Studien und Ergebnisse der Resilienzforschung


Akademische Arbeit, 2007
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1. Studien der Resilienzforschung
1.1. Die „Kauai Längsschnittstudie“
1.2. Die „Mannheimer Risikokinderstudie“
1.3. Die „Bielefelder Invulnerabilitätsstudie“
1.4. Forschungen zu speziellen Risikofaktoren

2. Ergebnisse der Resilienzforschung
2.1. Emotional sichere Bindung an eine Bezugsperson
2.2. Merkmale des Erziehungsklimas
2.3. Soziale Unterstützung in und außerhalb der Familie
2.4. Temperamentsmerkmale
2.5. Kognitive und soziale Kompetenzen
2.6. Selbstbezogene Kognitionen und Emotionen
2.7. Erleben von Sinn und Struktur im Leben

Fazit

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Lange Zeit war es die populäre Meinung – und sie ist es vielfach auch heute noch, dass die Kindheit einen für das weitere Leben prägenden Einfluss hat, dem die Kinder weitestgehend hilflos ausgesetzt sind. Kinder, die eine weniger glückliche Kindheit hatten, die im schlimmsten Fall von Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt im Elternhaus bestimmt war, sind auch im weiteren Leben zum Scheitern verurteilt. Sie werden psychisch krank, süchtig oder ebenso gewalttätig wie ihre Eltern, so die vielfach propagierte Ansicht der Psychoanalytiker.1 Nicht nur einzelne Erfahrungen oder sensationelle Biographien von Menschen, die trotz schwierigster Umstände in ihrer Kindheit heute als psychisch gesunde und zufriedene Erwachsene leben, belegen, dass eine Wende hin zu einem glücklichen Leben trotz schrecklicher Kindheit möglich ist. Ein neuerer Zweig psychologischer Langzeitforschungen – die so genannte Resilienzforschung – hat gezeigt, dass bis zu einem Drittel einer Untersuchungsgruppe von Kindern, die unter ähnlich schwierigen Umständen aufwuchsen, in keiner Phase ihrer Entwicklung Probleme zeigten. Die berühmte Kauai-Studie der amerikanischen Resilienzforscherin Emmy Werner zeigte sogar, dass ein weiterer Teil derer, die im Kindes- und Jugendalter Probleme hatten, als Erwachsene ein glückliches und erfolgreiches Leben führten.2 Diese und andere Ergebnisse der Resilienzforschung zeigen, dass es sich nicht um eine Minderheit handelt, die schwierige Umstände in der Kindheit erfolgreich zu meistern weiß. Fakt ist aber auch, dass mindestens die Hälfte der Menschen, die in ihrer Kindheit schwierigen Bedingungen ausgesetzt waren, im Leben scheitern und nie ein glückliches und autonomes Leben führen werden.

Kinder, die früh lernen, mit Schwierigkeiten, Krisen und problematischen Lebensumständen umzugehen, haben trotz schwieriger Ausgangsbedingungen die Chance, alle Widrigkeiten zu meistern und sich positiv zu entwickeln. Vor allem diejenigen Kinder, die vielerlei Problemen ausgesetzt sind, wie z.B. Vernachlässigung, Scheidung der Eltern und Gewalterfahrungen, haben Unterstützung besonders nötig, um sich zu belastbaren Persönlichkeiten zu entwickeln, die unter den Widrigkeiten ihrer Kindheit nicht zerbrechen, sondern gestärkt daraus hervorgehen. Eine solche Widerstandsfähigkeit in vorübergehenden oder lang andauernden Krisen wird in der Wissenschaft als Resilienz bezeichnet.

Die folgende Arbeit soll sich allerdings nicht dem Begriff der Resilienz selbst widmen, sondern einen Überblick zur Resilienzforschung geben. Hierfür wird sowohl der heutige Stand der Resilienzforschung dargelegt, als auch auf die für die Anwendung in der pädagogischen Praxis relevanten Ergebnisse eingegangen.

1. Studien der Resilienzforschung

In der Resilienzforschung bzw. der Risiko- und Schutzfaktorenforschung werden meist Längsschnittstudien durchgeführt, welche die Entwicklung von Kindern oftmals von Geburt an bis ins Erwachsenenalter begleiten. Die verschiedenen Studien haben anhand empirischer Forschungsmethoden, wie z.B. Beobachtungen, Interviews, psychologischen Persönlichkeitstests, etc., die Entwicklung von Kindern untersucht, die von Geburt an schon Risikofaktoren in ihrer Umwelt oder aufgrund von Geburtsrisiken aufwiesen. Besonders bedeutsam sind prospektive Längsschnittstudien, wobei die Probanden zwar Risikofaktoren aufweisen, aber die unerwünschten Wirkungen bei Beginn der Untersuchung noch nicht eingetreten sind.3 Bei allen Vorteilen, die Längsschnittstudien im Bereich der Resilienzforschung haben, sind sie sehr zeitaufwändig und kostenintensiv. Querschnittstudien sind dagegen mit weniger Aufwand verbunden; sie finden in einem begrenzten Zeitraum statt und beschäftigen sich meist mit der Untersuchung von Vergleichsgruppen.4 Beispielsweise wird die Entwicklung von Kindern bei hohem, mäßigem und nicht vorhandenem Risiko verglichen.

Im Folgenden werde ich eine Auswahl von bekannten Studien der Resilienzforschung und deren Forschungsdesign, Verlauf sowie bedeutsame Ergebnisse vorstellen. Neben den allgemeinen Studien zu Risiko- und Schutzfaktoren, gibt es auch eine Vielzahl an Studien bezüglich der Auswirkung spezieller Risikofaktoren auf die Entwicklung von Kindern, worauf ich abschließend in diesem Punkt noch kurz eingehen werde.

1.1. Die „Kauai Längsschnittstudie“

Die amerikanische Psychologin Emmy Werner wird auch die „Mutter der Resilienzforschung“5 genannt, von ihr wurde die bekannteste, älteste und längste Untersuchung zu Resilienz durchgeführt. Zusammen mit ihrer Kollegin Ruth S. Smith hat sie die Entwicklung von einer Gruppe von knapp 700 Kindern des Geburtsjahrgangs 1955 auf der Hawaii-Insel Kauai über 40 Jahre lang begleitet und untersucht. Ziel der Untersuchung war es, die Langzeitfolgen prä- und perinataler Risikobedingungen und die Auswirkungen ungünstiger Lebensbedingungen auf die physische, kognitive und psychische Entwicklung der Kinder festzustellen.

Als Erhebungsmethode dienten Interviews (zuerst mit den Eltern und später dann auch mit den jungen Erwachsenen), Verhaltensbeobachtungen sowie Persönlichkeits- und Leistungstests, die von Psychologen, Lehrern, Sozialarbeitern, Pädiatern und Krankenschwestern durchgeführt wurden. Zudem wurden Informationen von Gesundheits- und Sozialdiensten, Familiengerichten und Polizeibehörden mit ausgewertet.

Gemeinsam hatten alle Kinder den Risikofaktor Armut, da die Erwerbsmöglichkeiten auf der Insel sehr schlecht waren. Ein Drittel der Kinder wurde im Laufe der Untersuchung mit einem hohen Risiko eingestuft; sie waren schon vor ihrem zweiten Lebensjahr mindestens vier risikoerhöhenden Bedingungen ausgesetzt – man sprach deshalb von einer multiplen Risikobelastung. Zwei Drittel dieser „Hochrisikokinder“ waren bei der Untersuchung im Alter von zehn Jahren in vielerlei Hinsicht auffällig. Sie zeigten z.B. Lern- und Verhaltensstörungen und wurden in den folgenden Jahren straffällig oder noch vor dem 18. Lebensjahr schwanger. Das restliche Drittel der „Hochrisikokinder“ entwickelte keine Auffälligkeiten, trotz der hohen Risikobelastung. Im Alter von 40 Jahren standen alle der resilienten Probanden der „Hochrisikokinder“ im Beruf, die Verheirateten führten stabile Ehen und die Rate der Todesfälle, chronischen Erkrankungen und Scheidungen war im Vergleich niedriger als bei den anderen zwei Drittel.

Werner und Smith konnten durch ihre Studie einige Merkmale für Resilienz und protektive Faktoren in der Entwicklung der Kinder identifizieren. Zu den persönlichen Ressourcen der resilienten Kinder zählten günstige Persönlichkeitseigenschaften, schulische Leistungsfähigkeit, Kommunikations- und Problemlösefähigkeiten, Autonomie und die Fähigkeit, sich selbst Hilfe und Unterstützung zu holen, Selbstvertrauen und religiöser Glaube bzw. Lebenssinn. Als wichtig für die Entwicklung von Resilienz kristallisierten sich bei Werner und Smith das Eingebundensein in soziale Unterstützungssysteme, wie Kirche, Jugendgruppen und Rückhalt in der Schule durch Lehrer und Mitschüler heraus. Im Erwachsenenalter gab es bei einigen Probanden „positive Wendepunkte“, die sich als förderlich für die persönliche Resilienz erwiesen. Dazu gehörten Heirat, die Geburt des ersten Kindes, Weiterbildungen, Hinwendung zum Glauben und den Eintritt in den Militärdienst. Darüber hinaus konnten Werner und Smith einige schützende Prozesse bei den Probanden feststellen, die sich positiv auf die Entwicklung auswirkten. Kinder, die eine höhere Intelligenz und Leistungsfähigkeit in der Schule zeigten, wurden in besonderer Weise von Lehrern gefördert und bekamen auch Unterstützung von Peers und Familienmitgliedern. Solche Voraussetzungen führten in der Jugendzeit zu einem hohen Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen. Eltern, die selbst eine gute Schulbildung besaßen, waren in der Lage, ihre Kinder zu größerer Autonomie und sozialer Reife zu erziehen. Diejenigen Kinder konnten bessere Kommunikations- und Problemlösefähigkeiten entwickeln, hatten einen besseren Gesundheitszustand und zeigten bessere Schulleistungen. Viele der resilienten Probanden verließen ihr Herkunftsmilieu im Erwachsenenalter und suchten sich eine Umwelt, die ihnen mehr Schutz bot.6

1.2. Die „Mannheimer Risikokinderstudie“

Die „Mannheimer Risikokinderstudie“ (Beginn 1986) ist wie die „Kauai Längsschnittstudie“ eine prospektive Längsschnittstudie. Anhand einer ausgewählten Gruppe von 362 Kindern, die nach einheitlichen Kriterien in einem Zeitraum von zwei Jahren in zwei Frauenkliniken ausgewählt wurden, wollen die Forscher Laucht und Esser, im Auftrag des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim, der Frage der Resilienz von Kindern in der Entwicklung nachgehen. Die Kinder wurden direkt nach der Geburt anhand ihrer organischen und psychosozialen Risikobelastung ausgewählt und wurden dann einer von neun Teilgruppen zugeordnet, die von einem maximalen Risiko, sowohl in organischer als auch psychosozialer Hinsicht, abgestuft wurden, bis zu einem minimalen Risiko in beiden Bereichen.

Als empirische Forschungsmethoden wurden Elterninterviews, Verhaltensbeobachtungen und andere diagnostische Verfahren eingesetzt, um Daten über die Familien zu gewinnen. Ein besonderes Augenmerk legte die Studie auf die Erforschung der frühen Mutter-Kind-Beziehung, wozu videogestützte Verfahren zur Analyse einer Spiel- und Wickelsituation eingesetzt wurden.

[...]


1 Zimbardo, Philip G. (1995), S. 9

2 Nuber, Ursula (2005), S.22f

3 Kindler, Heinz; Lillig, Susanne (2006), S. 10

4 Stubig, Hans-Jürgen (2002), S. 932f

5 Nuber, Ursula (2005), S. 22

6 Wustmann, Corina (2004), S.87f

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Studien und Ergebnisse der Resilienzforschung
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V282501
ISBN (eBook)
9783656768814
ISBN (Buch)
9783668139619
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
studien, ergebnisse, resilienzforschung
Arbeit zitieren
Diplom-Sozialarbeiterin / Sozialpädagogin Esther Ruoß (Autor), 2007, Studien und Ergebnisse der Resilienzforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282501

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Studien und Ergebnisse der Resilienzforschung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden