Ziel dieser Arbeit ist es, einen kurzen Überblick über die Entstehung der aktuellen Krise aufzuzeigen, sowie in der Folge verschiedene Lösungsansätze, die auf eine gemeinsame Schuldenhaftung abzielen, zu analysieren und vergleichen. In der abschließenden Betrachtung werden die Ergebnisse zusammengefasst, sowie ein Ausblick auf eine mögliche zukünftige Umsetzung gegeben.
„Keine Eurobonds, solange ich lebe.“ Mit diesen Worten schließt Angela Merkel im Juni 2012 eine gemeinschaftliche Schuldenhaftung in Europa mit ihr als Bundeskanzlerin zwei- felsfrei aus, obwohl sich sowohl EU-Ratspräsident Van Rompuy, Kommissionspräsident Barroso, als auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Draghi, für die Ausgabe europäischer Schuldscheine ausgesprochen haben (Reinbold, 2012).
Die Eurokrise hat jedoch grundlegende Probleme der Eurozone (als „Eurozone“ oder „Euroraum“ wird die Gruppe an Ländern bezeichnet, die den Euro als offizielle Währung eingeführt haben) enthüllt, welche ohne eine gemeinsam koordinierte Finanzpolitik nur schwerlich zu lösen sind. Dazu müsste sich auch Deutschland, als wirtschaftliches Schwergewicht in der Eurozone, an dieser beteiligen. Viele Experten sehen bis heute das Fehlen einer gemeinsamen Finanzpolitik als Konstruktionsfehler der Währungsunion an (Eder, Gersemann, Hildebrand, & Jost, 2012).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung der Eurokrise
3. Konzepte der gemeinsamen Schuldenhaftung
3.1. Reine Eurobonds
3.1.1. Konzept
3.1.2. Moral-Hazard-Problematik
3.1.3. Kosten reiner Eurobonds
3.2. Blue und Red Bonds
3.2.1. Konzept
3.2.2. Gründe für Einführung
3.2.3. Schwierigkeiten der Einführung
3.3. Eurobills
3.4. European Safe Bonds
3.4.1. Konzept
3.4.2. Gesetzliche Änderungen und daraus resultierende Vorteile
3.4.3. Kritik an European Safe Bonds
4. Bewertung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert und vergleicht verschiedene Konzepte der gemeinschaftlichen Schuldenhaftung in Europa als Lösungsansätze für die Eurokrise, wobei insbesondere die Auswirkungen auf das Stabilitätsgefüge und die Bankenfinanzierung untersucht werden.
- Entstehung und Dynamik der europäischen Staatsschulden- und Bankenkrise
- Analyse der Funktionsweise und Risiken von "Reinen Eurobonds"
- Konzeptvergleich zwischen "Blue und Red Bonds" und "Eurobills"
- Struktur und regulatorische Voraussetzungen der "European Safe Bonds"
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Moral-Hazard-Problematik
Die genannten positiven Aspekte dieser Anleihen sind jedoch von einer rigorosen Haushaltsdisziplin der europäischen Staaten abhängig (Europäische Kommission, 2011, S. 5). Die Moral-Hazard-Problematik beschreibt diesen Umstand und ist gleichzeitig größer Kritikpunkt an reinen Eurobonds (Gilbert, Hessel, & Verkaart, 2013, S. 18): In letzter Zeit ist ersichtlich, dass Länder im Euroraum sehr unterschiedliche Zinssätze für die Aufnahme von Staatsschulden am Markt bezahlen müssen. Zurückzuführen sind diese Unterschiede auf die Rückzahlungswahrscheinlichkeiten: Je unwahrscheinlicher die Rückzahlung, desto höher sind die Kosten der Kreditaufnahmen, also der Zinssatz (Berg, Carstensen, & Sinn, 2011, S. 1). Über diese zusätzlichen Kosten werden Staaten automatisch diszipliniert. Diese Disziplinierung über die am Markt herrschenden Zinssätze wird bei der Einführung von Eurobonds unterbunden, da die niedrige Rückzahlungswahrscheinlichkeit eines Landes von allen Staaten getragen würde (Gilbert, Hessel, & Verkaart, 2013, S. 18).
Die Anreize für bonitätsschwache Länder, behutsam mit ihrem Haushalt umzugehen und wichtige Reformen umzusetzen, würden aufgrund der garantierten Finanzierung – auf Kosten aller Staaten – höchstwahrscheinlich ausbleiben (Steinberg & Somnitz, 2013, S. 4). Der fehlende disziplinierende Druck des Markes müsste durch gesetzliche Regelungen in der Eurozone ersetzt werden. Hierfür wären zunächst wesentliche Änderungen notwendig, um die Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen sicherzustellen (Europäische Kommission, 2011, S. 10). Ob sich die hoch verschuldeten Mitgliedsstaaten jedoch an die strikten, aber notwendigen Regelungen halten würden, ist jedoch zweifelhaft. Grund dafür gibt die im Stabilität- und Wachstumspakt vorgeschriebene Höchstgrenze der Staatsverschuldung in Relation zum BIP, welche in der Europäischen Union im 4. Quartal 2013 von lediglich 12 der 28 Mitgliedsstaaten eingehalten wurde (Statista, 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die politische Kontroverse um Eurobonds vor dem Hintergrund der Eurokrise und definiert das Ziel, verschiedene Ansätze zur gemeinsamen Schuldenhaftung zu analysieren.
2. Entstehung der Eurokrise: Dieses Kapitel erläutert die Interdependenz zwischen Staatsschulden-, Banken- und makroökonomischer Krise, die sich gegenseitig verstärken und die Stabilität der Eurozone gefährden.
3. Konzepte der gemeinsamen Schuldenhaftung: Das Hauptkapitel diskutiert systematisch verschiedene Modelle wie Eurobonds, Blue/Red Bonds, Eurobills und European Safe Bonds hinsichtlich ihrer Konzeption, Chancen und Risiken.
4. Bewertung und Fazit: Das Fazit stellt die untersuchten Ansätze gegenüber, bewertet deren Umsetzbarkeit und Zeitbedarf und schlägt eine Kombination von Modellen als möglichen Weg zur Krisenbewältigung vor.
Schlüsselwörter
Eurokrise, Eurobonds, Schuldenhaftung, Finanzpolitik, Währungsunion, Blue Bonds, Red Bonds, Eurobills, European Safe Bonds, Moral Hazard, Haushaltsdisziplin, Bankenregulierung, Staatsschulden, Fiskalunion, Liquidität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Analyse von Konzepten zur gemeinschaftlichen Schuldenhaftung in der Eurozone als Antwort auf die anhaltende Staatsschuldenkrise.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Entstehung der Eurokrise durch Rückkopplungseffekte zwischen Banken und Staaten, die Analyse verschiedener Anleihemodelle und die rechtlichen sowie ökonomischen Herausforderungen ihrer Implementierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Entstehung der Krise zu geben und die verschiedenen Lösungsansätze einer gemeinsamen Schuldenhaftung wissenschaftlich zu vergleichen und auf ihre Umsetzbarkeit hin zu bewerten.
Welche methodische Vorgehensweise liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die bestehende wirtschaftswissenschaftliche Konzepte und Expertenmeinungen zusammenführt, mittels vereinfachter Modellrechnungen illustriert und kritisch einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert vier spezifische Konzepte: Reine Eurobonds, Blue und Red Bonds, Eurobills und European Safe Bonds, jeweils ergänzt um deren jeweilige Vor- und Nachteile sowie Kritikpunkte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Moral Hazard, Fiskalunion, gemeinschaftliche Schuldenhaftung und die verschiedenen Anleihetypen bestimmt.
Wie unterscheiden sich "Blue Bonds" von "Red Bonds" laut der Arbeit?
Blue Bonds sind als sichere Senior-Tranche für Schulden bis zu 60 Prozent des BIP konzipiert, während Red Bonds die risikoreichere Junior-Tranche darstellen, die den Markt disziplinieren soll.
Warum sehen Experten die "Moral-Hazard-Problematik" kritisch?
Die Autoren argumentieren, dass eine gemeinschaftliche Haftung die Anreize für einzelne Mitgliedsstaaten verringert, eine solide Haushaltsdisziplin einzuhalten, da die Kosten für exzessive Verschuldung nicht mehr allein vom Verursacher getragen werden.
Welchen Stellenwert nehmen Eurobills in der kurzfristigen Krisenbekämpfung ein?
Eurobills werden als kurzfristiges Instrument zur Wiederherstellung der Marktliquidität bei begrenztem Volumen angesehen, ohne dabei die komplexen rechtlichen Hürden langfristiger Eurobond-Konzepte zu tangieren.
- Quote paper
- Leander Trefz (Author), 2014, Konzepte der gemeinschaftlichen Schuldenhaftung in Europa. Geld- und Fiskalpolitik vor dem Hintergrund der Krise des Euroraums, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282889