Das Burnout-Syndrom. Überblick und Ursachen


Hausarbeit, 2014
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Burnout - Versuch einer Annäherung
2.1 Versuch einer Definition
2.2 Entstehung und Verlauf

3. Bedeutung des Themas

4. Ursachenforschung in Gesellschaft und Arbeitswelt
4.1 Subjektivierung der Arbeit oder „von der Stechuhr zur freiwilligen Selbstausbeutung”
4.2 Burnout in der IT-Branche

5. Präventionsmöglichkeiten
5.1 Präventionsmöglichkeiten auf der Mikroebene
5.2 Präventionsmöglichkeiten auf der Meso- und Makroebene

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1974 erschien in einer amerikanischen Fachzeitschrift ein Artikel des deutschstämmigen Psychologen Herbert J. Freudenberger, welcher einen neuen Begriff prägte: Burnout.1 Später beschrieben Freudenberger sowie ab 1976 auch Maslach und Pines in Kalifornien dieses Phänomen noch expliziter. Ausgehend damals von den Sozialberufen, insbesondere im Pflegebereich. Bald jedoch gerieten darüberhinaus viele andere Berufsgruppen sowie auch der private Lebensbereich in den Blickpunkt, womit sich die Burnout-Forschung weitaus breiter aufstellte. 1991 wurde der Begriff auch von der Weltgesundheitsorganisation im ICD aufgenommen.2 Hierzu später mehr.

Mittlerweile ist das Burnout-Syndrom von einem Randthema zu einem gesellschaftlich stark wahrgenommenen Problem vorangeschritten. Gerade die ausführliche Beschäftigung der Medien mit dem Thema innerhalb des letzten Jahrzehnts, gefördert durch öffentliche Bekentnisse, etwa des Fußballtrainers Ralf Rangnick, hat ein Bewusstsein, manche würden vielleicht gar sagen einen Hype, in Bezug auf das Thema geschaffen.Litzcke, Schuh und Pletke fügen dazu an: „Burn-out ist nicht nur im qualitativen Sinne ein Problem, weil Leistungsträger betroffen sind, sondern auch im quantitativen Sinne: Nach Siefer u. Beermann (2010) sind in Deutschland rund 7 Prozent der Erwerbsbevölkerung von Burn-out betroffen.“3

Was will diese Arbeit zum Thema aussagen? Generell will diese Arbeit einen Überblick über das Thema verschaffen, zentrales Ziel ist es allerdings vor allem auch Ursachen dieses vergleichsweise jungen Phänomens herauszuarbeiten. Zunächst soll jedoch versucht werden sich überhaupt erst einmal dem Burnout-Syndrom anzunähern. Für jede Gegenstandsanalyse ist es wichtig den Begriff zu definieren. Dass dies beim Burnout-Syndrom nicht ganz einfach ist wird in Punkt zwei aufgezeigt. Im Anschluss soll die Bedeutung dieses Themas aufgezeigt werden. Der vierte Punkt darf sicherlich als der wichtigste Analyseteil bezeichnet werden. Hierbei soll Ursachenforschung betrieben werden. Welche Rolle spielen gesellschaftliche Veränderungen? Welche Rolle spielen Individuum und Unternehmen, und in welcher Wechselwirkung stehen sie zueinander? Darüberhinaus soll noch eine Einzelfallstudie im IT- Bereich zur weiteren Aufschlüsselung der Ursachenforschung helfen. Mögliche Lösungswege von der Mikro- bis zur Makroebene sollen in Punkt fünf, vor einer abschließenden Leistungsdruck - Belastungen im Beruf meistern - Mit Fragebögen, Checklisten und Übungen. SpringerVerlag: 6., vollständig überarbeitete Auflage: Berlin, Heidelberg. S.149 Schlussbetrachtung, aufgezeigt werden.

2. Burnout - Versuch einer Annäherung

„Burnout ist wie Pornographie - ich bin nicht sicher, ob ich es definieren kann, aber wenn ich es sehe, weiß ich, was es ist (Forney et al. 1982, S.436).“4

2.1 Versuch einer Definition

Fraglos ist es für jedes Forschungsfeld wichtig zunächst einmal den Begriff zu definieren. Beim Thema Burnout gestaltet sich das allerdings schwierig, wie das oben stehende Zitat einführend erläutern sollte. Im Folgenden sollen, anhand der Ausführungen von Burisch, die Probleme einer Definition des Begriffes Burnout beschrieben werden. Hierfür erläutert Burisch zunächst die Schwierigkeiten die generell in der Psychologie und Psychatrie herrschen für Begriffsdefinitionen. So konnten auch bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizits- Hyperaktivitäts-Störung) kaum allgemein gültige Definitionen gefunden werden. Weder bestehe Einigkeit bei Therapien noch bei den doch sehr unterschiedlichen Anschauungen zu den Therapienotwendigkeiten. Mitunter wird es einfach den Bereich der Modediagnose verortet. Die schwerwiegensten Hindernisse für die Erforschung des Burnout-Syndorms stellte eben jene Absenz einer nutzbaren Definition dar. Entweder wurde zu umfassen gearbeitet oder aber, auf der anderen Seite, zu spezifisch. Hauptsächlich, führt Burisch aus, hatte aber jeder in der Anfangszeit seine eigene Definition. Einzig allgemeinere Bezugsquellen waren nur die Definitionsversuche, prominenterer Autoren, etwa von Herbert Freudenberger oder Christina Maslach, welche allerdings in unterschiedliche Richtungen gehen. Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts erwies sich das Maslach Burnout Inventorey als wichtigstes Messinstrument. Der Nebeneffekt dieser Begeisterung für den Fragebogen-Ansatz war jedoch dass vielmehr quantitativ als qualitativ gearbeitet wurde. Das es bis heute keine eindeutige Definition von Burnout gibt, liegt mitunter auch daran dass lange Zeit kein Handlungsbedarf bestand. Burnout galt lange Zeit als Randphänomen der Gesellschaft. Erst als die Medien das Thema Mitte des letzten Jahrzehnts für sich entdeckten herrschte plötzliche Handlungsbedarf, wie Burisch weiter ausführt. In Deutschland sind diese Probleme weiter aktuell, da im ICD-10 geregelt ist, welche Diagnosen von den Kassen bezahlt werden müssen und welche nicht. Burnout zählt nicht dazu. Dafür wählen Ärzte klassische Ausweich-Diagnosen wie Depression oder Anpassungsstörung.5 Soviel zu definitorischen Problemen.

Im nächsten Schritt soll versucht werden den Begriff Burnout weiter einzugrenzen. Zunächst einmal die Eingrenzung laut folgender Tabelle6 des ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems):

Personen, die das Gesundheitswesen aus sonstigen Gründen in Anspruch nehmen

Z73 Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung

Inkl.: Akzentuierung von

Persönlichkeitszügen

Ausgebranntsein [Burn out]

Einschränkung von Aktivitäten durch Behinderung

Körperliche oder psychische Belastung o.n.A.

Mangel an Entspannung oder Freizeit Sozialer Rollenkonflikt, anderenorts nicht klassifiziert

Stress, anderenorts nicht klassifiziert Unzulängliche soziale Fähigkeiten, anderenorts nicht

klassifiziert

Zustand der totalen Erschöpfung

Exkl.: Probleme mit Bezug auf

Pflegebedürftigkeit (Z74.-) Probleme mit Bezug auf

sozioökonomische oder psychosoziale Umstände (Z55-Z65)

Wie vorher schon erwähnt wird jene eigentliche Einordnug von Burnout von den

Krankenkassen allerdings als Diagnose nicht finanziell unterstützt und somit oftmals in Depression oder Anpassungsproblemen versteckt.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn dies ist bei der Weitläufigkeit der Definitionen von Burnout, wie auch schon vorher bei den Problemen der Definition beschrieben, nicht möglich, soll abschließend für diesen Punkt noch ein zweiter Ansatz zur näheren Definition von Burnout dienen. Dafür soll Maslach weiterhelfen, aufgrund der beschriebenen exponierten Stellung in der Forschung in Bezug auf Burnout:

“Maslach betont ebenfalls die von Aronson et al. (1983) angesprochene Erschöpfung, geht aber in ihrer Begriffsbestimmung weiter. Für sie ist Burn-out ein Syndrom mit drei

Subdimensionen (Maslach u. Leitner, 2001):

1. emotionale Erschöpfung/rasche Ermüdung,
2. Depersonalisierung/Gleichgültigkeit im sozialen Kontakt,
3. reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit im Beruf/Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung.”7

2.2 Entstehung und Verlauf

Im Folgenden soll anhand der Ausführungen von Leppin Entstehung und Verlauf des Burnout-Syndroms betrachtet werden. Burnout ist kein plötzlich auftretender Zustand sondern stets prozesshaft zu begreifen. Für gewöhnlich zieht sich dieser Prozess über einen längeren Zeitraum. Im ersten Schritt fangen die Betroffenen ihre Beschäftigung häufig mit einem hohen Maß an Motivation und Einsatz an, meist verbunden mit eben so hohem Idealismus. Im Mittelpunkt steht oftmals alles für den Kunden zu geben und die Arbeitsziele perfektionistisch umzusetzen. Geleitet wird diese Motivation vom Glauben dies mit hohem persönlich Einsatz auch umsetzen zu können. Sobald sich allerdings Zweifel einstellen kommt es zur Ernüchterung. Diese Zweifel entstehen meist, wie Leppin weiter ausführt, in bürokratischen oder arbeitsorganisatorischen Hürden. Hinzu kommt Ressourcenmangel und Konfliktpotential in der Arbeit. Auch damit verbunden sein kann ein Mangel an Anerkennung oder eine ausbleibende Beförderung. Dieses Stadium beschreibt Leppin als Stagnationsphase. Mit zunehmender Steigerung der Verausgabung in der darauffolgenden Zeit, trotz aller Zweifel, nehmen die Schwierigkeiten zu. Führt diese Verausgabung weiter nicht zum Erfolg folgt hierauf ein Prozess der Zermürbung. Selbstzweifel ob man überhaupt noch leistungsfähig ist sowie eine hohe Distanz zu den selbst formulierten Ansprüchen erfolgt. Leppin bezeichnet dies als die Frustrationsphase. Die letzte Phase ist verbunden mit der Aufgabe der gesteckten Ziele und einem persönlichen Rückzug.8

Auch hier sei angefügt, dass kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben wird. Da Leppin die Phasen des Burnout aber relativ übersichtlich und nicht allzu vertieft und spezifisch beschreibt, erschien es aber im Rahmen der Länge dieser Arbeit die beste Möglichkeit über die dargelegten Beschreibungen eine Übersicht zu verschaffen.

[...]


1 Vgl. Burisch, M. (2014): Das Burnout-Syndrom, Theorie der inneren Erschöpfung - Zahlreiche Fallbeispiele - Hilfen zur Selbsthilfe. Springer-Verlag: 5., überarbeitete Auflage: Berlin, Heidelberg. S.5

2 Vgl. Ebd. S.5-7

3 Litzcke, S. / Schuh, H. / Pletke, M. (2013): Stress, Mobbing und Burn-Out am Arbeitsplatz, Umgang mit

4 Burisch, M. (2014): Das Burnout-Syndrom, Theorie der inneren Erschöpfung - Zahlreiche Fallbeispiele -Hilfen zur Selbsthilfe. Springer-Verlag: 5., überarbeitete Auflage: Berlin, Heidelberg. S.16

5 Vgl. Ebd. S.14-18

6 o.V. ICD-2014-GM-10, Z73 (2014) URL: http://www.icd-code.de/icd/code/Z73.html

7 Litzcke, S. / Schuh, H. / Pletke, M. (2013): Stress, Mobbing und Burn-Out am Arbeitsplatz, Umgang mit Leistungsdruck - Belastungen im Beruf meistern - Mit Fragebögen, Checklisten und Übungen. SpringerVerlag: 6., vollständig überarbeitete Auflage: Berlin, Heidelberg. S.151

8 Vgl. Leppin, A. (2007): Burnout: Konzept, Verbreitung, Ursachen und Prävention. In: Badura, B.;Schellschmidt, H.;Vetter, C. (Hrsg.): Fehlzeiten-Report 2006. Chronische Krankheiten. Berlin, Heidelberg: Springer, S. 99- 109. S.100-101

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Burnout-Syndrom. Überblick und Ursachen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V282937
ISBN (eBook)
9783656824442
ISBN (Buch)
9783656824459
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burnout, Ursachen, Burnout-Syndrom, Überblick, Stress
Arbeit zitieren
Moritz Glenk (Autor), 2014, Das Burnout-Syndrom. Überblick und Ursachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282937

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