Externes und Internes Rating im Vergleich


Bachelorarbeit, 2014
42 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Vonder erstenKrise bis heute
1.2. Vorgehensweise inderArbeit

2. Externes Rating
2.1. Ratingagenturen
2.2. Ratingprozess
2.3. Kritik/Versagen
2.4. Verordnungen des Europaparlamentes und -rates

3. Internes Rating
3.1. Bankeninterne Klassifizierung am Beispiel der Volksbanken
3.2. RegulatorischeVorschriften
3.2.1. Basel I
3.2.2. Basel II
3.2.3. Basel III
3.2.4. Mindestanforderungen an das Risikomanagement

4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
4.1. Gemeinsamkeiten
4.1.1. Ratingkriterien
4.1.2. Ratingmigration
4.2. Unterschiede

5. Auswirkungen und Tendenzen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Weltmarktanteile der größten Ratingagenturen

Abbildung 2: Ratingprozess bei Unternehmensbewertung

Abbildung 3: Neue Mindestanforderungen und Aufbau der Kapitalpuffer

Tabelle 1: Auflistung der Ratingklassen und deren Erläuterung

Tabelle 2: Reuters Spreadtabelle für Unternehmensanleihen vom 28.03.2014

Tabelle 3: Ratingklassen des BVR-II-Ratings der Volksbanken und Raiffeisenbanken

Tabelle 4: Rating-Modelle für Firmenkunden

Tabelle 5: Aktiva und deren Risikogewichtung

Tabelle 6: Risikogewichte von Staaten, Banken und Unternehmen

Tabelle 7: Prozentuale Ausschüttungssperren beim Kapitalerhaltungspuffer

Tabelle 8: Migrationswahrscheinlichkeit bei Erstratings zum Jahresende

Formel 1: Cooke-Ratio

Formel 2: Quotient der Kurzfristigen Liquiditätsdeckungskennziffer

Formel 3: Quotient der Stabilen Finanzierungskennziffer

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitunq

1.1. Von der ersten Krise bis heute

Seit dem Beginn spekulativer Geschäfte in der Neuzeit wird die Gesellschaft von Krisen beeinflusst. So gilt die Tulpenmanie in den Niederlanden in den Jah­ren 1636 und 1637 als erste Spekulationsblase, die dann schließlich geplatzt ist. So hatte eine Tulpenzwiebel, auf unsere Zeit hochgerechnet, einen Wert von circa 25.000 Euro. Allerdings handelte es sich, wie bei vielen heutigen Fi­nanzgeschäften, um Luftgeschäfte, bei denen die Ware nicht geliefert wurde.1 Es folgten noch viele weitere Krisen, bei denen lediglich auf andere Werte spe­kuliert wurde, wie beispielsweise Internetfirmen oder Immobilien. Hohe Rendite gepaart mit geringem Risiko ist der Wunsch eines jeden Anlegers, wobei man sich in der Regel für eines entscheiden muss. Doch selbst bei größerem Risiko möchte kein Anleger sein Kapital vernichten, weshalb die Nachfrage nach einer verlässlichen Auskunftsquelle besteht, die bewerten kann, ob eine Investition nicht vom Ausfall bedroht ist. Dieser Wunsch nach großer oder kleiner Sicher­heit liefert die Grundlagen für das Geschäft der Ratingagenturen, deren Ratings gerne zu Investitionsentscheidungen herangezogen werden. Auch Finanzinsti­tute, deren „Investments“ quasi erteilte Kredite sind, wollen sich gegen Risiken absichern und verlassen sich daher primär auf ein eigenes internes Rating.

In dieser Arbeit werden das externe und das interne Rating analysiert. Es wer­den wichtige Aspekte beider Formen einzeln erläutert. Es wird dabei geklärt, inwieweit sich die Ratingformen voneinander unterscheiden und welche Ge­meinsamkeiten vorliegen. Insbesondere soll erklärt werden, welche Kriterien bei der Bewertung von Bedeutung sind, wie der Prozess abläuft und welche rechtli­chen Einflussfaktoren für beide Formen vorliegen. Abschließend sollen zukünf­tige Tendenzen aufgezeigt werden.

1.2. Vorqehensweise in der Arbeit

Bei dieser Arbeit werden Ratingkategorisierung, Ratingprozess und rechtliche Rahmenbedingungen individuell dargestellt. Anschließend werden Unterschie­de, Gemeinsamkeiten und Auswirkungen beider Ratingformen analysiert. Am Anfang der Arbeit wird kurz auf die bekanntesten Ratingagenturen eingegan­gen. Anschließend werden deren Ratingkategorien dargestellt und die jeweili­gen Auswirkungen erläutert. Der Ratingprozess wird am Beispiel von Standard and Poor's kurz aufgezeigt. Anschließend wird das Versagen der Ratingagentu­ren und die Kritik an diesen Instituten behandelt. Danach werden die wichtigs­ten Erläuterungen der Europäischen Union bezüglich Ratingagenturen darge­stellt.

Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit internen Ratings. Es wird dabei das interne Rating der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken auf­gezeigt, insbesondere die Ratingkategorisierung und der Prozess. Anschlie­ßend werden die wichtigen Vorschriften erläutert, die direkten Einfluss auf das interne Rating ausüben. Historische Regulierungen unter Basel I und II werden aufgegriffen und zu den aktuellen Regulierungen unter Basel III hingeführt. Hierbei werden auch die Auswirkungen dieser Regelungen auf die Unterneh­men aufgezeigt. Danach werden die Mindestanforderungen an das Risikoma­nagement (MaRisk) dargestellt. Im letzten Abschnitt werden das interne und das externe Rating verglichen, wobei hier auf Gemeinsamkeiten und Unter­schiede eingegangen wird. Bei den Gemeinsamkeiten werden Ratingkriterien und Ratingmigration genauer dargestellt. Abschließend werden weltweite Aus­wirkungen und Tendenzen erläutert.

2. Externes Rating

2.1. Ratingagenturen

Die ersten Ratingagenturen entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts in den Ver­einigten Staaten. Eine Verbindung kann mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Eisenbahngesellschaften hergestellt werden. Anfangs finanzierten sich die­se Gesellschaften durch anliegende Banken. Allerdings bestand kurze Zeit da­rauf ein noch größerer Kapitalbedarf, welcher durch Unternehmensanleihen gedeckt werden sollte. Die neu entstandenen Agenturen publizierten daraufhin finanzielle und unternehmensrelevante Informationen, um potentiellen Anlegern die Investitionsentscheidung zu erleichtern.2

Standard & Poor’s, Moody’s Investors Service und Fitch Rating sind die be­kanntesten Ratingagenturen, welche zusammen insgesamt 95% des komplet­ten Ratingmarktes beherrschen.

Ratingagenturen - Marktanteile

(in%)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Weltmarktanteile der größten Ratingagenturen Quelle: Handelsblatt (2014)

Diese arbeiten mit einer ähnlichen Bewertungsstruktur, bei der Buchstaben zur Beurteilung genutzt werden. Die beste Bewertungsklasse ist bei allen „AAA“ und erstreckt sich bis zum Zahlungsverzug ,,C“ (Moody’s) beziehungsweise ,,D“ (S&P und Fitch). Wichtige Faktoren sind hierbei in erster Linie die Bonität und das Risiko für Zahlungsausfälle. Die nachfolgende Tabelle illustriert die einzel­nen Ratingklassen und deren Risikodefinition.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Auflistung der Ratingklassen und deren Erläuterung Quelle: Becker (2013), S.187.

Die Auswirkungen eines Ratings entfalten sich in erster Linie in den Zinsen, die Unternehmen o.Ä. bieten müssen, um einen Handelspartner zu finden. Die ge­samte Rendite eines Investments setzt sich aus risikolosem Zinssatz und der Risikoprämie (Spread) zusammen. Der risikolose Zinssatz ist vom Unterneh­men nicht beeinflussbar. Bei der Risikoprämie hingegen erhöht sich der Spread, umso schlechter das erhaltene Rating ist.3 Dies lässt sich anschaulich am US- Amerikanischen Unternehmensanleihenmarkt darstellen. Während beispiels­weise der Spread für eine einjährige AAA-Anleihe gerade mal 5 Basispunkte4 über dem risikolosen Zinssatz einer US-Staatsanleihe liegt, beträgt der Spread für eine einjährige CCC+-Anleihe 600 Basispunkte. Zusätzlich erhöht sich der Spread mit steigender Laufzeit, sodass hierbei bei einer 30-Jahre Anleihe die Spreadspanne zwischen 65 (AAA-Anleihe) und 775 (CCC+-Anleihe) liegt. Die nachfolgende Tabelle illustriert die einzelnen Spreads, wobei hierbei das Rating und die Laufzeit von Bedeutung sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Reuters Spreadtabelle für Unternehmensanleihen vom 28.03.2014

Quelle: Angelehnt an Bonds Online (2014).

2.2. Ratingprozess

Bei Unternehmensbewertungen wird von einem Unternehmen ein externes Ra­ting nachgefragt. Daraufhin wird eine erste Kurzbewertung erstellt und an­schließend findet ein Treffen zwischen Unternehmensmanagement und Rating -Analysten statt. Danach führt ein Analyst, oft mit Hilfe eines Expertenteams, eine genauere Untersuchung durch. Dabei wird insbesondere die Kreditwürdig­keit betrachtet. Hierbei werden in erster Linie veröffentlichte Berichte herange­zogen. Allerdings fließen auch Daten aus den Gesprächen mit dem Auftragge­ber in die Bewertung mit ein. So sind die finanzielle Verfassung, die Operative, die Unternehmenspolitik und die Risikomanagementstrategien von großer Be- deutung. Nach der ausführlichen Analyse, wird diese nochmals durch das Ra­tingkomitee überprüft. Nach der anschließenden Abstimmung durch das Ra­tingkomitee über die Ratingeinstufung, wird das Ergebnis dem Unternehmen mitgeteilt. Die Veröffentlichung des Ratings schließt den Prozess ab. Allerdings stehen Unternehmen oder deren Finanzprodukte unter stetiger Beobachtung der Ratingagenturen und verursachen gegebenenfalls eine neue Abstimmung durch das Ratingkomitee, wodurch sich der Prozess wiederholt (siehe nachfol­gende Grafik). Dieser Prozess wird äquivalent für die Bewertung von Unter­nehmensanleihen angewendet.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ratingprozess bei Unternehmensbewertung Quelle: Eigene

2.3. Kritik / Versagen

Das bedeutendste Versagen der großen Ratingagenturen erfolgte vor der Welt­finanzkrise 2007. In den USA wurden vermehrt Immobilienkredite ohne Sicher­heiten vergeben. Diese Kredite wurden wiederum in sogenannte Asset-Backed- Securities (ABS) verbrieft und auf dem Weltmarkt gehandelt. Diese ABS waren Rendite erhielten diese Papiere auch ein gutes Rating, weshalb sie auf dem internatio­nalen Markt äußerst beliebt waren. Obwohl nach einiger Zeit bekannt war, dass Kredite ohne Sicherheiten vergeben wurden, erhielten die ABS weiterhin ein sehr gutes Rating aller drei großen Ratingagenturen, was wiederum die Popula­rität dieser Papiere steigerte. Letztlich kollabierte der US-Amerikanische Immo­bilienmarkt und die ABS waren trotz dreifachem sehr guten Ratings plötzlich wertlos. Das Resultat war unter anderem die Insolvenz der US-Investment Bank Lehman Brothers im Jahr 2008 und der Totalverlust bei vielen privaten Anle­gern.6

Nach der Finanzkrise lag auf europäischer Ebene allgemein die Meinung vor, dass die Ratingagenturen zu spät reagiert haben. So wurden vor der Krise die Ratings nicht angepasst. Selbst mit deren Beginn fand keine Anpassung statt. Dies wird unter anderem den Interessenskonflikten, der internen Führungsstruk­tur zugeschrieben.7

So erfolgen diese Anpassungen meist erst zu einem Zeitpunkt, zu dem bereits jedem die neue wirtschaftliche Situation eines Unternehmens8 bekannt war. Erfahrene Investoren konnten bereits vorzeitig reagieren, weshalb sich Markt­kurse oft bereits vor einer Ratingänderung verändern. Dies war unter anderem bei der Asienkrise im Jahr 1997 erkennbar. So reagierten Ratingagenturen erst, als die Krisen die Klimax überschritten haben. Dies führt dazu, dass externe Ratings in diesen Fällen keine große Hilfe darstellen und daher marktrelevante Information anderweitig beschafft werden müssen.9 Zudem verstärkt das ver­spätete Handeln das Risiko des „Herdenverhaltens“, sodass aktuelle Finanz­markttrends noch zusätzlich verstärkt werden.10

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Annahme, dass Ratingagenturen nicht unabhän­gig und objektiv bewerten, was unter anderem durch Interessenskonflikte be­gründet wird. Ein Unternehmen beauftragt und bezahlt die Ratingagentur. Durch diese Geschäftsbeziehung kann eine Art Abhängigkeit entstehen, da die Agentur die Einnahmen weiterhin aufrechterhalten möchte. Dadurch besteht die Gefahr, dass durch Gefälligkeitsratings fälschlicherweise bessere Ergebnisse erzielt werden.11

Ein weiterer kritischer Gesichtspunkt ist die Annahme der prozyklischen Verhal­tensweise. Demnach fallen Ratings, die während eines Aufschwungs oder Booms durchgeführt werden, besser aus als es anhand von wirtschaftlichen Gesichtspunkten angenommen werden kann. Zusätzlich werden in Rezessio­nen oder Krisenzeiten schlechtere Bewertungen abgegeben, als es die ökono­mischen Daten vermuten ließen.12

Die jüngste Kritik äußerte die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbe­hörde (ESMA). Dabei wurden die unzureichenden internen Kontrollmechanis- men bei Standard & Poor’s kritisiert. Dies wurde auf eine E-Mail von S&P an seine Abonnenten zurückgeführt, die besagte, dass Frankreich herabgestuft worden sei. In der Realität ist dies allerdings danach nicht passiert. Trotzdem musste Frankreich die Konsequenzen dieser E-Mail tragen, da Anleger zu die­sem Zeitpunkt verunsichert waren. S&P muss zwar keine Sanktionen durch die ESMA fürchten, aber die internen Kontrollmechanismen stehen nun unter ge­nauerer Beobachtung.13

2.4. Verordnungen des Europaparlamentes und -rates

Nach der Weltfinanzkrise veröffentlichte die Europäische Union im September 2009 ein erstes Amtsblatt über Ratingagenturen. Dieses hebt vor allem die gro­ße Bedeutung dieser Institutionen in der gesamten Finanzwelt hervor und erläu­tert deren Versagen in der Krise. Demnach sollte sichergestellt werden, dass bei der Durchführung von Ratings Unabhängigkeit, Objektivität und Qualität ausreichend Beachtung finden.14 Im Mai 2013 wurde die erste Verordnung zum letzten Mal novelliert. Demnach besteht für die Agenturen die Pflicht, gewisse Vorgaben einzuhalten. Unter anderem ist dabei die Publikation der Fehlerwahr­scheinlichkeit abgegebener Bewertungen und Ausblicke, in Anbetracht vergan­gener Ergebnisse, von Bedeutung.15 Um die Unabhängigkeit zu gewährleisten, müssen effektive interne Kontrollsysteme installiert werden, die mögliche Inte­ressenskonflikte aufspüren, überprüfen und letztlich dokumentieren.16 Zudem sollte eine Ratingagentur ein Rotationssystem einführen. Dieses soll gewähr­leisten, dass Unternehmen nicht von den gleichen Rating-Analysten bewertet werden, sodass die Glaubwürdigkeit eines Ratings noch gestärkt wird. Aller­dings ist der Europäischen Kommission bekannt, dass CRA-Analysten auch untereinander kommunizieren können, womit das Rotationssystem als Unab­hängigkeitsgarant fehlschlagen könnte. Zudem könnte auch zusätzlich die Qua­lität der Bewertung darunter leiden. Des Weiteren entstehen dadurch höhere Kosten, da sich neue Analysten neu einarbeiten müssten, was bei Folgeratings mit den gleichen Analysten nicht der Fall wäre.17

Eine weitere wichtige Vorschrift regelt, dass CRA ihre Ratings mindestens 12 Stunden vor Veröffentlichung dem Unternehmen bereitstellen müssen, wobei eine frühere Bereitstellung angeraten wird. Dadurch soll das Unternehmen die Möglichkeit haben, das Rating auf seine Korrektheit zu überprüfen und gegebe­nenfalls auf mögliche Fehler in der Bewertung hinzuweisen.18

Regelungen zu Länderratings werden im neuen Amtsblatt ebenfalls genannt. Es wird in Europa die Meinung vertreten, dass die Ratingagenturen die letzte Euro­Krise noch weiter verschärft haben. Dabei wurden (Krisen-)Staaten in kleinen Abständen herabgestuft, sodass sich die Refinanzierung verteuerte und Ge­genmaßnahmen noch komplizierter wurden. Manche Politiker vermuten politi­sche Hintergründe bei den Ratingänderungen, da manche Ratinganalysten19 enge Kontakte zu US-Amerikanischen Regierungsmitgliedern pflegen. Dies kann jedoch nicht gesichert nachgewiesen werden.20 Trotzdem finden sich aus­führliche Regelungen in den Amtsblättern der Europäischen Union wieder. Demnach müssen Ratingagenturen Ende Dezember eines Jahres einen Zeit­plan erstellen, welcher die Veröffentlichungszeitpunkte von Länderratings der nächsten 12 Monate enthält. Das gleiche gilt auch für Veröffentlichungen für Ratingausblicke. Hinzu kommt, dass Länderratingpublikationen stets auf einem Freitag fallen müssen. In gut begründeten Fällen dürfen zwar Ratingagenturen von der Veröffentlichungsregelung abweichen, aber dies darf nur in Ausnahme­fällen gelten. Die Europäische Kommission hat zudem festgehalten, dass eine Regelung erörtert werden soll, welche regelt, dass nicht angeforderte Ratings maximal zwei bis drei Mal pro Jahr veröffentlicht werden dürfen.21

Zudem wurde ein Beschluss gefasst, dass Ratingagenturen für vorsätzliche oder grob fahrlässige Pflichtverletzungen, die die EU-Verordnung Nr. 1060/2009 betreffen, unbegrenzt haften sollten. Eine gesetzlich verbindliche Anordnung, für unbegrenzte Haftung, wird jedoch erst im Laufe der Zeit entwi­ckelt.22 Allerdings ist bei aktueller Rechtslage bereits eine zivilrechtliche Haftung der Ratingagenturen möglich. Diese kann schlimmstenfalls bis zu 750.000 Euro betragen, wenn CRA zum Beispiel Interessenskonflikte eindeutig erkennen, aber nicht beseitigen oder nicht deutlich offenlegen.23 Die Einhaltung der Rege­lungen wird von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) überwacht.

Abschließend kann über die Verordnungen der Europäischen Union gesagt werden, dass insbesondere die Unabhängigkeit von Ratingagenturen sicherge­stellt werden soll. Zudem werden auch den Unternehmen Rechte eingeräumt, um angemessen auf Ratings reagieren zu können. Da die Regulierung auch eine Reaktion auf die Krise und die daran beteiligten CRA ist, finden sich dem­entsprechend auch ausreichende Regelungen zu Staatenratings wieder. Der gesamte Regulierungsprozess befindet sich noch im Anfangsstadium und wird sich über die Zeit hinweg noch weiterentwickeln.

[...]


1 Vgl. Frey (2009), S.98.

2 Vgl. Reichling et al. (2007), S.62.

3 Vgl. Beike / Schlütz (2012), S.410.

4 Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent.

5 Vgl. Standard and Poor's Financial Services LLC (2011), S.7ff.

6 Vgl. Hull (2012), S.246f.

7 Vgl. Abl.EU L 302 vom 17.11.2009, S.2.

8 Das gleiche gilt auch für Anleihen oder Länder.

9 Vgl. Beike/ Schlütz (2010), S.442f.

10 Vgl. Rosenbaum (2009), S.31.

11 Vgl. Abl.EU L 146 vom 31.05.2013, S.3.

12 Vgl. Rosenbaum (2009), S.31.

13 Vgl. o.V. (2014).

14 Vgl. Abl.EU L 302 vom 17.11.2009, S.1.

15 Vgl. Abl.EU L 146 vom 31.05.2013, S.2.

16 Vgl. Abl.EU L 146 vom 31.05.2013, S.14.

17 Vgl. Abl.EU L 146 vom 31.05.2013, S.3f.

18 Vgl. Abl.EU L 146 vom 31.05.2013, S.9.

19 Hierbei sind insbesondere die drei großen Agenturen von Bedeutung.

20 Vgl. Hackhausen / Ertinger (2012).

21 Vgl. Abl.EU L 146 vom 31.05.2013, S.9.

22 Vgl. Abl.EU L 146 vom 31.05.2013, S.8.

23 Vgl. Abl.EU L 146 vom 31.05.2013, S.20f. und S.29.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Externes und Internes Rating im Vergleich
Hochschule
Fachhochschule Nordhausen
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
42
Katalognummer
V282822
ISBN (eBook)
9783656822387
ISBN (Buch)
9783656855781
Dateigröße
1287 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rating, Internes, Externes, Basel, Basel III, MaRisk, ESMA, Standard & Poors
Arbeit zitieren
Michael Guggenberger (Autor), 2014, Externes und Internes Rating im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282822

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