Das Vater-Tochter-Verhältnis in Schillers "Kabale und Liebe" und Lessings „Emilia Galotti“


Hausarbeit, 2014

17 Seiten

Jennifer-Ann Cockburn (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bürgerliches Trauerspiel

3. Liebe und Familie der Frauen im 18. Jahrhundert

4. Die Familie und „das Ende“ der Töchter
4.1. Luise und die Beziehung zu Vater Miller
4.2. Emilia und die Beziehung zu Vater Galotti

5. Die Selbstmorde und der Vatermord

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Das Werk lebt.“1

Die vorliegende Hausarbeit thematisiert die Vater-Tochter Beziehung sowie das „Scheitern“ am Dramenschluss der weiblichen Hauptcharaktere: Luise Miller, in Friedrich Schillers Bürgerlichem Trauerspiel „Kabale und Liebe“ (1784) und Emilia Galotti, in Gotthold Ephraim Lessings gleichnamigem Drama „Emilia Galotti“ (1772).

Die Hausarbeit gliedert sich in 6 Teile. Im Fokus steht hier Luises und Emilias Aktivität und Passivität innerhalb ihrer Vater-Tochter- Beziehungen und deren, auch aus den Vater-Tochter Verhältnissen, resultierenden Tode. Zu Beginn wird eine kurze Klärung des terminologischen Begriffs des „Bürgerlichen Trauerspiels“ angeführt, um im Anschluss eine ebenfalls kurze Zusammenfassung über die Liebe und Familie der Frauen im 18.Jahrhundert zu geben. Diese Informationen sollen als Hintergrundinformationen dienen, um letztlich auf die Bearbeitung des Themas, dieser Hausarbeit, hinzuarbeiten. Eine Basis der Überlegungen bieten die Dramen „Kabale und Liebe“ und „Emilia Galotti“. Hierzu wird zunächst das Verhältnis zu den Vätern der Mädchen und im Anschluss ihr jeweiliges „Scheitern“ und Sterben am Ende der Dramen analysiert. Im darauf Folgenden wird ein Vergleich der beiden Mädchen in Hinblick auf das Thema der Hausarbeit gezogen, um schließlich zu einem schlüssigen Fazit und Ergebnis dieser zu kommen.

2. Bürgerliches Trauerspiel

Der erste Teil dieser Hausarbeit widmet sich der terminologischen Klärung des Begriffs, des „Bürgerlichen Trauerspiels“. Man darf in Bezug auf diese Klärung jedoch nicht außer acht lassen, dass dieses umfangreiche Thema hier nur am Rande behandelt werden kann.

Sowohl „ Emilia Galotti “ (1772) von Gotthold Ephraim Lessing als auch „ Kabale und Liebe “ (1784) von Friedrich Schiller sind bürgerliche Trauerspiele. „Das „Bürgerliche Trauerspiel“ ist eine dramatische Gattung des 18. Jahrhunderts, in der Personen des Mittelstandes und familiäre Konflikte zumeist empfindsam dargestellt werden.“2Miss Sara Sampson “ (1755) von Gotthold .E. Lessing ist das erste deutsche bürgerliche Trauerspiel. „Bürgerliche Tugenden und Moralvorstellungen werden propagiert und empfindsame Familienszenen breit ausgemalt.“3 Die Kombination von Mitleid und Abschreckung, auf Grund der poetischen Gerechtigkeit, nämlich dadurch, dass die Tugend belohnt und das Laster bestraft wird, bezeugt die eigentliche Wirkung des „Bürgerlichen Trauerspiels“.4

3. Liebe und Familie der Frauen im 18. Jahrhundert

Im Folgenden dient ein Überblick über das Leben der Frau im 18. Jahrhundert - und dort speziell die Frau in der Ehe und Familie- für die nachfolgenden Ausführungen als Hintergrundinformationen. Man darf ebenfalls, auch in Bezug auf dieses Thema nicht außer acht lassen, dass es nur am Rande behandelt werden kann.

Im 18. Jahrhundert diente die Ehe lediglich zum wirtschaftlichen Zweckverbund, wobei es nicht wichtig war, ob die Eheleute sich liebten oder eine sexuelle Harmonie unter diesen bestand. Die Frauen und Mädchen hatten zur Aufgabe, das Haus zu hüten, zu nähen, zu spinnen, zu flicken, zu putzen und zu kochen.5 Darüber hinaus wurde ein Mädchen „fürs erste von der Natur zur Duldung und zum Gehorsam bestimmt.“6 Die Mädchen wurden von ihren Eltern verheiratet und hatten diesen Folge zu leisten, da sie „nie ohne häusliche Obrigkeit“7 sein sollten, was sich sowohl durch das Elternhaus als auch durch die bevorstehende Ehe nicht ändern sollte. Die Eltern sorgten auch dafür, dass die Mädchen Geduld, Sanftmut und Nachgiebigkeit erlernten, da dies für eine spätere Ehe von Wichtigkeit war.8

4. Die Familie und „das Ende“ der Töchter

Das folgende Kapitel widmet sich der Analyse des Vater-Tochter Verhältnisses in den Dramen „ Kabale und Liebe “ und „ Emilia Galotti “ im Hinblick auf die weiblichen Hauptcharaktere Luise und Emilia. Daran anschließend wird der Tod der Töchter am jeweiligen Dramenschluss skizziert. Dies dient schließlich, daran anknüpfend, zum Vergleich der beiden Mädchen innerhalb der Beziehungen sowie dem Vergleich ihrer beiden Tode.

4.1. Luise und die Beziehung zu Vater Miller

„Der Inhalt des Stücks ist kurz dieser: ein Präsident will seinen Sohn an die Mätresse seines Fürsten verkuppeln, um dadurch seinen Einfluss bei Hofe zu erhalten, das ist die Kabale. Der Sohn des Präsidenten hat sich in eine Geigerstochter vergafft, das ist die Liebe. Zuletzt vergiftet er sich selbst zugleich mit dieser Geigerstochter, das ist denn die vollständige Tragödie.“9

Luise Miller ist die Bürgerstochter des Geigers Miller. Sie leben zusammen mit Frau Miller, Luises Mutter, in einem Haus, in welchem das Drama „Kabale und Liebe“ seinen Anfang findet und den Leser zuerst mit dem familiären Kreis der Familie Miller vertraut macht. Bereits in 1.3 des Stückes wird deutlich, dass Miller und seine Tochter ein gutes Verhältnis zueinander pflegen. Vater Miller will seine Tochter vor einem „Verehrer“ schützen und heißt die „Beziehung“ zwischen Ferdinand und Luise nicht gut.

Luise „drückt ihm die Hand“10 und begrüßt ihn mit den Worten: „Guten morgen, lieber Vater.“11 Diese Geste und diese Worte verdeutlichen das liebevolle Verhältnis der beiden, welches kurz darauf allerdings durch Luises Liebesgeständnis unterbrochen wird. „Ich hab keine Andacht mehr, Vater- der Himmel und Ferdinand reißen an meiner blutenden Seele.“12 Aus dieser Aussage lässt sich schließen, dass Luise Millers Vermittlung „göttlicher Wahrheit“ angenommen hat.13 „Dann, wenn die Schranken des Unterschieds einstürzen- wenn von uns abspringen all die verhasste Hülsen des Standes- Menschen nur Menschen sind[…]“14, sagt Luise und erhofft sich für die Zukunft eine Beziehung mit Ferdinand auf Augenhöhe. Vater Miller reagiert auf Luises Liebesschwüre mit den Worten, dass er sich wünschte Luise wäre Ferdinand niemals begegnet und: „Eilt auf sie zu, drückt sie wider seine Brust [und sagt:] Luise- teures - herrliches Kind- Nimm meinen alten mürben Kopf- nimm alles- alles!- den Major- Gott ist mein Zeuge- ich kann dir ihn nimmer geben.“15 In 5.2 des Stückes zeigt sich, dass es besser gewesen wäre, wenn Luise auf die Bitte des Vaters gehört hätte, denn erst in dieser Szene realisiert Luise, dass ihr Vater sie nur schützen wollte.

„Nun- was erschreck ich denn? -Der alte Mann dort hat mirs ja oft gesagt- ich hab es ihm nie glauben wollen. (Pause. Dann wirft sie sich Millern laut weinend in den Arm.) Vater- Dein Kind kann ja nicht dafür, dass dieser Traum so schön war, und- so fürchterlich jetzt das Erwachen“.16

Luise rettet sich nach diesem Gefühlschaos, in welchem sie erst glaubte die Liebe zu Ferdinand beruhe auf Gegenseitigkeit und in welchem sie die Bitten und Klagen des Vaters zu überhören versuchte, um schließlich zu realisieren, dass dieser doch recht behalten hatte, in dessen Arme. Miller, welcher sich daraufhin von seiner Tochter bestätigt fühlt, „lacht voll Bosheit“17 und entgegnet: „Luise! Luise! -O Gott, sie ist von sich- Meine Tochter, mein armes Kind- Fluch über den Verführer!“18 Und auch als Ferdinand das Haus der Familie Miller voreilig verlassen will, erklärt Miller, dass Luise, Ferdinand alles gab und nimmt sie an die eine Hand und den Major an die andere Hand.19

„Geduld, Herr! Der Weg aus meinem Hause geht nur über diese da- Erwarte erst deinen Vater, wenn du kein Bube bist- Erzähl es ihm, wie du dich in ihr Herz stahlst, Betrüger, oder bei Gott! (Ihm seine Tochter zuschleudernd, wild und heftig) du sollst mir zuvor diesen wimmernden Wurm zertreten, den Liebe zu dir so zuschanden richtete.“20

Miller möchte mit diesen Worten Ferdinand aufzeigen, wie sehr dieser seiner Tochter geschadet hat. Miller reagiert wie ein liebender Vater, der seiner verlassenen Tochter ein wenig „Gerechtigkeit“ verschaffen möchte. Da nicht nur Miller, sondern auch die Leute des Hofes, vor allem der Vater Ferdinands und dessen Sekretär Wurm, ebenfalls etwas gegen die Liebe einzuwenden haben, entwickelt Wurm in 3.6 des Stückes eine Intrige. Dieser begreift, und damit ist er Ferdinand einen Schritt voraus, wie wichtig Vater Miller für Luise ist und nutzt diese Vater-Tochter Beziehung, um seine Intrige umzusetzen. Er zwingt Luise, einen erfundenen Liebesbrief an den Hofmarschall von Kalb zu schreiben, damit Ferdinand eifersüchtig wird, da dies in seinen Augen die einzige natürliche Möglichkeit ist, die beiden voneinander zu trennen, da alles andere sie nur noch stärker vereinen würde. Als Druckmittel droht er Luise mit dem Tod des gefangenen Vaters.

[...]


1 Schiller, Friedrich in der Thalia-Vorrede zum Don Karlos, 1785.

2 Metzler, J.B.: Bürgerliches Trauerspiel. In: Metzler Lexikon Literatur, Bd. 3, Stuttgart 2007, S. 109.

3 Ebd.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. Van Dülmen, Andrea: Frauen Leben im 18.Jahrhundert. München 1992, S.35.

6 Ebd. S.39.

7 Ebd. S.39.

8 Vgl. ebd. S.39.

9 Hempel, Britta: Sara, Emilia, Luise: Drei tugendhafte Töchter. Das empfindsame Patriarchat im bürgerlichen Trauerspiel bei Lessing und Schiller. Heidelberg 2006, S.86.

10 Schiller, Friedrich: Kabale und Liebe. Reclam Ausgabe. Stuttgart 2010, S.12 Z.19f.

11 Ebd. S.12 Z.20.

12 Ebd. S.12 Z.33ff.

13 Vgl. Hempel, Britta: Drei tugendhafte Töchter. Heidelberg 2006, S.93.

14 Schiller, Friedrich: Kabale und Liebe. Stuttgart 2010, S.14 Z.13ff.

15 Ebd. S.14 Z.6ff.

16 Ebd. S.45 Z.30ff.

17 Ebd. S.44 Z.23.

18 Ebd. S.46 Z.1ff.

19 Vgl. ebd. S.46 Z.21.

20 Ebd. S.46 Z.22ff.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Vater-Tochter-Verhältnis in Schillers "Kabale und Liebe" und Lessings „Emilia Galotti“
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar Schillers frühe Dramen
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V283252
ISBN (eBook)
9783656831921
ISBN (Buch)
9783656828846
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiller, Emilia Galotti, Kabale und Liebe, Tugendhafte Töchter, Vatermord, Trauerspiel
Arbeit zitieren
Jennifer-Ann Cockburn (Autor), 2014, Das Vater-Tochter-Verhältnis in Schillers "Kabale und Liebe" und Lessings „Emilia Galotti“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283252

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