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Die Nachfeldbesetzung des deutschen Satzes. Ein sprachliches Mittel zur Gestaltung von Pointen

Title: Die Nachfeldbesetzung des deutschen Satzes. Ein sprachliches Mittel zur Gestaltung von Pointen

Term Paper , 2011 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Silke Stecher (Author)

German Studies - Linguistics
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Ein Witz bringt uns zum Lachen, weil wir urplötzlich in unerwartete Zusammenhänge eingeweiht werden. Eine uns vertraut erscheinende Wirklichkeit wird durch die Pointe umgestoßen. Die Pointe ist der entscheidende Teil eines Witzes oder eines schlagfertigen Spruchs – der Teil, der den Zuhörer zum Lachen bringt. Aufgabe dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob sich der geistreiche Schlusseffekt eines Witzes auch in einer besonderen syntaktischen Gestaltung der Pointe widerspiegeln kann. Genauer gesagt, ob gemäß dem Motto „Und das Beste kommt zum Schluss…“ die Nachfeldbesetzung beim letzten Satz der Pointe eventuell eine wichtige Rolle spielt. Der komische Effekt einer Pointe beruht oft darauf, dass der Hörer eines Witzes überrascht wird und auf einmal einen Zusammenhang zwischen zwei auf den ersten Blick nicht zusammenpassenden Konzepten erkennt.
[...]
Viele Pointen basieren auf einer Skriptopposition. Wörter und Begriffe sind in einem gewissen semantischen Umfeld eingebettet, das bei dem Zuhörer Assoziationen hervorruft und Erwartungen weckt – dem sogenannten Skript. Der erste Teil des anfänglich zitierten Witzes ist in das Skript „ängstlicher Patient“ eingebettet. Dann kippt dieses Skript um und wir stellen fest, dass wir es gar nicht mit einem extrem ängstlichen Patienten zu tun haben, sondern mit einem Arzt, der Angst davor hat die Operation durchzuführen. Dieser Skriptwechsel provoziert den komischen Effekt und bringt den Zuhörer im besten Fall zum Lachen.
Die Hypothese meiner Arbeit lautet, dass bei einer Pointe das Nachfeld des letzten Satzes eine wichtige Rolle spielen kann, weil es – um bei der Metapher mit dem Puzzle zu bleiben – das letzte und wichtigste Puzzleteil liefert. Das Puzzleteil, welches das Bild im Kopf des Lesers bzw. Zuhörers vervollständigt und den verblüffenden und unvermuteten Zusammenhang evoziert. Desweiteren denke ich, dass das Wissen um die Inkongruenztheorie des Witzes und die Tatsache, dass die bewusste Stellung eines Satzgliedes ins Nachfeld des deutschen Satzes sehr stark zur Rhematisierung dieses Satzgliedes beitragen kann, geeignete „Werkzeuge“ sind, um selbst Witze bzw. Punchlines zu schreiben.
Deshalb gliedert sich diese Arbeit in zwei Teile. Der theoretische Teil beschäftigt sich zuerst mit den möglichen Nachfeldbesetzungen des deutschen Satzes. Im praktischen Teil dieser Arbeit werde ich eigene Witze bzw. Punchlines kreieren, deren Pointe ganz bewusst auf dem stilistischen Mittel einer Nachfeldbesetzung beruht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Hypothese und methodisches Vorgehen

1.2. Kurze Einführung in die Inkongruenztheorie des Witzes

2. Klassifikation und Funktion der Nachfeldbesetzung im Deutschen

2.1. Klassifikation der fakultativen Nachfeldbesetzungen

2.2. Die Nutzung des Nachfelds für kommunikative Zwecke

3. Empirische Evidenz

4. Die Nachfeldbesetzung – ein „Werkzeug“ zur Gestaltung von Pointen?

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachwissenschaftliche Hypothese, ob die syntaktische Struktur der Nachfeldbesetzung im Deutschen gezielt als rhetorisches Mittel genutzt wird, um Pointen in Witzen oder Punchlines effektiver zu gestalten und den Überraschungsmoment beim Rezipienten zu maximieren.

  • Syntaktische Topologie des deutschen Satzes (Vorfeld, Mittelfeld, Nachfeld)
  • Inkongruenztheorie des Witzes als kognitive Grundlage
  • Klassifikation von Ausklammerungsstrukturen nach Hans Altmann
  • Rhematisierung und kommunikative Rationalisierung als funktionale Aspekte
  • Empirische Anwendung und kreativer Selbstversuch zur Pointen-Generierung

Auszug aus dem Buch

Die Nutzung des Nachfelds für kommunikative Zwecke

In der menschlichen Sprache geht es fast immer um den Austausch von Informationen. Deswegen ist es auch unser Bestreben, unsere sprachlichen Äußerungen so zu gestalten, dass die Informationen, die wir vermitteln wollen, möglichst gut zur Geltung kommen.

Im Rahmen der Informationsstruktur ermöglicht die Nutzung des Nachfelds zum Beispiel, die Informationsmenge in kleinere, besser „verdauliche“ Informationsblöcke aufzuteilen. Das überfrachtete Mittelfeld wird entlastet und der Hörer bzw. Leser eines Satzes muss nicht mehr so lange auf das die Satzbedeutung konstituierende Verb warten. Ursula Hoberg, die insgesamt drei Hauptfunktionen der Nachfeldbesetzung voneinander unterscheidet, nennt diese Entlastung des Mittelfeldes die „kommunikative Rationalisierung“. Die Nachfeldbesetzung zum Zweck der Kommunikationserleichterung ist nicht an bestimmte Elemente gebunden, d.h. alle nachfeldfähigen Elemente – Satz- und Infinitivkonstruktionen und Phrasen – können zum Zweck der „kommunikativen Rationalisierung“ aus dem Satzrahmen ausgeklammert und ins Nachfeld gestellt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Witzes, Vorstellung der Pointe als kognitives Überraschungsmoment und Formulierung der Arbeitshypothese bezüglich der syntaktischen Nachfeldbesetzung.

1.1. Hypothese und methodisches Vorgehen: Erläuterung der Skriptoppositionstheorie und Vorstellung des methodischen zweigeteilten Aufbaus (theoretische Grundlagen und praktischer Selbstversuch).

1.2. Kurze Einführung in die Inkongruenztheorie des Witzes: Definition von Inkongruenz als linguistisches und kognitives Phänomen, das für die Funktionsweise von Witzen essentiell ist.

2. Klassifikation und Funktion der Nachfeldbesetzung im Deutschen: Darstellung der topologischen Satzfelder im Deutschen und Abgrenzung zwischen obligatorischen und fakultativen Nachfeldbesetzungen.

2.1. Klassifikation der fakultativen Nachfeldbesetzungen: Differenzierung verschiedener Ausklammerungstypen wie Extraposition, Rechtsversetzung und Apposition nach den Kriterien von Hans Altmann.

2.2. Die Nutzung des Nachfelds für kommunikative Zwecke: Analyse der Funktionen von Nachfeldbesetzungen, insbesondere hinsichtlich Informationsstruktur, Rhematisierung und kommunikativer Rationalisierung.

3. Empirische Evidenz: Anwendung der theoretischen Klassifikationen auf eine Sammlung von Witzen aus Print- und Internetquellen zur praktischen Verifizierung der Hypothese.

4. Die Nachfeldbesetzung – ein „Werkzeug“ zur Gestaltung von Pointen?: Beschreibung eines Selbstversuchs, bei dem mittels bekannter syntaktischer Muster gezielt neue Pointen entwickelt wurden.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die bestätigt, dass Nachfeldbesetzungen als effizientes, wenn auch nicht als alleingültiges, Mittel zur Pointensteuerung dienen können.

Schlüsselwörter

Nachfeldbesetzung, Ausklammerung, Pointe, Inkongruenztheorie, Syntax, Rhematisierung, Informationsstruktur, Witzforschung, Sprachwissenschaft, linguistische Pragmatik, Satztopologie, Punchline, kommunikative Rationalisierung, deutsche Grammatik, Herausstellungsstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob die syntaktische Konstruktion des deutschen Satzes, insbesondere die Nutzung des Nachfelds, als bewusstes Werkzeug eingesetzt werden kann, um Pointen in Witzen effektiver zu gestalten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung verknüpft grammatische Satzstrukturen (Syntax) mit pragmatischen Aspekten der Sprachverwendung und kognitionspsychologischen Modellen des Witzverständnisses.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, ob der Überraschungseffekt einer Pointe durch die gezielte Positionierung von Informationen im Nachfeld syntaktisch unterstützt oder sogar erzeugt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse zu syntaktischen Modellen (u.a. von Hoberg und Altmann) sowie eine empirische Analyse von Witzbeispielen und einen praktischen Selbstversuch.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einordnung der Nachfeldbesetzung, deren Klassifikation sowie die praktische Anwendung dieser Strukturen bei der Analyse und Konstruktion von Witzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Nachfeldbesetzung, Ausklammerung, Pointe, Rhematisierung und Satztopologie charakterisiert.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen obligatorischen und fakultativen Nachfeldbesetzungen?

Obligatorische Nachfeldbesetzungen sind syntaktisch notwendige Nebensätze, während fakultative Besetzungen grammatikalisch gesehen auch innerhalb des Satzrahmens stünden, aber bewusst ins Nachfeld verschoben werden, um Informationen hervorzuheben.

Welche Rolle spielt die „Puzzlemetapher“ im Zusammenhang mit der Pointe?

Die Metapher verdeutlicht, dass die Pointe das letzte, fehlende Puzzleteil liefert, welches das bisherige Bild im Kopf des Rezipienten schlagartig umdeutet und so den komischen Aha-Effekt auslöst.

Warum ist die „Inkongruenztheorie“ für die Analyse wichtig?

Sie erklärt, warum Pointen überraschen müssen: Der Rezipient muss mit einer Erwartung in die Irre geführt werden, die durch die Pointe in einem neuen, unerwarteten, aber dennoch sinnvollen Kontext aufgelöst wird.

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Details

Title
Die Nachfeldbesetzung des deutschen Satzes. Ein sprachliches Mittel zur Gestaltung von Pointen
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,0
Author
Silke Stecher (Author)
Publication Year
2011
Pages
24
Catalog Number
V283648
ISBN (eBook)
9783656836629
ISBN (Book)
9783656836636
Language
German
Tags
nachfeldbesetzung satzes mittel gestaltung pointen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Silke Stecher (Author), 2011, Die Nachfeldbesetzung des deutschen Satzes. Ein sprachliches Mittel zur Gestaltung von Pointen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283648
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