Massentierhaltung

Ein ethisch vertretbarer Wirtschaftsfaktor?


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Massentierhaltung aus wirtschaftlicher Sicht
2.1. Fakten und ökonomischer Nutzen
2.2. Folgen der Massenproduktion

3. Massentierhaltung aus ethischer Sicht
3.1. Turbomast – Umgang mit Masthühnern im Betrieb
3.2. Utilitaristische Sichtweisen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es lässt sich sagen, dass der Wunsch des Fleischessens aufgrund des steigenden Wohlstandes auf der Welt stetig wächst und der Konsum von Fleisch nicht nur in den westlichen, sondern auch immer mehr in den Entwicklungs- und Schwellenländern ein fest verankerter Bestandteil der Nahrungskultur darstellt. Beispielsweise ist der Verzehr in Japan seit den 1960er Jahren bis heute um das 6-fache, in China sogar um das 15-fache gestiegen. Erstaunlich dabei ist, dass der Rinderkonsum in den USA im Zeitraum von 1975 bis 2010 um 20 Prozent gesunken, der Hühnerkonsum allerdings im selben Zeitraum einen Anstieg von ganzen 200 Prozent zu verzeichnen hat. Die Kehrtwende erfolgte im Jahre 1990, bei der in den USA zum ersten Mal mehr Huhn als Rind verspeist wurde.1 Da sich dieser Trend nicht nur in den USA, sondern weltweit bemerkbar macht, möchte ich mein Hauptaugenmerk dieser Hausarbeit auf die Fleischproduktion der sogenannten Masthühner legen und diese Thematik näher auf deren wirtschaftlichen und ethischen Gehalt durchleuchten.

Um der Arbeit einen roten Faden zu geben, stütze ich mich auf unterschiedliche Fragestellungen, die im Verlauf der Hausarbeit näher analysiert werden sollen. Dabei gehe ich beispielsweise auf die Frage ein, wieso Massentierhaltung in der heutigen Gesellschaft einen derartig wichtigen Stellenwert eingenommen hat und ob durch diese Art der Herstellung von Fleisch das Wohl der Gesellschaft tatsächlich befriedigt werden kann. Die Kernfragen sind dabei: Müssen tatsächlich dermaßen viele Tiere sterben, damit es der Menschheit wirklich besser geht? Und: Ist das Leiden der Tiere für das Wohlergehen der Menschen ethisch zu verantworten?

Um auf diese Fragen näher einzugehen, habe ich die Hausarbeit in zwei Teilabschnitte gegliedert: Der erste Hauptteil beschäftigt sich mit der wirtschaftlichen Komponente der Massentierhaltung; im zweiten Hauptteil wird der ethische Aspekt der Massentötung von Tieren behandelt. Auf diese Art versuche ich einen Gesamtüberblick über die Thematik der Wirtschaftsethik im Bereich der Intensivtierhaltung zu erfassen und näher zu erläutern.

2. Massentierhaltung aus wirtschaftlicher Sicht

2.1. Fakten und ökonomischer Nutzen

Um die Thematik und die Bedeutung der Massentierhaltung näher erläutern und analysieren zu können, stellt sich einem die Frage, was man unter dem Begriff „Massentierhaltung“ im eigentlichen Sinne versteht: Als Massentierhaltung oder auch Intensivtierhaltung wird die konzentrierte Haltung von Tieren, vor allem von Geflügel, Rindern und Schweinen, in großer Zahl auf engem Raum zur Erzeugung tierischer Nahrungsmittel bezeichnet.2 In der Regel lässt sich Massentierhaltung nur schwer erklären, aber dafür umso leichter erkennen. Im engeren Sinne handelt es sich dabei um ein System der intensiven und industriellen Landwirtschaft, in der Tiere oft zu Zehntausenden zusammengepfercht in Ställen bis zu ihrer Schlachtung verbringen.3 In Deutschland allein werden pro Jahr über 590 Millionen Masthühner geschlachtet, um den stetig wachsenden Fleischbedarf, der mittlerweile durchschnittlich bei 11 Kilogramm pro deutschem Einwohner im Jahr liegt, decken zu können.4 Somit lässt sich sagen, dass die Herstellung von Hühnerfleisch im Grunde einer Industrieproduktion gleicht. Die Frage ist nun, wie es die fleischverarbeitenden Betriebe schaffen, diesem enormen Wunsch nach Fleischverzehr nachzukommen und wie sich dieses Streben betriebswirtschaftlich umsetzen lässt.

Die Anfänge der Massentierhaltung liegen weit zurück und die Idee dieser Art der Tierhaltung entstand mehr oder weniger aus einem Zufall heraus. Im Jahre 1923 nämlich passierte der Hausfrau namens Celia Steele aus Virginia, USA ein Missgeschick und gab damit weltweit die Initialzündung für die moderne Geflügelindustrie und die industrielle Landwirtschaft. Steele, die sich um einen kleinen Familienbetrieb kümmerte, erhielt eines Tages statt der 50 Küken, die sie bestellt hatte, circa 500 Küken. Anstatt die überschüssigen Küken loszuwerden, versuchte sie diese allesamt mit Hilfe von neu entwickelten Futterzusätzen großzuziehen. Nur drei Jahre später besaß Steele 10.000 Vögel und im Jahre 1935 sogar 250.000 Tiere (Der Durchschnitt einer Schar lag im Jahr 1930 in den USA bei 23 Tieren).5 Doch wie genau hatte Celia Steele es geschafft, diese enorme und für damalige Verhältnisse unnormale Menge an Küken großzuziehen und inwiefern gilt dieses „Missgeschick“, welches ihr wiederfahren war, als weltweites Vorbild für die großen Fleischindustrien?

Eng zusammengepfercht und monatelang ohne Tageslicht und Bewegung hätten Steeles Küken wohl kaum überlebt. Auch heutzutage ist es die Norm, dass circa 40.000 bis sogar 50.000 Masthühner in einem Stall gehalten werden.6 Dadurch lässt sich ableiten, dass die Hühner so eng wie möglich beieinander in einem solchen Stall leben müssen. In deutschen Ställen belaufen sich die Besatzdichten auf bis zu 39 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter. Dies wiederum entspricht circa 26 Hühner auf einem Quadratmeter. Dadurch hat das Huhn gerade mal so viel Platz wie auf einer normalen DIN A 4 Seite. Masthühner haben im Vergleich zu den Legehennen, die lediglich für die Produktion der Eier zuständig sind, deutlich weniger Platz zum Leben.7 Doch gerade durch diese Platzersparnis lässt sich gewährleisten, dass die Fleischbetriebe mehr an Geflügel produzieren können, um dem immer größer werdenden Druck durch die Industrie standzuhalten.

Wie sich anhand des unten stehenden Diagramms über die gewerbliche Fleischproduktion in Deutschland aus dem Jahre 2013 erkennen lässt, ist die Produktion des Geflügels im Vergleich zu Schweine- und besonders auch in Relation zum Rindfleisch enorm gestiegen und ein wachsender Trend ist verzeichnen. Die Geflügelindustrie hat eingesehen, dass durch den großen Druck zu immer mehr und immer billigerem Fleisch auch immer mehr Tiere benötigt werden, die bei geringeren Kosten mehr Fleisch produzieren können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Destatis Statistisches Bundesamt (2013)

Durch die wachsende Nachfrage und die Herstellung von Geflügelfleisch zu geringen Kosten hat sich die Preisentwicklung des Fleisches im Vergleich zu den letzten Jahren enorm geändert: Seit den 1950er Jahren sind beispielsweise die Preise für Immobilien und Autos um jeweils 1500 Prozent bzw. 1400 Prozent gestiegen; der Preis für Eier und Hähnchenfleisch hat sich in dem selben Zeitraum jedoch nicht einmal verdoppelt. Wenn man die Inflation mitberechnet, kostet tierisches Eiweiß heutzutage sogar weniger denn je. Dies ist allerdings auch nur der Fall, wenn die externen Kosten nicht mit einberechnet werden. Dazu zählen Landwirtschaftssubventionen, die starke Umweltbelastung, die mit Massentierhaltung einhergeht, und Humankrankheiten, auf die später noch eingegangen wird.8

Abschließend lässt sich sagen, dass Massentierhaltung heutzutage wirtschaftlich gesehen notwendig ist, da mit der traditionellen Tierhaltung nicht mehr genügend Fleisch bei der enormen Nachfrage produziert werden kann, um so den menschlichen Bedarf an Fleisch zu befriedigen.9

2.2. Folgen der Massenproduktion

Wie im ersten Teil bereits erläutert, kommen die heutigen fleischverarbeitenden Industrien im Grunde nicht mehr davon weg, in Massen zu geringen Kosten zu produzieren und zu niedrigen Preisen zu verkaufen aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, der auf ihnen lastet. Doch welche Folgen kann eine Intensivtierhaltung auf das Tier an sich, aber auch auf den Konsumenten direkt, haben, die es bei einer traditionellen Tierzucht eventuell nicht geben würde?

Da Deutschland bislang noch Europas billigster Fleischproduzent ist, versuchen die deutschen Betriebe diesen Wettbewerbsvorteil zu anderen europäischen Unternehmen beizubehalten. Zwar werden die Rufe nach tiergerechter Haltung auch in Deutschland zunehmend lauter, dennoch will die Bevölkerung nicht auf günstiges Fleisch verzichten.10 Um Letzterem gerecht werden zu können, züchten die Farmer auf immer schnelleres Wachstum und verbesserten Stoffwechsel der Tiere hin. Im Grunde haben die Betriebe keine Wahl als bei immer geringeren Kosten immer mehr zu produzieren, wobei man heutzutage mittlerweile von vier Prozent Verlust bei den Hühnern ausgeht. Somit ist die Vermutung, dass bei einem Stall mit 50.000 Tieren von vornherein in den ersten Wochen Tausende sterben werden, da die Lebensbedingungen nicht ausreichend sind, damit die Tiere überleben könnten. Um jedoch einem immer größer werdenden Verlust vorzubeugen, wurden bereits in den 1940er Jahren Sulfonamid, das vorwiegend als Antibiotikum oder auch als orales Antidiabetikum verwendet wird, sowie herkömmliche Antibiotika in Hühnerfutter eingeführt, um das Wachstum der Hühner zu fördern und gleichzeitig Krankheiten einzudämmen.11

Um den Fokus dieser Thematik auf Deutschland zu richten, hat das nordrheinwestfälische Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz im Jahre 2012 festgestellt und veröffentlicht, dass inzwischen neun von zehn Masthühnern in Deutschland Antibiotika verabreicht wird.12 Zwar sind seit dem Jahr 2006 Antibiotika offiziell als Wachstumsförderer in Europa verboten, jedoch sind diese Zusatzstoffe notwendig, damit die Tiere nicht sterben, da sie durch die Lebensbedingungen in den Ställen in der Freiheit oft gar nicht mehr überlebensfähig wären. Antibiotika werden somit den Tieren unter dem Vorwand verabreicht, sie seien krank, doch wahrscheinlich ist der positive Nebeneffekt des „Nicht-Wegsterbens“ größer als das allgemeine Wohlergehen der Tiere.13

Mittlerweile erhalten 90 Prozent aller Masthühner den Medikamentenzusatz sowohl im Futter als auch im Trinkwasser und dieser wirkt sich bei dem Verzehr des Geflügelfleisches zumeist auch auf den Konsumenten aus.14 Durch den Verzehr von Medikamenten behaftetem Geflügelfleisch wurden bereits bei Jugendlichen sowohl Diabetes, als auch Entzündungen und Autoimmunkrankheiten festgestellt, die selbst noch nicht einmal erforscht gewesen sind. Da die heutige Generation der Kinder mit dem Einsatz von Medikamenten im Fleisch quasi aufwächst, können Kinder als wissenschaftliches Experiment im Bereich Ernährung angesehen werden?15 Laut des amerikanischen Seuchenzentrums (Center for Disease Control, CDC) ist Geflügelfleisch der Hauptverursacher für lebensmittelinduzierte Krankheiten und belegt, dass laut einer Studie des „Consumer Reports“ circa 83 Prozent des Hühnerfleisches (inklusive antibiotikafreiem und Biofleisch) zum Zeitpunkt des Kaufs mit Campylobacterbakterien (eine Bakterienart, die sowohl beim Menschen als auch beim Tier durch indirekte Übertragung Darmentzündungen auslösen kann16 ) und Salmonellen versehen sind.17 Doch um wettbewerbsfähig zu bleiben und statt nun weniger produktive Tiere zu akzeptieren, stärken die Geflügelfarmer das geschwächte Immunsystem der Tiere weiterhin mit Futterzusätzen. Um das Ganze in Relation zu setzen: Pro Jahr werden in den USA 1,4 Millionen Kilogramm Antibiotika an Menschen verabreicht. In demselben Zeitraum erhalten Tiere (Rinder und Schweine mit eingeschlossen) ungefähr acht Millionen Kilogramm an Antibiotika im Futter. Nur so kann anscheinend der Fleischbedarf weiterhin gedeckt werden.

Interessanterweise hat die Massentierhaltung auch eine enorme Auswirkung auf den Klimawandel, der von vielen Menschen gar nicht wahrgenommen wird. Eine Studie der Vereinten Nationen belegt, dass landwirtschaftliche Nutztiere mehr zum Klimawandel beitragen als das gesamte Transportwesen. Laut der UN ist der Nutztiersektor für 18 Prozent der Treibhausgasemissionen zuständig, was ungefähr 40 Prozent mehr ausmacht als der gesamte Transportsektor (Autos, LKWs, Flugzeuge, Schiffe etc. mit eingeschlossen).18 Dies bestätigt, dass die Massentier- oder Intensivtierhaltung erstaunliche negative Auswirkungen hat, aber auch für den Konsumenten Bedingungen schafft, die im Grunde als inakzeptabel zu bezeichnen sind. Zwar versucht die deutsche Politik ein Maßnahmenpaket für deutsche Großbetriebe zusammenzustellen, in dem beispielsweise nur ein absolut notwendiger Antibiotikaeinsatz vorgesehen ist, der Missbrauch über die Kontrolle unterbunden werden soll und humanmedizinisch bedeutsame Antibiotika eingeschränkt werden sollen. Doch inwieweit dieser Maßnahmenkatalog wirklich greift, bleibt ungeklärt.19

[...]


1 Vgl. Herzog, Hal (2010): S.192, 210

2 Vgl. Umweltlexikon-Online (2012)

3 Vgl. Foer, Jonathan S. (2013): S.45

4 Vgl. Albert Schweitzer Stiftung (unbekannt)

5 Vgl. Foer, Jonathan S. (2013): S.125f.

6 Vgl. Stern TV (2013)

7 Vgl. Albert Schweitzer Stiftung (unbekannt)

8 Vgl. Foer, Jonathan, S. (2013): S.114, S.130

9 Vgl. Wolf, Ursula (2012): S.126

10 Vgl. Meyer-Radtke, Marion (2013)

11 Vgl. Foer, Jonathan S. (2013): S.114, S.127 f.

12 Vgl. Albert Schweitzer Stiftung (unbekannt)

13 Vgl. Peta (2012)

14 Vgl. Konsumpf (2010)

15 Vgl. Foer, Jonathan S. (2013): S.133

16 Vgl. Nagel, Geraldine (2013)

17 Vgl. Centers for Disease Control and Prevention (2010)

18 Vgl. Foer, Jonathan S. (2013): S.89, S.163

19 Vgl. Konsumpf (2010)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Massentierhaltung
Untertitel
Ein ethisch vertretbarer Wirtschaftsfaktor?
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V282784
ISBN (eBook)
9783656817703
ISBN (Buch)
9783656817734
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Wirtschaft, Fleisch, Massentierhaltung
Arbeit zitieren
Anneke Bösche (Autor), 2014, Massentierhaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282784

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