieser autonom bestimmen kann. Hierzu zählen Produktionsfaktoren, wie Personal, Ausstattung, Aufbau- und Ablauforganisation sowie eine gute Erreichbarkeit des Angebots für die Nachfrager.

Gemäß des Ansatzes von DONABEDIAN zur Qualitätsmessung wird die Qualität des Dienstleistungspotentials als Strukturqualität bezeichnet und kann als indirektes Maß für die Qualität einer Dienstleistung betrachtet werden.

(b) Die Qualität der Dienstleistungsproduktion ist neben strukturellen Bedingungen und Rahmendaten auch vom Prozessverlauf selbst abhängig. Die konkrete Dienstleistung entsteht in der Interaktion zwischen Produzent und Konsument, so dass die Qualität des Dienstleistungsprozesses (Prozessqualität) vom Anbieter bzw. Produzenten nicht mehr autonom steuerbar ist, sondern vom Klienten bzw. Konsumenten in erheblichen Maße mitbestimmt wird. Der Beitrag des Konsumenten ist u. a. von seinen Erwartungen hinsichtlich der vorgehaltenen Leistungsbereitschaft und seiner Bedarfslage abhängig.

(c) Viele Dienstleistungen tragen ihren Zweck nicht in sich, sondern sollen etwas bewirken. Demnach ist die Frage nach dem Ergebnis und seiner Qualität gleichbedeutend mit der Aufforderung, die Wirkung der Dienstleistung zu erforschen. Obwohl sozialpädagogischen und sozialarbeiterischen Interventionen implizit Annahmen zugrunde liegen, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen den ergriffenen Maßnahmen und beabsichtigten Wirkungen zugrunde liegt, ist es um die Wirkungsforschung noch immer eher schlecht bestellt (vgl. HEINER 1988). Auch die Ergebnisqualität im Sinne einer messbaren Wirkung ist in erheblichen Maße vom externen Faktor „Klient“ abhängig zudem lassen sich kaum eindeutige kausale Beziehungen zwischen Dienstleistung und Wirkung feststellen. Eine auf das Ergebnis zielende Qualitätsdimensionierung gestaltet sich als schwierig , weil es sich entweder um ein multifaktorielles Geschehen handelt oder aber die beabsichtigten Wirkungen erst in ferner Zukunft eintreten. Dies führt dazu, dass für die Soziale Arbeit der ergebnisorientierte Dienstleistungsbegriff vielfach als problematisch zurückgewiesen wird. Für DONABEDIAN ist die Ergebnisqualität daher auch nur ein indirekter Qualitätsindikator.

DONABEDIAN unterstellt in seinem Dienstleistungsqualitätsmodell eine empirisch nicht beweisbare Kausalität zwischen den Komponenten „Struktur“, „Prozess“ und „Ergebnis“. Eine Verbesserung der Strukturqualität wie z. B. die Erhöhung des Personals oder dessen Höherqualifizierung lässt nicht zwangsläufig auf eine höhere Qualität im Leistungserstellungsprozess schließen. Ebenso wenig muss eine Input-Verringerung nicht automatisch ein schlechteres Ergebnis zur Folge haben.

Um die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität feststellen zu können sind unterschiedliche Mess- und Bewertungsverfahren zu entwickeln, die jeweils auch am Produktionsprozess direkt oder indirekt beteiligten Interessen reflektieren. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass es sich bei Qualität um einen mehrdimensionalen Begriff handelt (vgl. DONABEDIAN 1980).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Produktionstheoretische Betrachtung von Dienstleistungen in Verbindung mit Qualitätsdimensionen (Quelle: in Anlehnung an MALERI 1994, S. 80)

Bei jeglichen sozialen, pädagogischen und gesundheitlichen Dienstleistungen kommt dem kommunikativen Aspekt eine herausragende Rolle zu und wird zum Teil, wie in der Beratung und Therapie, sogar zum zentralen Inhalt bzw. konstitutiven Merkmal dieser. Die Qualität solcher Leistungen ist demnach wesentlich von der Interaktion zwischen Hersteller und Verbraucher bzw. Dienstleistungserbringer und Kunden/Klienten abhängig. Da allerdings die Güte einer Interaktion (kommunikative Fähigkeiten, persönliches Engagement) und die Intensität einer Mitwirkung schwer messbare Variablen darstellen, ist eine präzise Qualitätsüberprüfung sozialer Dienstleistungen mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden (vgl. GRAF/SPENGLER 2000, S. 20). So wie das „Sprechen“ die Kernkompetenz der Sozialen Arbeit ist, scheint jeder Klient anders, individuell besonders zu sein. Es gibt kaum systematische Routinen in der Fallbearbeitung und insofern auch kaum Chancen zur Standardisierung.

So können u. a. folgende Eckpunkte die Dimensionen der Qualität Sozialer Arbeit bestimmen (vgl. BOBZIEN et al 1996, S. 40 f.):

- das zugrundeliegende Menschenbild
- Vermittlung von Lebensperspektiven
- Zufriedenheit der Betroffenen
- Zufriedenheit der Mitarbeiter
- Sozialverträglichkeit der Dienstleistung oder Maßnahme
- fachliche Qualität der Ausführung
- Grad der Zielerreichung (Effektivität)
- Verhältnis von Aufwand und Ergebnis (Effizienz)

Eine Beurteilung von Effizienz und Effektivität setzt neben klar formulierten Zielen voraus, dass der „Produktions- bzw. Herstellungsprozess“ personenbezogener, sozialer Dienstleistungen nach objektiven Maßstäben bewertbar und vergleichbar und das resultierende Ergebnis der Sozialen Arbeit in Form des Outputs oder Outcomes messbar ist. Wie wird allerdings der relevante Output definiert, gemessen und qualitativ dimensioniert?

[...]

1 Die Begriffe „Kennzahl“, „Kennziffer“, „Indikator“, „Kontrollgröße“ und „Messgröße“ werden im Text synonym verwendet.

2 Unter der Rentabilität des eingesetzten Kapitals versteht man das Produkt aus „Kapitalumschlag“ und „Umsatzrentabilität“ (vgl. EISENREICH/HALFAR/MOOS 2005, S. 41).

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Effizienz, Effektivität und Qualität in der Sozialen Arbeit. Indikatoren und Kennziffern zur Erfolgsmessung
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
51
Katalognummer
V282266
ISBN (eBook)
9783656765974
ISBN (Buch)
9783668139428
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Effizienz, Effektivität, Qualität, Soziale Arbeit, Indikatoren, Kennzahlen, Erfolgsmessung, Ressourceneinsatz, Wohlfahrtsproduktion, Wirtschaftlichkeit
Arbeit zitieren
Klaus Bäcker (Autor), 2006, Effizienz, Effektivität und Qualität in der Sozialen Arbeit. Indikatoren und Kennziffern zur Erfolgsmessung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282266

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