Kaiser Friedrich I. Barbarossa und der Verbleib seiner Überreste


Hausarbeit, 2014

16 Seiten, Note: drei


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Aufbruch zum dritten Kreuzzug

3. Todesumstände

4. Der Verbleib seiner Überreste

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Mittelalters, welche gleichzeitig mit dem Dritten Kreuzzug in Verbindung gebracht wird, ist Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Um ihn tummeln sich zahlreiche Legenden, wie der Umstand seines Todes oder der Verbleib seiner sterblichen Überreste. In diesem Zusammenhang behandelt diese Seminararbeit den Vergleich der vorhandenen Quellen über den Verbleib seiner Überreste sowie die Frage, wo er begraben wurde nach seinem unerwarteten Tod in Kleinasien am 10. Juni 1190.[1] Zuvor werden in einem kurzen Abriss die politischen Umstände geschildert, der Anlass zum Dritten Kreuzzug (1189/1190) und die Berichte über seine Todesumstände beleuchtet. Einige zeitgenössische Quellen wie die Berichte des Chronisten Ansbert in der Historia de expeditione Friderici imperatoris liefern Zeugnisse über Barbarossas Kreuzzug sowie seinen Tod.[2] Zudem gibt es nur sehr wenige Augenzeugenberichte, neben denen des Ansbert findet man Hinweise bei einem anonymen Begleiter des Kreuzzuges, der seine Schilderungen in das Itinerarium Peregrinorum niederschrieb. In byzantinischen Quellen findet man nur noch Beschreibungen des Kreuzzuges von Niketas Choniates.[3] In zahlreicher Sekundärliteratur findet man Beispiele von überlieferten Aussagen über seinen Verbleib. Die meist nicht namentlich erwähnten Chronisten lassen also die Frage offen, ob es sich um tatsächliche Zeitgenossen von Barbarossa handelte oder ob sie aus späterer Zeit stammen. Daher beschränkt sich der Vergleich von Quellenmaterial auf Aussagen von führenden Barbarossaforschern wie Knut Görich, Helmut Hiller oder Ekkehard Eickhoff. Nachdem die Thesen über den Verbleib von Barbarossas Überresten dargestellt werden, wird anschließend ein Fazit gezogen.

2. Der Aufbruch zum dritten Kreuzzug

Unter der Führung von Kaiser Friedrich I, wegen seines auffällig roten Bartes auch „Barbarossa“ genannt, startete am 23. April 1189 in Regensburg der Dritte Kreuzzug, deren hauptsächliches Ziel darin bestand, das Heilige Land für die Christenheit zurückzuerobern.[4] Ausschlaggebend dafür waren die Niederlage der Christen bei der Schlacht von Hattin 1187 und die Eroberung Jerusalems im selben Jahr durch Sultan Saladin. Dies war sein zweiter Kreuzzug. Bereits 40 Jahre zuvor begleitete er schon seinen Onkel Konrad III. auf dem Weg ins Heilige Land.[5]

Als Folge der erschütternden Ereignisse und der Nachricht vom Fall Jerusalems rief der Kardinalbischof Heinrich von Albano im Dezember 1187 zu einem Hoftag Friedrichs I. in Straßburg zur Befreiung des Heiligen Landes auf, nachdem die Nachricht von Hattin nach Deutschland gedrungen war. An diesem Hoftag sollen bereits zahlreiche Fürsten sowie mehr als 500 Edle das Kreuzzuggelübde geleistet haben.[6] Barbarossa gehörte noch nicht zu ihnen aufgrund von einigen Diskrepanzen mit dem Kölner Erzbischof Phillip und innenpolitischen Schwierigkeiten. Nachdem der Streit beigelegt war, widmete er sich mit fast 70 Jahren nun den Kreuzzugvorbereitungen.[7] Daher erfolgte zu den „Laetare“ am Sonntag, dem 27. März 1188, in Mainz die „curia Iesu Christi“. An diesem Tag nahm nicht nur der Kaiser zwei Monate nach den Herrschern von England und Frankreich aus der Hand des Bischofs von Würzburg das Kreuz an, sondern auch sein Sohn, Friedrich II., der Herzog von Schwaben.[8] Neben ihnen verpflichteten sich auch ca. 4000 „viri electi“ zu Kreuzfahrern. Mit wenigen Ausnahmen waren so gut wie alle Regionen des Deutschen Königreiches in Mainz vertreten.[9] Dieses Datum hatte für den Kaiser eine besondere religiöse und politische Bedeutung. Seine Königskrönung am 9. März 1152 fand ebenfalls an einem Sonntag „Laetare“ statt. Mit der öffentlichen Kreuznahme trat der Kaiser in den Dienst Gottes und wurde zum „rex et miles“.[10] Am „Hoftage Christi“ wurde nicht nur über einzelne Vorkehrungen über den Kreuzzug diskutiert, sondern auch über dessen Verlauf. Diese Thematik, welche Route man nehmen sollte, ist ausschlaggebend für den weiteren Weg Barbarossas sowie seinen sich daraus ergebenden tragischen Tod. Von dem Chronisten Ansbert wissen wir, dass der Bischof Gottfried von Würzburg der Meinung war, das Kreuzfahrerheer den Seeweg nehmen zu lassen. Eine Vermutung liegt darin, dass der Bischof gute Beziehungen zu den unteritalischen Städten gehabt habe und daher auf mögliche Unterstützung für eine mächtige Flotte gehofft habe. Ein weiteres Argument könnte sein, dass der Transport der Kreuzfahrer über den Seeweg schnellere Hilfe für die Christen im Heiligen Land versprach. Die verbliebenen, sich noch in christlicher Hand befindenen Hafenstädte Tyrus, Tripolis und Antiochia wären einerseits eine gute Anlaufstelle gewesen und andererseits hätte man sie angesichts der Bedrohung durch Saladin schneller erreichen können, um sie zu verteidigen. Dazu hätte das Risiko bestanden, dass die Städte bei Ankunft der Kreuzfahrer bereits in Saladins Hände gefallen wären.

Der Kaiser sprach dagegen, indem er sich einerseits vermutlich an Karl den Großen erinnerte, der auch auf dem Landwege nach Palästina gezogen war und Barbarossa den Landweg ohnehin schon vom Zweiten Kreuzzug her kannte. Weitere Argumente von Befürwortern waren, dass die meisten Kreuzfahrer die Seefahrt nicht gewohnt seien und, weil man bereits auf dem Weg nach Palästina wichtige Kämpfe für die Christenheit austragen könnte.[11] Als das weitere Vorgehen besprochen war und der Landweg als Route festgesetzt worden war, beschloss der Kaiser den Aufbruch auf das Folgejahr, dem St. Georgs-Tag am 23. April 1189 in Regensburg. In der Zwischenzeit erließ er ein Gebot, dass niemand am Kreuzzug teilnehmen dürfte, der es sich nicht leisten könnte. Des Weiteren schickte er Gesandte unter anderem nach Ungarn, Serbien und zu dem Sultan Kilidsch Arslan von Iconium, um die Versorgung sicherzustellen. Bevor Barbarossa zur Pilgerfahrt aufbrach, übertrug er die Regierung des Reiches während seiner Abwesenheit seinem Sohn Heinrich. Über die Anzahl der Kreuzfahrer, die sich tatsächlich in Regensburg versammelten um mit dem Kaiser aufzubrechen, sind sich die Quellen nicht ganz einig. Zum Beispiel heißt es bei den nacherzählten Quellen bei Erna Barnick, dass das Kreuzfahrerheer aus 30000 bis 40000 Mann bestand, unter denen 15000 auserwählte Ritter waren.[12] In der Kölner Chronik, die bei Helmut Hiller beschrieben ist, heißt es, dass das Heer aus ca. 20000 Rittern und Insgesamt 40000 Teilnehmern bestand. Wenn man aber bedenkt, dass ein so großes Heer auf einer Strecke von rund 2000 Kilometern täglich versorgt werden musste, ist dies für die damaligen Verhältnisse eine fast unmögliche Herausforderung gewesen. Dazu kommt der Erlass des Kaisers, in dem nur diejenigen den Kreuzzug begleiten durften, die es sich aus eigener finanziellen Kraft leisten konnten. Daher erscheint die Anzahl unrealistisch. Demzufolge ist die Schätzung bei Ekkehard Eickhoff als realistischer zu betrachten. Er schätzt die Teilnehmer auf ca. 12000 bis 15000 Mann.[13] Dies entspricht etwa der Anzahl derjenigen, die das Kreuz zum Mainzer Hoftag empfangen haben sollen. Friedrichs Heer ist daher vermutlich gleichstark gewesen wie das des Richard Löwenherz.[14] Knut Görich berichtet in seiner Biographie über Kaiser Friedrich I. über ein ähnlich großes Heer von etwa 12000 Mann. Unter ihnen waren zum Beispiel der Bischof Gottfried von Würzburg, Barbarossas Sohn, der Herzog von Schwaben, Herzog Theobald II von Böhmen und mehrere Grafen und edelfreie aus Schwaben.[15]

Nachdem sich das Heer in Regensburg versammelt hatte, brach es mit Schiffen über die Donau auf, weiter nach Passau, dann über Österreich, Ungarn, Serbien und Bulgarien bis nach Konstantinopel. Ende November 1189 schlug es sein Winterlager in Adrianopel auf, bis es vom 22. bis 28. März 1190 über den Hellespont nach Kleinasien übersetzte. Die Route führte es von Smyrna bis nach Iconium, in das Herrschaftsgebiet des Sultan Kilidsch Arslan. Die Kreuzfahrer mussten nicht nur einige Verluste nach Kämpfen mit den Seldschuken in Kauf nehmen, sonder auch Vertragsbrüche wie den durch den Sultan von Iconium, woraufhin den Kreuzfahrern die Erstürmung der Stadt gelang. In Laranda wurden die letzten Vorbereitungen für den Überstieg des Taurusgebirges getroffen um das nächste Ziel, Seleukia, an der Küste zu erreichen. Dies war die letzte Etappe des Kaisers, denn auf dem weiteren Weg stand die Überquerung des Flusses Saleph (dem heutigen Gök-su). An diesem Fluss befindet sich jene Stelle, die für Barbarossa zum Verhängnis wurde.[16]

[...]


[1] Vgl. Wahl, Rudolph: Barbarossa. Eine Historie, 4. Auflage, München 1959. S. 344

[2] Vgl. Bühler, Arnold: Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas 1187-1190. Bericht eines Augenzeugen, in: Osterhammel, Jürgen/ Reichert, Folker (Hrsg.). Fremde Kulturen in alten Berichten, Bd. 13, 2. Auflage, Stuttgart 2005. S. 48

[3] Vgl. Dr. Böhm, Franz: Das Bild Friedrich Barbarossas und seines Kaisertums. In den ausländischen Quellen seiner Zeit, in: Dr. Ebering, Emil (Hrsg.). Historische Studien, Heft 289, Berlin 1936. S. 116

[4] Vgl. Eickhoff, Ekkehard: Friedrich Barbarossa im Orient. Kreuzzug und Tod Friedrich I., in: Deutsches Archäologisches Institut. Abteilung Istanbul (Hrsg.). Istanbuler Mitteilungen, Beiheft 17, Tübingen 1977. S. 37

[5] Vgl. Hechelhammer, Bodo: Kreuzzug und Herrschaft unter Friedrich II. Handlungsspielräume von Kreuzzugspolitik (1215-1230), Ostfildern 2004. S. 34

[6] Vgl. Stöckel, Jan- Peter: Die königliche Heerfahrtspraxis der frühen Stauferzeit (1125 bis 1190) – dargestellt anhand der Anteilnahme des deutschen Hochadels unter Lothar III., Konrad III. und Friedrich I. Barbarossa, unv. Diss., Universität Berlin 1993. S. 389-390

[7] Vgl. Möhring, Hannes: Saladin und der dritte Kreuzzug. Aiyubidische Strategie und Diplomatie im Vergleich vornehmlich der arabischen mit den Lateinischen Quellen, in: Gall, Lothar / Gembruch, Werner / u.a. (Hrsg.). Frankfurter Historische Abhandlungen, Bd. 21, Wiesbaden 1980. S. 85

[8] Dr. Böhm, Franz: Das Bild Friedrich Barbarossas und seines Kaisertums. S. 108

[9] Möhring, Hannes: Saladin und der dritte Kreuzzug. S. 388

[10] Goez, Werner: Von Bamberg nach Frankfurt und Aachen. Barbarossas Weg zur Königskrone, in: Zentralinstitut für Fränkische Landeskunde und Allgemeine Regionalforschung an der Universität Erlangen- Nürnberg (Hrsg.). Jahrbuch für Fränkische Landesforschung. Festschrift Alfred Wendehorst. Zum 65. geburtstag gweidmet von Kollegen, Freunden, Schülern, hrsg. v. Schneider, Jürgen/ Rechter, Gerhard, Neustadt (Aisch) 1992. S 65

[11] Vgl. Möhring, Hannes: Saladin und der dritte Kreuzzug. S. 85-87

[12] Vgl. Branick, Erna: Kaiser Friedrich Barbarossa in der Geschichte, Jena 1926. S. 65- 67

[13] Vgl. Eickhoff, Ekkehard: Friedrich Barbarossa im Orient. S. 47

[14] Vgl. Möhring, Hannes: Saladin und der dritte Kreuzzug. S. 88-89

[15] Vgl. Görich, Knut: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie, München 2011. S. 552

[16] Vgl. Hiller, Helmut: Friedrich Barbarossa und seine Zeit. Eine Chronik, München 1997. S. 407-415

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kaiser Friedrich I. Barbarossa und der Verbleib seiner Überreste
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Historisches Institut/ Professur für Mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
Friedrich I. Barbarossa und die Epoche der frühen Staufer
Note
drei
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V282731
ISBN (eBook)
9783656817864
ISBN (Buch)
9783656817871
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kaiser, friedrich, barbarossa, verbleib, überreste
Arbeit zitieren
Eric Kreßner (Autor), 2014, Kaiser Friedrich I. Barbarossa und der Verbleib seiner Überreste, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282731

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