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Der Untergang der Costa Concordia. Systemdynamiken in der Kreuzschifffahrt

Title: Der Untergang der Costa Concordia. Systemdynamiken in der Kreuzschifffahrt

Seminar Paper , 2013 , 26 Pages , Grade: Sehr gut

Autor:in: Birgit Winkler (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Ein Blick auf die Geschichte der Seefahrt offenbart, dass Schiffsunfälle, -kollisionen und -havarien, wie jene der Costa Concordia, durch die vergangenen Jahrzehnte hindurch keine Seltenheit darstellten und sich ein Unfallrückgang trotz Fortschritten in der Technik und postulierten Ausweitungen von Sicherheitsmaßnahmen in der Schifffahrt nur marginal abzuzeichnen scheint.

Betrachtet man die nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia in den Medien kursierenden Erklärungsmuster, so fällt auf, dass jene oftmals auf ursächliche Aufarbeitungen des Unfalls zurückgreifen und im Sinne einer linear-kausalen Herangehensweise an den Unfall allen voran den Menschen - sei es dem Kapitän oder aber dem Bedienungspersonal - Fehler anlasten, welche zur Havarie geführt haben sollen.

Die hiesige Arbeit nimmt es sich in Anknüpfung daran schwerpunktmäßig zum Ziel, die in den Medien kursierenden Erklärungsmuster der Havarie der Costa Concordia aufzuarbeiten und die Schwachpunkte einer linear-kausalen Argumentationsweise gegenüber einer systemisch-prozessualen Betrachtungsweise unter Herausarbeitung der wirksamen Dynamiken des Systems Kreuzschifffahrt aufzuzeigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Untergang der Costa Concordia: Fakten und mediale Erklärungsmuster

3. Der Systembegriff gemäß Perrow & Spezifika einer systemischen Betrachtungsweise

4. Unfälle und Störfälle

5. Das System Kreuzschifffahrt

5.1. Ökonomischer Druck und der Boom in der Kreuzfahrtindustrie

5.2. AkteurInnen; Reedereien, Klassifikationsgesellschaften und die IMO.

5.3. Technische Neuerungen

6. Das System Kreuzfahrtschiff

6.1. AkteurInnen an Bord

6.2. Sicherheitsausstattung an Bord

7. Das fehlerinduzierende System gemäß Perrow

8. Unfälle in fehlerinduzierenden Systemen

9. Conclusio

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Schiffsunglück der Costa Concordia aus einer systemtheoretischen Perspektive nach Charles Perrow. Ziel ist es, die mediale Reduktion des Vorfalls auf "menschliches Versagen" zu kritisieren und stattdessen die systembedingten Dynamiken, strukturellen Kopplungen und Komplexitäten innerhalb der Kreuzfahrtindustrie als eigentliche Ursachen für solche Unfälle aufzuzeigen.

  • Kritik an monokausalen Erklärungsmustern in der medialen Berichterstattung
  • Anwendung der "Normal Accident Theory" von Charles Perrow auf die Schifffahrt
  • Analyse der ökonomischen Zwänge und ihrer Auswirkungen auf Sicherheit
  • Untersuchung der Rolle von Akteuren wie Reedereien und Klassifikationsgesellschaften
  • Systemische Bewertung von Mensch-Maschine-Interaktionen und Sicherheitsstandards

Auszug aus dem Buch

7. Das fehlerinduzierende System gemäß Perrow

Im Zuge der Auseinandersetzung mit dem System Kreuzfahrtschiff und Kreuzschifffahrt ging es vor allem darum, aufzuzeigen, dass jene Systeme jeweils mehr als die Summe ihrer Einzelteile sind und die spezifischen Verbindungen und Interdependenzen der einzelnen Systemkomponenten auch im Sinne von Emergenzen nicht außer Acht gelassen werden können, wenn der Unfall der Costa Concordia einer systemischen Betrachtungsweise unterzogen werden soll. Wie aufgezeigt wurde ist das System Kreuzschifffahrt mit seinem Subsystem des Kreuzfahrtschiffes ein durchwegs komplexes System, in welchem es monokausale Zusammenhangsstrukturen – wie sie in den medialen Erklärungsmustern oftmals vorzufinden sind – kaum vermögen der Komplexität des Systems gerecht zu werden.

Menschliches Versagen, Bedienungsfehler, etc. müssen aus ihrer Systemeinbindung heraus verstanden und betrachtet werden. Perrow veranschaulicht die Problematik, Unfälle etwa alleinig auf den Kapitän rückzuführen mit folgendem Gedankenexperiment: Man stelle sich einen Kapitän vor, welcher gegebenenfalls bis zu 48 Stunden lang auf der Brücke des Schiffes Wache halten muss, darüber hinaus ob der oftmals rar vorhandenen Englischkenntnisse des Schiffspersonals mit Kommunikationsproblemen an Bord als auch zwischen Schiffen konfrontiert ist, und zudem dem (wirtschaftlichen) Druck standhalten können muss, die PassagierInnen wenn möglich selbst bei schlechten Wetterbedingungen zeitgerecht an die vorgegebenen Ziele zu bringen, da ihm bei Nichteinhaltung des Zeitplans je nach Betreibergesellschaft sogar Gehaltskürzungen drohen. (vgl. Perrow 1987: 220) Auch im Falle der Costa Concordia zeigte sich, dass die Kommunikation des Kapitäns mit dem indonesischen Steuermann aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse zu Missverständnissen führte, der Tiefenmesser ausgeschalten war, und Schettino das traditionsträchtige Ritual der „Verbeugung“ ausführte, welches auch von anderen KapitänInnen praktiziert wird und den Behörden trotz der Gesetzeswidrigkeit bekannt ist und hingenommen wurde. (vgl. Die Süddeutsche 2013; Focus 2012) Den Fehler alleinig auf einen Bedienungsfehler des Kapitäns zurückzuführen missachtet die Komplexität der im System wirksamen Prozesse, als auch die Kopplungen einzelner Systemkomponenten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit hinterfragt die in den Medien verbreitete Fokussierung auf menschliches Versagen als Ursache für Schiffsunglücke und führt in eine systemtheoretische Betrachtungsweise ein.

2. Der Untergang der Costa Concordia: Fakten und mediale Erklärungsmuster: Das Kapitel schildert den Unfallhergang und analysiert die drei dominanten medialen Deutungsmuster, welche die Schuld einseitig auf Kapitän, Crew oder Reederei projizieren.

3. Der Systembegriff gemäß Perrow & Spezifika einer systemischen Betrachtungsweise: Einführung in die "Normal Accident Theory" von Charles Perrow als Instrument zur Analyse technischer und sozialer Systeme.

4. Unfälle und Störfälle: Definition der Begriffe Unfall und Störfall auf Basis von Perrows Systemebenen, wobei die Wahrnehmung von Fehlern als systemabhängig identifiziert wird.

5. Das System Kreuzschifffahrt: Untersuchung der sozioökonomischen Rahmenbedingungen, wie ökonomischer Druck, Akteurskonstellationen und technische Neuerungen im Kontext der Kreuzfahrtindustrie.

6. Das System Kreuzfahrtschiff: Fokus auf die spezifischen Systemkomponenten an Bord, insbesondere die Rolle von Kapitän, Besatzung, Passagieren und der Sicherheitsausstattung.

7. Das fehlerinduzierende System gemäß Perrow: Theoretische Vertiefung des Konzepts des fehlerinduzierenden Systems durch die Kategorien "Kopplung" und "Komplexität".

8. Unfälle in fehlerinduzierenden Systemen: Zusammenfassende Betrachtung, warum in der Schifffahrt systembedingt von "normalen Unfällen" auszugehen ist, die durch eine Verkettung statt durch Einzelfehler entstehen.

9. Conclusio: Abschließende Feststellung, dass menschliche Fehler als Symptome tiefer liegender systemischer Probleme in der Schifffahrt zu interpretieren sind.

Schlüsselwörter

Costa Concordia, Systemtheorie, Normal Accident Theory, Kreuzschifffahrt, Charles Perrow, Human Error, Systemkopplung, Systemkomplexität, Reedereien, Sicherheit, Risiko, Schiffsunglück, Systemdynamik, Organisationsstruktur, fehlerinduzierendes System

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Unglück der Costa Concordia aus einer systemtheoretischen Perspektive, um die strukturellen Ursachen von Unfällen in der Kreuzfahrtindustrie aufzudecken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Analyse von Hochrisikosystemen, der ökonomische Druck in der Kreuzfahrtbranche, die Interaktion zwischen Mensch und Technik sowie die Kritik an klassischen Fehlererklärungsmodellen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen, dass Schiffsunglücke keine isolierten menschlichen Bedienungsfehler sind, sondern aus systemischen Gegebenheiten resultieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird die "Normal Accident Theory" des Soziologen Charles Perrow angewandt, um die Kopplungsgrade und Komplexitäten innerhalb der maritimen Systeme zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Systemumwelt (Kreuzschifffahrt), des Subsystems (Kreuzfahrtschiff) und die theoretische Herleitung des "fehlerinduzierenden Systems".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Systemtheorie, Costa Concordia, Perrow, Normal Accident Theory, Systemkopplung, Risiko, Sicherheit und systemische Dynamik.

Welche Rolle spielt der Kapitän laut der Arbeit?

Die Arbeit betont, dass der Kapitän zwar eine zentrale Position einnimmt, seine Rolle jedoch als Teil eines komplexen Systems verstanden werden muss, das ihm oft widersprüchliche Handlungsanreize bietet.

Was bedeutet das "sicherheitstechnische Bermudadreieck" in diesem Kontext?

Der Begriff beschreibt das problematische Geflecht zwischen Reedereien, Flaggenstaaten und Klassifikationsgesellschaften, in dem wirtschaftliche Interessen oft die Sicherheit untergraben.

Warum sind technische Verbesserungen laut Perrow oft ineffektiv?

Technische Upgrades erhöhen oft die Risikobereitschaft der Akteure und führen zu einer höheren Systemkomplexität, was neue, unvorhersehbare Fehlerquellen schafft.

Was ist das Fazit zur Sicherheitsausstattung an Bord?

Das Fazit lautet, dass die Sicherheitsvorrichtungen auf modernen Kreuzfahrtschiffen in Krisenfällen aufgrund der extremen Größe und Komplexität der Schiffe oft unzureichend sind.

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Details

Title
Der Untergang der Costa Concordia. Systemdynamiken in der Kreuzschifffahrt
College
Vienna University of Economics and Business
Grade
Sehr gut
Author
Birgit Winkler (Author)
Publication Year
2013
Pages
26
Catalog Number
V282995
ISBN (eBook)
9783656825340
ISBN (Book)
9783656825401
Language
German
Tags
Costa Concordia Kreuzschiffahrt Systemdynamik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Birgit Winkler (Author), 2013, Der Untergang der Costa Concordia. Systemdynamiken in der Kreuzschifffahrt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282995
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