Das Zeichen in Crolls "Signaturis internis rerum" und bei Saussure


Ausarbeitung, 2014
11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. O. Croll – Philosophus Medicus
2.1 Syllogismus des Aristoteles
2.2 „Mikrokosmos, Makrokosmos

3. Das ‚Zeichen‘ im Traktat De signaturis internis rerum

4. Ferdinand de Saussure – Zeichentheorie

5. Die metaphorische Sprache des Traktats

6. Ergebnisse

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Traktat des Herrn Crollius De signaturis internis rerum ist kein „Kräuterbuch“ im strengen Sinne. Es wendet sich jedoch an die Botaniker, die sich mit Kräutern befassen.

M. Habermann hat die lateinischen Kräuterbücher mit den volkssprachlichen verglichen. In einem Kapitel bezog sie sich auf die Gemeinsamkeiten in der sprachlichen Form und des Inhalts der genannten Bücher. Die meisten Autoren der Kräuterbücher legitimieren die Erforschung der Kräuter aufgrund eines göttlichen Gebots, mit der Erklärung, dass Gott die Kräuter für den Menschen geschaffen hat. Vereinzelt verweisen die Autoren auf die Zusammenwirkung der vier Elemente in Bezug auf den Mikro- und Makrokosmos. Die Störung der Elemente kann durch Anwendung der Heilkräuter behoben werden.[1]

Der Traktat des Herrn Crollius befindet sich hinsichtlich des Gottesbezugs und des Verweises auf den Mikro- und Makrokosmos in dieser Tradition. Das, was den Traktat als charakteristisch markiert, ist seine philosophische Art, den Bereich der „Kräuterbücher“ um seine Gebote (Crolls Gebote) zu erweitern. Gemeint ist, dass Croll den Botanikern gebietet, was sie forschen und wo sie ihre Forschung unternehme sollen. In seiner Absicht wäre es „zu wünschen“, die „innerlichen Zeichen“ der Kräuter des Gebiets „Theutschland“ zu untersuchen.

Das Ziel meiner Arbeit ist, die wichtigsten themenrelevanten Hintergründe zu beleuchten und den Begriff des ‚Zeichens‘ im Verständnis von F. Saussure zu erläutern.

2. O. Croll – Philosophus Medicus

Das Weltbild Crolls wird durch sein ärztliches Ethos bekräftigt. Ihm spricht man Paracelsus als Vorbild gehabt zu haben zu, mit der Einschränkung, dass Croll die ‚Wahrheit‘ als sein höchstes Ziel nannte. In der Einleitung zu seinem Werk erscheint eine Notiz darüber, dass Crolls Ansichten sich gegen die aristotelische Lehre vom Syllogismus und Schlussreden wenden. ‚Der Schule der Worte‘ setzt er ‚Werke und Taten‘ entgegen. Croll studierte 1585 Medizin in Paris und diente einer französischen Adelsfamilie als Hofmeister. 1597 wurde Christian I. von Anhalt Bernburg auf Croll aufmerksam. Der Grund dafür war eine erfolgreiche Behandlung, dank der Croll zum „medicus ordinarius“ ernannt wurde. In seinen Briefen aus den Jahren 1585 bis 1595 schrieb er über medizinische Alchemie, die er von Scharlatanerie absetzte. Croll, der al „Gottesfreund“ galt, sah das „höchste Medikament“ in der Einheit mit Gott, dem „Centrum“ aller Kreaturen.[2]

2.1 Syllogismus des Aristoteles

Syllogismus bedeutet ‚Zusammenzählung‘, womit ein Dreisatz-Schema des logischen Denkens genannt wird. Das Schema besteht aus zwei Prämissen (Voraussetzungen) und der Konklusion (Schlussfolgerung). Das folgende Beispiel verdeutlicht dieses Schema. „Wenn gilt - Alle B sind C und Alle A sind B, dann folgt – Alle A sind C.“ Mit dem Syllogismus untersuchte Aristoteles die Form des folgerichtigen Denkens. Es handelt sich um die rein formale Struktur des Denkens hinsichtlich seiner Richtigkeit und nicht um die sachliche Bedeutung. Das folgerichtige Denken hängt mit der Logik zusammen. Das Wort ‚Logik‘ kommt auf das Verb légein zurück, welches zusammenlegen und einsammeln bedeutet. Es handelt sich um das Einsammeln von zerstreuten Holzzweigen. Von dem Verb légein stammt die Ableitung des Substantivs logos, das Sammlung, Gesamtheit und später Darlegung und Rechenschaft bezeichnete. Logos beinhaltete zugleich die Bedeutung von Argumentation und Beweisführung. Unter dem Begriff verstand man schließlich das Denken und die Vernunft. Für den Griechen galt logos als das Kriterium für die Rationalität und der Gegensatz zu mythos, der Erzählung und Dichtung bedeutet. Bei den Griechen war logos das ‚Weltprinzip‘. Heute setzt man sich damit auseinander, ob dieses rationale Denken die Komplexität der Welt widerspiegeln kann.[3]

2.2 „Mikrokosmos, Makrokosmos

Die Ansichten Crolls wurzeln in der Vorstellung, dass ‚Ähnliches‘ mit ‚Ähnlichem‘ kuriert wird. Seine Theorie enthält die These von der Analogie von Mikro- und Makrokosmos, wonach meteorologische Erscheinungen (Erdbeben) mit humanen Krankheitsbildern (Fieber) korrespondieren. Croll stellt sich die Frage nach der Position des Menschen, der sich zwischen naturhafter Determination und individueller Freiheit befindet. Bei der Antwort auf diese Frage wendet sich Croll gegen eine „astralische“ Beschränkung des Geistes. Er bezieht sich auf die ethische Tierallegorese, um vor bestialischer Unvernunft zu warnen. Neben der spirituellen Allegorese und abstrakter Aussagen verweist Croll auf eine natürliche Korrespondenz zwischen Signifikat und Signifikant. Von zentraler Bedeutung ist für den Autor die Würde des Menschen im Kosmos. Was die heilsame Wirkung der Pflanzen anbelangt, leitete Croll aus der Mikro-Makrokosmos-Lehre ab, dass die Ähnlichkeit der Form einer Pflanze mit der Form eines menschlichen Gliedmaßes eine heilende Wirkung verspricht.[4]

Die Idee vom Menschen als Mikrokosmos ist in der mittelalterlichen christlichen Anthropologie vorhanden. Danach sah man im Menschen das Bild und Ebenbild Gottes und der Welt. Diese „astrologische“ Deutung stellte die Einwirkung der himmlischen Kräfte auf die irdischen in den Focus. Die Auffassung vom Menschen als Mikrokosmos wurzelt in Platons „Timaios“. Nach Honorius von Autun hat der Mensch als ein Mikrokosmos vier Elemente mit dem Makrokosmos gemein. Die Elemente des Makrokosmos sind: die Erde, die Luft, das Wasser und das Feuer. Bei dem Menschen sind es entsprechend: das Fleisch, der Atem, das Blut und die Wärme. Viele mittelalterliche Gelehrte sahen in der Vollkommenheit der Sphäre ein Symbol Gottes und der Ewigkeit. Nach Augustinus umfasst der Mensch in seiner vernünftigen Seele die ganze geistige Welt. Der Vernunft schrieb man die Rolle bei der Erkennung der metaphysischen Bedeutung zu, den Sinnen die Erkennung der äußeren Gestalt der ‚Dinge‘.[5]

3. Das ‚Zeichen‘ im Traktat De signaturis internis rerum

Der einleitende Satz des Traktats des Herrn Croll führt den Leser in den Problemkreis des vorgestellten Themas ein. Der Leser, an den der Autor appelliert, sind die Botanici seiner Zeit oder andere Gruppen, die sich mit Kräutern befassen. Der erste Satz beginnt mit den Worten „ zu wünschen were es“. Dieser Wunsch wäre, dass die Kenner der Kräuter sich mehr der Erkenntnis der Signaturen oder innerer Zeichen als dem „ Gezänck “ über die Namen der Kräuter widmen würden. Croll erkennt den Kern der Wissenschaft, in dessen Zentrum nicht nur Nomenclatores stehen, wichtiger als die Beschäftigung mit dem äußeren Ansehen. Croll nennt die äußerlichen Rinden die „Wohnungen“ und „Häußlin“ der Kräuter. In dieser metaphorischen Sprache verwendet er auch das Wort der „Innwohner“, die das Wahrzeichen der schöpferischen Kraft Gottes genannt werden. Weiter verweist Croll auf die angeborene Verwandtschaft der Kräuter und menschlicher Glieder, die ebenfalls der Gegenstand der Untersuchung des interessierten Medicus werden sollte. Der Autor des Traktats weist die ‚Erfahrung‘ als das Zeichen der Wahrheit aus, die „keiner Beweise bedürfe“.[6]

Seine Abhandlung über die Notwendigkeit der Auslegung der inneren Zeichen erfährt einen weiteren Impuls, indem auf das Wesen einer Rede erinnert wird. In den sprachlichen Äußerungen zeigen sich laut Croll innere Bewegungen des Gemüts. Auch im Schweigen erkennt man durch viele Zeichen die ‚Rede der Natur‘. So folgt Croll, dass die inneren Zeichen durch die äußeren gedeutet werden können. Die äußeren Zeichen können auch erlernt werden.[7]

Croll deutet in seinen Zeichen-Überlegungen auf einen sprachwissenschaftlichen Ansatz der Zeichentheorie hin, die man z.B. bei Ferdinand de Saussure in seinem Cours findet.

[...]


[1] Vgl. Habermann, Mechthild: Deutsche Fachtexte der frühen Neuzeit. Naturkundlich-medizinische Wissensvermittlung im Spannungsfeld von Latein und Volkssprache. Walter de Gruyter: Berlin u.a. 2001. S. 170.

[2] Vgl. Crollius, Oswaldus: De signaturis internis rerum. Hg. Wilhelm Kühlmann und Joachim Telle. Franz Steiner Verlag: Stuttgart 1996. S. 6-9.

[3] Vgl. Winter, Reiner: Grundlagen der formalen Logik. Verlag Harri Deutsch: Frankfurt am Main 2001. S. 1-3.

[4] Vgl. Crollius, Oswaldus: a.a.O., S. 24-26.

[5] Vgl. Sollbach, Gerhard.E.: Die mittelalterliche Lehre vom Mikrokosmos und Makrokosmos. Verlag Dr. Kovač: Hamburg 1995. S. 20-24.

[6] Vgl. Crolius, Oswaldus: De signaturis internis rerum, a.a.O.

[7] Vgl. Crollius, Oswaldus, a.a.O.

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Details

Titel
Das Zeichen in Crolls "Signaturis internis rerum" und bei Saussure
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V283175
ISBN (eBook)
9783656827825
ISBN (Buch)
9783656828136
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traktat, Crollius, Croll, Kräuter, Kräuterbücker, Botanik, Zeichen, Saussure, Signaturis, internis, rerum
Arbeit zitieren
Aldona Kiene (Autor), 2014, Das Zeichen in Crolls "Signaturis internis rerum" und bei Saussure, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283175

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