Bindung und Emotionsregulation im Erwachsenenalter


Referat (Ausarbeitung), 2014

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Bindung und Emotionsregulation
2.1 Hintergründe zum Zusammenhang von Bindung und Emotionsregulation
2.2 Zweidimensionales Modell für Bindungsunterschiede
2.3 Sichere Bindung und konstruktive Emotionsregulation
2.4 Bindungsbezogene Vermeidung und die Unterdrückung von Emotionen
2.5 Bindungsängstlichkeit und die Intensivierung unerwünschter Emotionen

3. Zusammenfassung und Diskussion

4. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Wir alle sind, von der Wiege bis zum Grab, am glücklichsten, wenn unser Leben wie eine Serie von langen oder kurzen Ausflügen um die sichere Basis, die unsere Bezugspersonen bieten, organisiert ist.“ (Bowlby, 1988 zit. nach Jeanette Schmieder & Hans Leitner, 2013, S.2). Laut Bowlby werden frühe Bindungserfahrungen in einem internalen Arbeitsmodell gespeichert. Insbesondere in kritischen oder bedrohlich wirkenden Situationen steuern demnach Erwartungen bezüglich des Verhaltens der Bezugsperson das Verhalten des Kindes (vgl. Asendorpf & Banse, 2000). Auch wenn die Stabilität frühkindlicher Bindungsstile und der Grad des Einflusses dieser ersten Bindungserfahrungen auf spätere Paarbeziehungen im Erwachsenenalter kontrovers diskutiert werden, so besteht bislang die Annahme, dass sich frühe Bindungserfahrungen in irgendeiner Form auf die Art des späteren Bindungsstils in Paarbeziehungen auswirken (vgl. Asendorpf & Banse, 2000; Fraley, 2010). Mikulincer und Shaver haben sich in „Attachment in adulthood: Structure, dynamics, and change“ (2007) mit der Frage beschäftigt, inwieweit Emotionsregulation im Erwachsenenalter von der Qualität früher Bindungserfahrungen abhängt und welche Methoden der Regulation mit welchen Bindungsmustern einher gehen. Im Folgenden wird sich auf ihre Ausführungen bezogen.

2. Bindung und Emotionsregulation

2.1 Hintergründe zum Zusammenhang von Bindung und Emotionsregulation

Emotionsregulation beschreibt „die Prozesse der Überwachung, Bewertung und Veränderung von Emotionen hinsichtlich ihrer Qualität, ihrer Intensität, der Dynamik ihres zeitlichen Verlaufs und ihres Ausdrucks“ (Pinquart, Schwarzer & Zimmermann, 2011, S.192). Wenn das Erleben oder der Ausdruck von Emotionen aufgrund sozialer Normen, persönlicher Standards oder Selbstschutzmechanismen nicht möglich ist, dienen Regulationsprozesse dazu eine Balance beziehungsweise einen erwünschteren Zustand herzustellen oder es zumindest nach außen hin so wirken zu lassen. Laut Pinquart et al. (2011) gilt die Fähigkeit den Ausdruck der eigenen Emotionen zu kontrollieren als „kulturelle Anpassungsleistung“. Auf diese Weise werden soziale Interaktionen erhalten und geregelt. „Die Situationen in denen diese Ausdrucksregeln gezeigt werden, sind kulturell verschieden“ (S.187). Mikulincer und Shaver (2007) gehen in ihren Ausführungen vom Modell des Emotionsprozesses von Shaver, Schwartz, Kirson und O‘ Connor aus (Abbildung 1). Ausgelöst werden Emotionen, wie in der Abbildung zu sehen, durch externe oder interne Veränderungen beziehungsweise Ereignisse. Setzen Regulationsprozesse ein, so werden alle Komponenten, wie Bewertungen, emotionsbezogene Gedanken, Handlungstendenzen sowie physische Prozesse beeinflusst. Nun stellt die Aktivierung des Bindungssystems bei Gefahr eine angeborene Form der Emotionsregulation dar. Die Suche nach Nähe und Unterstützung oder das Abrufen der inneren Repräsentation der Bindungsfigur, falls diese nicht physisch erreicht werden kann, ist die primäre Strategie und soll dazu dienen unerwünschte Emotionszustände zu verändern beziehungsweise einen positiveren Zustand wieder herzustellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Ablaufschema des Emotionsprozesses. Quelle: Mikulincer & Shaver, 2007, S. 189 (Übers. d. Verf.)

2.2 Zweidimensionales Modell für Bindungsunterschiede

Laut Ravitz, Maunder, Hunter, Sthankiya und Lancee (2010) werden Bindungsunterschiede kategorisch oder dimensional erfasst. Dimensionale Modelle betrachten den Grad der Ausprägung von Bindungsvermeidung sowie Bindungsängstlichkeit einer Person und werden wie folgt definiert:

Attachment anxiety is characterized by an expectation of separation, abandonment, or insufficient love; a preoccupation with the availability and responsiveness of others; and hyperactivation of attachment behavior. Attachment avoidance is characterized by devaluation of the importance of close relationships, avoidance of intimacy and dependence, self-reliance, and relative deactivation of attachment behavior. (S. 421)

Im klinischen Kontext werden eher kategorische Einteilungen verwendet. Wie Ravitz et al. (2010) beschreiben, lassen sich durch das Modell von Bartholomew und Horowitz dimensionale und kategorische Modelle vereint darstellen (Abbildung 2). Die vier Kategorien – besitzergreifende, abweisende, ängstliche und sichere Bindung – resultieren aus Kombinationen extremer Ausprägungen entlang der Dimensionen Bindungsängstlichkeit und Bindungsvermeidung. Eine sichere Bindung ist demnach gekennzeichnet durch das Fehlen oder eine sehr niedrige Ausprägung sowohl von Bindungsängstlichkeit als auch Bindungsvermeidung. Mikulincer und Shaver (2007) betrachten in ihren Ausführungen hauptsächlich Unterschiede in der Emotionsregulation bezüglich Bindungsängstlichkeit, Bindungsvermeidung und der sicheren Bindung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Quelle: Fraley, 2010, (Übers. d. Verf.)

2.3 Sichere Bindung und konstruktive Emotionsregulation

Sicher Gebundene haben durch Interaktionen mit feinfühligen Bindungsfiguren gelernt, dass die Suche nach Unterstützung in Problemlagen meist erfolgreich ist und Konflikte mit Hilfe anderer bewältigt werden können. Somit konnte sich ein positives Selbstbild sowie ein positives Bild der Umwelt entwickeln und konstruktive Methoden der Emotionsregulation. Der Fokus liegt hierbei auf der Veränderung oder Neubewertung des Auslösers. Die Konfliktlösung steht im Vordergrund. Es kommt zu Relativierungen und Situationen können stressreduzierend bewertet werden. Durch die im Kontakt zu Bindungsfiguren erworbene Fähigkeit sich selbst zu beruhigen, ist eine weitestgehend autonome Emotionsregulation möglich. Außerdem können sicher gebundene Personen ihre Strategien und Überzeugungen revidieren oder abändern, falls dies nötig ist, ohne dass sie Selbstzweifeln verfallen. Gegebenenfalls wird bei anderen Personen Unterstützung gesucht, die bei der Bewältigung des Problems helfen könnten. Emotionen werden zugelassen und angemessen ausgedrückt. Zwar handelt es sich demnach um problemfokussierte Bewältigungsstrategien, es kann jedoch in äußerst belastenden Umständen auch zu distanzwahrendem Coping kommen. So wurde festgestellt, dass sicher gebundene Mütter mit gesunden Kindern oder Kindern mit einem leichten Herzfehler problemfokussiert reagierten und Unterstützung suchten, Mütter von Kindern mit einem schwerwiegenden Herzfehler neigten hingegen zu distanzwahrenden Strategien (Berant et al., 2001, zitiert nach Mikulincer & Shaver, 2007, S.202). Die Unterdrückung schmerzhafter Gefühle und Gedanken kann bei extremer Belastung notwendig sein und der Alltagsbewältigung dienen. So konnten in diesem Fall die Frauen weiterhin als Mütter funktionieren und innere sowie externe Ressourcen mobilisieren, um für das Wohl ihrer Kinder zu Sorgen. Flexibilität und Anpassungsvermögen ist auch im Zusammenhang mit Trennungen erkennbar. So stellte Sbarra (2006, zitiert nach Mikulincer & Shaver, 2007, S. 205) fest, dass sicher gebundene junge Erwachsene, die eine Trennung erlebt hatten, die Situation eher akzeptierten als ängstlich gebundene Personen, was wiederum zu einer schnelleren Stabilisierung und Erholung von Gefühlen wie Wut und Traurigkeit führte. Innerhalb einer Beziehung kann der Umgang von sicher gebundenen Personen mit Wut als kanalisiert, reguliert und zielgerichtet beschrieben werden. Wut dient nach Bowlby (1973, zitiert nach Mikulincer & Shaver, 2007) der Wiederherstellung einer Beziehung und ist als funktionale Antwort auf Trennungen von der Bindungsfigur aufzufassen, solange keine Rache- und Zerstörungsgedanken im Spiel sind. Bowlby (1973, zitiert nach Mikulincer & Shaver, 2007, S.191) prägte den Ausdruck „anger of hope“ (S.191), denn hier wird deutlich, dass die Konfliktlösung und die Hoffnung auf eine klärende Diskussion mit dem Partner im Vordergrund steht. Das grundsätzlich positive Fremdbild sicher gebundener Individuen zeigte sich auch bei Untersuchungen der vorbewussten Aktivierung des Bindungssystems durch subliminales Priming, bei dem ein Reiz – in diesem Fall war es ein Wort – so schnell eingeblendet wurde, dass er bewusst nicht wahrnehmbar war. Im Gegensatz zum neutralen Priming führte bedrohliches Priming zu erhöhtem Zugang zu Gedanken an Nähe und Namen von sicherheitsgebenden Bindungsfiguren (Mikulincer et al., 2000; Mikulincer, Gillath & Shaver, 2007, zitiert nach Mikulincer & Shaver, 2007, S. 195). Gedanken an Trennung und Ablehnung waren hingegen weniger schnell zugänglich.

Es wurde auch untersucht, inwieweit sich Bindungsunterschiede auf die Art der Bewältigung von Todesangst auswirken. Mikulincer und Shaver gehen von der sozialpsychologischen Terror-Management-Theorie aus:

According to terror management theory (J. Greenberg et al., 1997), human beings‘ knowledge that they are destined to die, coexisting with strong wishes to percive themselves as special, important, and immortal, makes it necessary for them to engage in self-promotion, to defend their cultural worldviews, and to deny their animal nature. (Mikulincer & Shaver, 2007, S.209-210)

Viele Untersuchungen zeigten, dass „experimentally induced death reminders“ (Mikulincer & Shaver, 2007, S.210) zu negativeren Reaktionen unter anderem bezüglich moralischer Grenzverletzungen führen. Mikulincer et al. stellten allerdings fest, dass dies eher für unsicher gebundene als für sicher gebundene Menschen zutrifft (Caspi-Berkowitz, 2003; Mikulincer & Florian, 2000 zitiert nach Mikulincer & Shaver, 2007, S. 210).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Bindung und Emotionsregulation im Erwachsenenalter
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Erziehungswissenschaft und Psychologie)
Veranstaltung
Blockseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V282655
ISBN (eBook)
9783656819110
ISBN (Buch)
9783656838722
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotionsregulation
Arbeit zitieren
Joy Baruna (Autor), 2014, Bindung und Emotionsregulation im Erwachsenenalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282655

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