Lawrence Kohlberg war neben Piaget, Baldwin, Mead u.a. einer der wichtigsten Vertreter der entwicklungsbezogenen Herangehensweise der Moralentwicklung. Seine Forschung, die auf seiner Dissertation beruht, wurde von ihm immer weiterentwickelt oder geprüft. Als Kohlberg während eines Praktikums in der Psychiatrie miterlebte, dass ein Chefarzt eine aufsässige Patientin mit Elektroschocks bestrafte, führte dies nach eigenen Angaben zu seinen Arbeitsthema: Was ist gerecht bzw. ungerecht? Zunächst wird auf Piaget und die Stufen der kognitiven Entwicklung kindlichen Denkens und auf die Stufen der Entwicklung moralischen Urteilens eingegangen, bei dem die Studie von Kohlberg ihren Ursprung hat. Es folgt eine Biographie von Lawrence Kohlberg. Nachfolgend werden die Grundlagen von Kohlbergs Theorie mit seinem Stufenmodell erläutert. Anschließend wird der Just-Community-Ansatz an Schulen und in Gefängnissen vorgestellt. Dabei wird untersucht, ob diese in der pädagogischen Praxis implizierbar sind. Im letzten Kapitel folgt die Kritik an Kohlberg und seiner Theorie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Piagets Ansatz zur kognitiven Entwicklung
2.1 Stufen der kognitiven Entwicklung kindlichen Denkens
2.2 Stufen der Entwicklung moralischen Urteilens
3. Lawrence Kohlbergs Theorie der Entwicklung des moralischen Urteilens
3.1 Biographie von Lawrence Kohlberg
3.2 Die Grundlagen der Theorie
3.3 Das Stufenmodell von Kohlberg
3.4 Der Just-Community-Ansatz
4. Kritik am Ansatz von Kohlberg
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Theorie des moralischen Lernens von Lawrence Kohlberg, eingebettet in den entwicklungspsychologischen Kontext von Jean Piaget. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse des Stufenmodells moralischen Urteilens sowie der praktischen Anwendung des Just-Community-Ansatzes in Bildungseinrichtungen und Gefängnissen, wobei kritische Perspektiven auf Kohlbergs Ansatz explizit berücksichtigt werden.
- Kognitive Entwicklung nach Piaget
- Stufenmodell der moralischen Urteilsentwicklung nach Kohlberg
- Das Heinz-Dilemma als Erhebungsmethode
- Just-Community-Ansatz in Schulen und Gefängnissen
- Kritische Auseinandersetzung mit der Theorie Kohlbergs
Auszug aus dem Buch
3.3 Das Stufenmodell von Kohlberg
Es gibt sechs verschiedene Stufen und dabei drei Zuordnungen zu drei Ebenen: 1. Präkonventionelle Ebene, 2. Konventionelle Ebene und 3. Postkonventionelle Ebene. Es besteht eine moralische Assimilation und die unveränderlichen Sequenzen bauen aufeinander auf. Es kann keine Stufe übersprungen werden, da das notwendig für den Assimilationsprozess ist. Zudem sind sie in der Schnelligkeit verschieden. Generell besitzen die Stufen eine universelle Gültigkeit. Eine Stagnation ist möglich. Erwachsene sollten auf der dritten oder vierten Stufe sein. Nach Kohlberg werden die moralischen Urteile mit jeder Stufe sowohl gerechter als mit mehr Empathie getroffen. Des Weiteren erweitert sich die soziale Perspektive und die moralische Selbstbestimmung wird optimiert. Anders als im Modell von Piaget gibt es keine festen Altersangaben, da jeder die Stufen in einer anderen „Schnelligkeit“ durchläuft. Für Kohlberg ist Moralentwicklung ein lebenslanger Prozess und Personen unterscheiden sich in der letztendlich erreichten Stufe moralischen Denkens.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die entwicklungsbezogene Herangehensweise der Moralentwicklung ein und umreißt den Aufbau der Untersuchung von den Grundlagen Piagets bis zur Kritik an Kohlberg.
2. Piagets Ansatz zur kognitiven Entwicklung: Hier werden Piagets Stufen der kognitiven Entwicklung und seine Untersuchungen zur kindlichen Moralentwicklung anhand von Regelspielen erläutert.
3. Lawrence Kohlbergs Theorie der Entwicklung des moralischen Urteilens: Dieses Kapitel beleuchtet die Biographie Kohlbergs, die theoretischen Grundlagen seines Stufenmodells sowie den innovativen Just-Community-Ansatz.
4. Kritik am Ansatz von Kohlberg: Hier werden zentrale Kritikpunkte wie die Unterscheidung zwischen moralischem Wissen und Handeln, die interkulturelle Gültigkeit sowie das Fehlen von Affekten und Geschlechterperspektiven diskutiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Kohlbergs Ansatz trotz der Anforderungen an die Lehrenden ein ganzheitliches und empirisch gestütztes Konzept für die Moralerziehung darstellt.
Schlüsselwörter
Moralentwicklung, Lawrence Kohlberg, Jean Piaget, Stufenmodell, Just-Community-Ansatz, Heinz-Dilemma, Gerechtigkeitsmoral, Moralische Urteilsfähigkeit, Sozialvertrag, Ethnozentrismus, Kognitive Entwicklung, Pädagogische Praxis, Moral, Regelverständnis, Moralische Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklungstheorie des moralischen Urteilens nach Lawrence Kohlberg, wobei sie diese theoretisch in die Arbeit von Jean Piaget einordnet und kritisch reflektiert.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die kognitive Entwicklung, die Entwicklung des moralischen Urteilens, die methodische Erhebung mittels Dilemmageschichten sowie praktische Anwendungsfelder in Schulen und Gefängnissen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die Erläuterung der Grundlagen von Kohlbergs Theorie und die Untersuchung, inwiefern der Just-Community-Ansatz in der pädagogischen Praxis, etwa an Schulen oder in Gefängnissen, erfolgreich implizierbar ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in den untersuchten Studien verwendet?
Kohlberg nutzt zur Erhebung vor allem moralische Dilemmageschichten, wie das Heinz-Dilemma, sowie strukturale Interviews, um die moralische Urteilsstruktur der Probanden zu klassifizieren.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil der Publikation behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Stufenmodelle von Piaget und Kohlberg, erläutert das Stufenmodell der Moralentwicklung im Detail und stellt den Just-Community-Ansatz in verschiedenen Praxiskontexten vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Typische Schlüsselwörter sind Moralentwicklung, Kohlberg, Piaget, Just-Community-Ansatz, moralisches Urteilen, Gerechtigkeit und Dilemmageschichten.
Wie unterscheidet sich Kohlbergs Ansatz in Bezug auf das Alter von dem Modell Piagets?
Im Gegensatz zu Piaget, bei dem die kognitive Entwicklung meist mit zwölf Jahren als abgeschlossen gilt, betrachtet Kohlberg die Moralentwicklung als einen lebenslangen Prozess ohne feste Altersangaben.
Was versteht man unter dem Just-Community-Ansatz?
Es handelt sich um ein Konzept zur Moralerziehung, bei dem durch demokratische Partizipation in Schulen oder Gefängnissen und durch gemeinschaftliche Diskussionen moralische Lernprozesse und das Verantwortungsgefühl stimuliert werden sollen.
Warum wird Kohlbergs Ansatz kritisiert, insbesondere in Bezug auf die Geschlechterperspektive?
Kritiker führen an, dass Kohlbergs Studien hauptsächlich auf männlichen Probanden beruhen und Frauen aufgrund unterschiedlicher sozialer Orientierungen bei den Interviews oft schlechter abschnitten, was die Universalität des Modells infrage stellt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2013, Kohlbergs Theorie des moralischen Lernens und ihre Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282864