Das Heim als Erziehungsanstalt hat sich in seiner Anfangszeit als eine Institution etabliert, deren Ziel es war, die Familie und deren Funktion für die Kinder und Jugendlichen zu ersetzen. Dies hatte zur Folge, dass die Familie des Kindes und besonders die Eltern nicht im Erziehungsgeschehen innerhalb der Einrichtung berücksichtigt wurden. Das verstärkte sich nochmals durch den Imitationsversuch des familiären Zusammenlebens innerhalb des Heimes. Nach dem 2. Weltkrieg lag die zentrale Aufgabe des Heimes darin, Notsituationen von Kindern, die durch die Gegebenheiten des Krieges bedingt waren, zu verringern und deren Leben im Bereich des Möglichen zu verbessern. Ende der 1960er Jahre lag die Arbeit des Heimerziehers auf einer starken Orientierung der Bindung zwischen Kind und Erzieher und weniger bzw. gar nicht auf der Bindung zwischen Kind und Eltern. Eltern galten im Heimerziehungsprozess eher als Störfaktoren und sollten somit herausgehalten werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition und gesetzliche Grundlage
3 Ziele der Elternarbeit
4 Formen und Methoden der Elternarbeit
5 Schwierigkeiten und Grenzen der Elternarbeit
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die formale und methodische Strukturierung der Elternarbeit in der stationären Heimerziehung unter der Annahme einer erzwungenen Herausnahme des Kindes aus der Herkunftsfamilie. Ziel ist es, die Rolle der Elternarbeit als notwendiges Instrument zur Förderung der Kindesentwicklung sowie deren praktische Herausforderungen zu beleuchten.
- Historischer Wandel der Elternarbeit in der Heimerziehung
- Rechtliche Grundlagen und Wächteramt des Staates
- Methodische Vorgehensweisen von Kontaktpflege bis Familientherapie
- Konfliktpotenziale und Grenzen in der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Heim
- Bedeutung der Rückführung des Kindes als übergeordnetes Ziel
Auszug aus dem Buch
4 Formen und Methoden der Elternarbeit
Innerhalb dieses Kapitels werden die unterschiedlichen Formen und die damit zusammenhängenden methodischen Vorgehensweisen im Prozess der Elternarbeit illustriert.
Elternarbeit kann in ihrer Ausformung und Vorgehensweise in drei spezifische Felder aufgeteilt werden, die zusammen oder getrennt voneinander betätigt werden können: 1. Kontakfplege als traditionellste Form der Elternarbeit, 2. methodisch gezielte Elternarbeit, 3. Familientherapie und familientherapeutisch orientierte Elternarbeit.
Allgemeine Elternarbeit, in Form von Kontaktpflege zwischen Eltern und Kind, gilt als die elementarste Form der Elternarbeit. Der Kontakt wird durch das Heim gefördert und vertieft sich in verschiedenen Formen: Telefonate, Briefe, Elternbesuche im Heim, Besuche der Kinder zusammen mit den Erziehern im Elternhaus. Die Kontaktpflege wird nicht als direkte Form der Elternarbeit angesehen, da diese nicht immer methodisch durchgeplant und strukturiert ist, sondern auch öfters spontan und zufällig von statten geht. Zentral ist hierbei der Aufbau einer Vertrauensbasis zwischen Eltern und Betreuern, um eine optimale Zusammenarbeit zu ermöglichen. Hierbei spielt der Informationsaustausch der beiden Parteien eine wichtige Rolle: Zum einen werden die Eltern respektvoll behandelt, wenn diese dauerhaft in Kontankt bleiben und über das Befinden ihres Kindes infromiert werden. Zum anderen können sich die Erzieher besser in das Familiensystem intergrieren, um differenziertere und spezifiziertere Informationen über Eltern und Kind sowie den gesamten sozialen Kontext zu erhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert den historischen Wandel der Heimerziehung vom reinen Familienersatz hin zur Einbeziehung der Eltern als wichtige Akteure im Erziehungsprozess.
2 Definition und gesetzliche Grundlage: In diesem Kapitel wird der Begriff der Elternarbeit definiert und in den Kontext der gesetzlichen Rechte sowie der staatlichen Wächteramtsfunktion im Sozialgesetzbuch VIII eingebettet.
3 Ziele der Elternarbeit: Hier werden die zentralen Ziele der Elternarbeit erläutert, wobei die Rückführung des Kindes in die Herkunftsfamilie sowie die Verbesserung des familiären Kontakts im Vordergrund stehen.
4 Formen und Methoden der Elternarbeit: Dieses Kapitel stellt verschiedene methodische Ansätze vor, die von der informellen Kontaktpflege bis zur strukturierten familientherapeutischen Arbeit reichen.
5 Schwierigkeiten und Grenzen der Elternarbeit: Der Abschnitt widmet sich den vielfältigen Problemen in der Zusammenarbeit, wie etwa mangelnder Kooperation, Vorurteilen auf beiden Seiten oder administrativen Hürden.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und betont die Notwendigkeit einer klaren rechtlichen und methodischen Strukturierung für eine gelingende Elternarbeit.
Schlüsselwörter
Elternarbeit, Heimerziehung, stationäre Jugendhilfe, SGB VIII, Kindeswohl, Rückführung, Kontaktpflege, Familientherapie, Erziehungspartnerschaft, Hilfeplan, Kindeswohlgefährdung, Sozialisation, Familiensystem, Erziehungsberatung, professionelle Distanz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung, Methoden und Herausforderungen der Elternarbeit innerhalb der stationären Heimerziehung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die historische Entwicklung, rechtliche Grundlagen, methodische Ansätze und die spezifischen Konfliktfelder zwischen Eltern, Kind und Einrichtung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, wie Elternarbeit strukturiert ist und welche Probleme bei einer zwanghaften Herausnahme des Kindes auftreten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf fachwissenschaftlicher Literatur sowie gesetzlichen Grundlagen (SGB VIII) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine definitorische und rechtliche Einordnung, eine Zielbestimmung, die Darstellung von Methoden sowie die kritische Reflexion von Schwierigkeiten und Grenzen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Heimerziehung, Elternarbeit, Kindeswohl, Hilfeplanung und die Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und Familien.
Warum ist das Thema der „Erziehungskompetenz“ im Kontext der Elternarbeit so kontrovers?
Es entsteht ein Paradoxon, da Eltern, denen die Erziehungskompetenz aufgrund einer Kindeswohlgefährdung abgesprochen wurde, dennoch im Erziehungsprozess als Partner berücksichtigt werden müssen.
Welchen Einfluss hat das Vormundschaftsgericht auf die Elternarbeit?
Das Gericht bestimmt bei einer festgestellten Kindeswohlgefährdung die Intervention, was den rechtlichen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen die Elternarbeit in der Heimeinrichtung stattfinden muss.
- Arbeit zitieren
- Max Querbach (Autor:in), 2013, Bedeutung der Elternarbeit für die Sozialisation von Heimkindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282612