Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach dem Autor bzw. der Autorenschaft, die hinter dem Werk "Don Quijote" steht. Wer ist derjenige, der sich nicht an den Namen des Ortes erinnern möchte?
Natürlich weiß man heute, was man auch schon im 17. Jahrhundert wusste, dass der empirische Autor des „besten Buches der Welt“ niemand anderes als Miguel de Cervantes Saavedra ist. Lassen wir allerdings beim Lesen diese außerliterarische Wirklichkeit außer Acht und betrachten nur die Ebene der narrativen Fiktionalität, indem wir uns in die Rolle des implizierten Lesers hineinversetzen, müssen wir uns die Frage stellen, wer denn nun die Geschichte eigentlich erzählt und woher der fiktionale Verfasser all die Informationen und Details über den „Ritter von trauriger Gestalt“ hatte.
Inhaltsverzeichnis
1. Wer ist derjenige, der sich nicht an den Namen des Ortes erinnern möchte?
2. Die Autorenschaft im Don Quijote
2.1 Kommunikationsmodell nach A. Metzler
2.2. Begriff des Autors
2.3. Intertextualität
2.4. Fiktion und Fiktionalität
2.5. Prolog (Teil I)
2.6. Wahrheitsaspekt
2.7. Erzählsituation zwischen dem achten und neunten Kapitel (Teil I)
2.8. Cide Hamete Benengeli
2.9. Selbstthematisierung Cervantes´
2.10. Avellaneda
2.11. Don Quijote als sein eigener Autor
2.12. Letztes Kapitel (Teil II)
3. Borges´ Experiment „Pierre Menard“
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexe Konstruktion der Autorenschaft in Miguel de Cervantes’ „Don Quijote“. Ziel ist es, die verschiedenen narrativen Ebenen, fiktiven Erzählinstanzen und die ironische Selbstthematisierung zu analysieren, um aufzuzeigen, wie Cervantes die Grenzen zwischen Realität und Fiktion bewusst auflöst.
- Analyse des Kommunikationsmodells narrativer Texte nach A. Metzler.
- Untersuchung der fiktionalen Autorenschaft und Intertextualität.
- Bedeutung der Erzählsituation und des Wahrheitsanspruchs im Werk.
- Reflektion über die Rolle von Avellaneda und Don Quijotes Autonomie.
- Betrachtung von Borges’ Experiment „Pierre Menard“ als radikale Destruktion des Autorenkonzepts.
Auszug aus dem Buch
2.8. Cide Hamete Benengeli
Nachdem er so in den Besitz dieser Aufzeichnungen gekommen war, diese aber aufgrund der arabischen Schrift nicht lesen konnte, war er gezwungen einen Dolmetscher hinzuzuziehen, der ihm den arabischen Inhalt ins Spanische übersetzte.
Sogleich wurde er fündig und bekam Hilfe von einem spanisch sprechenden Morisken, dem er sein Fundstück zur Übersetzung gab. Wie es der Zufall so wollte, handelte es sich bei dem gefunden Text um die gesuchten Geschichten über den Don Quijote, verfasst von einem arabischen Geschichtsschreiber namens Cide Hamete Benengeli: „Historia de don Quijote de la Mancha, escrita por Cide Hamete Benengeli, historiador arábigo.“
Diese Tatsache führt uns zu einem weiteren, an der Erzählung beteiligten Autor. Daneben gibt auch der Übersetzer im Folgenden dann und wann seine Kommentare zum Inhalt ab (z.B. „Llegando a escribir el traductor desta historia este quinto capítulo, dice que le tiene por apócrifo, porque en él habla Sancho Panza mit otro estilo…“), was auch ihn zum Teil der Autorenschaft macht. Mit dem neunten Kapitel kommen also drei neue Erzählinstanzen hinzu. Zur Verdeutlichung dieser vorliegenden, durchaus verwirrenden Erzählsituation, möchte ich eine meines Erachtens ziemlich passende Grafik heranziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wer ist derjenige, der sich nicht an den Namen des Ortes erinnern möchte?: Einführung in die Fragestellung der Autorenschaft anhand des berühmten Eröffnungssatzes von Don Quijote.
2. Die Autorenschaft im Don Quijote: Grundlegende Definition der narrativen Ebenen und der Rolle des fiktionalen Autors.
2.1 Kommunikationsmodell nach A. Metzler: Theoretische Herleitung durch das Modell von A. Metzler zur Differenzierung von Erzähler und Leser.
2.2. Begriff des Autors: Etymologische Betrachtung des Autorbegriffs und dessen Bedeutung für die Fiktion.
2.3. Intertextualität: Erläuterung, wie Cervantes reale und fiktive Quellen miteinander verwebt.
2.4. Fiktion und Fiktionalität: Definition der Begriffe und deren Anwendung auf das Werk.
2.5. Prolog (Teil I): Analyse der Selbstbezeichnung des Erzählers als Stiefvater des Werkes.
2.6. Wahrheitsaspekt: Untersuchung des inszenierten Wahrheitsanspruchs der Erzählung.
2.7. Erzählsituation zwischen dem achten und neunten Kapitel (Teil I): Analyse des Wechsels der Erzählinstanz und des abrupten Bruchs.
2.8. Cide Hamete Benengeli: Bedeutung des arabischen Geschichtsschreibers als fiktive Instanz.
2.9. Selbstthematisierung Cervantes´: Das Auftauchen des empirischen Autors innerhalb des Romans.
2.10. Avellaneda: Einbeziehung des Plagiators in das Geflecht der Autorenschaft.
2.11. Don Quijote als sein eigener Autor: Analyse der zunehmenden Selbstreflexivität der Hauptfigur.
2.12. Letztes Kapitel (Teil II): Zusammenfassende Stellungnahme des Autors zum Ende des Werkes.
3. Borges´ Experiment „Pierre Menard“: Radikale Erweiterung des Autorenkonzepts durch Jorge Luis Borges.
Schlüsselwörter
Don Quijote, Cervantes, Autorenschaft, Fiktionalität, Intertextualität, Cide Hamete Benengeli, Erzählinstanz, Pierre Menard, Borges, Literaturwissenschaft, narrativer Text, Selbstthematisierung, Wahrheitsanspruch, Romanstruktur, Avellaneda.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die komplexe Struktur der Autorenschaft im Roman „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die verschiedenen Ebenen narrativer Vermittlung, Intertextualität und das Spiel mit fiktiven Autorschaften.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie Cervantes durch die Konstruktion mehrerer Erzählinstanzen die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit bewusst verwischt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit verwendet literaturwissenschaftliche Analyseansätze, insbesondere das Kommunikationsmodell nach A. Metzler sowie die Dekonstruktion von Autorenschaft durch Jorge Luis Borges.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen fiktiven Autoren, den Prolog, die Bedeutung des Übersetzers und die Selbstthematisierung Cervantes’.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind Autorenschaft, Fiktionalität, Intertextualität, Erzählinstanz und ironische Distanz.
Welche Rolle spielt Cide Hamete Benengeli in der Argumentation?
Er dient als Paradebeispiel für eine fiktive Autorinstanz, die Cervantes nutzt, um den Wahrheitsanspruch des Werkes zu untermauern und ironisch zu unterlaufen.
Was besagt Borges’ Experiment „Pierre Menard“ im Kontext dieser Arbeit?
Borges führt das Spiel mit der Autorschaft ad absurdum, indem er behauptet, Cervantes selbst könne als fiktionaler Autor von Pierre Menard betrachtet werden, was das gesamte Konzept der Urheberschaft radikal infrage stellt.
- Arbeit zitieren
- Luisa Rettinger (Autor:in), 2014, Narrative Fiktionalität. Die Autorenschaft in Cervantes' "El Ingenioso Hildalgo Don Quijote de la Mancha" (Teil I und II), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282500