Sklavenarbeit im Römischen Reich - Arbeit, Nichtarbeit und Identität


Seminararbeit, 2004
14 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

Die Gesellschaftliche Rolle der Arbeit

Der quasiindustrielle Gebrauch von Arbeit

Die Arbeit von Haushaltssklaven

Arbeit und Identität

Schlussüberlegungen: Marginalität, Abhängigkeit und Freiheit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Funktion und die heterogene soziale Realität der Arbeit von römischen Besitzsklaven in der zentralen Periode des Römischen Reichs darzustellen und mit ihrer Rezeption im Diskurs der römischen Elite in Bezug setzen. Im Speziellen soll die Frage behandelt werden, wie sich das Selbstbild der Sklaven und ihrer Arbeit innerhalb einer von aristokratischen Werten geprägten Gesellschaft konstituiert hat.

Gerade das Selbstbild der Sklaven kann lediglich impressionistisch dargestellt werden, da nahezu keine authentischen Selbstdarstellungen von Sklaven überliefert sind. Auf dieses spezifische Problem der Quellenlage will Ich im Folgenden kurz eingehen:

Literatur und Gesetzestexte stellen nur bedingt eine verlässliche Quelle für die Rekonstruktion des Zusammenhangs von Sklavenarbeit und Identität dar, da sie zum großen Teil Verfassern zuzuordnen sind, die selbst nicht gearbeitet haben. Beide stellen einen exklusiven Diskurs dar, in denen unterprivilegierte Gruppen keinen Ausdruck finden. Gesetzestexte stellen lediglich die Rahmenbedingungen sozialen Agierens dar und schweigen sich über soziale Realitäten aus, während Literatur lediglich verlässlich Aufschluss über die Wertordnung und Einstellungen des Autors gibt, nicht jedoch deskriptiv zu lesen ist. Es herrscht Uneinigkeit darüber, wie häufig wiederkehrende Stereotypen, etwa des faulen Sklaven, zu deuten sind. Anders als etwa Bradley, der in ihnen überspitzte und transformierte Indikatoren von sozialen Realitäten sieht, neigen andere Wissenschaftler eher dazu, Stereotypen eine verschleiernde und mystifizierende Funktion beizumessen. Haben sich nun die genannten Quellen als prekär erwiesen, so muss auch die vermeintliche Beredtheit anderer, authentischerer Quellen, in diesem Falle Grabinschriften, kritisch betrachtet werden. Grabinschriften geben grundsätzlich Auskunft über Teile der sozialen Realität von Personen zum Zeitpunkt ihres Todes und sind somit Teil eines nicht-exklusiven Diskurses, der die Artikulation unterprivilegierter Gruppen gewährleistet. Gleichwohl ist diese Artikulation von einer völlig anderen Qualität als jene in Literatur und Gesetzestexten. Zunächst sind die überlieferten Informationen auf diesen Trägern denkbar dürftig und erschöpfen sich oft in Rechtsstatus, Arbeit und Namen des Verstorbenen. Grabinschriften verfügen weiterhin über einen spezifischen Code, der ihrer symbolischen und zeremoniellen Funktion geschuldet ist. Die verwendete Sprache mag für Zeitgenossen unzweideutig gewesen sein, für die Gegenwart ist für die Deutung allerdings eine nicht zu unterschätzende Transferleistung notwenig[1]

Aus der hier dargestellten Quellenproblematik ergibt sich die Notwendigkeit eines vergleichenden Vorgehens.

Beginnen möchte ich mit einer Darstellung der Einstellungen der römischen Oberschichten bezüglich der Arbeit, deren Knappheit den formalen Vorgaben dieser Seminararbeit geschuldet ist. Ungeachtet der Tatsache, dass Sklavenbesitz im Römischen Reich ein Massenphänomen war, möchte ich mich weitgehend auf das beschränken, was ich im Folgenden – terminologisch etwas unscharf – als Elite bezeichnen werde, also die Oberschicht des Römischen Reichs, welche im wesentlichen durch die drei führenden Ordines repräsentiert werden kann.

Die gesellschaftliche Rolle der Arbeit

Die Ansichten der römischen Eliten der Arbeit gegenüber können durch Ciceros Kategorisierung und Hierarchisierung verschiedener Tätigkeiten in seinen De Officiis anschaulich charakterisiert werden. Für ihn ergab sich eine binäre Opposition von standesgemäßem, respektablem Lebensunterhalt auf der einen und unwürdigem auf der anderen Seite anhand eines Katalogs inhärenter Merkmale der jeweiligen Beschäftigung. Diese Merkmale ordnete er in einem assoziativen Kontinuum an, dessen niedrigste Stufe das Bild des Sklaven ist; zusammenfassend ergibt sich folgendes Spektrum: der Status einer Beschäftigung mit dem Grad der Abhängigkeit des Beschäftigten ab. Je mehr eine bestimmte Arbeit persönliche Dienstleistung beinhaltete, desto niedriger und „sklavischer“ war ihr Status. Handarbeit und intellektuelle Tätigkeiten bildeten auf dem Spektrum polare Gegensätze. Auch bestimmte Arbeitsplätze, vor allem die Werkstatt, waren sklavisch bzw. unfrei konnotiert. Der Aspekt des sozialen Nutzens bildete ebenfalls eine Kategorie; So wurde der Handel als materialistisch, unmoralisch und tendenziell sklavisch empfunden, da er auf Sklaven projizierte Charakterzüge, wie etwa Unredlichkeit und Opportunismus fördere, während hingegen die Medizin, Architektur und die Lehrtätigkeit aufgrund ihrer sozialen Wirkung und der von ihnen geforderten intellektuellen Fertigkeiten als höherwertig eingestuft wurde. Als niedrigste Statusstufe wird von Cicero der Mercenarius, der Lohnarbeiter, konstruiert, welcher in Ciceros Diktion quasi synonym zum Sklaven verwendet wird[2]

Bemerkenswert ist hierbei, dass Sklaven de facto in allen Bereichen dieses von Cicero erstellten Kontinuums vorhanden waren, nicht nur in den vom ihm explizit als unwürdig empfundenen. Es gab im Römischen Reich, vom Bergbau und dem Hauspersonal abgesehen, nahezu keine Arbeit, die exklusiv von Sklaven ausgeführt wurde.[3]

[...]


[1] Joshel, Sandra, Work, identity and legal status at Rome, Norman u. a. 1992 , S. 9-5.

[2] Joshel, Work, S. 66f, vgl. Cicero, De Officiis, I,41 und I, 150-151.

[3] Finley, Moses, Die antike Wirtschaft, München 1993, S. 79.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Sklavenarbeit im Römischen Reich - Arbeit, Nichtarbeit und Identität
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar, Institut für alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar Sklaverei im Römischen Reich
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V28317
ISBN (eBook)
9783638301336
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sklavenarbeit, Römischen, Reich, Arbeit, Nichtarbeit, Identität, Proseminar, Sklaverei
Arbeit zitieren
Bernhard Pirkl (Autor), 2004, Sklavenarbeit im Römischen Reich - Arbeit, Nichtarbeit und Identität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28317

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