Frauenhelden in edozeitlicher Prosa und Unterhaltungsserien des 21. Jahrhunderts. Ein Vergleich der Figuren Kōshoku Ichidai Otoko und Barney Stinson


Akademische Arbeit, 2012
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Transkription und Übersetzungen

2 Ihara Saikaku
2.1 Leben
2.2 Schreibstil

3 Kōshoku Ichidai Otoko

4 Barney Stinson

5 Vergleich der Figuren Kōshoku Ichidai Otoko und Barney Stinson
5.1 Kōshoku und Liebe
5.2 Vermessenheit und Narzissmus
5.3 Darstellung der Frauen

6 Resümee

7 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Literaturgeschichte Japans sind es vor allem drei bedeutende Romanfiguren, die nach westlichem Verständnis als »Frauenhelden« bezeichnet werden können: Prinz Genji aus dem Genji-monogatari von Murasaki Shikibu, Ariwara no Narihira, so wie er im Ise-monogatari beschrieben wird und Kōshoku Ichidai Otoko von Ihara Saikaku (1682). Nach dem Ende der Heian-Zeit (794-1185), in der Kultur und Literatur in Japan gediehen waren wie nie zu vor und die ersten beiden der eben genannten drei Werke ihren Ursprung fanden, entstanden in den darauffolgenden Jahrhunderten im Zuge der sich verhärtenden Gesellschaftsordnung, diktiert durch das bakufu, nur noch wenige literarische Klassiker. Eine Wende brachten die Kaufleute und Handwerker, die gegen Mitte des 17. Jahrhunderts durch ihre neu gewonnene wirtschaftliche Macht und dem damit verbundenen Zugang zu Bildungsmöglichkeiten eine Art Volkskultur schufen (Hibbett, 1952: 413; Benl, 1965: 293). Ihr erster und vielleicht wichtigster Vertreter, Ihara Saikaku, selbst einer wohlhabenden Familie von Händlern entstammend, vermochte es, das Leben dieser Bürgerschicht eindrucksvoll und realistisch zu beschreiben. So ist es wenig verwunderlich, dass sich das gesellschaftliche Umfeld von Saikakus Kōshoku Ichidai Otoko grundlegend von dem der heianzeitlichen Romanfiguren unterscheidet.

Auch in westlicher Literatur stellen die Abendteuer von Lebemännern ein häufig porträtiertes Thema dar (Don Juan, Giacomo Casanova etc.). Mehr als literarische Werke sind es im einundzwanzigsten Jahrhundert oft Filme und TV-Serien, die große Teile der Bevölkerung erreichen und durch ihre raffiniert konzipierten und plastisch beschriebenen Charaktere – oft kritisch – den Zeitgeist der modernen Gesellschaft wiederspiegeln. Die Figur des Barney Stinson aus der US-amerikanischen TV-Serie »How I Met Your Mother« wird als eine der wichtigsten Repräsentanten von Frauenhelden (womanizer) des gegenwärtigen Unterhaltungsfernsehens gesehen und so wagt die vorliegende Proseminararbeit einen Vergleich ihrer und der in der japanischen Literatur aufgrund ihres bürgerlichen Hintergrundes am ehesten dafür geeigneten Romanfigur des Kōshoku Ichidai Otoko. Dabei wird versucht zu erarbeiten, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Schilderung der Vergnügungen mit Frauen erkennbar sind, wie der Begriff »Liebe« jeweils zu verstehen ist, welche Rolle Charaktereigenschaften wie Vermessenheit und Narzissmus zukommen und schließlich wie die Frauen in den Geschichten jeweils dargestellt werden.

1.1 Forschungsstand

Japanische Literaturwissenschaftler entdeckten die Werke von Saikaku erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts für sich (Lane, 1955: 181; Johnson, 1994: 26). Nennenswerte Studien der Prosawerke in und außerhalb Japans waren vor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht zu finden. Auf die bis in die 1980er Jahre aktiven Saikaku-Forscher Noma Kōshin und Teruoka Yasutaka geht das 1952 erschienene Saikaku Nenpu Kōshō zurück, in dem alles über Saikaku Bekannte festgehalten wurde. Der Sprachwissenschaftler Maeda Kingorō beschäftigte sich intensiv mit Kōshoku Ichidai Otoko und wies auf Parallelen zu anderen Klassikern (u.a. Genji-monogatari, Ise-monogatari und Tsurezuregusa) hin. In den Achtzigern und Neunzigern entstanden mehrere Arbeiten, die Saikaku mit europäischen Schriftstellern verglichen, unter anderem von Donald Keene, Kenneth Kirkwood und Jeffrey Johnson. (Drake, 1991: 531ff; Lane, 1955: 181ff)

Ihara Saikaku ist bis heute einer der meist übersetzten japanischen Autoren (Marceau, 1994: 2). Seine realistischen Schilderungen des edozeitlichen Bürgertums sind nicht nur für Literatur- sondern auch für Kulturwissenschaftler von hoher Relevanz. Dies und der Umstand, dass seine Werke aufgrund der Sprache, die heute selbst Japanern als fremd erscheint sowie der vielen subtilen Andeutungen schwierig zu verstehen und interpretieren sind wird der Saikaku-Forschung auch in den kommenden Jahrzehnten reichlich an Möglichkeiten zur Auseinandersetzung bieten.

Wissenschaftliche Publikationen zu Barney Stinson sind bis dato nicht existent. Lediglich in den Sozialwissenschaften und in den Medienwissenschaften beschäftigt sich eine Handvoll Artikel mit Randphänomenen aus der Serie How I Met Your Mother. Jin Koh (2012) schrieb über Vermessenheit und Selbstüberschätzung bei Barney. Für die vorliegende Arbeit sollen neben der TV-Serie per se vor allem die begleitend erschienenen Bücher The Bro Code (2008) und The Playbook (2012), beide neben Matt Kuhn auch unter dem Namen Barney Stinson veröffentlicht, als Quellen herangezogen werden.

1.2 Transkription und Übersetzungen

Die im Text vorkommenden japanischen Begriffe werden mit revidierter Hepburn-Romanisierung geschrieben (lange Vokale mit Dehnungsstrich). Abgesehen von Personennamen und eingedeutschten Begriffen sowie Eigennamen werden alle japanischen Wörter klein und kursiv geschrieben. Japanische Personen werden bei ihrem ersten Vorkommen mit Familienname, Vorname angegeben, in weiterer Folge nur mit Nachnamen. Eine Ausnahme bilden die großen Literaten der Genroku-Epoche, für die sich die Nennung beim Vornamen eingebürgert hat (»Saikaku«).

Zitate aus Kōshoku Ichidai Otoko entstammen der deutschen Übersetzung von Kani Kazuo (1965).

2 Ihara Saikaku

2.1 Leben

Ihara Saikaku, mit bürgerlichem Namen Hirayama Tōgo (Johnson, 1994: 10), wird oft als der erste moderne Romanschriftsteller Japans bezeichnet (Johnson, 1994: 5). Geboren 1642 in Osaka wuchs er als Sohn einer vermutlich wohlhabenden Familie von Kaufleuten auf und begann im Alter von fünfzehn Jahren mit dem Dichten von haikai. Die 1666 veröffentlichte Anthologie Enkinsh ū umfasste mehrere Stücke von Saikaku. Aus dem Trauerbewältigungsprozess, der dem Tod seiner Frau 1675 folgte, ging sein Haikai-Marathon Haikai Dokugin Ichinichi Senku hervor. Nach der Veröffentlichung seines Meisterwerkes Kōshoku Ichidai Otoko 1682 schrieb er bis zu seinem Tod nur noch Prosa. Als Schüler von Nishiyama S ōin (1605–1682) war Saikaku Anhänger der Danrin -Schule, in der Wert gelegt wurde auf eine realistische Schilderung des Lebens der Bürger in zeitgemäßer Sprache. Durch seine Zusammenarbeit mit Schauspielern nahm das Theater, insbesondere kabuki und kyōgen Einfluss auf Saikakus spätere Werke. (Johnson, 1994: 19f; Benl, 1965: 295)

Saikakus Romane werden in drei Kategorien eingeteilt: Geschichten über Liebesabenteuer (kōshoku-mono) – zwischen 1682 und 1687 veröffentlicht, Geschichten über Krieger (buke-mono) und Geschichten über das Leben der Kaufleute (chōnin-mono) – veröffentlicht in den letzten acht Jahren seines Schaffens (Johnson, 1994: 22ff).

Neben Kōshoku Ichidai Otoko gelten vor allem Kōshoku Gonin Onna, Kōshoku Ichidai Onna, Nanshoku Ōkagami, Buke Giri Monogatari und Saikaku Oridome als Saikakus berühmteste Werke.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Frauenhelden in edozeitlicher Prosa und Unterhaltungsserien des 21. Jahrhunderts. Ein Vergleich der Figuren Kōshoku Ichidai Otoko und Barney Stinson
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Asien-Orient-Institut, Seminar für Japanologie)
Veranstaltung
PS Kulturgeschichte Japans
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V282729
ISBN (eBook)
9783656819059
ISBN (Buch)
9783656819066
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauenhelden, prosa, unterhaltungsserien, jahrhunderts, vergleich, figuren, kōshoku, ichidai, otoko, barney, stinson
Arbeit zitieren
Benjamin Rusch (Autor), 2012, Frauenhelden in edozeitlicher Prosa und Unterhaltungsserien des 21. Jahrhunderts. Ein Vergleich der Figuren Kōshoku Ichidai Otoko und Barney Stinson, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282729

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