Das Bilderbuch im Unterricht der Grundschule. Verschiedene Einsatz-Möglichkeiten, Ziele des Literaturunterrichts mit Bilderbüchern


Akademische Arbeit, 2007
27 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Bilderbuch im Fremdsprachenunterricht

3 Das Bilderbuch im Sachunterricht

4 Das Bilderbuch als Beitrag zur ästhetischen Erziehung und zur Bildkompetenz

5 Das Bilderbuch im Religionsunterricht

6 Das Bilderbuch im Mathematikunterricht

7 Das Bilderbuch als Beitrag für fächerübergreifende Bereiche
7.1 Medienerziehung
7.2 Interkulturelle Erziehung
7.3 Umwelterziehung
7.4 Soziale Erziehung

8 Das Bilderbuch im Deutschunterricht
8.1 Erstlesen
8.2 Weiterführendes Lesen

9 Ziele eines Literaturunterrichtes mit Bilderbüchern
9.1 Grundlagen und Begriffe des Literaturunterrichtes
9.2 Leseförderung
9.2.1 Das Konzept und seine Ziele
9.2.2 Leseförderung durch Bilderbücher
9.3 Literarische Bildung
9.3.1 Das Konzept literarische Bildung
9.3.2 Ziele der literarischen Bildung
9.3.3 Literarische Bildung durch Bilderbücher
9.4 Ästhetische Bildung & visual literacy
9.4.1 Das Konzept und seine Ziele

10 Schluss: Ästhetische Bildung & visual literacy durch Bilderbücher

11 Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)
a) Primärliteratur
b) Sekundärliteratur

1 Einleitung

Da das Bilderbuch im Unterricht der Grundschule so vielfältig genutzt werden könnte, soll diese Arbeit überblicksartig zeigen, in welchen Fächern und in Zusammenhang mit welchen fächerübergreifenden Lernzielen die Gattung Bilderbuch ein geeignetes Medium darstellt (vgl. Hollstein; Sonnenmoser 2006).

In der Reihenfolge der Kapitel spiegeln sich weder die quantitativ noch qualitativ unterschiedlichen Möglichkeiten wieder. Die Tatsache, dass der Bereich des Deutschunterrichts am Ende der Aufzählung steht, soll nur den weiteren Verlauf der Arbeit gliedern, da dann der Fokus der Arbeit auf dem Literaturunterricht liegen soll.

2 Das Bilderbuch im Fremdsprachenunterricht

Nicht mehr die kognitive Förderung der Kinder steht an erster Stelle, sondern das interkulturelle Lernen, das in einer multikulturellen Gesellschaft von großer Bedeutung ist. Es besteht nun die Möglichkeit, Bilderbücher in ihrer Originalsprache zu nutzen. Zum einen können die Schüler die Sprache und ihren Klang kennen lernen und zum anderen findet ein Einblick in fremde Kulturen statt. Auch wenn die Bücher nicht immer im Ganzen behandelt werden müssen, wird der Umgang mit Büchern geschult und das Interesse an fremden Sprachen kann geweckt werden (vgl. Hollstein; Sonnenmoser 2006, 159). Vor allem im tatsächlichen Sprachunterricht können Bilderbücher sehr motivierend wirken, da man bedingt durch die einfache Sprache sehr schnell ein „ganzes“ Buch verstehen kann. Außerdem lassen sich Bilderbücher nutzen, die im Original zum Beispiel in englischer Sprache sind und deren deutsche Übersetzung nun untersucht und verbessert werden kann.

3 Das Bilderbuch im Sachunterricht

Neben dem Einsatz von Sachbilderbüchern, der natürlich nahe liegt, können auch erzählende Bilderbücher von großem Nutzen sein. Das historische Lernen in der Grundschule kann durch Quellen aus unterschiedlichen Epochen gefördert werden. Die Häschenschule oder der Struwwelpeter können den Schülern zeigen, wie das Leben der Kinder in anderen Zeiten war.

Abraham spricht in diesem Zusammenhang von fachlicher Integration von Kinder- und Jugendliteratur, die auf die Reflexion von Weltwissen setzt. Als Beispiel nennt er eine Geschichte über Eskimomädchen, an der ökologische Zusammenhänge erfahren werden können (vgl. Abraham 2004, 223 f.).

Problemorientierte Bilderbücher sind ideal um Themen, wie zum Beispiel Familie, Gewalt oder Ausländerfeindlichkeit, zu thematisieren. Das Bilderbuch kann zum Beispiel als Einstieg in das Thema verwendet werden oder dazu dienen, verschiedene Strategien kennen zu lernen. Wichtig ist hierbei, dass das Bilderbuch nicht nur instrumentalisiert wird, sondern seiner Bedeutung als literarisches Werk gerecht wird.

Das gleiche gilt auch für den Bereich des Philosophierens mit Kindern. Dieser im Bildungsplan festgehaltene Aspekt des Sachunterrichtes bzw. des neuen Fächerverbundes MeNuK, bietet eine weitere Möglichkeit Bilderbücher zu nutzen. Vor allem Petermann hat sich mit dieser Idee beschäftigt und kommt zu dem Ergebnis, dass Bilderbücher unmittelbarstes Medium der Artikulation philosophischer Fragen sind und ein Weg zur philosophischen Aufmerksamkeit das Gespräch über die Geschichte ist (vgl. Petermann 2004).

4 Das Bilderbuch als Beitrag zur ästhetischen Erziehung und zur Bildkompetenz

Die Ästhetik wird häufig im pädagogischen Kontext als Wahrnehmungslehre bezeichnet, wobei sich die Wahrnehmung auf alle sinnlichen und geistigen Wahrnehmungen bezieht und nicht nur das Schöne und das Künstlerische berücksichtigt. Ästhetische Erziehung setzt sich zum Ziel, dass das Wahrnehmen und Begegnen mit ästhetischen Objekten ästhetische Erfahrungen zur Folge hat. Die bewusste Wahrnehmung von Bilderbüchern unterstützt und fordert die ästhetische Entfaltung der Kinder (Sahr; Schlund 1992, 8), das Wahrnehmen und Erleben wird also Grundlage der ästhetischen Erziehung. Die Schüler lernen in Bilderbüchern verschiedene Arten der Darstellung und unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten kennen. Auch erkennen sie, dass es verschiedene Formen der Visualisierung gibt.

Unter Bildkompetenz versteht man sowohl die Ermittlung von Bildbedeutungen, also das Bilderlesen, als auch das Bilderschreiben bei dem Informationen in einen visuellen Code übertragen werden. (vgl. (Hollstein; Sonnenmoser 2006,183). Kinder müssen dazu motiviert werden Bilder bewusst zu betrachten und müssen genug Zeit haben das Bilderlesen zu üben. Neugier und Phantasie werden dadurch gefördert und die Bereitschaft, sich mit außergewöhnlichen Bildern zu beschäftigen, wächst. Die Schüler lernen Kriterien kennen, nach denen man Bilder untersucht und einordnet.

5 Das Bilderbuch im Religionsunterricht

Das Einbinden von Schlüsselproblemen wie Krieg, soziale Ungerechtigkeit, Behinderung etc. in konkrete Situationen erleichtert Kindern das Lernen. Wie schon im Sachunterricht können Bilderbücher als Einstieg in eine Thematik, als Anlass für eine unterrichtliche Behandlung, als Möglichkeit Problemlösestrategien kennen zu lernen oder als Abschluss dienen.

6 Das Bilderbuch im Mathematikunterricht

Was im ersten Moment als unvereinbar scheint: Der Mathematik-unterricht und die Literatur, zeigen bei genauerer Betrachtung Möglichkeiten auf, Schnittstellen zu finden. Wenn es auch nur wenige sind, so gibt es Bilderbücher, die das Kennenlernen von Zahlen und Rechenaufgaben fördern oder geometrische Formen präsentieren: „Der Die Das und Kunterbunt“ (1996) von Manfred Schlüter oder „Eins, fünf, viele“ (1990) von Kveta Pacovská sind als Beispiele zu nennen.

7 Das Bilderbuch als Beitrag für fächerübergreifende Bereiche

7.1 Medienerziehung

Medien haben einen enormen Einfluss. Sie erweitern unser Wissen, sie beeinflussen die Ausbildung unserer Meinung, sie unterhalten uns und ermöglichen ganz unterschiedliche Arten der Kommunikation. Der Umgang mit Medien muss in der Schule und im Privaten thematisiert und geschult werden. Auf der Konferenz der Kultusminister der Länder im Jahr 1983 wurde der Begriff der Medienerziehung als eine fächerübergreifende Aufgabe geprägt. Ohne jetzt auf die genauen Ziele und Wege der Medienerziehung einzugehen, möchte ich zeigen, wie auch dass Bilderbuch seinen Beitrag leisten kann.

Das Problem mancher Mediengewohnheiten von Kindern ist, dass die meisten Eltern kein Verständnis aufbringen können oder wollen für Programme wie zum Beispiel Pokemon oder für Spielkonsolen wie die Playstation. Diese „Kluft der Generationen“ vermag das Bilderbuch zu überbrücken, da es als „wertvolle Schnittstelle“ dient, „in der einerseits die Interessen der Erwachsenen an Vermittlung ihrer Weltsicht und andererseits die Neugier von Kindern an Erschließung ihrer originären Welt mit den zahlreichen Identifikationsangeboten, die Bilderbücher bereithalten, zusammen-treffen.“ (Oetken 2007, 19).

Das Bilderlesen, das Umsetzen von Bilderbüchern in andere mediale Formen, das eigene Entwickeln von Bilderbüchern, der vergleichende Blick auf verschiedene Werke und verschiedene Medien und das Nutzen von multimedialen Bilderbuchangeboten wie zum Beispiel „ Pettersson und Findus “ von Terzio sollen zeigen, wie vielseitig das Bilderbuch dazu beitragen kann, die Schüler an unterschiedliche Medien heranzuführen und den Umgang zu schulen.

7.2 Interkulturelle Erziehung

Das Konzept der interkulturellen Erziehung distanziert sich von der Vermittlung von Sprachkenntnissen und der Integration als Anpassung. Interkulturelle Erziehung will sowohl die Kultur des Herkunftslandes, die Kultur der Migranten im Aufnahmeland als auch die Kultur des Landes berücksichtigen. Schlagwörter wie Bereicherung, Lernchance, Toleranz und Gleichberechtigung sind Grundpfeiler dieses Prinzips, welches das gesamte Schulleben durchdringen sollte. Bilderbücher können nun Interesse an fremden Ländern und Kulturen wecken („Die Kinder des Baumes. Eine Geschichte aus Namibia“ 1990, von Meshack Asare), Vorurteile thematisieren, Zusammenleben darstellen („Soham. Eine Geschichte vom Fremdsein“ 1993, von Elisabeth Reuter), Freundschaften zeigen („Irgendwie Anders“ 1994, von Kathryn Cave und Chris Riddell) und vieles mehr.

7.3 Umwelterziehung

Umweltzerstörung als Thema im Bilderbuch oder Bilderbücher, die das Interesse an der Natur wecken, leisten einen Beitrag zur geforderten Umwelterziehung. Es findet eine Sensibilisierung gegenüber der Natur statt und die Folgen von umweltschädlichem Verhalten können aufgezeigt werden, ohne dass der pädagogische Zeigefinger die Schüler zu sehr beeinflusst, zum Beispiel „Paco und Paquita“ (1996) von Colette Hellings und Claude K. Dubois. Auch handlungsorientierte Bilderbücher wie „Knille, knalle, knüll – wohin mit dem Müll?“ (1988) von Friedrich Kohlsaat und Walther Hohenester, das zur Anlegung eines Komposthaufens anregt, können fächerübergreifende Projekte sinnvoll unterstützen.

7.4 Soziale Erziehung

Auch wenn das Lernen in einer Klassengemeinschaft in einen sozialen Kontext eingebunden ist, bedarf es dennoch einer Erziehung zu einem Wir-Bewusstsein: Ich bin Teil einer Gemeinschaft, die nur funktioniert wenn jeder sich entsprechend benimmt. Die soziale Sensibilität, die Problematik zwischen Jungen und Mädchen, die Identitätsfindung, Freundschaft, Konfliktlösungen, Toleranz, Solidarität etc., all das sind Themen, die in einer sozialen Erziehung berücksichtigt werden müssen, und die in Bilderbüchern zu finden sind.

8 Das Bilderbuch im Deutschunterricht

8.1 Erstlesen

Lesen und Schreiben gehören zu den grundlegenden Kulturtechniken, deren Vermittlung in der Grundschule erfolgt. Die Methoden sind zahlreich, in der aktuellen Pädagogik wird häufig die Integration unterschiedlicher Methoden bevorzugt. Der Prozess des Erstlesens meint die Phase, in der noch ungeübte Leser lesen. Wissenschaftlich belegt ist, dass die Motivation von Kindern bei Lesetexten, die unter ihrem sprachlichen Niveau sind, relativ gering ist. Texte aus der Kinder- und Jugendliteratur hingegen werden mit Interesse aufgenommen und finden deswegen immer häufiger ihre Berücksichtigung in Lesefibeln. Der Einsatz von Bilderbüchern gibt den Schülern zusätzlich das Gefühl, bereits „richtige“ Bücher im Ganzen lesen zu können, was enorm motivierend ist. Da die Bilderbücher nicht mit der Intention entstanden sind, Erstleser anzusprechen, sind sie sowohl sprachlich als auch inhaltlich für Erstklässler fordernd. Die Tatsache, dass die Handlung der Geschichte parallel über Wort und Bild läuft, hilft zum einen schwächeren Lesern den Text zu verstehen und motiviert gleichzeitig, da der Leser schnell merkt, dass die Bilder alleine nicht ausreichen. Der Leser wird somit „verlockt“ (Hollstein; Sonnenmoser 2006, 103) zu lesen.

Außerdem lernen die Kinder schon früh den Sprachstil in konzeptionell schriftlichen Texten, sie erweitern ihren Wortschatz, lernen neue Satzmuster kennen, steigern ihre Artikulationsfähigkeit und lernen es, an literarischen Werken teilzuhaben im Sinne der Empathie. Nicht nur das Lesen durch die Kinder selbst, sondern auch das Vorlesen beeinflussen den Leseerwerb und die Lesesozialisation.

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Details

Titel
Das Bilderbuch im Unterricht der Grundschule. Verschiedene Einsatz-Möglichkeiten, Ziele des Literaturunterrichts mit Bilderbüchern
Hochschule
Fachhochschule Heidelberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
27
Katalognummer
V282582
ISBN (eBook)
9783656770435
ISBN (Buch)
9783668139671
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bilderbuch, unterricht, grundschule, verschiedene, einsatz-möglichkeiten, ziele, literaturunterrichts, bilderbüchern
Arbeit zitieren
Theresa Linnéa Müller (Autor), 2007, Das Bilderbuch im Unterricht der Grundschule. Verschiedene Einsatz-Möglichkeiten, Ziele des Literaturunterrichts mit Bilderbüchern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282582

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