Die Nachfragemacht des Handels gegenüber der Industrie


Hausarbeit, 1994

30 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1. Die Nachfragemacht des Handels
1.1. Der Nachfragerwettbewerb
1.2. Wirtschaftliche Macht
1.2.1. Unterschiedliche Erscheinungsformen wirtschaftlicher Macht
1.2.1.1. Marktmacht
1.2.1.2. Partnermacht
1.2.1.3. Nachfragemacht

2. Die Entstehung der Nachfragemacht des Handels
2.1. Flexibilität des Handels
2.2. Käufermarktsituation zu Gunsten des Handels
2.3. Konzentrationsprozeß im Handel

3. Die Ausübung der Nachfragemacht des Handels beim Beschaffungsverhalten
3.1. Rabatte
3.1.1. Mengenrabatte
3.1.2. Funktionsrabatte
3.1.3. Zeitrabatte
3.1.4. Treuerabatte
3.1.5. Verbraucherrabatte
3.2. Sonderzahlungen
3.2.1. Regalmiete
3.2.2. Werbekostenzuschüsse
3.2.3. Eintrittsgelder für Erstaufträge
3.3. Nebenleistungen
3.3.1. Regalpflege
3.3.2. Preisauszeichnung
3.3.3. Inventurhilfe
3.4. Vertragliche Verpflichtungen
3.4.1. Preisfallklausel
3.4.2. Meistbegünstigungsklausel
3.4.3. Rücknahmeklausel

4. Die Auswirkungen der Nachfragemachtausübung des Handels auf den Wettbewerb
4.1. Die Auswirkungen horizontaler Nachfragemachtausübung
4.2. Die Auswirkungen vertikaler Nachfragemachtausübung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Nachfragemacht des Handels gegenüber der Industrie bei der Beschaffung von Konsumgütern.

Im ersten Kapitel werden Begriffe wie Nachfragerwettbewerb, wirtschaftliche Macht und Nachfragemacht diskutiert und näher erläutert.

Das zweite Kapitel zielt auf eine Erklärung der Nachfragemachtentstehung im Handel ab, wobei verschiedene Ursachen dafür herangezogen werden. Das Hauptaugenmerk ist dabei allerdings gerichtet auf den Konzentrationsprozeß im Handel als wesentlichen Grund für Nachfragemachtentstehung.

Im dritten Kapitel werden diverse Instrumente beschrieben, die beschaffungspolitisch gegenüber den Anbietern eingesetzt werden, und zwar umso mehr, je mächtiger der jeweilige Nachfrager bzw. abhängiger der jeweilige Anbieter ist.

Das vierte Kapitel beschreibt schließlich die Auswirkungen von Nachfragemachtausübung vom Handel gegenüber der Industrie auf horizontaler und vertikaler Wettbewerbsebene.

1. Die Nachfragemacht des Handels

In den letzten Jahren hat sich die zunehmende Nachfragemacht des Handels gegenüber der Industrie immer öfter als Diskussionsgegenstand in den Vordergrund geschoben. Im folgenden sollen zunächst die Begriffe des Nachfragerwettbewerbs sowie der wirtschaftlichen Macht und der daraus abzuleitenden Nachfragemacht näher erläutert werden, um eine begriffliche Grundlage für die weiteren Ausführungen über die Bedeutung von Nachfragemacht des Handels im Beschaffungsbereich zu schaffen.

1.1. Der Nachfragerwettbewerb

Der Begriff des Nachfragerwettbewerbs wird in der Literatur sehr unterschiedlich definiert. Die verschiedenen Varianten einiger Autoren zur Begriffsdefinition lassen sich schwerpunktmäßig unterteilen in Nachfragerwettbewerb als:

- das Streben nach möglichst günstigen Geschäftsverbindungen mit den Anbietern, um z. B. sehr niedrige Einkaufspreise zu erreichen und der Konkurrenz der Nachfrager gegenüber im Vorteil zu sein.1
- leistungssteigernder Nachfragewettbewerb, insbesondere auf Verkäufermärkten, welcher auf eine Ausweitung "der von den Nachfragern zu erbringenden Gegenleistung" abzielt.2
- leistungserhaltender Nachfragewettbewerb bedingt durch die Möglichkeit der Anbieter, auf andere Nachfrager auszuweichen und deren Handlungsspielraum so zu begrenzen3
- "die Dispositionsfreiheit der Nachfrager, die Marktbedingungen selbständig zu gestalten"4 Schließlich existieren noch weitere differenzierte Ansichten über den Nachfragerwettbewerb, wobei manche Autoren seine Existenz völlig bestreiten5, andere wiederum ihn nur als "eine Funktion des Absatzwettbewerbs zwischen Handelsunternehmen"6 definieren. Demgegenüber sieht die Rechtssprechung den Nachfragerwettbewerb als eigenständig und isoliert von jeweiligem Absatzwettbewerb unter den konkurrierenden Nachfragern an, da sich die erzielten Netto- beschaffungspreise nur auf die Ertragssituation des Nachfragers auswirken und keinen Einfluß auf dessen Absatzpreise haben7. Aufgrund der vorangegangenen Erläuterungen wird deutlich, daß es keine allgemein gültige Definition des Nachfragerwettbewerbs gibt. Um dennoch diesen Wettbewerb genauer beschreiben zu können, werden im folgenden die Marktprozesse im Beschaffunsbereich näher erläutert8. Der Nachfragerwettbewerb wird von einigen Autoren als ein dynamischer Prozeß charakterisiert, was auf innovatorische und imitatorische Verhaltensweisen der konkurrierenden Nachfrager zurückgeführt wird9. Innovative Verhaltensweisen zeigen sich auf Beschaffungsmärkten in der Erschließung neuer Bezugsquellen, der vorteilhafteren Ausgestaltung von Verträgen sowie der Schaffung neuer wirtschaftlicher Organisations- und Betriebsformen. Falls ein Nachfrager durch einen dieser Marktvorstöße Erfolg in Form von Kostenvorteilen im Beschaffungsbereich verzeichnen kann, werden bald andere Unternehmen dieses Verhalten nachahmen und treten somit als Imitatoren auf10).

Darüber hinaus verlagern sich ständig verschiedene Funktionen zwischen Industrie und Handel, wie z. B. Sortimentsausweitungen- und einschränkungen seitens der Händler oder das Anbieten neuartiger Dienstleistungen gegenüber anderen Handelsunternehmen oder der Industrie. Auch verzichtet der Handel von Zeit zu Zeit auf verschiedene Funktionen, was sich z. B. in der verstärkten Produzentenhaftung bei Gewährleistungsansprüchen der Kunden zeigt11). Ein in dieser Art und Weise dynamischer Nachfragerwettbewerb sorgt dafür, daß die Anbieter für ihre Produkte leistungsgerecht entlohnt und nicht ausgebeutet werden12).

Eine weitere Folge des funktionierenden Nachfragerwettbewerbs ist z. B. eine Konzentration der Produktion auf die leistungsstärksten Anbieter, bedingt durch die Suche nach den günstigsten Beschaffungsmöglichkeiten durch den Handel, was sich wiederum auf eine bestmögliche Ressourcenverteilung auswirkt13). Schließlich kann man sagen, daß ein funktionsfähiger Nachfragerwettbewerb nicht nur betriebs- und volkswirtschaftlich sinnvoll erscheint, da durch eine große Anzahl von Nachfragern die Handlungsspielräume der Anbieter gewährleistet werden14).

1.2. Wirtschaftliche Macht

Die wirtschaftliche Macht ist eine spezielle Erscheinungsform von verschiedenen Machttypen und läßt sich als solche auch von einer allgemeinen soziologischen Machtdefinition ableiten. Macht wird so z. B. definiert als jede Möglichkeit "innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht."15) Wirtschaftliche Macht kann aufgrund einer Machtdefinition dieser Art als die Fähigkeit eines Marktteilnehmers "auf dem Markt anderen den eigenen Willen bei einem bestimmten Tauschakt aufzuzwingen," verstanden werden. Desweiteren gibt es noch einige differenziertere Begriffsdefinitionen der wirtschaftlichen Macht, von denen ein paar Ansätze im folgenden erläutert werden. Zunächst kann wirtschaftliche Macht in dem Sinne verstanden werden, daß diese auftritt, weil ein funktionsfähiger Wettbewerb nicht vorhanden ist.16) Der Nachteil dieser Sichtweise ist, daß wirtschaftliche Macht in diesem Sinne erst konkret festzustellen ist, wenn der funktionsfähige Wettbewerb begrifflich definiert worden ist.17) Eine weitere Ansicht über das Wesen der wirtschaftlichen Macht wird abgeleitet von dem Begriff der wirtschaftlichen Freiheit, d. h., das wirtschaftliche Macht bedeutet, die Freiheit und die Handlungsspielräume anderer Wettbewerbsteilnehmer zu beschränken.18) Allerdings reicht diese Definition nicht aus, um den Grad der Angemessenheit der Freiheitsbeschränkungen von Wirtschaftssubjekten festzulegen und Grenzen für die mißbräuchliche Ausübung wirtschaftlicher Macht aufzuzeigen.19)

Schließlich vertreten andere Autoren die Auffassung, daß potentielle wirtschaftliche Macht nicht existiere, sondern nur die wirtschaftliche Macht, die ausgeübt würde und damit die Wettbewerbsprozesse bei ihrem Ablauf störe.20) Schließlich gibt es noch eine weitere Meinung über Freiheitsbeschränkungen auf dem Markt, daß diese nicht nur aufgrund von "bestimmte[n] Verhaltensweisen, sondern auch bestimmte[n] marktstrukturelle[n] Konstellationen"21), wie z. B. einer zunehmenden Unternehmenskonzentration,22) entstehen.

Die nun folgende Fragestellung lautet, inwieweit wirtschaftliche Machtausübung zu Wettbewerbsbeschränkungen führen kann. Durch innovatorische Prozesse, wie z. B. die Entwicklung eines völlig neuen Produktes entsteht zwar auch wirtschaftliche Macht zu Gunsten der jeweiligen innovativ tätigen Unternehmen bei der Markteinführung eines solchen Produktes, aber diese Macht ist in der Regel nur so lange als Marktvorsprung gegenüber der Konkurrenz vorteilhaft, bis sich andere Wettbewerbsteilnehmer imitatorisch verhalten. Somit kann eine solche zeitlich begrenzte Machtposition eines Unternehmens nicht zu Wettbewerbsbeschränkungen führen.23) Diese Beschränkungen werden erst dann Realität, wenn sich die temporäre Macht24) in eine permanente Macht25) umwandeln läßt. Es ist somit ein Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Macht und Wettbewerbsbeschränkungen ersichtlich, der darin besteht, daß bei größer werdender wirtschaftlicher Macht die Wahrscheinlichkeit des Auftretens wettbewerblicher Beschränkungen zunimmt.26)

[...]


1 zitiert nach. Borchardt, Knut und Fikentscher, Wolfgang, Wettbewerb, Wettbewerbsbeschränkung,

Marktbeherrschung, Stuttgart 1957, S.15; siehe auch Nester, Paul, Nachfragemacht und Kartellgesetz: Untersuchung am Beispiel der freiwilligen Ketten des Lebensmittelhandels in der BRD, Köln 1965, S. 137

2 vgl. Köhler, Helmut, Wettbewerbsbeschränkungen durch Nachfrager: Eine Untersuchung zu den kartellrechtlichen Grenzen der Kooperation im Einkauf, München 1977, S. 42; ders., Nachfragewettbewerb und Marktbeherrschung, Tübingen 1986, S. 11f.

3 vgl. Köhler, Helmut, Wettbewerbsbeschränkungen durch Nachfrager...,a.a.O., S. 46; ders., Nachfragewettbewerb und Marktbeherrschung, a.a.O., S. 28

4 zitiert nach Sölter, Arno, Nachfragemacht und Wettbewerbsordnung, 2. Aufl., Düsseldorf 1960, S. 57

5 zitiert nach Plaßmann, Norbert, Rechtsbegriffe im Wettbewerbsrecht, in: JZ 23 1968, S. 81 ff., 84; siehe auch Sölter, Arno, Nachfragemacht und Wettbewerbsordnung, a.a.O., S. 39

6 vgl. Kirschner, Ulrich Die Erfassung der Nachfragemacht von Handelsunternehmen, Frankfurt M. 1988, S.

7 zitiert nach HFGE, in WuW/E OLG 2745ff., 2751; Coop-Supermagazin, in: WuW/E BKartA 1970ff., 1980

8 vgl. Kirschner, Ulrich, a.a.O., S. 32-33

9 ebenda; siehe auch Wilde, Olga, Wettbewerbsverzerrungen und Wettbewerbsbeschränkungen durch Nachfragemacht, Freiburg i. Br. 1979, S. 38ff.

10 vgl. Kirschner, Ulrich, a.a.O, S. 33 ff.

11 vgl. Kirschner, Ulrich, a.a.O, S. 33 ff.

12 vgl. Köhler, Helmut, Wettbewerbsbeschränkungen durch Nachfrager, a.a.O., S. 50, 53

13 vgl. Kirschner, Ulrich, a.a.O., S. 37

14 ders., S. 38

15 zitiert nach Weber, Max, Wirtschaft und Gesellschaft, in: Grundriß der Sozialökonomik, bearbeitet von Albrecht u.a., zweite vermehrte Auflage, 1. Halbband, Tübingen 1925, S. 28

16 vgl. Jürgensen, Harald/Moore, Patrick/Oesterreich, Michael, Strukturwandel im Einzelhandel, Göttingen 1980, S. 75

17 vgl. Kirschner, Ulrich, a.a.O., S. 40

18 vgl. Schmidt, Ingo, Wettbewerbspolitik und Kartellrecht: Eine Einführung, Stuttgart 1987, S. 79

19 zitiert nach Herdzina, Klaus, Wettbewerbspolitik, 2. Aufl., Stuttgart 1987, S. 13

20 vgl. Kirschner, Ulrich, a.a.O., S. 41 - 42

21 Zitat nach Cox, Helmut und Hübener, Harald, Wettbewerb. Eine Einführung in die Wettbewerbstheorie, hrsg. v. Helmut Cox u. a., München 1981, S. 7

22 zitiert nach Kantzenbach, Konzentration als Problem der Konkurrenzwirtschaft, in: SdVfs, N. F., Bd. 20/I, S. 173

23 vgl. Kirschner, Ulrich, a.a.O., S. 42 - 43

24 zitiert nach Arndt,Helmut, Macht und Wettbewerb in: Handbuch des Wettbewerbs, hrsg. v. Helmut Cox u. a., München 1981, S. 53ff

25 ebenda

26 vgl. Kirschner, Ulrich, a.a.O., S. 43

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die Nachfragemacht des Handels gegenüber der Industrie
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Bochum gGmbH  (Fachbereich Betriebswirtschaftslehre)
Veranstaltung
BWL - Absatz/Marketing
Note
2,0
Autor
Jahr
1994
Seiten
30
Katalognummer
V2825
ISBN (eBook)
9783638117067
ISBN (Buch)
9783638637923
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachfragemacht, wirtschaftliche Macht, Käufermarktsituation, Rabatte, Marktmacht, Konzentrationsprozess, Wettbewerb, Beschaffungsverhalten
Arbeit zitieren
Sascha Wingen (Autor), 1994, Die Nachfragemacht des Handels gegenüber der Industrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2825

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