Sprachgesetzgebung Kataloniens in Geschichte und Gegenwart


Hausarbeit, 2004
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung
1.1 Vorwort
1.2 Verbreitung des Katalanischen

2. Geschichte Kataloniens und des Katalanischen
2.1 Wurzeln der Unabhängigkeitsbewegung
2.2 Beginn der Emanzipation
2.3 Die erste autonome Verwaltung nach den Decretos de
Nueva Planta
2.4 Katalanisch unter Franco
2.5 Die ersten Wahlen 8 2.6 Die Position der politischen Parteien zur Sprachfrage
2.7 Ziele der einzelnen Parteien
2.7.1 Convergència i Unión (CIU)
2.7.2 Esquerra Republicana de Catalunya (ERC)

3. Aktuelle Gesetzgebung
3.1 Die Kooffizialität
3.2 Beziehungen zwischen Zentralstaat und Region
3.3 Die Kompetenzen der Regionen
3.4 Die Normalisierung
3.5 Die Normalisierung in der Sprachgesetzgebung
3.6 Die Verwaltung
3.7 Die Llei 1/1998 de Política Lingüística (LPL)
3.7.1 Gerichtssprache
3.7.2 Katalanisch in den Medien
3.7.3 Katalanisch in der privaten Wirtschaft
3.7.4 Das Problem der Produktetikettierung
3.7.5 Die Pflicht, das Katalanische zu beherrschen
3.7.6 Katalanisch in der EU

4. Schlusswort

5. Literatur

1. Einführung

1.1 Vorwort

Seit dem Ende des Francoregimes hat das lange unterdrückte Katalanisch immer mehr an Bedeutung gewonnen. Obwohl der Zentralstaat auch heute noch stets versucht, allzu regionalistische Tendenzen zurückzudrängen und die Befugnisse der Autonomien gering zu halten, sind die Regionalsprachen ein selbstverständlicher Teil des demokratischen Spanien geworden. In den traditionell wirtschaftlich stärksten Regionen Katalonien und dem Baskenland haben Sprache und Identität den Faschismus überdauert. Seitdem ist man bemüht, wieder eine sprachliche Normalität herzustellen.

Besonders in Katalonien hat die Sprache ihren Weg wieder zurück in die Gesellschaft gefunden. Dies ist allerdings nicht von allein geschehen; eine Reihe von Gesetzen wurde erlassen, um die Sprache in Medien, Bildung, Justiz und Verwaltung zu etablieren. Dabei kam es oft zu Kontroversen zwischen dem spanischen Zentralstaat und der Region.

Der Konflikt zwischen Katalonien und Spanien ist allerdings nicht neu. Seit Jahrhunderten versucht die Zentralregierung, die Machtbefugnisse Kataloniens durch Gesetzte oder militärische Maßnahmen zurückzudrängen, während Katalonien nach mehr Unabhängigkeit strebt. Nicht zuletzt durch ihre wirtschaftliche Stärke hat die heutige Autonomie es geschafft, die eigene Sprache und Identität zu erhalten.

Auch nach dem Ende der Diktatur stehen Barcelona und Madrid sich als Kontrahenten gegenüber, jetzt aber bemüht einen Kompromiss zu finden. Mit der EU kommt neuerdings ein weiterer Akteur hinzu, und das Katalanische muss sich in einem noch größeren Kontext behaupten.

Nun hat das Katalanische durch eine Reihe von Gesetzen und Regelungen einen rechtlichen Rahmen erhalten. Wie die aktuelle Gesetzgebung dazu aussieht und wie es dazu kam, versucht diese Arbeit zu erläutern.

1.2 Verbreitung des Katalanischen

Die genaue Ausbreitung des Katalanischen ist schwer zu ermitteln, da einerseits die politischen Grenzen nicht mit den Sprachgrenzen übereinstimmen, und andererseits verschiedene Definitionen des Katalanischen existieren. In Spanien wird in dem ehemaligen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Pidelaserra 1989, S. 18

Fürstentum Katalonien, den heutigen Països Catalans, Katalonien, Valencia und den Balearen Katalanisch gesprochen. Zusätzlich spricht man in den Oststreifen Aragoniens, der Franja D’Aragó und der Franja de Ponent Katalanisch. In den Provinzen Valencia und den Balearen tritt jeweils eine etwas abgewandelte Form des Katalanischen auf. Im französischen Roussillon gibt es noch eine Gemeinde von 200.000 Katalanischsprechern[1], Tendenz fallend, die über keinerlei rechtliche Garantien verfügen. Einzig in Andorra ist das Katalanisch Staatsprache; die gesamte Verwaltung wird einsprachig auf Katalanisch abgewickelt. Sonst wird nur noch in der Stadt Alghero, in Italien und im Umland der Nordwestküste Sardiniens als Relikt aus der katalonisch-aragonesischen Herrschaft Katalanisch gesprochen.[2]

Schenkt man den Lehrbüchern und amtlichen Mitteilungen glauben, beläuft sich die Gesamtzahl der Sprecher auf bis zu 9 Millionen wobei etwa 7 Millionen im geschlossen Sprachgebiet leben.[3]

In Valencia gibt es Tendenzen, das Valenzianische als unabhängige Sprache zu sehen, was oft einer Kooperation der Països Catalans entgegensteht. Deshalb ist dort das Valenzianische, neben dem Kastilischen, Amtssprache. Auf den Balearen ist sowohl Kastilisch als auch Katalanisch Amtssprache.[4]

In dieser Arbeit wird wegen der dort am stärksten vorhandenen Emanzipationsbestrebungen nur Katalonien untersucht.

2. Geschichte Kataloniens und des Katalanischen

2.1 Wurzeln der Unabhängigkeitsbewegung

Katalonien wurde im Jahre 987 unabhängig, nachdem es lange Zeit die Marca Hispanica des Frankenreiches gewesen war. Im 11. Jahrhundert entstand wegen des starken Adels und der Zersplitterung des Landes ein eigenes Rechtssystem, das sich von dem spanischen hinsichtlich der Organisationsform und den politischen Institutionen unterschied. Nach der Vereinigung mit Aragonien 1137 und der Eroberung Valencia und den Balearen im 13. Jahrhundert war Katalonien eine bedeutende Territorial- und Seemacht geworden. Schon früh verlangte die durch den regen Handel entstandene Bürgerklasse nach politischer Mitbestimmung. In den Cortes, den Ständeversammlungen, waren Adel Kirche und Bürgertum vertreten.[5]

Entgegen der landläufigen Meinung, Spanien sei mit der Heirat Isabellas von Kastilien und Ferdinands von Aragón als „unidad nacional“ mit seinen heutigen Grenzen entstanden, wurden Kastilien und die katalanisch-aragonesische Konföderation nach dem Tod Isabellas 1504 wieder von einander getrennt.[6] Einige Jahre später fiel Kastilien zwar erneut unter die Regentschaft Ferdinands, die Unabhängigkeit Kataloniens blieb jedoch in wichtigen Bereichen erhalten. So kommt es, dass Katalanisch Amtssprache im katalanisch-aragonesischen Reich blieb und auch weiterhin das katalanische Rechtssystem gültig war.

Als 1701 der Bourbone Phillip V. von seinem Onkel Ludwig XIV zum König Spaniens ernannt wurde, kam es zu äußeren und inneren Konflikten. England und Holland schlossen sich mit den Habsburgern zur Haager Allianz zum Kampf um die Thronfolge zusammen, und der Habsburger Herzog Karl III. meldete selbst Anspruch auf die Krone an. Im monarchistischen Spanien fand er jedoch wenig Anerkennung, lediglich Katalonien und Valencia schlugen sich auf seine Seite. Von dort aus drangen die Alliierten in Spanien ein und gelangten bis nach Madrid. Doch die Bevölkerung verweigerte der Allianz ihre Unterstützung und verteidigte die aus dem Absolutismus rührende traditionelle Vormachtstellung Kastiliens. Selbst als die Habsburger das Interesse an Spanien verloren hatten, unter anderem weil Karl die Kaiserwürde zur Führung des Habsburger Hauses zufiel, kämpfte Barcelona weiter für seine Unabhängigkeit. Bar jeder Unterstützung wurde Barcelona schnell von Phillip V eingenommen. Nach erbitterten Kämpfen versuchte Phillip V., die Einigkeit des Reiches zu festigen, führte mit den Decretos de Nueva Planta von 1716, das kastilische Verwaltungsecht ein, beschnitt somit die politischen Sonderverfassungen der einzelnen Regionen.[7] Amtssprache in ganz Spanien und somit auch in Katalonien wurde Spanisch. Außer von Adel und Klerus wurde das Spanische jedoch nicht gesprochen; in der Bevölkerung dominierte weiterhin das Katalanische.[8] Ab 1772 musste sämtliche Buchführung auf Kastilisch gemacht werden und 1779 wurde selbst die Aufführung von Theaterstücken in katalanischer Sprache verboten.

Entscheidend für die Ausbreitung der spanischen Sprache in Katalonien ist die Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführte allgemeine Schulpflicht. Katalanisch wurde zudem 1825 unter Ferdinand dem VII als Unterrichtssprache verboten.[9] Greift die Schulpflicht nicht so stark wie in Frankreich, so erreichte sie dennoch bis zu 60% der Bevölkerung.[10]

2.2 Beginn der Emanzipation

Die Verfassung von Cádiz aus dem Jahre 1812 schaffte die regionalen Rechte, die fueros weitgehend ab und setzte sich für einen Zentralismus à la française ein. Doch mit der Industrialisierung, welche in Katalonien früher und intensiver als im restlichen Spanien einsetzte und dem Auftreten einer bürgerlichen Mittelschicht intensivierten sich die katalanischen Emanzipationsbewegungen. Das eigene Geschichtsbewusstsein, die kulturelle Wiedergeburt, die sich z. B. in dem Dichterwettbewerb jocs florales von 1859 manifestiert, entfernten Katalonien noch weiter vom Zentralstaat. Die Region war politisch wenig repräsentiert, und obwohl sie um 1850 nur 10% der Bevölkerung Spaniens stellte, hielt es Madrid für nötig, 27% seiner Streitkräfte dort zu stationieren.

[...]


[1] Petrella (1976), S. 139.

[2] Gergen (2000), S. 4-6.

[3] Commission of the European Communities (1990), S. 10.

[4] Gergen (2000), S. 9-10.

[5] Brinck (1996), S. 45-48.

[6] Bernecker (2000), S. 78-80.

[7] Ebd., S. 147-159.

[8] Koppelberg, (1991), S. 405-406.

[9] Kailiuweit (1991), S. 323.

[10] Ebd., S. 406.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Sprachgesetzgebung Kataloniens in Geschichte und Gegenwart
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Romanisches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V28275
ISBN (eBook)
9783638301015
Dateigröße
940 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der Arbeit wird die Sprachgesetzgebung Kataloniens in Geschichte und Gegebwart, insbesondere seit dem Ende der Francodiktatur beleuchtet.
Schlagworte
Sprachgesetzgebung, Kataloniens, Geschichte, Gegenwart
Arbeit zitieren
Jost Fromhage (Autor), 2004, Sprachgesetzgebung Kataloniens in Geschichte und Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28275

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