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Hilft Mobilitätsmanagement wirklich? Auswirkungen betrieblicher Maßnahmen auf die Verkehrsmittelwahl der Mitarbeiter

Title: Hilft Mobilitätsmanagement wirklich? Auswirkungen betrieblicher Maßnahmen auf die Verkehrsmittelwahl der Mitarbeiter

Scientific Essay , 2012 , 24 Pages

Autor:in: Robert Rädel (Author)

Transportation Science & Technology
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Mobilitätsmanagement wird als eine Lösung für das Problem angeboten, den Verkehr auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu verlagern, ohne mit als staatlich-autoritär wahrgenommenen restriktiven ordnungspolitischen Maßnahmen zu stark in die individuelle Verhaltensfreiheit einzugreifen, oder teure neue Infrastrukturen bzw. Buslinien finanzieren zu müssen. Mit v.a. kommunikativen, motivierenden, nachfrageorientierten, also Anreiz setzenden und gleichzeitig relativ kostengünstigen Maßnahmen sollen z.B. Angestellte eines Betriebes, Einwohner einer Kommune, Eltern einer Schule oder Besucher eines Krankenhauses dazu gebracht werden, den ÖPNV, das Fahrrad oder wenigstens Fahrgemeinschaften zu nutzen, um den motorisierten Individualverkehr an einem Standort zu reduzieren. Besonders auf betrieblicher Ebene wird dieses Instrument in letzter Zeit verstärkt eingesetzt, um entweder Verkehrs- und Parkraumdruck zu reduzieren, Kosten zu sparen, die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern oder im Unternehmen bzw. in einer Stadtverwaltung ein Nachhaltigkeitsleitbild zu unterstreichen.
Befürworter von Mobilitätsmanagement verweisen auf messbare Verkehrsverlagerungseffekte nach gewissen Projektlaufzeiten. Allerdings fehlt in der Praxis häufig ein Nachweis für die kausale Wirkung der Maßnahmen, weil die Veränderungen im Modal Split lediglich auf aggregierter Ebene festgestellt, aber nicht auf individueller Ebene erhoben und evaluiert werden. Es ist unklar, ob die eingesetzten Maßnahmen verhaltenswirksam in dem Sinne sind, dass die festgestellten globalen Veränderungen auf Mikroebene (individuell) wirklich auf diese zurückzuführen sind.
Die soziologischen und psychologischen Zusammenhänge auf individueller Handlungsebene bleiben bisher im Dunklen. Aus wissenschaftlicher Perspektive lohnt es sich jedoch, hier zu forschen, da die Gründe für die Verhaltensänderung, also den messbaren Modal Shift, nicht nachgewiesen sind, weil in der verkehrswissenschaftlichen Handlungstheorie davon ausgegangen wird, dass das alltägliche Verkehrshandeln stark routinisiert ist und außer im Rahmen von Kontextänderungen (Umzug, Veränderungen im Haushalt, neuer Arbeitsplatz, Kinder etc.) nur äußerst schwer von außen zu beeinflussen ist, wenn nicht starke Anreize oder Restriktionen eine Änderung erzwingen.
In dieser Arbeit wird ein Forschungsdesign vorgestellt, um die individual-soziopsychologischen Wirkmechanismen im Verkehrshandeln zu untersuchen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Gegenstand und Erkenntnisinteresse

2 Fragestellung

3 Stand der Forschung

3.1 Verkehrs- und Mobilitätsforschung

3.2 Umweltpsychologie und Verhaltensforschung

3.3 Forschung zum Mobilitätsmanagement

4 Theoretisches Modell

4.1 Das Stage Model of self-regulated behavioral change

4.2 Annahmen

4.3 Untersuchungsmerkmale im betrieblichen Mobilitätsmanagement

5 Hypothesen und Forschungsfragen

5.1 Hypothesen

5.2 Forschungsfragen

6 Forschungsdesign

6.1 Sampling

6.2 Baustein A: Erhebung von betrieblichen und Projektmerkmalen

6.2.1 Empirische Methoden

6.2.2 Operationalisierung

6.3 Baustein B: Mitarbeiterbefragung

6.3.1 Empirische Methoden

6.3.2 Operationalisierung der persönlichen Merkmale

6.4 Baustein C: Interviews mit Projektträgern und ausgewählten Mitarbeitern (nur Projektgruppe)

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Wirkmechanismen von Interventionskampagnen im betrieblichen Mobilitätsmanagement auf das individuelle Mobilitätsverhalten der Mitarbeiter. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob und unter welchen Bedingungen "weiche" Maßnahmen zu einer langfristigen Verhaltensänderung führen können, wenn Routinebrüche oder Motivationsanreize auf individuelle soziologische Faktoren treffen.

  • Analyse der Wirksamkeit kommunikativer und motivierender Mobilitätsmanagement-Maßnahmen
  • Identifikation von Einflussfaktoren auf individueller und betrieblicher Ebene
  • Evaluation des "Stage Model of Self-Regulated Behavioral Change" (SSBC) im betrieblichen Kontext
  • Untersuchung der Rolle von Routinen und deren Durchbrechung durch Interventionsmaßnahmen
  • Methodische Verknüpfung von quantitativen Befragungen und qualitativen Experteninterviews

Auszug aus dem Buch

3.2 Umweltpsychologie und Verhaltensforschung

Mobilitätsmanagement ist vor allem Information, Motivation und Kommunikation (s.o.) Die Umweltpsychologie und die Werbewirkungsforschung gehen davon aus, dass kommunikative Maßnahmen unter bestimmten Bedingungen Präferenzen und Einstellungen beeinflussen können. Die Einstellungs-Verhaltens-Forschung und die soziologischen Handlungstheorien wiederum haben seit den früher 80er Jahren große Fortschritte dabei gemacht, auf Grundlage sozialpsychologischer Experimente die Wirkung von vorhandenen Überzeugungen, kommunikativen Einflüssen, situativen Reizen, Normen u.a. Faktoren auf die Art der kognitiven Informationsverarbeitung, auf Einstellungsänderungen und Verhaltensabsichten sowie auf konkretes Verhalten zu modellieren und theoretisch zu begründen.

Petty und Cacioppo z.B. gehen mit dem Elaboration-Likelihood-Model (ELM) als zentralem Element des Cognitive Response-Ansatzes davon aus, dass es zu einer langfristig stabilen Veränderung der Einstellung i.S. der Botschaft kommen kann, wenn es eine ausreichend hohe Motivation und Fähigkeit zur intensiven Informationsverarbeitung bei der betreffenden Person gibt und die Argumente auf einen geeigneten „kognitiven Nährboden“ fallen. Das Konstrukt der persönlichen Verantwortungsübernahme steht im Zentrum des Norm-Aktivations-Modells (NAM) (Schwartz & Howard, 1981). Es nimmt an, dass diese Selbsterkenntnis zutage tritt, wenn jemand erfährt und akzeptiert, dass sein oder ihr Verhalten schädliche Konsequenzen hat. Die Selbsterkenntnis führt dann zu der Neigung, das eigene Verhalten mit eigenen Normen abzugleichen. Die dabei entstehenden Schuldgefühle steigern den Druck, sich normgerecht zu verhalten. Unterstützt wird dieses Gefühl durch Angst vor sozialer Missbilligung, wenn wichtige nahe Personen ein entsprechendes Verhalten erwarten. Das NAM nimmt an, dass das Einhalten der Norm mit positiven Gefühlserwartungen (Stolz, Befriedigung) verknüpft ist und diese den Anreiz setzen für die Absicht, sich anders zu verhalten, wenn dieses unter den individuellen Umständen erreichbar ist (Bamberg 2011, S.4ff.). Bei Beeinflussungsversuchen von außen warnen Verhaltenspsychologen jedoch auch vor dem Phänomen der Psychologischen Reaktanz (Brehm), welches vermutlich gerade bei passionierten Autofahrern auftreten könnte, wenn auf sie moralischer Druck ausgeübt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Gegenstand und Erkenntnisinteresse: Das Kapitel erläutert die Notwendigkeit des Mobilitätsmanagements als Instrument zur Reduktion von Pkw-Verkehr und hinterfragt die bisher unzureichend belegte Kausalwirkung solcher Maßnahmen auf individueller Ebene.

2 Fragestellung: Hier wird das Ziel definiert, unter welchen Bedingungen "weiche" Maßnahmen des Mobilitätsmanagements eine stabile Verhaltensänderung der Mitarbeiter bewirken können.

3 Stand der Forschung: Es erfolgt eine Aufarbeitung der verkehrswissenschaftlichen, psychologischen und soziologischen Grundlagen sowie eine Darstellung bisheriger Forschungsprojekte wie "MAX".

4 Theoretisches Modell: Vorstellung des "Stage Model of self-regulated behavioral change" sowie die Integration weiterer Modelle (MdFSE) zur Beschreibung der Wirkmechanismen.

5 Hypothesen und Forschungsfragen: Definition der für die Untersuchung leitenden Hypothesen und präzisen Forschungsfragen bezüglich der Wahrnehmung und Wirkung von Interventionsmaßnahmen.

6 Forschungsdesign: Detaillierte Planung des quasi-experimentellen Forschungsdesigns, bestehend aus quantitativen Mitarbeiterbefragungen und qualitativen Experteninterviews.

Schlüsselwörter

Mobilitätsmanagement, Verhaltensänderung, Modal Split, Umweltpsychologie, Theorie des geplanten Verhaltens, Stage Model of Self-Regulated Behavioral Change, betriebliche Mobilität, Mitarbeiterbefragung, Interventionskampagnen, Kausalität, Mobilitätskultur, Kommunikation, Motivation, Verkehrsverhalten, Verkehrsforschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Wirksamkeit von betrieblichen Mobilitätsmanagement-Kampagnen und untersucht, ob diese tatsächlich zu messbaren und dauerhaften Änderungen des Verkehrsverhaltens der Mitarbeiter führen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Schnittstellen zwischen Verkehrsplanung, Umweltpsychologie, soziologischer Handlungstheorie und betrieblichem Personalmanagement.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der wissenschaftliche Nachweis von Kausalzusammenhängen zwischen "weichen" Interventionsmaßnahmen und dem tatsächlichen Modal Split auf individueller Ebene.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein quasi-experimentelles Forschungsdesign angewandt, das quantitative Mitarbeiterbefragungen mit qualitativen Leitfadeninterviews verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Modellbildung, der Hypothesenentwicklung sowie der methodischen Operationalisierung der betrieblichen und persönlichen Merkmale für die empirische Analyse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Mobilitätsmanagement, Verhaltensänderung, Modal Split, Umweltpsychologie, Involvierung und der Modellansatz von Bamberg (SSBC).

Warum ist die Unterscheidung zwischen "harten" und "weichen" Maßnahmen relevant?

Die Arbeit stellt heraus, dass rein kommunikative "weiche" Maßnahmen bei zufriedenen Autofahrern oft wirkungslos bleiben, sofern keine infrastrukturellen Änderungen oder Anreizsysteme den Routinebruch erzwingen.

Welche Rolle spielen "Vorbilder" im betrieblichen Kontext?

Vorbilder, wie beispielsweise Führungskräfte, die selbst nachhaltige Verkehrsmittel nutzen, dienen als soziale Normgeber, die eine positive Einstellung gegenüber dem Mobilitätsmanagement innerhalb der Belegschaft fördern können.

Was ist die Bedeutung des "Stage Model of Self-Regulated Behavioral Change" für diese Forschung?

Es dient als theoretisches Fundament, um Verhaltensänderungen nicht als binäres Ereignis, sondern als prozessualen Ablauf durch vier qualitative Stufen zu verstehen, was eine zielgenauere Interventionsplanung erlaubt.

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Details

Title
Hilft Mobilitätsmanagement wirklich? Auswirkungen betrieblicher Maßnahmen auf die Verkehrsmittelwahl der Mitarbeiter
College
University of Frankfurt (Main)  (Institut für Humangeographie)
Course
AG Mobilitätsforschung
Author
Robert Rädel (Author)
Publication Year
2012
Pages
24
Catalog Number
V282326
ISBN (eBook)
9783656820734
ISBN (Book)
9783656820765
Language
German
Tags
hilft mobilitätsmanagement auswirkungen maßnahmen verkehrsmittelwahl mitarbeiter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Robert Rädel (Author), 2012, Hilft Mobilitätsmanagement wirklich? Auswirkungen betrieblicher Maßnahmen auf die Verkehrsmittelwahl der Mitarbeiter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282326
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