Case Management in der Entwicklung. Stand und Perspektiven einzelner Leistungsbereiche des Gesundheitswesens


Hausarbeit, 2014

23 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Methodisches Vorgehen
1.3. Aufbau der Arbeit

2. Definition Case Management
2.1. Entstehung Case Management
2.2. Das entwickelte Case Management

3. Case Management im Akut-Krankenhaus
3.1. Präambel zum Beispiel „Case Management im Akut-Krankenhaus“
3.2. Erforderliche Voraussetzungen
3.3. Bestehende Anforderungen
3.4. Gemachte Erfahrungen
3.4.1. Patientenbeispiel Case Management

4. Case Management – Eine kritische Reflektion
4.1. Das Notwendige und das Erreichte

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Durch das steigende Risiko werden immer mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt verdrängt weil ihre Leistungsfähigkeit aufgrund vielfälltiger Probleme abnimmt. Wo setzt Case Management hier an? Krankheitsbedingte Menschen wollen meist eine rasche Rückkehr an ihren Arbeitsplatz, dazu brauchen sie aber häufig eine Begleitung. Case Management ermöglicht Ihnen bei psychosozialen oder krankheitsbedingten Schwierigkeiten eine prozessorientierte Begleitung zur Wiedereingliederung in die Arbeitswelt. Nebst den positiven sozialpolitischen Folgen ist Case Management dadurch auch volkswirtschaftlich ein Gewinn. Arbeitnehmende, die sich trotz Problemen unterstützt und wertgeschätzt fühlen, tragen mehr zum Erfolg eines Unternehmens bei als wenn Sie mit ihren Problemen alleingelassen werden und dadurch erkranken.

1.1. Problemstellung

Case Management wird wenig einheitlich verstanden, findet in unterschiedlichen Handlungsfeldern statt und setzt auf unterschiedlichen Ebenen an. Diese Gründe führen zu einem unübersichtlichen, uneinheitlichen und unbefriedigenden Stand der Forschung zu Case Management.[1] Beeinflusst werden Ergebnisse und deren Wirkungen im Case Management durch Ausgangsprobleme durch die komplexe Fallsituation, dem Vorgehen im Prozess und den Rahmenbedingungen als problembezogene und strukturelle Einflussfaktoren.

1.2. Methodisches Vorgehen

Diese Arbeit enthält vorallem qualitative Daten die aus Institutionen im Gesundheitswesen wie z.B. Netzwerk Case Management Schweiz, Schweizerischer Berufsverband der Pflegefachfrauen (SBK) sowie die Forschungslage und die gewonnenen Erkenntnisse zu Case Management sind. In der Schweiz existieren Fallbeispiele zu Case Management aber wissenschaftliche Studien mit aussagekräftigen Endpunkten fehlen dazu. Der Fokus der Arbeit soll anhand eines Beispiels eines Akut-Spitals aus der Schweiz aufschlüssig die erforderlichen Voraussetzungen, die bestehenden Anforderungen und die gemachten Erfahrungen dargelegen. Dabei wird in der Entwicklung der Praxis- und Ausbildungsstandards das Notwendige und Erreichte einer kritischen Reflektion unterzogen.

1.3. Aufbau der Arbeit

Zuerst soll erläutert werden was unter einem Case Management und insbesondere einem entwickeltem Case Management zu verstehen ist. Im Hauptteil der Hausarbeit wird im Kapitel 3 Case Management anhand eines Beispiels eines Akutstationären Krankenhauses dargelegt. Die erforderlichen Voraussetzungen und bestehenden Anforderungen stelle ich den gemachten Erfahrungen mit Case Management im Spitalumfeld dar. Im Kapitel 4 wird das Notwendige und das Erreichte in der Entwicklung der Praxis- und Ausbildungsstandards hinterfragt. An dieser Stelle bringe auch ich meine persönliche Einschätzung zur kritischen Reflektion ein. Abschliessend folgt eine Zusammenfassung sowie ein Ausblick des Case Managements in der Schweiz.

2. Definition Case Management

2.1. Entstehung Case Management

Das Konzept des Case Management ist im Arbeitsumfeld US-amerikanischer Sozialdienste bereits in den 1970er Jahren entstanden.[2] Für die Entwicklung und Implementierung eines systematischen Case Management werden als Rahmenbedingungen vor allem die zahlreichen Wohlfahrtsprogramme der nicht sinkenden Zahl an Bedürftigen die verstärkt Druck auf die Sozialdienste ausübten. Dies insbesondere um die Wirksamkeit nachzuweisen, dass auf dem sozialen Gebiet die neoliberale des „mehr Markt und weniger Staat“ nicht schaden könne.[3] Die Geburtsstunde des Case Management ist aber für die US-amerikanische Hilfelandschaft typische Spezialisierung und Fragmentierung[4] der einzelnen sozialen Dienste, die sich ohne koordinierenden „human link“[5] nicht mehr in der Lage waren eine umfassende Hilfe zu gewährleisten um effektive und effiziente Angebote des Hilfenetzes auszunutzen. Dies führte zur Einrichtung von Case Management um den Klienten durch den gesamten Verlauf des Hilfeprozesses (vertikal) durch das Feld der Hilfeanbieter (horizontal) begleiten zu können.[6]

Nach einer Definition der "Case Management Society of America" (CMSA) beschreibt Case Management einen "kollaborativen Prozess der Bewertung, Planung, Hilfestellung und Rechtsvertretung" (assessment, planning, facilititation, and advocacy) von Patienten mit dem Ziel, "die gesundheitlichen Bedürfnisse eines Individuums durch Kommunikation und Bereitstellung von Ressourcen zu erfüllen und qualitativ hochwertige, kostengünstige Behandlungserfolge zu sichern."[7] Innerhalb Europas gelten als Vorreiter bei der Einführung von Case Management-Modellen vor allem die Niederlande und die Schweiz.[8]

2.2. Das entwickelte Case Management

Das entwickelte Case Management ist die Anleitung und Begleitung eines Patienten in seiner Krankheit. Es ist darauf ausgerichtet, dem Patienten Zeit- und kostensparend durch die Diagnostik und Therapie seiner Erkrankung zu führen. Dabei wird dem Patienten das Gefühl der Sicherheit und Transparenz über die Abläufe der Behandlung vermittelt. Das Case Management ist eine Spezialdisziplin des Patientencoachings, das weitreichender wirkt und umfassender agieren muss. Wird beim Coaching mehr auf die Aktivierung der individuellen Kräfte der Selbsthilfe und des Selbstmanagement gesetzt, steht beim Case Management die Lotsenfunktion entlang konkreter und genau definierter Behandlungsprozesse im Vordergrund. In der Seefahrt bedeutet die Lotsenrolle eine vorübergehende Übernahme der Kapitänsrolle auf einer bestimmten Strecke. Auf das Gesundheitswesen adaptiert, handelt es sich um eine zeitlich begrenzte Führungsfunktion. Zwischen Sektoren und Organisationen werden Schnittstellen geschaffen, die sich in der Regel an Behandlungsanlässen und –zielen sowie Behandlungsleitlinien orientieren. Dies umfasst das Berufsbild der Case Managerin, die genau diese Prozessabläufe optimiert die zur besseren Planung und Betreuung des Patienten führt, und nicht zu letzt zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen beitragen.[9]

Das Case Management kennt eine Reihe zentraler Grundpositionen, dabei steht an erster Stelle der Case an sich wo es in diesem Zusammenhang immer um einen individuellen Antrag auf Hilfe geht. Der Kontext, in dem sich der Antrag des Klienten befindet, wird einer genauen Prüfung unterzogen, sowohl im Hinblick auf das Entstehen von Bedürfnissen nach Hilfe als auch auf Möglichkeiten, welche er bietet, um diese Bedüfnisse zu befriedigen. Zweitens geht es um das Management und deren Aspekte wie die der Regelung und Koordination aufgrund von Kooperationsvereinbarungen und Organisation der erforderlichen Hilfe- und Dienstleistungen. Ein dritter wichtiger Ausgangspunkt ist, dass das Case Management den ganzen Ablauf von der Anfrage bis zum Angebot umfasst. Der vierte Punkt schliesst sich daran an, der anzeigt, dass Case Management sich auf eine komplexe Problematik oder Kontinuitätsproblematik zu beschränken hat.[10]

Auf das Krankenhaus übertragen, verfolgt das Case Management die Zielsetzung, den Betreuungsprozess der Patienten stärker patientenzentriert auszurichten. Gleichzeitig sollen Eintritts-, Aufenthalts- und Übertrittsprozesse verbessert werden. Dies bedingt eine interprofessionelle Vernetzung, d.h. nicht nur die spitalinternen Prozesse sondern auch die nötige Nachbetreuung des Patienten bei Austritt durch Patienten/Patientinnen Betreuung oder Pflege bei ihnen zu Hause. Gegenwärtig bestehen sogenannte „Kreuzvereine“ (=Gemeindepflege) oder der Familienhilfe die solche Dienstleistungen anbieten. Dabei ist es entscheidend was der Klient/Klientin möchte, die Nachfrage von Klientenseite steht also im Mittelpunkt und nicht das Einrichtungsangebot.

Im stationären Sektor ist Case Management mehr oder weniger mit einem klinischen Prozessmangement identisch.[11] Dieses ist bei einem Gesundheitszentrum als integral wahrzunehmenden medizinischen Versorgungsauftrag erst über professionelle Domänen und dann auch über die Hospitalgrenzen hinaus wirksam. Durch den interdisziplinären Ansatz muss Case Management zentral in eine Linienstruktur eingebunden sein, da die Zuordnung nicht in die klassischen Säulen, ärztlicher Bereich, Pflege oder Verwaltung passt. Nebst den Case Managerinnen umfasst dies die Patientenaufnahme inkl. administrativer Aufnahme, den medizinischen Schreibdienst sowie den Sozialdienst.[12]

3. Case Management im Akut-Krankenhaus

3.1. Präambel zum Beispiel „Case Management im Akut-Krankenhaus“

Exemplarisch dargelegt sind die Prämissen des Case Managements anhand des akutstationären Zentrumskrankenhauses Baden, Schweiz[13]. Als Oberziel verfolgt auch dieses Spital mit Case Management eine Senkung der Verweildauer auf der stationären Versorgung zu erreichen, auf die im Kapitel „gemachte Erfahrungen“ näher eingangen wird. Dazu anzumerken ist, dass die pauschalisierte Finanzierung der Krankenhausaufenthalte in der ganzen Schweiz erst seit Januar 2012 eingeführt wurde.[14]

3.2. Erforderliche Voraussetzungen

Seit gut 10 Jahren reorganisiert und gestaltet Case Management in der Schweiz patientenbezogen die Kernversorgungsprozesse im Krankenhaus. Massgebend für die Begleitung durch eine Case Managerin[15] im Akut-Krankenhaus sind komplexe Patientensituationen, wie z.B. das Management von kritisch oder chronisch kranken Patienten. Diese werden als Patientengruppen erfasst, z.B. Patienten mit koronaren Herzkrankheiten, Herzinsuffizienz, Hirnschlag, Krebs, Rheuma, Epilepsie, Diabetes, Rheuma, Psychiatrische Erkrankungen, Altersfrakturen, Demenz, chronisch kranke Kinder oder geriatrische Patienten.[16] Qualifizierte Pflegefachpersonen spielen im Akutspital bei der Entwicklung und Implementierung von Case Management eine entscheidende Rolle. Dabei leisten die Case Managerinnen einen wichtigen Beitrag zur Gewährleistung der Versorgungsqualität im Hinblick auf einen nahtlosen Übergang nach der akutstationären Behandlung. Der Patient und die Versorgungsprozesse stellen den Ausgangspunkt des Case Managements. Managementprozesse und – strukturen als auch die allfälligen Leistungsprozesse und –strukturen der sekundären und tertiären Dienstleistungen werden notwendigerweise reorganisiert um die Kernprozesse ohne Schnittstellenprobleme und Reibungsverluste umzusetzen. Case Management Einführung hat immer Konsequenzen bei der Reorganisation für die Aufgabenverteilung innerhalb der Krankenhausorganisation. In der Prozesskette führt Case Management zu einer Aufgabenneuverteilung. Die Weisungsbefugnis um die Versorgung des Patienten orientiert sich dabei immer an den notwendigen Qualifikationen und an der abgeleiteten Aufgabenverteilung zwischen den involvierten Berufsgruppen. Was muss die Organisation bereithalten um diese Leistungsprozesse zu unterstützen? Eine hohe Kooperationsbereitschaft und –fähigkeit von allen an der Behandlung des Patienten beteiligten Mitarbeitern, fachabteilungs-, berufsgruppen- und hierarchieübergreifend.[17] Prozessverantwortliche sind zu benennen, damit die Prozess- und Kommunikationsstörungen vermieden und die Schnittstellen gemanagt werden können. Für diese Aufgabe sind Pflegekräfte mit ihrer spezifischen Case Management Kompetenzen und –fähigkeiten prädestiniert. Wieso ist die Pflege dafür prädestiniert?

Pflege hat längst die Steuerung der Behandlungsprozesse „ihrer“ Patienten und Belegungsmanagement für die Station – soweit ohne offizielle Befugnisse geht – übernommen

Pflege bildet Schnittstellen zu allen Berufsgruppen die am Behandlungsprozess des Patienten beteiligt sind (Physiotherapie, Funktionsbereiche, Küche, Verwaltung)

Pflege stellt Versorgungsprozesse des Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung sicher (einschliesslich der nicht-medizinischen Sekundärprozesse) unter Berücksichtigung der Patientenbedürfnisse

Pflege ist medizinisch ausreichend qualifiziert um Entlassungszeitpunkt für ein Case Management Patienten durch den behandelnden Arzt erneut zu überprüfen ggf. zu korrigieren

Steuerung im Case Management i.d.R. nur von der Pflege und nicht – was derzeit auch diskutiert wird- von Ärzten ausgeführt wird

Pflege steht 24 Std. in Patientenkontakt und sichert so die bestmögliche Patientenbetreuung und –orientierung.

[...]


[1] Vgl. Schmid, Schu, 2006

[2] Vgl. Ewers, 1996, S. 19

[3] Vgl. Wendt, 1991, S. 14

[4] Vgl. Hansen, 2005, S. 19

[5] Vgl. Hansen, 2005, S.19

[6] Vgl. Hansen, 2005, S.20

[7] Case Management Society of America, Stichwort: Definition Case Management, URL: http://www.cmsa.org/Home/CMSA/WhatisaCaseManager/tabid/224/Default.aspx, (12.09.14)

[8] Vgl. Schrauth, 2012, S. 30

[9] Vgl. Schmid, E. , Weatherly, J.N., Meyer-Lutterloh, K., Seiler, R.; Patientencoaching, Gesundheitscoaching, Case Mangement: Methoden im Gesundheitsmanagement von Morgen. 2008. S. 1-8.

[10] Vgl. Willems, 1991b

[11] Vgl. Greiling, 2004

[12] Vgl. Roppelt, 2004, S.588

[13] Vgl. Bäbler, B., Bischofberger, I.: Case Management im Akutkrankenhaus – Vom Forschungsprojekt zum Dienstleistungsangebot. Case Management, 11(1), 2014, S. 49-53.

[14] Vgl. Bundesamt für Statistik, Stichwort: pauschalisierte Finanzierung Krankenhausaufenthalte Schweiz 2012, URL: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/tools/search.html (23.9.14)

[15] Die weibliche Form gilt für Personen beider Geschlechter

[16] Vgl. Kim, Soeken, 2005

[17] Vgl. Dahlgaard, Stameyer, 2006

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Case Management in der Entwicklung. Stand und Perspektiven einzelner Leistungsbereiche des Gesundheitswesens
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen  (Fernhochschule)
Veranstaltung
Gesundheitswirtschaft
Note
1.3
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V283479
ISBN (eBook)
9783656832355
ISBN (Buch)
9783656830610
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
case, management, entwicklung, stand, perspektiven, leistungsbereiche, gesundheitswesens
Arbeit zitieren
Stefan Wiedemann (Autor), 2014, Case Management in der Entwicklung. Stand und Perspektiven einzelner Leistungsbereiche des Gesundheitswesens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283479

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