Kinder, die früh lernen, mit Schwierigkeiten, Krisen und problematischen Lebensumständen umzugehen, haben trotz schwieriger Ausgangsbedingungen die Chance, alle Widrigkeiten zu meistern und sich positiv zu entwickeln. Vor allem diejenigen Kinder, die vielerlei Problemen ausgesetzt sind, wie z.B. Vernachlässigung, Scheidung der Eltern und Gewalterfahrungen, haben Unterstützung besonders nötig, um sich zu belastbaren Persönlichkeiten zu entwickeln, die unter den Widrigkeiten ihrer Kindheit nicht zerbrechen, sondern gestärkt daraus hervorgehen. Eine solche Widerstandsfähigkeit in vorübergehenden oder lang andauernden Krisen wird in der Wissenschaft als Resilienz bezeichnet.
Aus dem Inhalt:
- Entwicklung des Resilienzkonzeptes
- Risiko- und Schutzfaktorenmodell
- Resilienzmodelle
- Kritik am Modell der Resilienz
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definition
1.1. Was meint „Resilienz“?
1.2. Wie sieht die Resilienzforschung den Menschen?
2 Bezugsmodelle
2.1 Salutogenese
2.2. Vulnerabilität
2.3. Selbstwirksamkeit
2.4. Bindungstheorie
3. Entwicklung des Resilienzkonzepts
4. Zentrale Kennzeichen des Resilienzparadigmas
5. Risiko- und Schutzfaktorenmodell
5.1. Risikofaktorenmodell
5.2. Schutzfaktorenmodell
6. Risiko- und Schutzmechanismen
6.1. Risikomechanismen
6.2. Schutzmechanismen
7. Resilienzmodelle
7.1. Modell der Kompensation
7.2. Modell der Herausforderung
7.3. Modell der Interaktion
7.4. Modell der Kumulation
8. Kritik am Konzept der Resilienz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das wissenschaftliche Konzept der Resilienz, definiert dessen Kernbegriffe und stellt verschiedene Erklärungsmodelle vor, um ein tieferes Verständnis für die psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern in belastenden Lebenssituationen zu ermöglichen.
- Begriffsdefinition und psychologische Grundlagen der Resilienz
- Analyse zentraler Bezugsmodelle wie Salutogenese und Bindungstheorie
- Untersuchung von Risiko- und Schutzfaktoren in der kindlichen Entwicklung
- Vorstellung verschiedener Resilienzmodelle (Kompensation, Herausforderung, Interaktion, Kumulation)
- Kritische Reflexion des aktuellen Forschungsstandes
Auszug aus dem Buch
1.1. Was meint „Resilienz“?
Der Begriff „Resilienz“ leitet sich von dem englischen Wort „resilience“ ab, was mit Spannkraft, Widerstandsfähigkeit und Elastizität übersetzt werden kann. Ursprünglich wurde der aus dem Lateinischen stammende Begriff (lat. resilire) für Materialien verwendet, die die physikalische Eigenschaft besitzen, nach Druckerfahrung zurückzuspringen und ihre eigentliche Form wieder zu erlangen (z.B. Gummi). In der Psychologie wird der Begriff in übertragener Form auf die Psyche des Menschen angewendet, er bezeichnet „die Fähigkeit, nach Beeinträchtigungen – psychischer oder physischer Art – rasch zu Stärke, Ausgeglichenheit und positiver Gestimmtheit zurückzufinden und / oder diese zu bewahren“, so die Erklärung des Resilienzbegriffs der Pädagogin Yolanda Bertolaso.
Wichtig ist, dass der Resilienzbegriff nur in Zusammenhang mit belastenden Situationen wie z.B. Misserfolgen, Unglücken, Notsituationen, traumatischen Erfahrungen, Risikosituationen, u.ä. seine Berechtigung hat. Menschen, die niemals mit Schwierigkeiten dieser Art in ihrem Leben konfrontiert waren, kann man daher nicht als resilient bezeichnen, denn Resilienz meint „die Fähigkeit(en) von Individuen oder Systemen (z.B. Familie), erfolgreich mit belastenden Situationen (…) umzugehen“, so der bekannte Frühpädagoge Wassilios E. Fthenakis in seinem Vortrag über Resilienz. Die Pädagogin und Resilienzexpertin Corina Wustmann definiert Resilienz in Bezug auf die Arbeit mir Kindern als psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken. Der Begriff Resilienz, sowohl im psychologischen als auch im pädagogischen Kontext, meint also psychische Gesundheit trotz hoher Risikobelastungen, aber auch „die relativ eigenständige Erholung von einem Störungszustand“. Resiliente Menschen zeichnet also vor allem ihre Bewältigungskompetenz aus, die es ihnen ermöglicht, mit Belastungen im Leben positiv umzugehen und nicht daran zu zerbrechen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Wandel in der Betrachtung schwieriger Kindheitserfahrungen und führt in die Resilienzforschung als Ansatz zur Stärkung kindlicher Widerstandsfähigkeit ein.
1. Definition: Dieses Kapitel definiert den Resilienzbegriff, grenzt ihn von verwandten Konzepten ab und beschreibt das resilienzorientierte Menschenbild.
2 Bezugsmodelle: Hier werden theoretische Fundamente wie Salutogenese, Vulnerabilität, Selbstwirksamkeit und Bindungstheorie als Erklärungsrahmen für Resilienz dargestellt.
3. Entwicklung des Resilienzkonzepts: Das Kapitel zeichnet den Paradigmenwechsel in den Humanwissenschaften von einer krankheitsorientierten hin zu einer ressourcenorientierten Betrachtungsweise nach.
4. Zentrale Kennzeichen des Resilienzparadigmas: Es werden die grundlegenden Überzeugungen und die pädagogische Philosophie hinter dem Resilienzkonzept erläutert.
5. Risiko- und Schutzfaktorenmodell: Dieses Kapitel expliziert die Unterscheidung und das Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und psychosozialen Faktoren, die die kindliche Entwicklung beeinflussen.
6. Risiko- und Schutzmechanismen: Es wird analysiert, wie Risikofaktoren auf die Entwicklung wirken und wie Schutzmechanismen diese Effekte abmildern können.
7. Resilienzmodelle: Vorstellung systematischer Modelle wie Kompensation, Herausforderung, Interaktion und Kumulation, die Wirkzusammenhänge von Risiko und Schutz verdeutlichen.
8. Kritik am Konzept der Resilienz: Ein kritischer Blick auf die Operationalisierung und die aktuelle Forschungslage des Konzepts in der Praxis.
Schlüsselwörter
Resilienz, Resilienzforschung, Salutogenese, Bindungstheorie, Selbstwirksamkeit, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, Vulnerabilität, Kindesentwicklung, Pädagogik, Bewältigungskompetenz, Entwicklungsrisiken, psychische Gesundheit, Schutzmechanismen, Frühförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem wissenschaftlichen Konzept der Resilienz, das die psychische Widerstandsfähigkeit von Menschen – insbesondere Kindern – gegenüber schwierigen Lebensumständen und Krisen beschreibt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition, die theoretischen Bezugsmodelle, die Analyse von Risiko- und Schutzfaktoren sowie die differenzierte Darstellung verschiedener Erklärungsmodelle für gelungene Bewältigungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein fundiertes Verständnis für Resilienz zu schaffen, um Pädagogen und Fachkräften eine Orientierung für die Präventionsarbeit und die Stärkung von Kindern in belasteten Situationen an die Hand zu geben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung psychologischer und pädagogischer Langzeitstudien sowie Forschungsergebnisse zu Risiko- und Schutzmechanismen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Salutogenese, Bindungstheorie), die Darstellung von Schutz- und Risikofaktoren sowie die detaillierte Vorstellung spezifischer Resilienzmodelle (Kompensation, Interaktion, etc.).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Resilienz, Salutogenese, Bindungstheorie, Bewältigungskompetenz, Risiko- und Schutzfaktoren sowie pädagogische Förderung charakterisiert.
Was unterscheidet das Konzept der Resilienz von der reinen Salutogenese?
Während die Salutogenese laut der Autorin primär auf körperliche Gesundheit abzielt, bezieht sich das Konzept der Resilienz stärker auf die psychische Bewältigung komplexer psychosozialer Belastungen und Krisen.
Warum ist das "Modell der Herausforderung" für die Praxis relevant?
Es ist relevant, da es Stress und Krisen nicht ausschließlich als negativ betrachtet, sondern unter bestimmten Bedingungen als Chance begreift, um persönliche Bewältigungsstrategien zu erlernen und zu stärken.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Sozialarbeiterin / Sozialpädagogin Esther Ruoß (Autor:in), 2007, Was ist Resilienz? Begriffsdefinition, Konzept und Grundlagenmodelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282499