Realisierung und Betrieb von Sportstätten durch Public-Private-Partnerships


Hausarbeit, 2014
27 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Sportstätten und Sportgelegenheiten
2.1 Die Akteure im Sportstätten-Management

3. Sportstättenbezogene Probleme für die Vereine

4. Die Sportstättensituation in Deutschland

5. Public-Private-Partnerships
5.1 Die PPP-Modelle
5.1.1 Das Betreibermodell
5.1.2 Das Konzessionsmodell
5.1.3 Das Erwerbermodell
5.1.4 Das Leasingsmodell
5.1.5 Das Vermietungsmodell
5.1.6 Das Contractingmodell
5.1.7 Das Gesellschaftsmodell

6. PPP in Deutschland
6.1 PPP im Sportbereich

7. Kritik

8. Fazit

9. Abkürzungsverzeichnis

10. Tabellen- u. Abbildungsverzeichnis

11. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Trotz des demographischen Wandels hat die Bedeutung des Sports in Deutschland nicht abgenommen. Vor allem in den Bereichen Fitness und Gesundheitsvorsorge steigen die Zahlen der Aktiven, zwar langsamer als vor einigen Jahren, aber weiterhin kontinuierlich. Dabei ist der Großteil an sportlichen Aktivitäten an die Existenz von Sportstätten geknüpft.

Lange Zeit wurde die Versorgung der Bevölkerung mit Sportstätten fast ausschließlich von den Kommunen und den ortsansässigen Vereinen organisiert. Durch die steigende Finanznot der öffentlichen Hand und die begrenzten Mittel der Vereine wird es immer schwieriger, die Bedürfnisse der Bevölkerung mit genügend Sportanlagen, sowohl für den Zuschauersport als auch für den aktiven Sport, zu erfüllen. Dabei geht es nicht nur um den Bau neuer Sportstätten, sondern insbesondere um die Instandhaltung der bestehenden Anlagen. So machen die Baukosten oft nur einen sehr geringen Teil der Gesamtkosten aus und diverse Projekte scheitern letztendlich an den sich anschließenden Betriebskosten.

Zwar wurde mit der Realisierung des „Goldenen Plans“, sowie des „Goldenen Plans Ost“ der Sportanlagenbestand deutlich erhöht, allerdings rückte jeweils im Anschluss an die Förderprogramme der Sportstättenbau in Deutschland wieder in den Hintergrund. Dadurch und durch die nun gestiegenen Betriebs- u. Sanierungskosten entstand in den Folgejahren ein erheblicher Sanierungsstau, welcher nach wie vor besteht. Zudem sind viele Anlagen nicht mehr bedarfsgerecht und möglichen Investoren fehlen größtenteils die Refinanzierungsmöglichkeiten, da Sportstätten meist auch nur für den Bereich „Sport“ nutzbar sind.

Der Trend geht daher nun schon seit einigen Jahren immer mehr in Richtung Multifunktionalität der Sportanlagen und es entstehen vermehrt alternative Finanzierungsmodelle und Betreiberstrukturen, in denen bisher rein öffentlich wahrgenommene Aufgaben durch sogenannte Public-Private-Partnerships privatisiert und realisiert werden.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der öffentlichen Hand, durch Public-Private-Partnerships den Problemen bei der Finanzierung von Sportstätten zu begegnen. Dabei wird zunächst auf die aktuellen Probleme und die derzeitige Situation in der deutschen Sportstättenlandschaft Bezug genommen, um anschließend die einzelnen Vertragsmodelle der Public-Private-Partnerships vorzustellen und eine Übersicht und Kategorisierung der bisher realisierten Projekte vorzunehmen.

2. Begriffsbestimmungen

2.1 Sportstätten und Sportgelegenheiten

Der Begriff „Sportstätte“ umfasst die Bezeichnungen „Sportanlagen“, sowie „Sportgelegenheiten“. Unterschieden werden diese in „ungedeckte“ (outdoor) bzw. „gedeckte“ (indoor) Sportanlagen und Sportgelegenheiten. Zusätzlich werden die Anlagen in „regelgerechte“ und „nicht regelgerechte Sportanlagen“ (vgl. Abb. 1) aufgegliedert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abb. 1 : Auffächerung von Sportstätten nach Bach [1]

Als Sportanlagen werden dabei spezielle, für den Sport hergerichtete, Anlagen bezeichnet. Sportgelegenheiten sind hingegen primär für außersportliche Nutzungen errichtet worden, können aber auch zur sportlichen Sekundärnutzung verwendet werden.

2.1 Die Akteure im Sportstätten-Management

Zu den Akteuren im Sportstätten-Management, zählen nach Auffassung von L. Bach unter anderem „Institutionen, Unternehmen und Gruppierungen, die ein unmittelbares Interesse am Sport und den Sportstätten einer Kommune haben“. Die Akteure lassen sich dabei in drei Sektoren unterteilen (s. Abb.2).[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Sportstättenmanagement - Die Akteure (nach Bach, 2011)

Dabei verfügt jede Gruppe von Akteuren über unterschiedliche Legitimationen, Kompetenzen und Interessen, die „sowohl eine Konkurrenzsituation als auch eine Komplementärsituation“ ergeben können (vgl. Bach, 2011, S. 8).

3. Sportstättenbezogene Probleme für die Vereine

Die deutschen Vereine sind nach wie vor stark von der herkömmlichen Form der Trägerschaft und des Betriebs von Sportanlagen, in der die Kommune Träger und Betreiber einer Sportstätte ist, angewiesen.[3] Als Nutzer konkurrieren die Vereine hierbei mit den Schulen, was vor allem in Zeiten von G8 und Ganztagsschulen zu einer deutlichen Reduzierung der zeitlichen Verfügbarkeit führt. Zudem mussten in den letzten Jahren auch immer wieder öffentliche Hallen oder Bäder geschlossen werden, da sie asbestbelastet waren oder nicht mehr unterhalten werden konnten. Als weiteres Problem ist die Eignung der Sportstätten für die jeweils angebotenen Sportarten zu nennen. So benötigen viele Sportarten genormte Spielfelder, vor allem wenn sie am offiziellen Spielbetrieb teilnehmen.[4] All diese Probleme beeinträchtigen die Planungssicherheit der Vereine bezüglich der Erstellung eines Angebots für den Spiel- u. Trainingsbetrieb erheblich.

Als besonderes Problem hinsichtlich der Finanzierung von Sportstätten mit Hilfe von Investoren stellt sich die Einordnung von Sportstätten als sogenannte „Spezialimmobilien“ dar. So sind die Sportstätten oftmals nur für den Verwendungszweck „Sport“ nutzbar und die Refinanzierungsmöglichkeiten somit äußerst begrenzt. Das hat zur Folge, dass Investoren ihr Engagement in Verbindung mit deutlichen Risikoaufschlägen anbieten. Durch Multifunktionskonzepte kann der Verwendungszweck allerdings auch auf andere Bereiche (z.B. Musikveranstaltungen, Messen etc.) ausgeweitet werden und die Möglichkeiten der Refinanzierung und Attraktivität für Investoren gesteigert werden.[5]

4. Die Sportstättensituation in Deutschland

In Deutschland bilden die knapp 91.000 Vereine mit ihren ca. 27 Millionen Mitgliedern in ihrer Gesamtheit den größten Sportanbieter.[6]

Insgesamt stehen der deutschen Bevölkerung 136.754 Sportstätten und 367.000 km Sportgelegenheiten in Wegeform zur Verfügung, wozu 35.438 Sporthallen, 78 Großsporthallen, 15.000 Schießsportanlagen, 13.040 Tennisanlagen und 7.499 Bäder zählen. Mit inbegriffen sind dabei 66.462 ungedeckte Anlagen.[7]

41.700 Vereine (45,8%) sind im Besitz einer eigenen Sportanlage, wobei 56.800 (62,4%) aller Vereine auch auf kommunale Sportanlagen zurückgreifen müssen. Davon muss mehr als die Hälfte aller Vereine für die Nutzung dieser Anlagen eine Gebühr entrichten.[8]

Nach einer vom Deutschen Sportbund durchgeführten Analyse aus dem Jahr 2005 wurden „ca. 52.100 Anlagen als sanierungsbedürftig“ eingestuft, wobei der gesamte kommunale Investitionsbedarf auf ca. 28,5 Mrd. Euro geschätzt wird. Der Großteil des Sanierungsbedarfes entfällt dabei auf die Hallenbäder und Sporthallen (vgl. Tab. 1).

Tab. 1: Verteilung der erforderlichen Sanierungsmittel auf Sportanlagentypen[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Nach Einschätzungen des Deutschen Sportbundes kommen allerdings noch ca. 16.000 vereinseigene Anlagen und 1.900 zusätzliche Anlagen der öffentlichen Hand hinzu, die nicht den obengenannten Typenkategorien zuzuordnen sind, aber dennoch Sanierungen bedürfen.

Somit erhöht sich der Gesamtinvestitionsbedarf auf ca. 42 Mrd. Euro (Stand 2005).[10]

Das Gesamtvolumen für Sportstättenbau, welches bereits die Kosten für Modernisierung, Pflege und Betrieb beinhaltet, lag 2008 laut BMWI bei 22,6 Mrd. Euro. Der größte Anteil fällt dabei mit 9,7 Mrd. Euro auf den Betrieb und die Instandhaltung. Lediglich 7 Mrd. Euro werden für Bauinvestitionen genutzt (vgl. Abb. 3).[11]

5.Public-Private-Partnerships

Als Public-Private-Partnerships (PPP) oder Öffentlich-Private-Partnerschaft (ÖPP) wird eine relativ neue Form der Organisierung und Finanzierung bezeichnet, bei der die Akteure der öffentlichen Hand mit denen der Privatwirtschaft langfristige Kooperationen zur Erreichung eines gemeinsamen Zieles eingehen.

Dabei wird der gesamte Lebenszyklus der betreffenden Immobilie bzw. Sportstätte (vgl. Abb. 4) berücksichtigt um „Ergebnisse in einem ganzheitlichen Ansatz zu optimieren“. Die Akteure werden dabei von unterschiedlichen Motiven angetrieben. Während die öffentliche Hand durch „die Mobilisierung privaten Kapitals und Know-Hows eine Entlastung von den Investitionskosten und die Realisierung von Qualitäts- und Kostenvorteilen in der Leistungserbringung“ anstrebt, geht es den privatwirtschaftlichen Partnern primär um die Maximierung des Gewinns.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Lebenszyklusansatz von Immobilien[13]

[...]


[1] Bach, L. (2004). Sportstätten-Management – eine neue alte Aufgabe für den Sport. In Landessportbund Hessen (Hrsg.): Sportstätten-Management. Neue Wege für vereinseigene und kommunale Sportstätten. Zukunftsorientierte Sportstättenentwicklung, Band 6, Frankfurt/M. S. 9

[2] Lüder Bach, „Sportstätten-Management - eine Gemeinschaftsaufgabe im Sport“, 19. März 2011, http://www.stgb-brandenburg.de/fileadmin/user_upload/stgb-brandenburg.de/dokumente/themengebiete/bildung/LSK_Prof._Bach2_.pdf. S. 8

[3] Ebd. S. 7

[4] Christian Siegel, „DOSB I Situation und Zukunft der Sportvereine“ (DOSB), zugegriffen 4. September 2014, http://www.dosb.de/fileadmin/fm-dosb/arbeitsfelder/wiss-ges/Dateien/SEB_Welle_4/DOSB_Sportentwicklung_Siegel_14-7-2014.pdf.

[5] Christoph, Hovemann, Gregor Breuer, Finanzierung von Sportstätten Perspektiven der Sportvereine und Kommunen (Köln: Inst. für Sportökonomie, 2006).

[6] „Der Deutsche Olympische Sportbund : 2011 / 2012“, zugegriffen 3. September 2014, http://www.dosb.de/de/sportentwicklung/strategieentwicklunggrundsatzfragen/sportentwicklungsbericht/2011-2012/.

[7] „Sportstätten in Deutschland – Analysen des Sportentwicklungsberichts“, zugegriffen 4. September 2014, http://www.dosb.de/fileadmin/fm-dosb/arbeitsfelder/Breitensport/demographischer_wandel/Sport_der_AElteren/Fachforum_2013/Klages-Fachforum-Sportstaetten.pdf.

[8] „Sportentwicklungsbericht 2013/2014 Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland“, zugegriffen 3. September 2014, http://www.dosb.de/fileadmin/fm-dosb/arbeitsfelder/wiss-ges/Dateien/2014/Siegel-Bundesbericht_SEB13_final.pdf.

[9] „ÖPP und Sportstätten“, Bd. 4, ÖPP-Schriftenreihe (ÖPP Deutschland AG, 2011), http://opus.kobv.de/zlb/volltexte/2012/15552/pdf/Bd_4_SportstaItten.pdf.

[10] Ebd.

[11] „Grundlegende Forschungsprojekte zur Erstellung des Sportsatellitenkontos“, zugegriffen 4. September 2014, http://www.bmwi.de/DE/Themen/Wirtschaft/branchenfokus,did=476830.html.

[12] Simon-Finn Stolze und Konstantin Kortmann, „Wirtschaftlichkeitsvergleich bei PPP-Projekten: Die Risikobewertung ist der Schlüssel“, Baumarkt+ Bauwirtschaft, Gütersloh 4, Nr. 2005 (2005): 36–38.

[13] BMVBS: Erfahrungsbericht PPP und Öffentlich-Private-Partnerschaften, Fach-Forum öffentlicher Hochbau 2005, Berlin }

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Realisierung und Betrieb von Sportstätten durch Public-Private-Partnerships
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)  (RheinAhrCampus Remagen)
Veranstaltung
Sportstätten und Sporträume
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V282431
ISBN (eBook)
9783656818441
ISBN (Buch)
9783656818458
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Public-Private-Partnerships, Sportstätte, Vereine
Arbeit zitieren
Richard von Schwartzenberg (Autor), 2014, Realisierung und Betrieb von Sportstätten durch Public-Private-Partnerships, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282431

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