Im Umgang mit Patienten in Klinik und Praxis, bei denen der Verdacht auf Borreliose und Ko- oder Begleitinfektionen bestand, macht sich der Autor Gedanken zur Rechtfertigung seines Handelns, zumal er einen Konflikt, der sich derzeit noch zwischen Theoretikern und Praktikern zu diesem Thema abspielt, auszuhalten hat. Die Vertreter dieser beiden Lager sind organisatorisch vertreten auf der einen Seite in der IDSA (Infectious disease society of America) und den entsprechenden europäischen Organisationen wie EUCALB (European Union Concerted Action on Lyme Borreliosis), auf der anderen Seite in der ILADS (International Lyme and Associated Diseases Society) und der DBG (Deutsche Borreliose Gesellschaft). Als Kliniker, dem das Leid der Patienten täglich vor Augen ist, ruft der Autor alle Konfliktparteien zur Mitarbeit auf und er stellt Fragen zur Infektion mit Borrelien, dem möglicherweise doch chronischen Verlauf der Erkrankung, zu der Symptomatik bei der Infektion mit Borrelien, zur Sensitivität und Spezifität von Antikörperbestimmungen im Praxisalltag, zu der Aussagekraft des EliSpot und des CD57 Wertes bei der Diagnosefindung, zur Therapie mit Antibiotika und mit den Kontrollmaßnahmen und den Stoffwechsel des Patienten unterstützenden Maßnahmen (Adjuvantien) vor und während der Therapie, zum Phänomen Erythema migrans und dem die Therapie möglicherweise komplizierenden Phänomen Biofilm und den möglicherweise Krankheitsrückfälle verursachenden pleomorphen, langsam wachsenden Bakterienformen (Persister- oder L-Formen). Der Beitrag gründet auf einem intensiven Literaturstudium. Umfangreiche Literaturangaben und Linksammlungen finden sich im Anhang als Anregung für den an dem Thema interessierten Leser.
Inhaltsverzeichnis
1 Allgemeines
2 Gibt es eine chronische Borreliose?
3 Symptome bei der Infektion mit Borrelien und Ko-Infekten
4 Borrelien-Direktnachweis
5 Indirekte Testverfahren: Antikörperbestimmungen
6 Der EliSpot (Interferon-Gamma-Test)
7 Die CD57-NK-Zellen
8 Antibiotika-Therapie
9 Antibiotika Begleit- Diagnostik und -Therapie
10 Erythema migrans, Lymphozytom, ACA und Meldepflicht
11 Biofilme, pleomorphe Formen, Persisterformen
12 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, aus klinischer Sicht eine sachliche Diskussion über die chronische Borreliose sowie Ko-Infektionen anzustoßen und aufzuzeigen, warum aktuelle diagnostische und therapeutische Standards bei chronischen Verläufen möglicherweise nicht ausreichend sind.
- Kritische Analyse der Diagnostik und Therapie bei chronischer Borreliose
- Bedeutung von Ko-Infektionen und deren Einfluss auf das Krankheitsbild
- Problematik bakterieller Persister-Formen und Biofilme
- Notwendigkeit einer ganzheitlichen, interdisziplinären Therapieansatzes
Auszug aus dem Buch
1 Allgemeines
Alle folgenden Betrachtungen sind Anregungen für weitere Untersuchungen bzw. Studien oder Informationen. Diese Gedanken und Fragen haben sich durch die Literatur-Recherche im Internet, Fragen von den Patienten in der täglichen Praxis und viele Gespräche ergeben. Es besteht augenscheinlich ein großer Gesprächs- und Informationsbedarf bei den Patienten und auch bei Kollegen, die von den Patienten mit diesen Fragen in der Praxis konfrontiert werden.
Wir wissen, dass es Wechselwirkungen zwischen den Krankheitserregern (Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen, Parasiten usw.) mit ihren jeweiligen Virulenz- bzw. Pathogenitätsfaktoren und dem Immunsystem des Infizierten, dem Wirt, gibt. Dabei entscheidet sich bei jeder Infektion, ob der Betroffene nur infiziert wird oder ob er auch erkrankt, d.h. ob er Symptome entwickelt und wie schwer er erkrankt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Allgemeines: Einführung in die Thematik der Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern und Immunsystem sowie der Bedarf an einer ganzheitlichen Betrachtung.
2 Gibt es eine chronische Borreliose?: Auseinandersetzung mit der Existenz und Häufigkeit der chronischen Borreliose und Abgrenzung zur Neuroborreliose.
3 Symptome bei der Infektion mit Borrelien und Ko-Infekten: Auflistung klinischer Symptome, die auf eine chronische Infektion hinweisen könnten, sofern andere Diagnosen ausgeschlossen wurden.
4 Borrelien-Direktnachweis: Darstellung der Möglichkeiten und Limitierungen des direkten Nachweises von Borrelien im Gewebe.
5 Indirekte Testverfahren: Antikörperbestimmungen: Analyse der Probleme bei der Standardisierung und Sensitivität der gängigen Antikörpertests.
6 Der EliSpot (Interferon-Gamma-Test): Erläuterung des EliSpot-Verfahrens als zelluläres Testinstrument zur Beurteilung der Immunaktivität.
7 Die CD57-NK-Zellen: Diskussion der Bestimmung von natürlichen Killerzellen zur Beurteilung des zellulären Immunsystems.
8 Antibiotika-Therapie: Diskussion von Therapiekonzepten, Kontraindikationen und der Relevanz von Kombinations-Langzeittherapien.
9 Antibiotika Begleit- Diagnostik und -Therapie: Vorstellung ergänzender Maßnahmen zur Unterstützung des Patienten während einer Langzeittherapie.
10 Erythema migrans, Lymphozytom, ACA und Meldepflicht: Erörterung praktischer Probleme bei der Diagnosestellung und Meldung der Erkrankung.
11 Biofilme, pleomorphe Formen, Persisterformen: Aufarbeitung der Existenz schwer nachweisbarer Erregerformen im Gewebe und deren Auswirkung auf die Therapie.
12 Diskussion: Fazit des Autors über die Notwendigkeit, Patienten mit unklaren chronischen Symptomen ganzheitlich zu betrachten und weiterführende Studien zu fördern.
Schlüsselwörter
Chronische Borreliose, Spätborreliose, Borrelien-Direktnachweis, Borrelien-Serologie, Immunologie, ELISPOT, CD57 natürliche Killerzellen, Borreliose Ko-Infektionen, Erythema migrans, pleomorphe Bakterienformen, Bakterien-Persister, bakterielle Biofilme, Antibiotika-Therapie, Antibiotika Begleitdiagnostik, Antibiotika-Begleittherapie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die medizinische Auseinandersetzung mit der chronischen Borreliose und Ko-Infektionen aus der Sicht eines klinisch tätigen Arztes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Diagnostik, Therapieansätze, die Rolle von Persister-Formen, Biofilmen sowie die Bedeutung der Begleitdiagnostik bei chronischen Infektionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, auf Basis der aktuellen Literatur und klinischer Erfahrung zur sachlichen Diskussion anzuregen und neue Perspektiven in der Diagnostik und Therapie chronischer Multisystemerkrankungen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem intensiven Literaturstudium und der kritischen Analyse wissenschaftlicher Studien, kombiniert mit klinischen Beobachtungen und Praxiserfahrungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt diverse Nachweismethoden (Direkt- und Indirektnachweise), zelluläre Immunitätstestungen sowie evidenzbasierte Ansätze für Langzeit- und Kombinationstherapien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Chronische Borreliose, Ko-Infektionen, Bakterien-Persister, Biofilme, Antibiotika-Therapie und Immunmodulation.
Welche Rolle spielen Biofilme bei der Borreliose-Behandlung?
Biofilme erschweren die Therapie, da sie den Krankheitserregern Schutz bieten und somit zu einer Chronifizierung beitragen können.
Warum sind Standard-Antikörpertests für den Autor oft nicht ausreichend?
Der Autor weist auf Probleme bei der Standardisierung, Sensitivität und Spezifität hin, weshalb ein negatives Testergebnis eine Infektion in der klinischen Praxis nicht sicher ausschließen kann.
- Quote paper
- Axel Hübner (Author), 2015, Gedanken und Fragen eines Klinikers zur Infektion mit Borrelien und Ko-Infekten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282739