1. Einleitung
Im Jahr 1792 sandte der englische King George III eine Gesandtschaft unter der Führung von Lord George Macartney an den chinesischen Kaiserhof. Die Ziele waren die Verbesserung der gegenseitigen Handelsbedingungen, das Wecken von Konsuminteresse an britischen Produkten sowie der Erwerb von Informationen über China.
Macartneys Mission scheiterte aufgrund zahlreicher Missverständnisse, welche sich aus der unterschiedlichen Entwicklung der beiden expandierenden Imperialmächte und des verschiedenen Weltbildes der beiden Nationen im 18.Jahrhundert begründen. Deshalb ist es notwendig, sich zunächst einen Überblick über die jeweiligen Herrschaftssysteme zu verschaffen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Qing-Reich
2.1 Chinesen und Mandschuren
2.2 Das Tributsystem
2.3 Kjachta- und Kanton-System
2.4 Verhältnis zu den Ausländern
3. Das britische Imperium
3.1 Interesse an Asien
3.2 Die Chinasicht Englands
4. Die Macartney-Gesandtschaft
4.1 Ziele
4.2 Die Zusammensetzung der Gesandtschaft
4.3 Reiseverlauf
4.4 Erste Probleme
4.5 Treffen mit dem Kaiser
4.6 Das Scheitern der Mission zeichnet sich ab
4.7 Rückreise
5. Bedeutung und Analyse der Gesandtschaft
5.1 Entstehen eines neuen Chinabildes
5.2 Ursachenforschung
5.3 Ein kulturelles Mißverständnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Macartney-Gesandtschaft von 1792-1794 und untersucht die Ursachen für das Scheitern dieser diplomatischen Mission sowie die daraus resultierenden kulturellen und politischen Missverständnisse zwischen dem britischen Weltreich und dem Kaiserreich der Qing-Dynastie.
- Historische Analyse der Herrschaftssysteme von China (Qing-Reich) und Großbritannien im 18. Jahrhundert.
- Untersuchung der diplomatischen Ziele und des Verlaufes der Macartney-Mission.
- Darstellung der zentralen Konfliktpunkte, insbesondere des Tributsystems und der Kotau-Frage.
- Betrachtung der unterschiedlichen Weltbilder und deren Auswirkung auf die internationalen Beziehungen.
- Analyse der langfristigen Bedeutung der Mission für das Chinabild im Westen.
Auszug aus dem Buch
4.4 Erste Probleme
Die ersten Begegnungen zwischen den Gesandten und chinesischen Beamten verliefen problemlos, in seinen Aufzeichnungen lobt Macartney die außerordentliche Freundlichkeit der Chinesen. Erste Probleme ergaben sich aber, als man Macartney mitteilte, der Kaiser sei bereits nach Jehol (das heutige Chengde) in seine Sommerresidenz aufgebrochen, und die Gesandten sollen ihm folgen. Macartney weigerte sich, die Geschenke dorthin transportieren zu lassen, da er die Instrumente, die sich unter ihnen befanden, keinen unnötigen Strapazen aussetzen wollte. Zheng Rui, der Salzkommisar von Zhili, der die Gesandtschaft nach Jehol begleiten sollte, zeigte wenig Verständnis für dieses Anliegen, dennoch setzte er durch, daß die Geschenke in Peking zurückblieben.
Ein weiterer sehr wichtiger Punkt war die Frage nach der Einhaltung der höfischen Etikette des Kotaus. Dieses Ritual befahl einen dreimaligen Kniefall vor dem Kaiser, wobei jeweils dreimal der Kopf zum Boden geneigt wurde.
Der Kotau war ein Teil des binli, des Gästerituals, welches eine der fünf Kategorien der höfischen Rituale darstellte. In diesem Ritual nimmt der chinesische Monarch die Stellung des huangdi ein, während der jeweilige Gast die Rolle eines geringeren Herrschers (fanwang) einnimmt. Die Einhaltung dieser Rituale hatte in China eine äußerst herausragende Bedeutung, hatte doch schon Konfuzius das li, was oft mit „Ritual“ übersetzt wird, als allgegenwärtiges Konzept beschrieben, dem jede Art von menschlicher Interaktion unterliegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der britischen Gesandtschaft unter Lord Macartney 1792 und deren Zielsetzung.
2. Das Qing-Reich: Überblick über das Herrschaftssystem, das Tributwesen und die Isolationspolitik der Mandschu-Dynastie.
3. Das britische Imperium: Darstellung der geopolitischen Interessen und der wirtschaftlichen Dynamik Englands sowie dessen Wahrnehmung Chinas.
4. Die Macartney-Gesandtschaft: Detailreiche Schilderung des Missionsverlaufs, der diplomatischen Konflikte, des Scheiterns und der Rückreise.
5. Bedeutung und Analyse der Gesandtschaft: Reflektion über das langfristige Bild Chinas im Westen und die tieferen kulturellen Ursachen des gescheiterten Dialogs.
Schlüsselwörter
Macartney-Gesandtschaft, Qing-Dynastie, Britisches Imperium, Tributsystem, Kotau, Diplomatie, Handelsbeziehungen, China, 18. Jahrhundert, Kulturkonflikt, Imperialismus, Qianlong-Kaiser, Lord Macartney, Internationales Recht, Diplomatischer Austausch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die diplomatische Mission von Lord Macartney nach China in den Jahren 1792 bis 1794 und deren historische Auswirkungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Aufeinandertreffen des Qing-Reiches und des britischen Imperiums, Handelskonflikte, rituelles Protokoll und gegenseitige kulturelle Wahrnehmungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für das Scheitern der Macartney-Gesandtschaft zu identifizieren und die daraus resultierende historische Bedeutung für die Beziehungen zwischen Ost und West aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Berichte (insbesondere von Macartney und Hüttner) sowie Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der beiden politischen Systeme, den konkreten Verlauf der Reise, die diplomatischen Verhandlungen, das Scheitern sowie die anschließende historische Interpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Macartney-Gesandtschaft, Tributsystem, Kotau, Kulturkonflikt und diplomatische Geschichte definiert.
Warum war der "Kotau" für die Mission so entscheidend?
Der Kotau war für das chinesische Kaiserreich ein unverzichtbarer Teil des diplomatischen Protokolls zur Legitimation der kaiserlichen Macht; die Weigerung Macartneys, dieses Ritual auszuführen, wurde als Affront gewertet.
Inwiefern beeinflusste das Bild des "orientalischen Despotismus" die Verhandlungen?
Das britische Verständnis der Souveränität von Diplomaten stieß auf das chinesische Weltbild, in dem Ausländer als Tributbringer angesehen wurden, was ein gegenseitiges Verständnis für die jeweils andere Position unmöglich machte.
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- Nina Richter (Autor), 2001, Die Macartney-Gesandtschaft 1792-1794, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2822