Hindernisse beim Erstspracherwerb

Hörprobleme, Stottern und Myofunktionelle Störung


Hausarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hörprobleme als Hindernis beim Erstspracherwerb

Taubheit und Gehörlosigkeit

Der Begriff „Taubstumm“

Verschiedene Ursachen für Hörprobleme
1. Hörstörungen, die das Mittelohr betreffen
2. Hörstörungen, die das Innenohr betreffen
3. Zentrale Hörstörung

Die Myofunktionelle Störung

Der Schluckablauf

Bei normalem Schluckablauf

Bei falschem Schluckablauf

Die Zunge: Hauptfaktor der Zahnstellungsprobleme

Faktoren welche eine Myofunktionelle Störung begünstigen

Stottern

Unterscheidung zwischen Klonisch und Tonisch

Wissenswertes

Internetquellen

Literaturliste

Einleitung

Der Spracherwerb eines Kindes ist ein natürlicher Teil seiner Gesamtentwicklung.[1] Kinder können jedoch erst ab einem bestimmten Alter anfangen, zu sprechen, weil sowohl ihre körperliche, als auch ihre geistige Entwicklung es ihnen erst dann ermöglicht, das, was sie hören, nachzusprechen.[2] Doch manche Kinder haben keine normale körperliche oder geistige Entwicklung, wodurch sich der Spracherwerb erschwert. In dieser Arbeit werde ich auf Sprachentwicklungsstörungen und deren Ursachen eingehen.

Zunächst einmal sind Hörprobleme ein entscheidender Faktor, der die sprachliche Entwicklung eines Kindes stark beeinträchtigen kann. In einer Bochumer Studie wurden in den Jahren von 1988 bis 1991 mehr als 1300 Kinder mit Sprachstörungen erfasst. Bei 48% der bei dieser Studie untersuchten Kinder war die Sprachstörung die Folge einer Hörstörung.[3] Kinder haben im Gegensatz zu Erwachsenen ein Gehör, mit dem sie noch jeden Laut hören können, den ein Erwachsener nicht mehr hören kann. Somit können sie zunächst jede erdenkliche Sprache und deren typische Laute erlernen, eine Fähigkeit, die sich bei Erwachsenen stark zurückbildet.[4] Sollte einem Kind aufgrund einer Hörstörung diese Möglichkeit nicht gegeben sein, so ist eine Sprachstörung vorprogrammiert.

Es gibt allerdings auch Sprachentwicklungsstörungen, die nicht die Folge einer Hörstörung sind. In dieser Arbeit werde ich näher auf die Myofunktionelle Störung eingehen, eine Störung, bei der einige Sprachwerkzeuge (z.B. Zunge, Zähne etc.) des Menschen beeinträchtigt sind.[5]

Schließlich werde ich das Thema Stottern betrachten. Ein Phänomen, von dem man bis heute nicht genau weiß, welche Ursachen es hat, eine Sprachstörung, die von der Wissenschaft weiterhin untersucht werden muss.[6]

Hörprobleme als Hindernis beim Erstspracherwerb

Taubheit und Gehörlosigkeit

Der Unterschied zwischen Taubheit und Gehörlosigkeit liegt darin, dass medizinisch gesehen 98% der gehörlosen Menschen noch Restgehör besitzen. Wenn kein Restgehör vorhanden ist wird der Betroffene als taub bezeichnet.[7]

Bei tauben und gehörlosen Menschen sind die Sprachwerkzeuge meist ausgebildet, jedoch ist die Artikulation der Betroffenen mangelhaft. Obwohl diese Menschen nicht stumm sind, sprechen sie sehr wenig, da sie weder sich noch andere Menschen hören können. Die Möglichkeit ihre Muttersprache auf natürliche Weise durch Zuhören und Nachsprechen zu erlernen, ist somit nicht gegeben. Das fehlende Gehör ist demnach die Ursache für die unkontrollierte Lautbildung, doch auch der Zunge, die bei gehörlosen und tauben Menschen meist nur zum Schlucken gebraucht wird, fehlt die nötige Bewegung. Die Zunge wird nicht genug trainiert und wird dadurch dick und unbeweglich, wodurch die Artikulation zusätzlich erschwert wird. [8]

Gehörlosigkeit und Taubheit kommen häufiger in gebirgigen Gegenden vor. In einem Vergleich zwischen Großbritannien, Deutschland und der Schweiz sind in Großbritannien, einem verhältnismäßig ebenen Land, unter 10000 Menschen durchschnittlich 5,7 Menschen betroffen. In Deutschland gibt es durchschnittlich 7,7 Menschen, die betroffen sind während in der Schweiz, dem gebirgigsten Land in diesem Vergleich, im Schnitt 24,5 von 10000 Menschen gehörlos bzw. taub sind. [9]

Hörprobleme können sowohl angeboren als auch erworben sein. Bei angeborener Taubheit oder Gehörlosigkeit handelt es sich entweder um einen seltenen Fall der Vererbung von einem autosomal-rezessiven Gen oder sie ist die Folge einer Krankheit, die den Fötus noch im Mutterleib befallen hat wie zum Beispiel Rötelnembryopathie. Es gibt allerdings auch Kinderkrankheiten, welche die erworbene Taubheit zur Folge haben können. Dazu zählen beispielsweise Masern und Scharlach, aber auch Mittelohrentzündungen. Sollte eine Ertaubung als Folge einer Krankheit eintreten, nach vorangegangenem Spracherwerb so spricht man von einer „postlingualen Ertaubung“. [10]

Obwohl es möglich ist, wird Gehörlosigkeit beziehungsweise Taubheit selten direkt vererbt. Es ist jedoch zu beobachten, dass das Phänomen gehäuft in der Verwandtschaft auftritt.[11]

Der Begriff „Taubstumm“

Taubstumm ist mittlerweile ein veralteter Begriff und wird von den Betroffenen als Beleidigung angesehen, da Gehörlose nicht notwendigerweise auch stumm sein müssen. Gehörlos oder Taub sind die korrekten Bezeichnungen.[12] 2004 ersetzte auch der Duden das Wort „taubstumm“ durch „gehörlos“.[13]

Bei meiner Recherche stieß ich im Internet auf einen Blogeintrag eines Gehörlosen, der sich zu dem Begriff „taubstumm“ äußerte:

„ […] Das Wort taubstumm ist eine Beleidigung für mich und ebenso für so viele Gehörlose.

Bis jetzt ist mir nur ein einziger Mensch begegnet, der wirklich taubstumm war: Eine Frau, die weder hören noch sprechen konnte. Sie machte den Mund nie auf und aus ihrem Mund kam nie ein Ton heraus, auch machte sie nie Sprechbewegungen. Das ist eine Taubstumme.

Wir Gehörlose aber können sprechen und aus unseren Mündern kommen Töne, wenngleich diese Töne auch nicht immer “normal” sind (weil wir unsere Stimmen ja nicht hören und somit nicht kontrollieren können) – Töne sind Töne! […]“.[14]

Verschiedene Ursachen für Hörprobleme

1. Hörstörungen, die das Mittelohr betreffen

Hörstörungen, die das Mittelohr betreffen oder auch Schallleitungsstörung genannt, sind meist die Folge eines schlecht belüfteten Mittelohrs. Polypen sind oft die Ursache für diese schlechte Belüftung und sorgen somit auch für gehäufte Mittelohrentzündungen. Bei Mittelohrentzündungen sammelt sich Flüssigkeit und Schleim im sogenannten „Tube“ am Trommelfell an, wodurch dieses nicht mehr richtig schwingen kann und Hörprobleme entstehen.[15]

Diese Hörstörung kann in manchen Fällen durch operative Eingriffe verbessert oder komplett behoben werden. Es empfiehlt sich zum Beispiel die Polypen entfernen zu lassen, damit die Belüftung des Mittelohrs nicht mehr beeinträchtigt ist. Eine weitere Möglichkeit ist, ein Schnitt in das Trommelfell, eine sogenannte Parazentese, die den Abfluss von Schleim und Flüssigkeit ermöglicht und somit das Hörproblem beheben soll. [16]

2. Hörstörungen, die das Innenohr betreffen

Hörstörungen, die das Innenohr betreffen oder auch Schallempfindungsstörungen genannt sind entweder angeboren oder treten als Komplikation einer Kinderkrankheit wie zum Beispiel Masern auf.[17],[18] Hörstörungen, die das Innenohr betreffen kommen deutlich seltener vor, als Hörstörungen, die das Mittelohr betreffen. Bei 95% aller Hörstörungen ist das Mittelohr betroffen, wohingegen bei nur 5% das Innenohr betroffen ist. [19]

Diese Hörstörung kann meist mit einem Hörgerät versorgt werden oder in schwerwiegenderen Fällen mit einem Cochlea Implantat. Ein Cochlea Implantat, ist ein Gerät, das einen Schall in elektrische Impulse umwandelt.[20] Es besteht aus mehreren Teilen. Zum einen das Implantat, das unter die Haut hinter dem Ohr implantiert wird und dem Sprachprozessor, der wie ein normales Hörgerät getragen wird. [21]

Ein Schall wird mit Hilfe des Sprachprozessors mit Mikrofon aufgenommen. Sobald dieser den Schall in elektrische Impulse umgewandelt hat leitet er diese über das Kabel an die Spule weiter. Das Signal wird von der Spule, die durch Magnetkraft über dem Implantat festgehalten wird, durch die Haut an das Implantat weitergeleitet. Über die Elektrode wird das Signal an die Cochlea (Hörschnecke) weitergeleitet. Nun muss das Signal nur noch vom Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet werden.[22]

3. Zentrale Hörstörung

Im Gegensatz zu den oben genannten Hörstörungen ist bei der Zentralen Hörstörung das Hörorgan intakt. Bei dieser Hörstörung kann einerseits die Weiterleitung der Höreindrücke an das Gehirn ein Problem darstellen, da die Übertragung über den Hörnerv entweder zu langsam oder fehlerhaft ist. Andererseits kann das Problem allerdings auch bei der Verarbeitung der Höreindrücke im Gehirn selbst liegen.[23]

Die Folgen dieser Störung sind enorm. Die Betroffenen haben Probleme bei der auditiven Wahrnehmung, das heißt, sie haben nicht die Fähigkeit, sich einem Schall zuzuwenden und diesen bewusst wahrzunehmen. Außerdem reagieren sie empfindlich gegenüber Störlärm, das heißt, dass sie Probleme bekommen jemandem zuzuhören, wenn andere um sie herum auch noch reden oder sonstige Lärmquellen vorhandensind, die für Menschen ohne Hörstörung gar nicht laut genug wären, um zu stören, beziehungsweise Geräusche die Menschen ohne Hörstörungen einfach ausblenden können („kategoriale Wahrnehmung“[24] ). Zudem ist die Hörgedächtnisspanne bei Menschen mit Zentraler Hörstörung eingeschränkt, das heißt, es ist den Betroffenen nicht möglich akustische Reize, die kurz aufeinander folgen, wahrzunehmen wie zum Beispiel kurze Melodien, Zahlenreihen oder einfach nur Wörter. [25]

[...]


[1] Sprachentwicklung und Sprachförderung, beobachten – verstehen – handeln/ Uta Hellrung/ Herder Verlag 2006; S. 55

[2] Sprachentwicklung und Sprachförderung, beobachten – verstehen – handeln/ Uta Hellrung/ Herder Verlag 2006; S. 55

[3] Sprachentwicklung und Sprachförderung, beobachten – verstehen – handeln/ Uta Hellrung/ Herder Verlag 2006; S. 132

[4] Wie Kinder sprechen lernen: Kindliche Entwicklung und die Sprachlichkeit des Menschen/ Wolfgang und Jürgen Butzkamm/ Francke Verlag 1999; S. 44+45

[5] http://www.stimm-und-sprachtherapie.de/myo.pdf

[6] www.bvss.de

[7] http://www.calsky.com/lexikon/de/txt/g/ge/geha_rlosigkeit.php

[8] http://www.peter-hug.ch/lexikon/Taubstummheit

[9] http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Taubstummheit

[10] http://www.calsky.com/lexikon/de/txt/g/ge/geha_rlosigkeit.php

[11] http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Taubstummheit

[12] http://www.calsky.com/lexikon/de/txt/t/ta/taubstummheit.php

[13] http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,4968/ticket,g_a_s_t

[14] http://www.gehoerlosblog.de/allgemein/taubstumm-eine-beleidigung-fur-gehorlose.htm

[15] Sprachentwicklung und Sprachförderung, beobachten – verstehen – handeln/ Uta Hellrung/ Herder Verlag 2006; S. 133+134

[16] Sprachentwicklung und Sprachförderung, beobachten – verstehen – handeln/ Uta Hellrung/ Herder Verlag 2006; S. 133+134

[17]: Sprachentwicklung und Sprachförderung, beobachten – verstehen – handeln/ Uta Hellrung/ Herder Verlag 2006; S. 134

[18] http://www.calsky.com/lexikon/de/txt/g/ge/geha_rlosigkeit.php

[19] Sprachentwicklung und Sprachförderung, beobachten – verstehen – handeln/ Uta Hellrung/ Herder Verlag 2006; S. 134

[20] Sprachentwicklung und Sprachförderung, beobachten – verstehen – handeln/ Uta Hellrung/ Herder Verlag 2006; S. 134

[21] http://www.dcig.de/das-cochlea-implant.htm

[22]: http://www.dcig.de/das-cochlea-implant.htm

[23] Sprachentwicklung und Sprachförderung, beobachten – verstehen – handeln/ Uta Hellrung/ Herder Verlag 2006; S. 134

[24] Wie Kinder sprechen lernen: Kindliche Entwicklung und die Sprachlichkeit des Menschen/ Wolfgang und Jürgen Butzkamm/ Francke Verlag 1999; S. 44

[25] Sprachentwicklung und Sprachförderung, beobachten – verstehen – handeln/ Uta Hellrung/ Herder Verlag 2006; S. 134

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Hindernisse beim Erstspracherwerb
Untertitel
Hörprobleme, Stottern und Myofunktionelle Störung
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V283552
ISBN (eBook)
9783656832706
ISBN (Buch)
9783656830818
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hindernisse, erstspracherwerb, hörprobleme, stottern, myofunktionelle, störung
Arbeit zitieren
Kathrin Metzger (Autor:in), 2011, Hindernisse beim Erstspracherwerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283552

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