In dieser Arbeit geht es um den Begriff Diskurs und die daraus resultierende Diskursanalyse. Als praktisches Beispiel für einen Diskurs dient die „Neue Leipziger Schule“, eine Künstlergruppe bei der die Grenzen zwischen Diskurs und Realität verschwimmen. Für die theoretische Herleitung der Entstehung des Zusammenhangs von Wissen und Wirklichkeit werden drei theoretische Positionen heran gezogen.
Zunächst wird auf die Theorie Ferdinand de Saussures (1857-1913) eingegangen, um die soziale Bedingtheit von Kommunikation aufzuzeigen. Daran anschließend wird mit Hilfe spezifischer Arbeiten Michel Foucaults (1926-1984) auf die Bedeutung der Diskurse als Erscheinungs- und Zirkulationsformen des Wissens hingewiesen. Anhand der kultursoziologischen Erkenntnisse von Pierre Bourdieu (1930-2002) wird schließlich die Bedeutung der Akteure und ihrer Macht in der Produktion von Diskursen, Kategorien und Wirklichkeit dargestellt.
Begriffe oder Kategorien wie z.B. Familie oder Geschlecht scheinen natürlich und selbstverständlich, sind aber eigentlich kollektive Vereinbarungen, die lediglich nicht mehr hinterfragt werden. Damit etwas Wirklichkeit wird, bedarf es der Akteure mit ihren jeweiligen Interessen, die über die Macht oder Legitimität zu sprechen verfügen, denn es ist nur einigen wenigen möglich Wissen zu etablieren. Diese Akteure lassen Dinge entstehen in dem sie über sie sprechen, sie abgrenzen und benennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff „Diskurs“
3. Theoretische Voraussetzungen für eine akteurzentrierte Diskursanalyse
3.1. Ferdinand de Saussure und die soziale Bedingtheit von Kommunikation
3.2. Michel Foucault und die Entstehung von „Wissen“
3.3. Pierre Bourdieu und die Bedeutung der Akteure
4. Die akteurzentrierte Diskursanalyse im Anschluss an Bourdieu
4.1. Verhältnis des kulturellen zum sozialen Feld
4.2. Das kulturelle Feld und seine Akteure
5. Fazit und Praxisausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Konstruktion des Begriffs „Neue Leipziger Schule“ (NLS) als soziales Produkt, indem sie die zugrundeliegenden diskursiven Machtstrukturen und das Handeln der beteiligten Akteure analysiert.
- Theoretische Fundierung der Diskursanalyse durch Saussure, Foucault und Bourdieu
- Die Rolle von Sprache als Mittel zur Erzeugung von gesellschaftlicher Wirklichkeit
- Analyse des kulturellen Feldes der Kunst und seiner spezifischen Akteursgruppen
- Untersuchung der Machtverhältnisse bei der Etablierung von Kategorien und Gruppenidentitäten
- Rekonstruktion der Wissensproduktion über die NLS im Zeitraum von 1997 bis 2006
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Akteure und ihrer Macht in der Produktion von Diskursen, Kategorien und Wirklichkeit dargestellt.
Begriffe oder Kategorien wie z.B. Familie oder Geschlecht scheinen natürlich und selbstverständlich, sind aber eigentlich kollektive Vereinbarungen, die lediglich nicht mehr hinterfragt werden. Damit etwas Wirklichkeit wird, bedarf es der Akteure mit ihren jeweiligen Interessen, die über die Macht oder Legitimität zu sprechen verfügen, denn es ist nur einigen wenigen möglich Wissen zu etablieren. Diese Akteure lassen Dinge entstehen in dem sie über sie sprechen, sie abgrenzen und benennen.
Die Einteilung der Akteure in der vorliegenden Studie zur NLS orientiert sich an der Konzeptualisierung von Heine von Alemann, der einen zentralen, inneren Vermittlungsbereich bestehend aus Künstler, Galeristen und Sammlern, sowie drei weitere Bereiche charakterisiert. Diese setzen sich aus den professionellen Kunstexperten (Kunstkritiker, Kunsthistoriker, Ausstellungsmacher, Kunstvereinspersonal), den Institutionen (Kulturpolitik, Kunstvereine, Museen, Stiftungen/Förderer) und dem allgemeinem Publikum, d.h. der breiten Öffentlichkeit (Sponsoren/Mäzene, Geldanleger, Kunstinteressierte, Schaulustige) zusammen. Der Fokus dieser Diskursanalyse zur NLS liegt auf dem inneren Vermittlungsbereich und den professionellen Kunstexperten, da ihnen als Multiplikatoren ein besonderes Gewicht in der Kunstvermittlung zukommt.
Ziel der folgenden Untersuchung ist es, die jeweiligen Akteure der verschiedenen Bereiche ausfindig zu machen, welche sich an der Entstehung, Formung und Verwirklichung der Konstruktion der NLS beteiligt haben, bzw. diesem Prozess entgegenstanden. Deshalb werden hier deren Positionen in Bezug auf die Konstruktion einer NLS anhand von Veröffentlichungen im Zeitraum von 1997 bis 2006 herausgearbeitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die mediale Konstruktion der „Neuen Leipziger Schule“ ein und stellt die theoretische Herleitung der Untersuchung vor.
2. Der Begriff „Diskurs“: Dieses Kapitel erläutert die Historizität und theoretische Einordnung des Diskursbegriffs im Kontext der Geistes- und Sozialwissenschaften.
3. Theoretische Voraussetzungen für eine akteurzentrierte Diskursanalyse: Hier werden die Ansätze von Saussure, Foucault und Bourdieu als theoretische Basis für die Diskursanalyse zusammengeführt.
4. Die akteurzentrierte Diskursanalyse im Anschluss an Bourdieu: Das Kapitel analysiert das kulturelle Feld der bildenden Kunst und die Rolle seiner Akteure bei der Konstruktion von Kategorien.
5. Fazit und Praxisausblick: Es wird zusammengefasst, wie die Erkenntnisse zur Theorie der Diskursanalyse genutzt werden, um die Identitätsbildung der NLS zu untersuchen.
Schlüsselwörter
Diskursanalyse, Neue Leipziger Schule, Ferdinand de Saussure, Michel Foucault, Pierre Bourdieu, kulturelles Feld, soziale Konstruktion, Akteure, Macht, Symbolische Macht, Wissenssoziologie, Kunstmarkt, Identitätsbildung, Kommunikation, Habitus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die diskursive Entstehung des Begriffs „Neue Leipziger Schule“ als soziales und machtgesteuertes Konstrukt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Diskurstheorie, Akteurszentrierung im Kunstmarkt und die Bedeutung von Benennungsprozessen für die soziale Wirklichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Akteure zu identifizieren, die durch ihre Machtpositionen an der Konstruktion und Etablierung des Begriffs „Neue Leipziger Schule“ beteiligt waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine akteurzentrierte Diskursanalyse auf Basis der Theorien von Saussure, Foucault und Bourdieu angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung der Diskursanalyse und der Analyse des kulturellen Feldes sowie seiner spezifischen Akteursgruppen im Kunstmarkt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Diskursanalyse, Neue Leipziger Schule, soziale Konstruktion, Macht, kulturelles Feld und Symbolische Macht.
Warum ist das Habitus-Konzept von Bourdieu für die Arbeit wichtig?
Der Habitus dient als Vermittlungsinstanz zwischen objektiven sozialen Strukturen und individuellem Handeln und erklärt, wie Akteure die Wahrnehmung der NLS beeinflussen.
Wie unterscheidet sich die vorliegende Arbeit von einer Geschichtsschreibung der NLS?
Die Autorin rekonstruiert nicht eine lineare Geschichte der Künstlergruppe, sondern untersucht die Geschichte des Wissens über die NLS und die Konstrukteure dieses Wissens.
- Quote paper
- Carolin Modes (Author), 2007, Die Diskursanalyse. Entstehung und Theorien von Saussure, Foucault und Bourdieu, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283508