Die Folgen des Tourismus in Namibia. Chancen und Risiken eines Entwicklungslandes


Academic Paper, 2003
40 Pages, Grade: 1,3

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Auswirkungen des Tourismus in Namibia
1.1 Wirtschaftliche Auswirkungen
1.2 Agrargeographische Auswirkungen
1.3 Bevölkerungs- und sozialgeographische Auswirkungen
1.4 Siedlungsgeographische Auswirkungen
1.5 Verkehrsgeographische Auswirkungen
1.6 Ökologische Auswirkungen

2. Die Zukunft des Tourismus in Namibia – Chancen und Risiken

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Einleitung

Reisen nach und in Namibia beginnt mit den kurzen „Besuchen“ portugiesischer Seefahrer Ende des 15. Jahrhunderts. Auch holländische Forschungsreisen Mitte des 17. Jahrhunderts hatten noch keine nachhaltige Wirkung. In größerem Umfang wurde Südwest-Afrika erst im 19. Jahrhundert durch Missionare, Entdecker und Händler bereist. Als deutsches Schutzgebiet erfuhr Südwest-Afrika seit 1884 die Einwanderung von Siedlern, die Entdeckung und Ausbeutung von Bodenschätzen sowie den Ausbau eines Straßen- und Eisenbahnnetzes. Die Basis für eine Infrastruktur, die Reisen in nennenswertem Umfang ermöglicht, war damit gelegt.

Auch wenn für diese Zeit von Freizeit- und Erholungstourismus noch kaum die Rede sein kann und das Reisen überwiegend geschäftlichen Interessen diente, fallen die Anfänge der Beherbergungsindustrie auch in diese Zeit und blicken somit auf eine 100 Jahre alte Tradition zurück. Urlaubs- und Erholungsreisen, also Tourismus im engeren Sinn, kamen in Namibia in größerem Umfang erst nach dem 2. Weltkrieg und unter südafrikanischer Verwaltung auf. Damals wie heute bildete die großartige Landschaft mit ihrer Flora und Fauna die Basis dafür.

Den Grundstein für die touristische Nutzung der Landschaft in Form von Safaris legte ein Herr Kallie Zimmer, der in Zusammenarbeit mit der wissenschaftlichen Gesellschaft Touren mit offenem Lastwagen durch die Landschaft Namibias anbot. Aus diesen Fahrten entwickelten sich später die sogenannten „SWA-Safaris“, die bis heute existieren. In dieser Zeit wurden auch die ersten Busreisen durchs Land von der Abteilung für Busse der südafrikanischen Eisenbahngesellschaft organisiert, die später von der Gesellschaft der „Trans Namib Tours“ übernommen wurden. Seit Beginn der 70er Jahre werden geführte Busreisen auch von der bis heute bestehenden Organisation „Oryx Tours“ angeboten.

Die Gründung des Amtes für Naturschutz und Tourismus im Jahr 1963 trug der Bedeutung des Tourismus für die wirtschaftliche Entwicklung Namibias Rechnung und leistete einen nicht unerheblichen Beitrag zu seiner Entwicklung.[1] Die Einrichtung von Restcamps in den staatlichen Wildreservaten datiert ebenso wie das Aufkommen von Gästefarmen weit vor die Zeit der Unabhängigkeit Namibias.[2]

Im Vergleich der Jahre können wir ein stetiges Wachstum der Besucher aus dem Ausland hinweg erkennen. Dies betrifft die Gesamtzahl, aber auch uneingeschränkt die Touristen aus afrikanischen Ländern. Für Europa, darunter Deutschland als bedeutendstem Ursprungsland nichtafrikanischer Touristen, sowie für Nordamerika ist jeweils für das Jahr 2001 ein leichter Rückgang der Besucherzahlen gegenüber 1998 zu erkennen. Gegenüber 1991 hat sich die Zahl ausländischer Touristen bis 2001 mehr als verdreifacht. Gegenüber dem Jahr 1988, lt. Lamping mit 100.000 Touristen das „beste Vorunabhängigkeitsjahr“, fast versiebenfacht.[3]

Nicht jeder ausländische Reisende trägt allerdings im selben Maß zum wirtschaftlichen Nutzen Namibias bei. Im Allgemeinen machen Touristen aus Europa und Nordamerika in wesentlich größerem Maß von den touristischen Angeboten Gebrauch als Besucher aus den afrikanischen Nachbarländern.

1. Die Auswirkungen des Tourismus in Namibia

1.1 Wirtschaftliche Auswirkungen

Seit der Unabhängigkeit Namibias erlebte der Tourismus einen enormen Aufschwung.[4] Der Dienstleistungssektor macht den größten Anteil des BIP aus, wie die Grafik verdeutlicht. Von 1996 bis 2002 stieg der Anteil der Dienstleistungen um 5% während er in den anderen Sektoren abnahm.

Abb. 1: Anteile der Wirtschaftssektoren am BIP 2002

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Spiegel online. „Jahrbuch 2003. Namibia“[5]

Der Tourismussektor ist der größte Hoffnungsträger der nachkolonialen Wirtschaftsentwicklung, da er schon jetzt allein mit 7% am BIP beteiligt und mit ca. 1 Milliarde N$ der drittgrößte Devisenbringer Namibias ist.[6] Bisher liegen Bergbau und Fischerei noch vor dem Tourismus. Doch wird für die Zukunft ein weiterer Anstieg prognostiziert. Die untenstehende Grafik verdeutlicht die Bedeutungszunahme der Deviseneinnahmen aus dem Tourismus, wobei insbesondere der sprunghafte Anstieg nach der Unabhängigkeit ins Auge fällt.

Abb. 2: Deviseneinnahmen aus dem Tourismus von 1998 bis 2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Kainbacher, 1995 und Pack, 2002[7]

Ein weiteres Indiz dafür ist der enorme Anstieg der Anzahl von Beherbergungsbetrieben. So stellte sich bei einer stichprobenartigen Umfrage (CH-2002/2003 unter Einheimischen) zu den Entstehungsdaten verschiedener Tourismusunternehmen heraus, dass allein 12 von 16 Unternehmen ihren Betrieb nach 1990 aufgenommen hatten.

Momentan sind ca. 24.000 Menschen direkt oder indirekt in der Tourismusbranche beschäftigt, was bei einer Bevölkerungszahl von rund zwei Millionen Einwohnern einen Anteil von 1,2 % ausmacht.[8]

Insbesondere finden junge Menschen aus dem bevölkerungsreichen Norden des Landes innerhalb des Tourismus eine Arbeitsstelle. Viele von ihnen sind das ganze Jahr über in den am meisten touristisch erschlossenen Städten wie Windhoek, Swakopmund, Walvis Bay und Lüderitz tätig, während ihre Familien weiterhin im Norden wohnen und von diesem Gehalt leben. Nur zu Weihnachten können sie es sich leisten, mit einem Sammeltaxi nach Hause zu fahren, um ihre Familien zu besuchen. Zur Veranschaulichung, wie wichtig der Tourismussektor zur Schaffung weiterer Arbeitsplätze ist, soll das Schicksal eines schwarzen Reiseleiters des Reiseunternehmens „Oryx Tours“ dienen: Der Reiseleiter muss mit seinem Gehalt seine gesamte Großfamilie mit 14 Personenernähren, da er der einzige ist, der einer geregelten Arbeit nachgeht.[9]

Der relativ hohe Anteil an deutschen Touristen in Namibia – im Jahr 2001 kamen von den aus Europa stammenden Touristen allein 47,2% aus Deutschland[10] – bewirkt vor allem, dass die in Ostdeutschland aufgewachsenen sog. „DDR-Kinder“ als Reiseleiter oder in führenden Positionen innerhalb des Tourismusmanagements eine Arbeitsstelle bekommen.

Auf seiner Reise ist der Tourist auf weitere Dienstleistungen angewiesen, wie z. B. Reisebüros, Beherbergungen, Transportmöglichkeiten etc., so dass hier Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft zu verzeichnen sind. Als Beispiel soll die Tankstelle in Aus und der einzige Lebensmittelladen in der Stadt dienen, die an einem Sonntag im Dezember 2002 extra für einen Reisebus mit 30 Touristen öffneten.[11]

Die Saisonalität berührt Namibia nicht so stark, da zwar 30,2% aller Touristen Namibia zwischen den Monaten Juli und September bereisen, aber beispielsweise in den heißen Sommermonaten Dezember und Januar die nationalen und südafrikanischen Touristen die kühleren Küstenstädte aufsuchen. Damit haben viele in der Tourismusbranche Tätige das ganze Jahr über eine geregelte Arbeit.

Außerdem findet ein Ausgleich regionaler Disparitäten statt, weil Regionen, die beispielsweise früher von der Karakul-Schafzucht lebten und verarmten, jetzt durch den expandierenden Tourismus wieder aufgewertet werden.

1.2 Agrargeographische Auswirkungen

Eine intensive Bewirtschaftung des Landes ist wegen des fehlenden Niederschlags nur bedingt möglich. Außerdem betreiben meist nur die Weißen eine marktorientierte Landwirtschaft. Auch der Süden des Landes, der vor 30 Jahren wegen der Karakulschaftzucht für die Landwirtschaft interessant war, hat einen starken Einbruch wegen der oben beschriebenen Gründe erlitten. Vor diesem Hintergrund sollen nun die Auswirkungen des Tourismus näher beleuchtet werden.

Weitaus mehr Geld als die Landwirtschaft, bringt das Tourismusgeschäft. Aus diesem Grund haben viele Farmer Gästefarmen hergerichtet. Neben ihrem landwirtschaftlichen Betrieb nehmen sie eine begrenzte Anzahl von Gästen auf, so dass ihre Farmen durch die zusätzlichen Geldeinnahmen überleben können. Um sie touristisch attraktiver zu gestalten, bieten die Farmer Wildbeobachtungsfahrten, die sog. „Game Drives“ und Jagdsafaris an.

Gerade der Jagdtourismus ermöglicht den Farmern, private Naturschutzgebiete in Form von sog. „Conservancies“ zu errichten. Es werden die Farmgebiete verschiedener Farmer zusammengeschlossen, um mehr Lebensraum für die Tiere und ein größeres Jagdrevier zu schaffen. Dabei entstehen oftmals Jagdgebiete von über 100.000 ha. Zielgedanke ist dabei, den Wildbestand dieses Gebiets gemeinsam zu hegen, ein größeres Jagdrevier zu erhalten und eine regulierte Wildtierhaltung zu ermöglichen. Dabei soll gewährleistet werden, dass vom Aussterben bedrohte Tierarten gemeinsam geschützt werden können. Nach dem Vorbild der Zusammenschließung von kommerziellem Farmland durch die Gästefarmer folgt mittlerweile ein Zusammenschluss von kommunalem Land seitens der schwarzen Bevölkerung, so dass immer mehr „Conservancies“ entstehen.[12]

Da die Zahl der Touristen stetig steigt, und da die Gäste aus den unterschiedlichsten Ländern anreisen, haben sich viele Beherbergungsbetriebe auf landestypische Kost der Touristen spezialisiert. Damit wird eine Vielfalt an landwirtschaftlichen Produkten angebaut, unter anderem sogar Spargel.[13]

Eine weitere positive Auswirkung des Tourismus auf die Landverteilung ist, dass man, um die Urlauber und Geschäftsreisenden, die die hauptsächlichen Devisenbringer sind, nicht abzuschrecken, noch kein kommerzielles Farmland gewaltsam enteignet hat.

Negativ zu bewerten ist die Abwanderungsbewegung der Jugendlichen aus den marginalen Gebieten, wie z. B. dem Ovamboland, in die Städte Windhoek, Swakopmund und Walvis Bay. Sie suchen hier eine Arbeitsstelle, meist in der Tourismusbranche. Dies zeigt die Umfrage unter den Einheimischen (CH 2002/2003) deutlich. Alle Befragten, von denen die meisten in Swakopmund arbeiteten, kamen ursprünglich aus dem Norden des Landes. Um dieser Landflucht entgegenzuwirken, werden u. a. Programme der Organisation „NACOBTA“ zur Stärkung der kommunalen Tourismusindustrie entwickelt. Damit überwiegen die positiven Einflüsse des Tourismus auf die Landwirtschaft.

1.3 Bevölkerungs- und sozialgeographische Auswirkungen

Einerseits trägt der Tourismus durch das Zusammentreffen verschiedener Völker, Religionen und Anschauungen zum Verständnis fremder Kulturen bei, andererseits ergeben sich daraus aber auch negative Folgen, die oftmals erst im Nachhinein wahrgenommen werden.

So nahmen am Anfang der 90er Jahre, der Beginn des expandierenden Tourismus, noch viele Einheimische die Touristen als ihre persönlichen Gäste auf ihren Farmen auf. Sie verlangten kein Geld dafür. Das hat sich ins Gegenteil gewandelt. Durch die zunehmende Zahl der Touristenankünfte hat sich mittlerweile ein zweckrationales Verhältnis entwickelt. In erster Linie werden die Touristen als Geldgeber angesehen. Die Kontakte zu den schwarzen Einheimischen bestehen überwiegend darin, dass die Touristen entweder die Schwarzen auf dem Foto als „Souvenir“ mit nach Hause nehmen wollen, oder sie als hilflose, bettelnde Menschen ansehen, denen sie Geld aus Mitleid geben.

Letzteres wirft ein – für den unbedarften Urlauber unverständlich – großes Problem auf. Der Reiseleiter P. Hennes berichtet, dass er vor ca. zehn Jahren noch kein bettelndes Kind in den Dörfern oder an Tankstellen gesehen habe. In den letzten Jahren nimmt dies aber stark zu. Der Grund liegt bei den Touristen, die ihr Kleingeld gern an die „armen schwarzen Kinder“ verteilen. In den Köpfen der Kinder setzt sich fest, dass man Geld viel leichter erhält, wenn man einfach nur bettelnd die Hand aufhält, als arbeiten zu gehen.

Problematischer sieht es bei den Himbas aus. Wenn sie von den Touristen besucht wurden, verlangten sie früher als Gegenleistung für ein Foto Maismehl, Zucker oder Tabak. Heute fordern sie fast ausschließlich Geld oder alkoholische Getränke. Vor 1990 war es den Himbas fast unmöglich, Alkohol zu bekommen, heute sind viele abhängig davon, so dass oftmals die Kriminalitätsrate unter den Arbeitslosen steigt.

Weil in Namibia der exklusive Tourismus gefördert wird, vergrößert sich der Unterschied zwischen der armen Bevölkerung und den reichen Touristen stark. Der Anblick des aus der Sicht der Einheimischen verschwenderisch, luxuriös lebenden Urlaubers reizt entweder zur Nachahmung oder lässt die Einheimischen unzufrieden werden, so dass Neid und Haß entstehen. Wie der Extremfall solcher Disparitäten aussehen kann, wurde an dem Mord der deutschen Touristin Renate Gruber im September 2002 deutlich.[14] Zudem werden die sozialen Unterschiede auch innerhalb der Tourismusbranche sichtbar – die meisten Angestellten im Tourismus sind überwiegen schwarz, die Besitzer der Tourismusbetriebe hauptsächlich weiß – und evozieren somit zusätzlich soziale Spannungen.

Der Tourismus hat ebenfalls Einfluss auf die Familienstrukturen. Obwohl viele Arbeitslose Namibier in den städtischen Tourismuszentren Arbeit finden, lässt sich dadurch parallel ein Zerfall traditioneller Familienstrukturen feststellen. Einzelne Familienmitglieder leben oftmals durch die weiten Entfernungen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz über Monate lang getrennt von ihrer Familie. Dass dies von vielen in der Tourismusbranche tätigen Einheimischen als hauptsächlicher Nachteil gesehen wird, zeigte die Aussage eines Angestellten (Umfrage CH-2002/2003). Der Familienvater gab an, dass das Hauptproblem, das der Tourismus mit sich bringe, das Getrenntsein von seiner Familie sei. Er habe jetzt schon zum zweiten Mal Weihnachten ohne seine Familie feiern müssen.

Wie an den Himbas aufgezeigt, lässt sich auf der einen Seite ein Verfall der kulturellen Identität feststellen. Auf der anderen Seite führt der Tourismus aber auch zu einer „Rückbesinnung auf die eigene kulturelle Herkunft“. Durch die Projekte des „Community Based Tourism“ der Organisation „NACOBTA“ erhält die eigene Kultur mit ihren Bräuchen wieder einen Stellenwert. Innerhalb des „Community Based Tourism“ nimmt die Gemeinde einer bestimmten Region die Stelle des Touristikunternehmens ein. Sie ist dafür verantwortlich, dass die touristische Infrastruktur ausgebaut wird und die Gewinne aus dem Fremdenverkehr der einheimischen Bevölkerung zugute kommen. Dabei ist die Gemeinde weiterhin dafür verantwortlich, dass die Umwelt durch den Tourismus nicht zerstört wird. Zu den ersten nach dem Konzept des „Community Based Tourism“ entstandenen Dörfern zählt das traditionelle Dorf Lizauli im Caprivi-Zipfel. In diesem Dorf leben ca. 13 einheimische Personen, die den Touristen gegen ein monatliches festgelegtes Gehalt ihr traditionelles Dorfleben „vorführen“. In einer Kunst- und Handwerksgalerie werden die von der einheimischen Bevölkerung hergestellten Souvenirs verkauft.[15]

Ein weiteres positives Beispiel ist das traditionelle Dorf der Gästefarm „Muramba Bushman Trails“. Den San, denen durch die Einzäunung ihrer früheren Jagdgebiete im Zuge der Errichtung von Naturparks oder Farmen ihre Lebensgrundlage genommen wurde, wird somit durch die Vermarktung ihres traditionellen Dorfes ein neuer Lebensraum geschaffen. Sie können durch touristische Führungen in ihrem Dorf, Herstellen von Werkzeugen und Lebensmitteln etc. ihr traditionelles Leben weiterführen und außerdem ihren Lebensunterhalt verdienen. Zudem wird durch solche Projekte „der innere Zusammenhang der einheimischen Bevölkerung gefestigt – durch die Betonung des ‚Wir’ (Einheimische) gegenüber dem ‚Sie’ (Gäste, Besucher, Touristen)“ – und die Wiedergewinnung sozialer Anerkennung gefördert[16].

Doch kann sich die Vermarktung der schwarzen Kultur auch negativ auswirken, so dass ein „Zooeffekt“ entsteht, indem die Einheimischen als touristisch sehenswerte „Objekte“ und weniger als gleichwertige Menschen seitens der Touristen wahrgenommen werden.

1.4 Siedlungsgeographische Auswirkungen

Bisher hat sich die Ausweitung des Tourismus außer in Windhoek noch nicht negativ, in Form von Hochhäusern und großen Hotelanlagen, auf die Siedlungsstruktur ausgewirkt. Neue Projekte, wie die Schaffung weiterer Feriendörfer sind in Planung, wobei aber auf bewusste Anpassung an die vorhandenen Siedlungsstrukturen und die Landschaft geachtet wird.

Kleine Lodges und Gästefarmen werden der Landesstruktur angepasst und sind zudem weniger kapitalintensiv als große Beherbergungsbetriebe.[17] Beispielhaft soll die „Twyfelfontein Lodge“ an dieser Stelle genannt werden. Die Lodge wurde direkt an den Felsen gebaut und die Dächer mit Stroh und Gräsern gedeckt. Keine auffällige, landesuntypische Bauweise weist auf die Lodge hin, allein die Hinweisschilder zur Lodge an den Rändern der Pad machen auf sie aufmerksam.

Die kleineren Städte Malthahöhe und Aus liegen an den Hauptverkehrsstraßen, die von vielen Touristen benutzt werden. Mittelpunkt der Städte ist meist eine Tankstelle gekoppelt mit dem Verkauf von Ersatzreifen, eine Post und ein Lebensmittelladen. Durchreisende nutzen die Gelegenheit, wichtige Dinge zu erledigen, so dass die Besitzer der Tankstellen und Lebensmittelläden davon profitieren.

Wie der Tourismus sich positiv auf die Struktur einer Stadt auswirken kann, wird an Lüderitz verdeutlicht. Durch die Errichtung der sog. „Waterfront“, d. h. dem Bau von Hotels, einem dreistöckigem Gebäude mit Geschäfts- und Büroräumen und einem Restaurant direkt am Hafen, dem sog. „Harbour Square“, soll dem wachsenden Tourismus entgegengekommen werden. Zusätzlich wird eine Einkaufspassage mit 16 kleineren Geschäften gebaut, die auf einen offenen Platz direkt am Hafen führt. Da der bisherige Jachthafen bei der vorgelagerten Haifischinsel den wachsenden Zahlen der Touristen nicht mehr entspricht, soll dieser in den Hafen von Lüderitz verlegt werden.[18] Im Mai 2002 wurde bereits der im Zuge dieses Projekts errichtete „Market Square“ – ausgestattet mit fünf Büros, acht Läden und verschiedenen Wohnungen – der oberhalb des Hafens Richtung Stadtkern liegt, eingeweiht. Hier soll noch einmal das „Nest Hotel“ als positives Beispiel erwähnt werden. In der verlassenen Hafengegend ist eine „attraktive Erholungslandschaft entstanden“[19].

Dieses „Waterfront Projekt“, mit staatlichen Geldern in Höhe von ca. 33 Millionen N$ finanziert, ist schon bis zu einem Drittel fertig gestellt (Juli 2002).[20] In Verbindung mit diesem Projekt haben Berliner Architekten und Tourismusexperten bis Ende 2004 innerhalb eines Naturschutzgebietes am Diazpoint (ca. 20 km von Lüderitz entfernt) ein Designerhotel mit einer neuen Form des „Natur- und Wellnesstourismus“ geplant.[21] Dass dies Auswirkungen auf die gesamte Siedlungsstruktur von Lüderitz und Umgebung – und sicher auch auf die Natur –haben wird, ist selbstverständlich.

[...]


[1] Vgl. Halbach, 1989, S. 1.

[2] Vgl. Weck, 1994, S. 43.

[3] Vgl. Lamping, 1996, S. 7.

[4] Vgl. Holm-Petersen, 1997, S. 93.

[5] Vgl. Spiegel online. „Jahrbuch 2003. Namibia”. <http://www.spiegel.de/jahrbuch/0,1518,NAM,00.html> (15.03.03).

[6] Vgl. Pack, 2002, S. 156.

[7] Kainbacher, 1995, S. 111; Pack, 2002, S. 156. Von den Jahren 1995 bis 2001 liegen keine Daten vor.

[8] Vgl. Pack, 2002, S. 156.

[9] Aussage eines ehemaligen Reiseleiters von „Oryx Tours“ während eines Interviews über die Auswirkungen des Tourismus am 20.12.02.

[10] Vgl. Springer, Dirk. „Tourismusindustrie weiterhin im Aufwind“. Allgemeine Zeitung online, 20.11.2002. <http://www.az-namibia.com/az/artikel/az-…1.php4?rubrik=lokales&artikelnummer=1815> (25.11.02).

[11] Angaben anhand eigener Beobachtungen bei einem Aufenthalt in Aus im Dezember 2002.

[12] Vgl. Heß, 2001, S. 30.

[13] Vgl. Boudon, 2001, S. 7.

[14] Vgl. Heussen, Sven. „Späte Initiative“. Allgemeine Zeitung online, 17.09.2002. <http://www.az-namibia.de/artikel/az-artikel.php4?rubrik=lokales&artikelnummer=1622> (05.02.03).

[15] Vgl. Kesselmann, 2001, S. 138.

[16] Opaschowski, 1996, S. 56.

[17] Vgl. Speich, 1994, S. 64.

[18] Vgl. Pack, 2002, S. 228;

[19] Opaschowski, 1996, S. 56.

[20] Vgl. Kanzler, 2002, S. 12-13.

[21] Vgl. Heß, 2001, S. 30.

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Details

Title
Die Folgen des Tourismus in Namibia. Chancen und Risiken eines Entwicklungslandes
College
University of Wuppertal
Grade
1,3
Author
Year
2003
Pages
40
Catalog Number
V283360
ISBN (eBook)
9783656825777
ISBN (Book)
9783668140097
File size
508 KB
Language
German
Tags
folgen, tourismus, namibia, chancen, risiken, entwicklungslandes
Quote paper
Cornelia Haldenwang (Author), 2003, Die Folgen des Tourismus in Namibia. Chancen und Risiken eines Entwicklungslandes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283360

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