Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Autonomie des Willens. Zu Kants "Grundlegung der Metaphysik der Sitten"

Titel: Autonomie des Willens. Zu Kants "Grundlegung der Metaphysik der Sitten"

Seminararbeit , 1999 , 18 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Jessica Heyser (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im zweiten Abschnitt der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“: „Von der populären zu sittlichen Weltweisheit zur Metaphysik der Sitten“ gibt es einen Abschnitt mit der Überschrift: „Die Autonomie des Willens als oberstes Prinzip der Sittlichkeit“ . Aber schon vorher führt Kant diesen Begriff im Zusammenhang mit der Idee vom „Reich der Zwecke“ ein.
Mich interessiert dieses Thema besonders, da Kant hier dem Individuum einen aktiven, einen autonomen Part einräumt, was zu seiner Zeit, die noch sehr stark von der christlichen Lehre mit ihrem absoluten göttlichen Willen dominiert war, sicherlich eine Provokation bedeutete.
Ausgehend von Kants Begriff des freien Willens, werde ich diesem das Prinzip der Selbst-liebe gegenüberstellen. Der Willensbegriff ist elementar für die drei Formeln des Sittengesetzes, die ich kurz skizzieren werde, um dann sein drittes Prinzip, das der Autonomie, dahinge-hend zu untersuchen, ob es tatsächlich – wie es Kant unterstellt – als eine konsequente Folgerung der beiden ersteren zu begreifen ist. Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit wird auf jenem Prinzip der Autonomie liegen, wobei ich seine paradoxe Anlage versuchen werde deutlich zu machen. Kant räumt diesem Prinzip eine Schlüsselrolle in seiner ethischen Konzeption ein. Die folgenden Kapitel werde ich mich mit den Forderungen, die an das Prinzip gekoppelt sind und mit möglichen Hindernissen, die dem guten Willen im Wege stehen könnten, befassen. Dem werde ich noch einige kritische Anmerkungen anschließen.
Auf die Weise wie Kant den Begriff der Autonomie einführt, wird gut deutlich, was für ihn metaphysische Erkenntnis heißt: Es ist auffällig, daß er zunächst ein absolutes Gedankenge-bäude konstruiert, in dem Relativierungen keinen Platz haben. Diesem setzt er erst dann die realen Faktoren, z. B. die menschlichen Abhängigkeiten gegenüber. Vielleicht könnte man bei Kant metaphysische Erkenntnis als eine auf Begriffe des Absoluten zurückgehende Erkennt-nis des Eingeschränkten begreifen. Ich werde in meiner Hausarbeit versuchen, dieses am Beg-riff der Autonomie des Willens deutlich zu machen. In der Vorrede zur „Grundlegung“ beschreibt Kant sein Anliegen folgendermaßen: „Denn die Metaphysik der Sitten soll die Idee und die Prinzipien eines möglichen reinen Willens untersuchen und nicht die Handlungen des menschlichen Wollens überhaupt.“

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der freie Wille

2.1 Die Idee vom reinen Willen und das Prinzip der Selbstliebe

2.2 Elemente des Willensbegriffs

3. Die Formeln des Sittengesetzes

4. Autonomie des Willens

4.1 Das Prinzip der Autonomie angesichts der christlichen Tradition

4.2 Das Paradox der Autonomie

4.3 Die Autonomie des Willens als oberstes Prinzip der Sittlichkeit

4.4 Die Heteronomie des Willens

5. Die Kritik am Ideal der Glückseligkeit und die Achtung fürs Gesetz

6. Der heilige und der menschliche Wille

7. Kants Lösungsversuch

8. Die Selbstherrschaft der reinen praktischen Vernunft

9. Kritik an Kants Konzeption

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Prinzip der Autonomie des Willens in Kants „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“. Das Ziel ist es, die Rolle des Individuums als aktiven Gesetzgeber zu analysieren, das Paradoxon der Unterwerfung unter ein selbst gegebenes Gesetz kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob die Autonomie konsequent aus den anderen Formeln des Sittengesetzes ableitbar ist.

  • Kants Begriff des freien Willens vs. Prinzip der Selbstliebe
  • Die drei Formeln des Sittengesetzes und ihre Zusammenhänge
  • Autonomie als Ausdruck der Würde des Menschen
  • Kritische Analyse des Verhältnisses von Freiheit, Zwang und Moral
  • Gegenüberstellung von heiligem und menschlichem Willen

Auszug aus dem Buch

4.2 Das Paradox der Autonomie

Das Verhältnis des Individuums zum Gesetz muß als eines freier Einsicht gedacht werden. „Der Zwang als ein vom Subjekt gegen sich selbst geübter beweise Freiheit.“ Im Begriff der Autonomie ist nach Kant die Einheit von Freiheit und Unterwerfung unter das Sittengesetz enthalten. Andreas Dorschel schreibt dazu: „Der Autonomiegedanke tritt als der manifeste Widerspruch auf, daß das, was den Interessen des Subjekts gegenüber die höhere Macht [oder höhere Würde?] beansprucht, selber eine Leistung des Subjekts sei: es verdanke sich dem Subjekt – Autonomie -, aber das Subjekt soll eine untertänige Stellung zu ihm einnehmen – Autonomie.“

Es stellt sich die Frage nach der Rolle des Individuums, nach der Einheit des Menschen: Wie ist die Forderung einer allgemeinen Gesetzgebung, die den eigenen Willen „nötigt“, mit dem Anspruch auf die Rolle des absoluten Selbstzwecks zu vereinbaren? Soll diese Handlung aus Pflicht tatsächlich als eine Art transzendentale Freiheit begriffen werden?

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, stellt die Relevanz der Autonomie bei Kant dar und definiert den Schwerpunkt der kritischen Untersuchung.

2. Der freie Wille: Dieses Kapitel erläutert die Idee des reinen Willens im Gegensatz zum Prinzip der Selbstliebe sowie die grundlegenden Elemente des kantischen Willensbegriffs.

3. Die Formeln des Sittengesetzes: Hier werden die drei Arten vorgestellt, wie Kant das Prinzip der Sittlichkeit formuliert: die Gesetzes-Formel, die Zweck-Formel und die Autonomie-Formel.

4. Autonomie des Willens: Dieses Kernkapitel untersucht das Prinzip der Autonomie, das Paradoxon der Selbstgesetzgebung, die Würde des Menschen und die Abgrenzung zur Heteronomie.

5. Die Kritik am Ideal der Glückseligkeit und die Achtung fürs Gesetz: Das Kapitel analysiert, warum Glückseligkeit nicht zur Begründung praktischer Regeln taugt und welche Rolle die Achtung fürs Gesetz einnimmt.

6. Der heilige und der menschliche Wille: Es wird die Beziehung zwischen der Idee eines objektiv vollkommenen Willens und dem realen, subjektiv unvollkommenen menschlichen Willen erörtert.

7. Kants Lösungsversuch: Das Kapitel befasst sich mit Kants dualistischem System und dem Versuch, Freiheit durch die Teilhabe an der intelligiblen Welt zu begründen.

8. Die Selbstherrschaft der reinen praktischen Vernunft: Hier wird thematisiert, wie die Vernunft durch den reflexiven Akt über die Grenzen der Subjektivität hinauswächst.

9. Kritik an Kants Konzeption: Die Autorin übt abschließend Kritik an der logischen Konsistenz von Kants Argumentation, insbesondere hinsichtlich des Begriffs der Nötigung und der Freiheit.

Schlüsselwörter

Autonomie, freier Wille, Sittengesetz, Kategorischer Imperativ, Vernunft, Selbstbestimmung, Würde, Zweck an sich selbst, Pflicht, Heteronomie, Glückseligkeit, Achtung, moralisches Subjekt, Kants Grundlegung, praktische Vernunft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Kants philosophisches Konzept der Autonomie des Willens, wie es in der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ dargelegt wird.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis von Freiheit und moralischem Gesetz, die Frage der Selbstgesetzgebung sowie die kritische Auseinandersetzung mit Kants Menschenbild.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die innere Stimmigkeit des Autonomiebegriffs zu hinterfragen und zu prüfen, ob die Selbstgesetzgebung tatsächlich als konsequente Ableitung aus Kants vorherigen moralischen Prinzipien verstanden werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin nutzt eine textanalytische Herangehensweise, indem sie Kants zentrale Argumente aus der „Grundlegung“ zergliedert, mit philosophischer Sekundärliteratur vergleicht und einer eigenen kritischen Prüfung unterzieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Darstellung der kantischen Ethik-Grundlagen (Wille, Formeln des Sittengesetzes, Autonomie) und mündet in eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Positionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Autonomie, freier Wille, Kategorischer Imperativ, Selbstbestimmung, Würde des Menschen und praktische Vernunft sind die zentralen Begriffe.

Wie bewertet die Autorin Kants Lösung mit der „Zwei-Welten-Lehre“?

Die Autorin steht diesem Lösungsansatz skeptisch gegenüber und sieht darin ein Dilemma, da die Nötigung des Willens im menschlichen Handeln nach ihrer Auffassung letztlich überflüssig erscheint.

Warum hält die Autorin den Freiheitsbegriff bei Kant für problematisch?

Sie hinterfragt, wie Freiheit mit Pflichterfüllung identisch gesetzt werden kann, und weist auf die Bedeutung unbewusster Faktoren sowie kultureller Unterschiede hin, die in Kants a-priori-Konzeption schwer zu integrieren sind.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Autonomie des Willens. Zu Kants "Grundlegung der Metaphysik der Sitten"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Proseminar: Kants 'Grundlegung zur Metaphysik der Sitten'
Note
1,7
Autor
Jessica Heyser (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1999
Seiten
18
Katalognummer
V28255
ISBN (eBook)
9783638300841
ISBN (Buch)
9783638842617
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Autonomie Willens Kants Grundlegung Metaphysik Sitten Proseminar Kants Metaphysik Sitten“ Ethik Kant Immanuel; Moral; moralischer Imperativ freie Wille Selbstliebe Sittlichkeit Aufklärung Heteronomie des Willens
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jessica Heyser (Autor:in), 1999, Autonomie des Willens. Zu Kants "Grundlegung der Metaphysik der Sitten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28255
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  18  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum