Leistungsmessung in der Berufsbildung

Inklusive Erstellung von zwei exemplarischen Tests


Seminararbeit, 2014

13 Seiten, Note: Sehr Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Leistungsmessung in der Berufsausbildung
1.1. Der Begriff „Leistung“ in der Berufsausbildung
1.2. Lernziele
1.3. Lernzielstufen
1.4. Kompetenzen
1.5. Schulrecht

2. Schriftliche Leistungsbeurteilung
2.1. Test

3. Mündliche Leistungsbeurteilung
3.1. Mündliche Prüfung

4. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

In dieser Modularbeit beschreibe ich eine schriftliche und eine mündliche Leistungsbeurteilung für den Unterricht der Bautechnischen Zeichner und Zeichnerinnen im Unterrichtsfach „Bautechnik“ in der ersten Klasse der lehrgangsmäßigen Landesberufsschule Graz 5.

Es fließen Themen der Studienfachbereiche Unterrichtswissenschaften, Fachdidaktik der Leistungsbeurteilung, Didaktik der Berufsschulen, Lehrübungen und Schulrecht in diese Arbeit ein.

Im ersten Teil werden die Lernzielformulierung, die Lernzielstufen, die geförderten Kompetenzen und schulrechtliche Belange beschrieben.

Der zweite Teil zeigt eine schriftliche Leistungsbeurteilung auf Grundlage der im ersten Teil beschriebenen Lernziele und Kompetenzen, und im dritten Teil wird analog dazu eine mündliche Leistungsbeurteilung vorgestellt.

1. Leistungsmessung in der Berufsausbildung

1.1. Der Begriff „Leistung“ in der Berufsausbildung

Im schulischen Ausbildungsteil der Berufsausbildung ist die Leistungsbeurteilung zwingend erforderlich. Mit Hilfe von schriftlichen Prüfungen, mündlichen Prüfungen und der Beurteilung der Mitarbeit wird die „Lernleistung“ gemessen. Da diese stets einen Wissenszuwachs gegenüber der prä-edukativen Situation beschreibt, spricht man hier vom „Lernfortschritt“.

Die Leistungsbeurteilung hat mehrere Funktionen. Einerseits dient sie den Schülerinnen und Schülern als Rückmeldung für erbrachte Leistungen, des Weiteren ist sie aber auch ein Anreiz um Fähigkeiten zu verbessern, aber auch um Chancengleichheit zu erlangen. Die Notenvergabe richtet sich nach den verlangten Lernzielen und ist daher eine der schwierigsten Aufgaben der Lehrenden (Moriz, 2014, S. 4-6).

1.2. Lernziele

Die „verlangten Lernziele“ beschreiben theoretisches Wissen, praktische Fertigkeiten und Einstellungen. Diese Komponenten sollen durch den täglichen Unterricht vermittelt und von den Schülerinnen und Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt nachgewiesen werden. Seit den Forschungen einer von Benjamin Samuel Bloom geleiteten Gruppe von Psychologen an der University of Chicago 1956 werden Lernziele drei Bereichen zugeordnet (Bloom, 1972, S. 20-21):

Kognitive Lernziele beanspruchen den Kopf und beziehen sich auf Fakten.

Berufsbezogenes Beispiel: Fünf verschiedene Deckungsmaterialien aufzählen.

Psychomotorische Lernziele beziehen sich auf motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten: versuchen, üben, koordinieren, oder automatisieren von Tätigkeiten.

Berufsbezogenes Beispiel: Selbstständig eine Ausschreibung erstellen.

Affektive Lernziele betreffen das emotionale Verhalten. Sie beschreiben inwiefern Schülerinnen und Schüler erkennen, reagieren, werten oder Werte leben.

Berufsbezogenes Beispiel: Den Stellenwert und die Wünsche des Bauherrn beim Verfassen von Planunterlagen zu achten.

1.3. Lernzielstufen

Die Forschergruppe um Bloom entwickelte sowohl für kognitive, psychomotorische, aber auch affektive Aufgaben eine Taxonomie: jeder Lernzielbereich wurde in verschiedene Lernzielstufen eingeteilt, die jeweils von Stufe zu Stufe schwieriger werden:

Für den kognitiven Bereich gibt es nach Bloom sechs Stufen die dem Grad der Komplexität der intellektuellen Fähigkeiten eines Menschen entsprechen (Bloom, 1972, S. 71-213):

1. Wissen: aufzählen, nennen, bezeichnen
2. Verstehen: erklären, beschreiben, unterscheiden
3. Anwendung: herausfinden, ordnen, gliedern, erstellen
4. Analyse: auswählen, entscheiden, begründen
5. Synthese: optimieren, organisieren, planen
6. Evaluation: entscheiden, folgern, werten, widerlegen

R. H. Dave definierte für den psychomotorischen Bereich fünf Stufen (Dave, 1970, S. 33-34):

1. Imitation: Wiederholung, Nachahmung
2. Manipulation: Befolgen einer Anweisung
3. Präzision: Genauigkeit und Maßverhältnisse werden bedeutsam
4. Handlungsgliederung: Serie von Handlungen koordinieren
5. Naturalisierung: Automatisieren

Den affektiven Bereich teilte David R. Krathwohl in fünf Stufen ein (Krathwohl, 1975, S. 92-163):

1. Aufnehmen: Bewusstsein über Sachverhalte
2. Reagieren: Bereitschaft zu Aktionen
3. Werten: Bevorzugen von Entscheidungen
4. Wertordnung: Festlegung und Organisation von Werten
5. Bestimmtsein durch Werte: verallgemeinertes Wertsystem, Weltanschauung

Wie zahlreiche Publikationen seit der Zeit der Forschungen von Bloom zeigen, sind diese Lernzielstufen eine wichtige Grundlage für die Leistungsmessung im Schulwesen, wobei der kognitive Bereich am engsten mit der Leistungsfeststellungsform „Test“ zusammenhängt.

1.4. Kompetenzen

„Kompetenzen sind Fähigkeiten einer Person zum selbstorganisierten, kreativen Handeln in für sie bisher neuen Situationen.“ (Heyse, Erpenbeck, & Ortmann, 2010, S. 15) Heyse teilt das komplexe Kompetenzfeld in vier Kompetenzgruppen (Heyse, Erpenbeck, & Ortmann, 2010, S. 81):

Personale Kompetenz: die Fähigkeit, sich selbst gegenüber klug und kritisch zu sein und produktive Einstellungen, Wertehaltungen und Ideale zu entwickeln. Aktivitäts- und Handlungskompetenz: Wissen und Können, aktiv umsetzen zu können. Weitere Merkmale sind Engagement, Initiative, Dynamik und Entscheidungsfreude. Fach- und Methodenkompetenz: die Fähigkeit, durch fachliches und methodisches Wissen, fast unlösbare Probleme schöpferisch zu meistern.

Sozial- und Kommunikationskompetenz: sich aus eigenem Antrieb mit anderen zusammen- und auseinanderzusetzen, kreativ zu kooperieren und zu kommunizieren.

Auch in der Ausbildungsordnung des Ministeriums für den in dieser Arbeit behandelten Lehrberuf „Bautechnischer Zeichner/Bautechnische Zeichnerin“ findet sich die Forderung Kompetenzen zur Persönlichkeitsbildung des Lehrlings zu vermitteln (Ausbildungsordnung, 2007):

Sozialkompetenz: Offenheit, Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit Selbstkompetenz: Selbsteinschätzung, Selbstvertrauen, Eigenständigkeit, Belastbarkeit Methodenkompetenz: Präsentationsfähigkeit, Rhetorik in deutscher Sprache, Verständigungsfähigkeit in den Grundzügen der englischen Sprache Kompetenz für das selbstgesteuerte Lernen: Bereitschaft, Kenntnis über Methoden, Fähigkeit zur Auswahl geeigneter Medien und Materialien

Somit ergibt sich eine umfangreiche Sammlung an unterschiedlichen, aber voneinander nicht unabhängigen Kompetenzen, die Schülerinnen und Schülern allgemein, sowie den Bautechnischen Zeichnern und Zeichnerinnen im speziellen vermittelt werden sollen. Es entspricht dem Berufsalltag, selbstständig, aber nicht alleine Probleme lösen zu müssen. Die Kommunikation mit verschiedensten Projektbeteiligten innerhalb und außerhalb des jeweiligen Planungsbüros ist ein grundlegender Faktor für eine erfolgreiche Ausübung dieses Berufes. Und auch die Kompetenz für das selbstgesteuerte Lernen ist eine Fähigkeit, die über die Schulzeit hinaus für das Arbeiten in einem sich ständig verändernden Berufsumfeld erforderlich ist.

1.5. Schulrecht

Die rechtliche Grundlage für die Beurteilung bildet das Schulunterrichtsgesetz (SchUG). Im §18 ist festgelegt, dass Leistungsfeststellungen vorzunehmen und mit den Noten 1 (Sehr Gut) bis 5 (Nicht Genügend) zu bewerten sind.

Auf Basis dieses Gesetzes regelt die Leistungsbeurteilungsverordnung das Zustandekommen sämtlicher Leistungsfeststellungen.

Für die in dieser Arbeit angeführte schriftliche Überprüfungsform „Test“ gelten beispielsweise folgende Richtlinien für Berufsschulen (§8):

- Die Gesamtarbeitszeit aller Tests darf in jedem Unterrichtsgegenstand und in jedem Unterrichtsjahr 50 Minuten nicht überschreiten.
- Es dürfen maximal zwei schriftliche Leistungsfeststellungen an einem Schultag durchgeführt werden.
- Der Test muss spätestens am Tag der Durchführung im Klassenbuch vermerkt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Leistungsmessung in der Berufsbildung
Untertitel
Inklusive Erstellung von zwei exemplarischen Tests
Hochschule
Pädagogische Akademie des Bundes in der Steiermark  (Berufspädagogik - Ausbildung und Schulpraktische Studien - Institut 5)
Veranstaltung
Modularbeit
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V282639
ISBN (eBook)
9783656823131
ISBN (Buch)
9783656823148
Dateigröße
3385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leistungsmessung, berufsbildung, erstellung, tests
Arbeit zitieren
Mario Trimmel (Autor), 2014, Leistungsmessung in der Berufsbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282639

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