Frühneuhochdeutsche Fachlexikographie. Eine Betrachtung ausgewählter Fachwörterbücher aus dem 16. Jahrhundert


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
42 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1. Fachliteratur
2.2. Artes
2.3. Fachwörterbücher

3. Betrachtung ausgewählter Fachwörterbücher des 16. Jahrhunderts
3.1. Lorenz Fries: Synonima vnd gerecht vßlegung der wörter
3.2. Conrad Gessner: Catalogus plantarum Latine, Graece, Germanice, & Gallice
3.3. Conrad Gessner: Teütsche nammen der Fischen vnd Wasserthieren
3.4. Paul Eber und Caspar Peucer: Appellationes Quadrupedum, Insectorum, Volucrum, Piscium, Frugum, Leguminum, Olerum & Fructuum communium

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur

6. Anlagenverzeichnis

1. Einleitung

„Jedes Fach hat heute seine Nachschlagewerke“ ‒ sowohl klassische Studienfächer wie beispielsweise Medizin, aber auch jüngere geistes- und naturwissenschaftliche Disziplinen.[1] Die Vielfalt der Wörterbücher ist dabei zurückzuführen auf die zahlreichen Wissensgebiete und die daraus entstandenen Fachterminologien, die sich seit der Antike entwickelten und zunehmend schriftlich dokumentiert wurden.[2] Da bereits im Hochmittelalter Schulen, Universitäten, aber auch Berufsgruppen wie Ärzte und Kaufleute einen Bedarf an „auf sie zugeschnittene[n] Lehrbücher[n]“ entwickelten,[3] setzte mit der Erfindung des Buchdrucks in der Mitte des 15. Jahrhunderts schließlich eine „Massenproduktion von Papierhandschriften“ ein,[4] die auch die Entstehung zahlreicher fachlexikographischer Werke zur Folge hatte. Die zu dieser Zeit veröffentlichten frühneuhochdeutschen Fachwörterbücher stellen dabei einen interessanten Untersuchungsgegenstand dar, da sie sehr unterschiedlich konzipiert sind und außerdem zahlreiche Besonderheiten aufweisen.

Aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Hausarbeit war es notwendig, sich bei der Auswahl der zu behandelnden Werke auf eine überschaubare Anzahl zu beschränken. Für die Entscheidung ausschlaggebend war zum einen die digitale Verfügbarkeit der Werke, die eine Untersuchung erst ermöglichte und zum anderen sollten die Fachwörterbücher eine repräsentative Auswahl der damaligen Fachwörterbücher darstellen. Die Wahl fiel daher auf Lorenz Fries’ Synonima vnd gerecht vßlegung der wörter, Conrad Gessners Catalogus plantarum Latine, Graece, Germanice, & Gallice und seine Teütsche[n] nammen der Fischen vnd Wasserthieren sowie die Appellationes Quadrupedum, Insectorum, Volucrum, Piscium, Frugum, Leguminum, Olerum & Fructuum communium von Paul Eber und Caspar Peucer, die allesamt die für das 16. Jahrhundert vorwiegende naturkundliche bzw. medizinisch-pharmazeutische Ausrichtung aufweisen.[5]

In einem ersten Schritt werden grundlegende Begrifflichkeiten definiert, woraufhin in einem zweiten die genauere Betrachtung der ausgewählten Fachwörterbücher erfolgt. Dabei ist unter anderem von Interesse, wie diese Werke aufgebaut sind, sprich wie sich Makro- und Mikrostruktur gestalten, aber auch die inhaltliche Ausrichtung, die Verfasserabsicht sowie der Adressatenbezug und die Rolle der deutschen Sprache werden untersucht.

2. Begriffsklärung

2.1. Fachliteratur

Nach Eis ist im Fall einer weit gefassten Definition unter dem Begriff „Fachliteratur“ die Gesamtheit „nichtdichterische[n] Schrifttum[s] geistlichen und weltlichen Inhalts zu verstehen.“[6] In diesem Zusammenhang wird zudem häufig der Terminus „Sachliteratur“ gebraucht, welcher Texte beschreibt, die sich mit spezifischen Sachgebieten oder aber einzelnen Gegenständen aus diesen befassen.[7] Auch hier wird auf die Abgrenzung zur Belletristik verwiesen, jedoch ebenfalls auf den Umstand, dass sich die Sach- von der Fachliteratur dadurch unterscheidet, dass „die wissenschaftliche Darstellung [bei der Fachliteratur] im Vordergrund steht“, wohingegen die Sachliteratur „dem Leser den Gegenstand allg. verständlich […] vermitteln“ soll.[8] Darüber hinaus werden die Begriffe „Fachprosa“, „Fachliteratur“, „Artesliteratur“ und „Wissensliteratur“ weitgehend synonym mit dem Terminus „Sachliteratur“ gebraucht, wenn es um mittelalterliche Literatur und Texte zu unterschiedlichen Wissensgebieten geht.[9]

Dies ist nicht zuletzt auf die Geschichte der Fachliteratur zurückzuführen. Deutschsprachige Überlieferungen im deutschen Sprachraum sind für den Zeitraum vom 8. bis zum 14. Jahrhundert neben dem medizinischen Bereich vor allem aus dem Umfeld von Schulen, die mit lateinsprachigen Glossaren und Vokabularen zu den einzelnen Fachgebieten der Artes arbeiteten, überliefert.[10] Diese Fachgebiete entwickelten sich „seit der Antike […] [aus] den einzelnen […] Fächern menschlichen Wissens“ und ließen „ganz unterschiedliche Fachterminologien“ entstehen,[11] die sich auch in verschiedenen mittelalterlichen Werken niederschlugen.[12] Aufgrund ihrer historischen Bedeutung für die Entwicklung der Fachliteratur erfolgt im nächsten Abschnitt eine nähere Betrachtung der Artesreihen, „welche vor allem seit dem 12. Jh. bis zu den Humanisten des 16. Jhs. Grundelemente der Wissenschaftssystematik“ darstellten.[13]

2.2. Artes

Der Begriff Artes [lat. = Fähigkeiten, Kunstfertigkeiten] beschreibt ein aus der lateinischen Antike stammendes Konzept zu Wissensgebieten und Fertigkeiten,[14] von denen die „Septem artes liberales, ursprünglich die eines freien Mannes würdigen Künste, […] die Schulwissenschaften des Mittelalters“ darstellten und somit von herausragender Bedeutung waren,[15] da sie „das kontinuierliche Zentrum der mal. Ausbildung“ bildeten.[16] Zu ihnen zählten zum einen das Trivium der Redekunst, sprich Grammatik, Rhetorik und Dialektik, zum anderen umfassten sie das Quadrivium der Rechenkunst: Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik.[17] Dieser ersten Artesreihe war die zweite, die der Artes mechanicae, zunächst nachgeordnet, was sich jedoch im Laufe der Zeit änderte, da gerade Fächer wie Medizin zu den wichtigsten Einrichtungen im universitären Bildungswesen wurden und somit zu einer Aufwertung und einem höheren Ansehen dieser sogenannten „Eigenkünste“ beitrugen.[18] Zu ihnen zählten nach Eis Handwerk, Kriegswesen, Seefahrt mit Erdkunde und Handel, Landbau und Haushalt, Wald und Tiere, Heilkunde sowie Hofkünste, wobei er darauf verweist, dass in „der mittelalterlichen Wissenschaftslehre […] mancherlei Unterschiede in der Benennung und Reihenfolge“ existieren.[19] Die Artes magicae bildeten die dritte und letzte Artesreihe, welche Magie, Mantik sowie Gaunertum und Betrug beinhaltete und aus diesem Grund verboten war.[20]

2.3. Fachwörterbücher

Auf den Umstand, dass es nicht ganz unproblematisch ist, den Begriff „Wörterbuch“ und die dazugehörigen Subtypen umfassend und genau zu bestimmen, verweist Schierholz und veranschaulicht dies mit Hilfe einer Aufzählung von Termini wie beispielsweise „Lexikon“, „Enzyklopädie“ und „Allbuch“, deren Unterscheidung eine Herausforderung darstellt.[21]

Dieser Umstand wird ebenfalls bei der Betrachtung von Müllers Wörterbuchtypologie deutlich. Hier wird zunächst eine Primärklassifikation durchgeführt, die nach Untersuchung der ausgewählten Lemmata zwischen einer bereichsunspezifischen Allgemeinlexikographie einerseits und einer bereichsspezifischen Speziallexikographie andererseits unterscheidet.[22] Zur letztgenannten Kategorie zählt er unter anderem die Fachlexikographie.[23] In einem nächsten Schritt erfolgt durch die Betrachtung der makrostrukturellen Konzeption eine Sekundärklassifikation, welche die Lexikographie in alphabetische sowie nicht-alphabetische Werke untergliedert.[24] Desweiteren benennt er folgende Subklassifikationsvariablen: mikrostrukturelle und subordinierte makrostrukturelle Konzeptionen, Benutzungsintentionen und Chronologie.[25]

Eine ähnliche Klassifikation sieht Schaeder vor, der das „Fachwörterbuch als Subspezies der Gattung Sachwörterbuch“ erachtet, das dazu „bestimmt [ist], als Nachschlagewerk zu fachlichen Fragen zu dienen.“[26] Dabei können sowohl Experten als auch Laien adressiert werden.[27] In Bezug auf die Makrostruktur ist neben der alphabetischen Anordnung auch eine Gliederung nach Sachgruppen möglich.[28] Eine weitere Differenzierung des Fachwörterbuchs soll die Unterschiede hinsichtlich der anteilsmäßigen sprach- und sachbezogenen Inhalte verdeutlichen:[29]

Im fachlichen Sprachwörterbuch stehen dem Wörterbuchbenutzer überwiegend sprachliche bzw. kommunikationsbezogene Angaben zu den fachsprachlichen Gegenständen zur Verfügung. […] Im fachlichen Sachwörterbuch (auch: Fachlexikon) kann der Benutzer den Angaben vor allem Informationen zu nicht-sprachlichen Gegenständen, zu den Sachen im Fach, entnehmen. […] Ein fachliches Allbuch bietet dem Wörterbuchbenutzer lexikographische Angaben, die kommunikationsbezogen und auf (fach-) sprachliche Gegenstände bezogen sind, und denen man auch Informationen über die Sachen im Fach entnehmen kann.[30]

Desweiteren lässt sich zwischen semasiologisch und onomasiologisch ausgerichteten Wörterbüchern unterscheiden.

Onomasiologie […] ist die Lehre von den Benennungen, also Bezeichnungslehre im Gegensatz zu Semasiologie […], der Lehre von den Bedeutungen. Während die Onomasiologie von der Sache bzw. von dem Begriff ausgeht und nach den dazugehörigen Bezeichnungen fragt, hat die Semasiologie ihren Ausgangspunkt bei den Bezeichnungen und fragt nach deren Bedeutung(en).[31]

Dabei ist der Großteil der Wörterbücher

semasiologisch angelegt, d.h. zu den alphabetisch angeordneten Lexemen werden die Bedeutungen verzeichnet. In den onomasiologischen Wörterbüchern wird von den Begriffen aus, die nach sachlichen Gesichtspunkten angeordnet sein können, nach den Bezeichnungen mit ihren besonderen Relationen gefragt.[32]

Nach der Betrachtung dieser begrifflichen Grundlagen erfolgt nun eine umfassendere Untersuchung der ausgewählten Fachwörterbücher.

3. Betrachtung ausgewählter Fachwörterbücher des 16. Jahrhunderts

3.1. Lorenz Fries: Synonima vnd gerecht vßlegung der wörter

Zum Autor, der vermutlich[33] zwischen 1485 und 1532 gelebt hat, gibt es keine genaueren biographischen Daten, jedoch ist bekannt, dass er Medizin studiert und unter anderem in Colmar, Trier, Freiburg und Metz als Arzt praktiziert hat.[34] Neben der Synonima, die erstmals im Jahr 1519 bei Johann Grüninger in Strassburg gedruckt und publiziert wurde, veröffentlichte er mit dem Spiegel der Arztny und Der Wildbeder natuer wirckung vnd eigenschafft noch zwei weitere Schriften medizinischer Ausrichtung.[35] Eine zweite Ausgabe wurde im Jahr 1535 von Grüningers Sohn Bartholomäus gedruckt.[36]

Bereits durch das aufwendig gestaltete Titelblatt (vgl. Anlage 1) und die Vorrede (vgl. Anlage 2) wird ersichtlich, welchen Zweck sein Werk erfüllen soll und aus welchem Fachbereich das anzutreffende Vokabular stammt.[37] Fries gibt an dieser Stelle an, dem Leser Fachausdrücke für Pflanzen, Gesteine „und anderen dingen“ (vgl. Anlage 1) in fünf verschiedenen Sprachen zur Verfügung zu stellen. Er begründet seine Bemühungen damit, dass bis dahin herrschende Unklarheiten und Missbräuche ausgeräumt werden sollen, um Ärzten eine mühelose Verständigung in verschiedenen Sprachen sowie eine „sachgemäße Verwendung von Arzneimittelstoffen [zu] ermöglichen.“[38] Lorenz’ Absichten gehen demzufolge konform mit dem allgemeinen „Bestreben der Entwirrung der durch Synonymenhäufung und Verballhornung entstellten Fachterminologie“, die bereits im 15. Jahrhundert einsetzte.[39] Da der Verfasser die richtigen Bezeichnungen der Gegenstände aus dem medizinischen Bereich in den Vordergrund stellt, liegt in diesem Fall ein onomasiologisches Fachwörterbuch vor.

In Bezug auf die Makrostruktur lässt sich feststellen, dass es sich um ein Wörterbuch handelt, das alphabetisch sortiert ist und fünf Sprachen umfasst, nämlich Latein, Griechisch, Hebräisch, Arabisch und Deutsch.[40] Dass die 271 Wortartikel jedoch nicht strikt, sondern erstbuchstabenalphabetisch angeordnet sind,[41] lässt sich bereits an den ersten Einträgen zu den Lemmata „Aurum“ und „Argentum“ erkennen (vgl. Anlage 3). Die den einzelnen Einträgen zugewiesenen Paragraphennummern beziehen sich auf die jeweilige Position eines Lemmas in seinem Alphabetabschnitt und finden sich im Register des Nachspanns wieder, an dem der Benutzer sich orientieren kann.[42] Desweiteren ist zum allgemeinen Aufbau zu sagen, dass jede

Seite eine Kopfzeile [besitzt]; diese besteht bei den Verso-Seiten aus der Überschrift Synonima der kreuter bzw. krüter und bei den Recto-Seiten aus der Angabe Und anderer ding, worunter gemäß dem Titelblatt des Vokabulars Wurzeln, Blumen, Samen, Gesteine, Säfte, etc. verstanden werden können.[43]

Zudem lässt sich den Kopfspalten der Anfangsbuchstabe der aufgeführten Lemmata entnehmen, wobei dies nicht durchgängig der Fall ist.[44] Darüber hinaus enthält das Werk eine Abbildung, welche den Begriff „Argentum“ (vgl. Anlage 3) illustriert.[45] In der Ausgabe von 1535 ist hingegen eine Abbildung zum Lemma „Gold“ bzw. „Aurum“ zu finden, über der Benutzungshinweise für den Leser eingefügt sind, denen zu entnehmen ist, wie die Artikel gestaltet sind und in welcher Reihenfolge die Sprachen angeordnet sind (vgl. Anlage 4).

Nach eingehender Betrachtung der Mikrostruktur wird ein dreistufiger Artikelaufbau ersichtlich:[46] Die Überschrift besteht aus einem lateinischen Lemma und seinem (meist) deutschen Interpretament, gefolgt von Sprachnennungen und gelegentlichen Erläuterungen zu den „Synonima in Textform, ehe dann in einem dritten Block die einzelnen (aber nicht immer alle) Bezeichnungen zeilenweise (und damit übersichtlicher) aufgelistet sind.“[47] Eine Art Musterbeispiel dieses Aufbaus stellt der Eintrag zu „Argentum“ (vgl. Anlage 3) dar, da hier alle fünf Sprachen vertreten sind. Außerdem lässt sich an diesem Beispiel erkennen, dass auch mehrere Synonyme aus einer Sprache vertreten sein können. Es existieren jedoch auch Artikel, bei denen nicht alle Äquivalente des lateinischen Ausdrucks vorzufinden sind.[48] Dies ist beispielsweise bei dem Eintrag zu „Litium“ (vgl. Anlage 5) der Fall: Hier finden sich lediglich die lateinischen, griechischen und arabischen Entsprechungen; der hebräische Ausdruck fehlt ebenso wie der deutsche.

Der deutschen Sprache kommt in Fries’ Synonima eine besondere Bedeutung zu, was bereits daran ersichtlich ist, dass die deutschen Synonyme in den meisten Artikelüberschriften zu finden und somit dem Lateinischen gleich- sowie den anderen Sprachen vorangestellt sind.[49] Auch für das Vorwort, die Benutzungshinweise, die Kopfzeilen, die Angaben zu den Paragraphen sowie für das Impressum hat Fries die deutsche Sprache gewählt.[50] Darüber hinaus sind sämtliche Erläuterungen auf Deutsch verfasst.[51] Hierzu ist allerdings zu sagen, dass es sich nicht um ausführliche Sacherläuterungen handelt und die „deutschen Synonyme […] zumeist kommentarlos aufgeführt“ sind.[52] Es handelt sich vorwiegend um knappe Angaben zu den deutschen Synonymen, die entweder auf die gängige Verwendung des Wortes verweisen (vgl. Anlage 3) oder aber darauf aufmerksam machen, dass ein entsprechender deutscher Begriff nicht existiert bzw. fehlerhaft ist (vgl. Anlage 5).[53] Für den für diese Zeit ungewöhnlich hohen Anteil der deutschen Sprache „hatte Fries eine scharfe Kritik seitens seiner Ärzte-Kollegen“ einzustecken.[54] Weiteren Tadel erhielt der Autor von Seiten des Arztes und Universalgelehrten Conrad Gessners, der ihm „Unkenntnis in den Sprachen“ vorwarf und das Werk, da es „mit etlichen Fehlern durchsetzt“ sei, gänzlich ablehnte.[55] Diese Kritik scheint nicht unbegründet zu sein, denn Untersuchungen Kettlers haben ergeben, dass Fries’ Zuordnungen teilweise ungenau sind und stellenweise Verwechslungen der Synonyme vorzuliegen scheinen.[56] Dem Titelblatt der Ausgabe von 1535 nach zu urteilen sind diese Bemängelungen berücksichtigt worden, was zu Korrekturen führte (vgl. Anlage 6).

3.2. Conrad Gessner: Catalogus plantarum Latine, Graece, Germanice, & Gallice

Im Zusammenhang mit der Fachlexikographie [57] des 16. Jahrhunderts kann der Name Conrad Gessner nicht unerwähnt bleiben, da er einer der bedeutendsten Gelehrten und Autoren seiner Zeit war. Der 1515 in Zürich geborene (und 1565 ebenda verstorbene) Polyhistor, Arzt und Naturforscher zeichnete sich durch Errungenschaften auf etlichen Gebieten aus: „einerseits Botanik, Zoologie und Medizin, andererseits Theologie, Philologie, Lexikographie, Sprachgeschichte und Bibliographie.“[58]

Seine scharfe Beobachtungsgabe, sein kritischer Sinn, und sein Bestreben nach wahrheitsgetreuer Beschreibung der Tierwelt […] waren Eigenschaften, die ihn zur wissenschaftlichen Erfassung der Natur prädestinierten.[59]

Zu seinen umfangreichen Veröffentlichungen lässt sich feststellen, dass er „primär kein lexikographisches, sondern vorab ein naturwissenschaftliches Interesse vertritt.“[60] Nichtsdestotrotz finden sich in seinem Repertoire auch einige Werke mit fachlexikographischem Charakter, insbesondere aus den Bereichen Zoologie und Botanik.[61] Eines dieser Werke ist sein 1542 erschienener und von Christoph Froschauer gedruckter Catalogus plantarum.[62]

[...]


[1] Herbert Ernst Wiegand: Was ist eigentlich Fachlexikographie? In: Deutscher Wortschatz. Lexikologische Studien. Hrsg. von: Horst Munske; Peter von Polenz; Oskar Reichmann; Reiner Hildebrandt, Berlin 1988. S. 729-790, hier S. 729.

[2] Vgl. Bernhard Dietrich Haage; Wolfgang Wegner: Deutsche Fachliteratur der Artes in Mittelalter und Früher Neuzeit. Berlin 2007, S. 15.

[3] Ebd., S. 52.

[4] Dieter Wolf: Lexikologie und Lexikographie des Frühneuhochdeutschen. In: Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. Hrsg. von: Werner Besch; Anne Betten; Oskar Reichmann; Stefan Sonderegger. Berlin ²2000, Zweiter Teilband. S. 1554-1584, hier S. 1568.

[5] Peter O. Müller: Deutsche Lexikographie des 16. Jahrhunderts. Konzeptionen und Funktionen frühneuzeitlicher Wörterbücher. Tübingen 2001, S. 500.

[6] Gerhard Eis: Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart 1962, S. 1.

[7] Vgl. Bernhard Schnell: Sachliteratur. In: Metzler Lexikon Literatur. Hrsg. von: Dieter Burdorf; Christoph Fasbender; Burkhard Moenninghoff. Stuttgart und Weimar ³2007. S. 671-672, hier S. 671.

[8] Ebd.

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. ebd., S. 672.

[11] Haage; Wegner (2007), S. 15.

[12] Vgl. ebd., S. 18.

[13] Vgl. ebd., S. 15.

[14] Vgl. Ulrich Miehe: Artes. In: Metzler Lexikon Literatur. Hrsg. von: Dieter Burdorf; Christoph Fasbender; Burkhard Moenninghoff. Stuttgart und Weimar ³2007. S. 46.

[15] Haage; Wegner (2007), S. 16.

[16] Miehe (2007), S. 46.

[17] Vgl. Haage; Wegner (2007), S. 16.

[18] Vgl. Eis (1962), S. 1.

[19] Ebd.

[20] Vgl. ebd. und Miehe (2007), S. 46.

[21] Vgl. Stefan Schierholz: Fachlexikographie und Terminographie. Erlangen 2003. S. 5-28, hier S. 8. Online unter: http://userpages.uni-koblenz.de/~diekmann/zfal/zfalarchiv/zfal39_1.pdf. Letzter Aufruf am 20.02.2014.

[22] Vgl. Müller (2001), S. 33.

[23] Vgl. ebd.

[24] Vgl. ebd.

[25] Vgl. ebd.

[26] Burkhard Schaeder: Zu einer Theorie der Fachlexikographie. In: Fachlexikographie. Fachwissen und seine Repräsentation in Wörterbüchern. Hrsg. von Burkhard Schaeder; Henning Bergenholtz. Tübingen 1994. S. 11-41, hier S. 22.

[27] Vgl. Schierholz (2003), S. 10.

[28] Vgl. ebd.

[29] Vgl. ebd., S. 11.

[30] Ebd.

[31] Ruth Schmidt-Wiegand: Die onomasiologische Sichtweise auf den Wortschatz. In: Lexikologie. Ein internationales Handbuch zur Natur und Struktur von Wörtern und Wortschätzen. Hrsg. von: Alan Cruse; Franz Hundsnurscher; Michael Job; Peter Rolf Lutzeier. Berlin 2005, 1. Halbband. S. 738-752, hier S. 738.

[32] Ebd., S. 746.

[33] Lorenz Fries: Synonima vnd gerecht vßlegung der wörter. Online unter: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fries1519a und http://bildsuche.digitale-sammlungen.de/index.html?c=viewer&l=de&bandnummer=bsb00029376&pimage=00001&v=&nav=. Letzter Aufruf am 20.02.2014.

[34] Vgl. Wilfried Kettler: Untersuchungen zur frühneuhochdeutschen Fachlexikographie in der Schweiz und im Elsass. Strukturen, Typen, Quellen und Wirkungen von Wörterbüchern am Beginn der Neuzeit. Bern und Berlin 2008, S. 383-384.

[35] Vgl. ebd., S. 384.

[36] Vgl. Müller (2001), S. 480.

[37] Vgl. Kettler (2008), S. 388.

[38] Müller (2001), S. 481.

[39] Ebd., S. 467.

[40] Vgl. Kettler (2008), S. 390.

[41] Vgl. Müller (2001), S. 481.

[42] Vgl. ebd.

[43] Kettler (2008), S. 387.

[44] Vgl. ebd.

[45] Vgl. ebd., S. 386.

[46] Vgl. Müller (2001), S. 481.

[47] Ebd.

[48] Vgl. ebd.

[49] Vgl. Kettler (2008), S. 399.

[50] Vgl. ebd.

[51] Vgl. ebd., S. 392-393.

[52] Peter O. Müller: Die Wörterbücher des 16. Jahrhunderts: ihr Fachwortschatz und ihr Quellenwert für die historische Fachsprachenforschung. In: Fachsprachen. Ein internationales Handbuch zur Fachsprachenforschung und Terminologiewissenschaft. Hrsg. von: Lothar Hoffmann; Hartwig Kalverkämper; Herbert Ernst Wiegand. Berlin 1999, 2. Halbband. S. 2392-2401, hier S. 2393.

[53] Vgl. Kettler (2008), S. 394.

[54] Ebd., S. 399.

[55] Ebd., S. 394.

[56] Vgl. ebd., S. 396-398.

[57] Conrad Gessner: Catalogus plantarum Latine, Graece, Germanice, & Gallice . Online unter: http://reader.digitale-sammlungen.de/en/fs1/object/display/bsb10166776_00001.html. Letzter Aufruf am 20.02.2014.

[58] Udo Friedrich: Gessner (Gesner[us]), Conrad. In: Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Literaturwissenschaftliches Verfasserlexikon. Hrsg. von: Wilhelm Kühlmann; Jan-Dirk Müller; Michael Schilling; Johann Anselm Steiger; Friedrich Vollhardt. Berlin 2012, Band 2. S. 571-583, hier S. 571-573.

[59] Hans Fischer: Conrad Gessner. In: Conrad Gessner 1516-1565. Universalgelehrter, Naturforscher, Arzt. Zürich 1967. S. 11-22, hier S. 14.

[60] Kettler (2008), S. 626-627.

[61] Vgl. ebd.

[62] Vgl. Müller (2001), S. 483.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Frühneuhochdeutsche Fachlexikographie. Eine Betrachtung ausgewählter Fachwörterbücher aus dem 16. Jahrhundert
Hochschule
Universität des Saarlandes
Veranstaltung
Wörterbücher aus historischer Perspektive
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
42
Katalognummer
V282498
ISBN (eBook)
9783656818717
ISBN (Buch)
9783656838623
Dateigröße
2995 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr gute Analyse der verschiedenen Wörterbücher; Analyse sehr schön veranschaulicht durch zahlreiche Abbildungen; sehr gut herausgearbeitete Unterschiede und Gemeinsamkeiten der frühneuhochdeutschen Fachwörterbücher; Anhang mit 34 grafischen Anlagen
Schlagworte
Fachlexikographie, Fachwörterbuch, Frühneuhochdeutsche Fachwörterbücher, Gessner, Gesner
Arbeit zitieren
Lisa Kuhn (Autor), 2014, Frühneuhochdeutsche Fachlexikographie. Eine Betrachtung ausgewählter Fachwörterbücher aus dem 16. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282498

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